Interview über Interviews mit: Zimt

>>Zimt<<

„Ich finde es blöd, wenn man so gar keine Herzlichkeit zeigt.“

Zimt ist entweder das subversivste Pop-Gewürz oder die Band, die für immer nach Weihnachten schmeckt. Im August 2017 haben die Drei Augsburger ihr Debütalbum “Glückstiraden” bei Tapete Records veröffentlicht. Den Kontakt stellte – ganz selbstlos – ihr bisheriger Labelchef und Freund Ronny Pinkau von Kleine Untergrund Schallplatten her. Einfach, weil er fand, dass der Schritt der Band guttun würde. In Leipzig spreche ich mit Janina Kölbl, Isabella Theil und Ralf Déteste über die Interviewerfahrungen, die sie mit der Veröffentlichung der Platte gemacht haben.

Die drei Bandmitglieder Backstage
Noch besser Leben mit Zimt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview am 26.06.2018, Leipzig Nochbesserleben

Kurz nach 20:00 bin ich im Noch besser leben, der Kneipe, in der Zimt heute spielen. 21:00 soll es losgehen. 20:15 ist das Interview angesetzt und jetzt sind die Drei aus Augsburg noch beim Soundcheck. Sie sind erst vorhin aus Prag gekommen. Als wir 15 Minuten später zusammen sitzen, ist Isabella noch unterwegs und organisiert das Abendbrot. Journalistisch ist die erste Frage jetzt nicht clever, menschlich aber unbedingt notwendig.

Habt Ihr jetzt überhaupt noch Lust auf das Interview?

Ralf: Ja klar. Das ist ja normaler Tour-Alltag.

Ihr habt also schon geahnt oder gewusst, dass der Zeitplan sehr eng ist. Warum habt Ihr denn trotzdem zugesagt, das Interview zu machen? 


Janina: Na, weil es interessant klang. Es soll ja ein Interview über Interviews sein. Das ist mal was Anderes und nicht wie die normalen Interviews.

Wie sind denn die normalen Interviews?


J: Das ist meistens erst einmal die allgemeine Vorstellung der Band. Dann die Rechtfertigung: Was macht Ihr für Musik? Wer sind Eure Vorbilder…
R: …Bandname erklären.
J: Ja genau, der Bandname.

Und mit welchen Erwartungen seid Ihr in dieses Interview gegangen? 


R: Ach mit gar nicht so besonderen. Vielleicht, dass Du interessante Geschichten erzählst.

Na erzählen sollt eigentlich IHR ja. Ich kitzele das raus. Und mit dem Bandnamen habt Ihr ein schönes Stichwort gegeben… Wie geht Ihr denn damit um, wenn Ihr immer das Gleiche gefragt werdet?


J: Entspannt. Wir erzählen dann auch immer mal ein bisschen unterschiedliche Geschichten… Wobei gerade beim Bandnamen habe ich dann schon eine Standardantwort, wenn wir halt zum vierten oder fünften Mal gefragt werden, warum wir Zimt heißen. Aber ich find das gar nicht so gut mit der Routine.
R: …oder auch bei der Kennenlern-Geschichte. Da denkt man manchmal gar nicht mehr so drüber nach und wenn man das ein paar Mal erzählt, glaubt man sich das selbst.

Referenzen und Vergleiche

Also wir nehmen prinzipiell natürlich jedes Interview ernst.

Bei Referenzen und Vorbildern habe ich mitunter das Gefühl, dass das der Fall ist. Ich glaube Euch natürlich, dass Ihr Velvet Underground mögt, wie es häufiger zu lesen war, aber das verselbstständigt sich auch, oder? 


J: Ja schon. Da wird vor allem im Musikjournalismus vielleicht etwas hineininterpretiert und wir denken uns dann: Ja, aber das könnte schon sein. Auf manche Bands, mit denen wir jetzt in Verbindung gebracht werden, sind wir selbst noch gar nicht gekommen.

Ist es aber manchmal auch spannend, im Interview auf Sachen hingewiesen zu werden, auf die Ihr selbst noch nicht gekommen seid?

J: Ach klar. Bei den Referenzen zum Beispiel kam auch einmal Cocteau Twins
R: … Da wollte der Interviewer darauf hinaus, ob wir die älteren Referenzen überhaupt alle kennen. Wir sind ja eigentlich ein anderer Jahrgang. Und da habe ich dann auch Cocteau Twins genannt.
J: Das wurde dann auch tatsächlich öfters aufgegriffen und hat sich etwas verselbstständigt.

Macht es das für Euch interessanter, wenn Ihr dann auch mal neue Geschichten erzählt? 


R: Naja, es ist manchmal eher eine Frage, was besser ankommt. Gerade, wenn es um das Thema Frauenband geht. Da passt es gut, wenn wir erzählen, dass sich Janina und Isabella beim FemmeJam kennengelernt haben, einer Veranstaltung, bei der sich nur Frauen zum Musikmachen treffen. Es stimmt zwar, dass sie sich da getroffen haben, aber es macht die Antwort für den Interviewer eben auch schmackhafter, weil klar ist, das ist ne Frauenband.
J: Wir erfinden ja auch nicht immer irgendwelche Geschichten… Nur mit dem Tocotronic-Konzert haben wir ein bisschen Quatsch erzählt. Aber das lag am Interview, das haben wir nicht ganz so ernst genommen…

Ach echt? Warum das nicht? Was sind denn Voraussetzungen dafür, dass Ihr etwas lascher an ein Interview geht?


R: (lacht) Also wir nehmen prinzipiell natürlich jedes Interview ernst. Aber da wollte der Interviewer wohl auf das Post-Hamburger-Schule-Ding raus und da hat sich das mit Tocotronic einfach angeboten. Es sollte auch ein bisschen witzig sein.
J: Es lag auch daran, dass das Interview ein Freund von uns gemacht hat. Das war ja fürs Kaput-Mag und wir kennen den persönlich. Wir nehmen sonst natürlich jedes Interview ernst. Aber hier war es etwas witziger und wir kennen eben das Konzept des Magazins.

Ist das eine legitime Art, an ein Interview heranzugehen: witzig und in erster Linie unterhaltsam? 


R: Also ich lese die Interviews im Kaput Mag immer gerne. Die Leute sind einfach so und da hast Du dann absatzweise kurze, knappe und witzige Antworten.

Von KaputMag bis Deutschlandfunk

Beim Stadtmagazin kennt man die Leute. Augsburg ist ja nicht so groß…

Könnt Ihr Euch noch an das erste Interview erinnern, das Ihr gegeben habt?


R: Das erste Interview haben wir, glaube ich, für den Zündfunk auf Bayern2 gegeben. Das ist eher der alternativere Sender in Bayern. Der Moderator hat uns aber auch sehr schnell Fragen nach Vorbildern gestellt…
J: …Aber ich glaube, unser erstes Interview war bei einem anderen Radiosender… Das war Deutschlandfunk Kultur.

Wow, da hätte ich eher erwartet, dass es erst einmal Augsburger Fanzines und Magazine waren. Da gibt es ja auch einige…


J: Na, das war eher gleichzeitig. Die Augsburger Magazine kamen dann schon auch. Aber das erste Interview war schon Deutschlandfunk. Weil wir gleich so viele Rezensionen bekommen hatten, kamen die so schnell. Und dann auch die TAZ, wo wir schon gedacht haben: Wow, aufregend.

Fandet Ihr diesen Einstieg gleich mit Deutschlandfunk gut oder eher nicht?


J: Doch schon. Es war natürlich aufregend und wir waren happy darüber. Man hätte es aber einfach nicht erwartet.

Habt Ihr dabei auch Unterschiede zwischen zum Beispiel Zündfunk und einem Stadtmagazin festgestellt?


R: Auf jeden Fall. Beim Stadtmagazin kennt man die Leute. Augsburg ist ja nicht so groß…
J: Deutschlandfunk ist da einfach hochwertiger. Die beschäftigen sich professionell damit und man merkt, die haben recherchiert. Beim Stadtmagazin kommen schon mal Standardfragen.

Beim Deutschlandfunk kam aber auch die Frage nach dem Namen…


R: (lacht) Ja, er wollte das bestätigt wissen. Stimmt.

Die Rolle der Interviewenden

Eine gewisse Distanz ist schon ganz gut, weil man da auch Sachen sagen kann, die der Interviewer nicht weiß und man das Gespräch so interessanter gestalten kann.

Aber trotzdem erstaunlich, dass Ihr diese Erfahrung gemacht habt. Gerade, wenn Ihr die Interviewer kennt. Empfindet Ihr das denn als angenehm, wenn Ihr Euch kennt, oder tut eher eine gewisse Distanz zum Interviewer gut?


R: So eine Distanz ist schon ganz gut, weil man da auch Sachen sagen kann, die er nicht weiß und man das Gespräch so interessanter gestalten kann. Der Interviewer, der einen kennt, weiß vielleicht, dass man drei Jahre lang an der Produktion gearbeitet hat und sagt dann: So, jetzt habt ihr es endlich geschafft. Der Interviewer beim Deutschlandfunk hingegen kriegt das Album zugeschickt, hört es erst einmal unvoreingenommen an und stellt dann seine Fragen.

Das widerspricht aber ein bisschen der Klage der Journalisten, dass Zimt als Bandname ungooglebar ist. Denn das ist ja schon bezeichnend für so einen Komfortjournalismus, bei dem man sich ein Interview aus den ersten Suchergebnissen zusammenbasteln kann.


R: Ja stimmt. (überlegt)

J: (etwas zögerlich) Also man findet uns ja schon. Man muss halt etwas hinzufügen: Band, Indiepop, Augsburg…

Eine intensivere, hintergründigere Recherche heißt aber auch, dass vielleicht Fragen gestellt werden, auf die Ihr nicht vorbereitet seid. Wäre Euch das lieber?


R: Auf jeden Fall. Das finde ich viel cooler, weil man da viel  ehrlicher antworten kann. Man ist nicht so befangen und muss nicht überlegen, was man beim letzten Mal geantwortet hat, und denkt, man müsste wieder auf die selbe Schiene gehen.

Mögt Ihr es dann generell überhaupt, Interviews zu geben?


R: Total gerne.

Was ist das Gute dran? 


R: …dass man immer wieder neue Sachen erzählen kann.
J: Und Du zum Beispiel nimmst Dir Zeit. Beim Deutschlandfunk hat man da schon mal auch nur fünf Minuten für ein Interview. Da geht es dann eben Frage-Antwort-Frage-Antwort. Jedes Interview ist anders.

In dem Moment kommt auch Isabella mit dem Essen dazu. Wir rutschen zusammen.


Isabella beim Konzert

 

 

 

Das Interview als Image-Werkzeug

Schlimm wäre es, wenn man seine Texte dekonstruiert.

Wir haben vorhin schon darüber gesprochen, dass die Interviewfragen mitunter aus den ersten zehn Ergebnissen der Suchmaschine gebastelt werden und sich wiederholen. Kann man das als Band nicht nutzen und über zum Beispiel Pressetexte gezielt ein paar Themen forcieren?


R: Ja, aber das machen ganz viele. Dann hast Du eben zum Beispiel bei bekannten Bands wie Wanda ein Markenzeichen „Austro-Pop“.

Welche Rolle spielen denn dann Interviews für Eure Arbeit als Band? 


R: (überlegt) Hm. Schwierig. Da kann man mit dem Image spielen. Wenn eine Band auf der Bühne so bad-ass-mäßig ist, merkt man im Interview häufig, dass sie eigentlich gar nicht so ist. Da sind die vielleicht total freundlich und nahbar.
I: (etwas zögerlich) Jaaa. Aber gerade bei kurzen Interviews ist es ja auch schwierig, sich authentisch darzustellen. Das hat auch etwas mit Schlagfertigkeit zu tun. Es muss einem bei der Frage ja auch genau das einfallen, was man sagen will.
 Man macht sich ja ständig Gedanken, ob man das Richtige sagt und will nicht das Falsche sagen.

Was wäre denn das Falsche oder Richtige?


R: Schlimm wäre es, wenn man seine Texte dekonstruiert zum Beispiel, also im Interview eine andere Aussage hat als in den Texten. Das will keiner…
J: …da muss man aufpassen, was man sagt. Man will ja auch richtig rüberkommen.

Zitate und Halbwahrheiten

Wir haben weniger bereut, was wir gesagt haben, sondern eher, wie es vom Interviewer dargestellt wurde.

Dafür kann man das Interview aber auch autorisieren lassen. Ist es Euch denn schon mal passiert, dass Ihr bereut habt, etwas gesagt zu haben? 


I: Weniger bereut, was wir gesagt haben, sondern eher, wie es vom Interviewer dargestellt wurde. Da hat er Sachen entweder falsch verstanden oder falsch dargestellt.
R: Als Interviewer hat man da eine so unwahrscheinliche Gewalt drüber, wie man das zusammenschreibt.

Und die Autorisierung ist da keine Hilfe für Euch?


R: Ehrlich gesagt haben wir kaum Interviews noch einmal vorgespielt oder zu lesen bekommen. Eigentlich nur beim Kaput-Mag, wenn ichs mir richtig überlege.

Beim Hörfunk ist es tatsächlich auch schwierig. Aber welche falschen Zitate sind Euch denn da in Erinnerung, mit denen Ihr nicht so glücklich wart?


I: Keine bösartigen Sachen, aber zum Beispiel wurden Sachen, die Janina gesagt hat, mir zugeschrieben. Man weiß halt, das stimmt einfach nicht. Der Interviewer hatte aber auch kein Aufnahmegerät dabei, sondern hat mitgeschrieben. Sonst wäre das vielleicht auch nicht passiert.
R: Ich finde es blöd, wenn man so gar keine Herzlichkeit zeigt. Du kannst als Band nicht sagen, dass Du das Interview gerne geben möchtest und dann total arrogant und einsilbig antworten. Das ist nicht authentisch.
I: Es ist aber auch schwierig, authentisch zu sein, weil der Interviewer ja das Thema bestimmt. Dann ist es vielleicht eines, das Dir gar nicht so wichtig ist und ein anderes konntest Du gar nicht unterbringen, weil es die Fragen gar nicht zugelassen haben.

Welche Rolle spielt dabei denn das Wissen, dass das Gespräch veröffentlicht wird?


J: Also, das macht nicht unbedingt Angst, wenn Du das meinst. Es ist eher Neugierde, weil man sich fragt, was der Interviewer verwendet. Da ist es auch ein Unterschied, ob das Interview live ist oder ein gedruckter Artikel. Beim Live-Interview kann man ja nichts verdrehen.
I: Da ist man aber aufgeregter.

Die Formen des Interviews

Bei einem Gespräch, wie wir es jetzt führen, überlegst Du hinterher immer, ob Du es nicht doch hättest anders formulieren können.

Es scheint also für die Interviewformen jeweils Vor- und Nachteile zu geben. In welcher Situation fühlt Ihr Euch denn am wohlsten?


I: Am entspanntesten war für mich das Interview mit dem Kaput-Mag. Das ging ganz einfach zwanglos hin und her.
J: Das war eben per Mail. Da kann man in Ruhe ausformulieren. Er hat es aber auch gut gemacht und nach den ersten allgemeineren Fragen noch mal Fragen geschickt, als hätten wir ein ganzes Interview gemacht. 
Bei einem Gespräch, wie wir es jetzt führen, überlegst Du hinterher immer, ob Du es nicht doch hättest anders formulieren können. Und beim Radiointerview wird es noch eins zu eins mitgeschnitten…
R: …das finde ich zum Beispiel besser. Das ist aus dem Stegreif und es kommt wies kommt.
I: Ich finde es generell wichtig, dass die Gesprächsatmosphäre gut ist und dass der Interviewer auch von sich was preisgibt. Dann fühle ich mich eher dazu angeregt, etwas von mir zu erzählen.
J: Wenn Du unsere Musik magst und entsprechend positiv an das Interview rangehst, ist das natürlich auch angenehm. Das kann man ja nicht immer voraussetzen.
R: Es ist schon vorgekommen, dass man dann einen Bericht liest, bei dem einfach beschrieben wird, was passiert, aber ohne jede Meinung oder Lob und Kritik.

Mich hatte es ja fast ein wenig gewundert, dass Ihr nicht mehr mit Referenzen zu Augsburger Bands wie Nova International oder Anajo konfrontiert worden seid…


R: …ja, aber das ist ja auch mega lange her.

Stimmt. Stattdessen wurde Eure Musik immer wieder als DIY und rumpelig beschrieben. Das finde ich ja wieder bezeichnend für die gängigen Radioformate. Sicher macht Ihr keinen glatt gebügelten Pop, aber doch so zugänglich, dass ich das schon gerne im Radio gehört hätte.


R: (zögert ein bisschen) Es war tatsächlich so, dass wir für die Promotion überlegt haben, welcher Song jetzt am radiotauglichsten ist. Die Journalisten hören eben unglaublich viel und haben kaum Zeit. Aber es verfälscht natürlich die Kunst, wenn man so herangeht.
J: Es passiert ja auch fast nie, dass man sich als Band vorher zusammensetzt und über diese Interviewthemen redet. Das merkt man dann vielleicht beim Interview: Ach das würde mich jetzt interessieren.

Macht und Spiele

Und am Ende entscheidet der Interviewer auch, was da steht. Das steht dann da aber natürlich auch wirklich fest dokumentiert, vor allem bei gedruckten Interviews.

Ihr könntet solche Gespräche, wie wir das jetzt tun, aber auch Backstage oder mit anderen Bands sogar führen. Wäre das ein Unterschied?


J: Schon. Du leitest ja das Interview und führst uns zu einem Punkt, über den wir uns noch keine Gedanken gemacht haben.
R: Der Interviewer hat mehr Macht.

Naja, Du kannst als Gast aber schon auch einfach das Arschloch geben und einsilbig dasitzen.


R: Aber Du musst trotzdem liefern, irgendetwas. Der Interviewer kann sich ja nicht einfach etwas ausdenken, wenn es kein Gespräch gab. Und am Ende entscheidet er auch, was da steht. Das steht dann da aber natürlich auch wirklich fest dokumentiert, vor allem bei gedruckten Interviews.
I: Aber natürlich kannst Du auch als Band bis zu einem bestimmten Grad reagieren und durch die weiterführenden Fragen kommst Du dann vielleicht auch an den Punkt, an den Du hinwillst.

Welche Rolle spielt das Dokumentarische beim Interview denn heute noch, wenn man durch Timelines und Snapchat gewohnt ist, dass alles gleich wieder verschwindet?


J: An so eine Präsenz in Internet ist man natürlich schon gewohnt und auch, dass viel mitgeschnitten wird.

Aber Ihr legt nicht so viel Wert auf eine Inszenierung in den Medien.


R: Nein, gar nicht. Aber es gibt bei uns auch nicht die absolute Frontfrau. Das ist eher gleichberechtigt. Bei Wir sind Helden zum Beispiel stand Judith Holofernes ganz vorne.
J: Da wird dann eben explizit die Sängerin zum Interview eingeladen. Das ist uns tatsächlich nur einmal passiert. Da wurde nach den Texten gefragt und da bin ich als Sängerin dann eben zuständig.
Fandet Ihr das angemessen? Dreist? …?
J: Ich fand es irritierend.
R: Ich kann es irgendwie nachvollziehen. Es ist aber auch ein bisschen einfach.

Dann kommt ja auch häufig die Frage, was die Texte bedeuten…


J: Das ist ganz schwierig. Das kann und will man ja gar nicht so erklären.
R: Ich finde, das ist aber schon besser geworden, was sicher auch daran liegt, dass es mittlerweile so viele deutschsprachige Bands gibt. Vor 30 Jahren war das noch anders, Fehlfarben zum Beispiel mussten sich ja extrem erklären.

Hm. Wenn es Medien gibt, die fordern können, dass sie mit der Sängerin sprechen, hat das was mit Hierarchie zu tun? Je größer das Medium ist, desto mehr Forderungen können sie stellen und im Gegenzug kann die Band umso mehr fordern, je bekannter sie ist?


J: Ja klar. Da war es die TAZ und dann gab es noch den Fall, da hat ein Fanzine angefragt. In der Mail stand dann: „Ist es möglich, mit ihr zu sprechen“. Dabei sind wir doch jetzt nicht DIE Stars…

Ich finde das aber nett. Das hat ja auch etwas mit Respekt zu tun. Ihr nehmt Euch die Zeit. Und in unserem Fall jetzt eben noch kurz vor dem Auftritt…


J: Ja, aber das geht sich aus. Und es hat Spaß gemacht.


 

Sender und Magazine

Referenzen

 

Tempi Passati – Der teuflische Plan

Tempi Passati – Der teuflische Plan

Tempi Passati sitzen im Cafe
Tempi Passati (TP)

Tempi Passati haben am 31.8. ihr viertes Album veröffentlicht. “Der teuflische Plan” heißt es und dass es schon das vierte Album der Band ist, zeigt, dass die vier Musiker keine Newcomer mehr sind.
Der Sänger und Texter der Band ist Raik Hessel, in der Leipziger Musikszene schon seit den 1990ern aktiv. Er ist auch die treibende Kraft der Band.

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Interview über Interviews mit: Mrs. Pepstein

>>Mrs. Pepstein<<

„Interviews, die Ihr nur macht, um ein Interview zu machen, könnt Ihr Euch sparen.“

 

Mrs Pepstein

Mrs. Pepstein ist eine Macht an den Reglern und am Mikro. Sie ist Radiomoderatorin, DJane, Interviewerin oder auch einfach: Gastgeberin für Künstlerinnen und Bands. Ihr zweiter Name ist nicht etwa Katja Röckel – den hat sie sich nur für den Personalausweis zugelegt – sondern Netzwerk. Durch ihre journalistische Arbeit hat sie Kontakte zu Bands und Künstlerinnen geknüpft. Neben der Tatsache, dass sie diese Künstlerinnen schätzt, ist eine gemeisname Liebe zum Feminismus dafür eine gute Basis. In Leipzig lädt sie regelmäßig zur Interviewsendung Mrs. Pepsteins Welt auf Radio Blau ein. Lesetipp dazu: Hot Topic, ein Band über neue Ansätze des Feminismus im Pop.

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Sofia Härdig

Sofia Härdig  – Changing the order

PrintHeute erscheint “Changing the order”, das dritte Album der schwedischen Sängerin Sofia Härdig. ‘Willkommen in der Referenz-Hölle’ mag man (wieder) sagen. Es drängen sich aber auch Vergleiche mit Siouxsie and the Banshees, Depeche Mode und vielleicht sogar mit Pattie Smith auf, oder einfach das Label Dark Wave. Sofia Härdig verschreibt sich ohne Frage wieder einem Synthie- und Basslastigen Sound mit kühlem, distanzierten Gesang. So wird der Fluch der Referenzhölle unter Umständen sogar zum Segen: Er ermöglicht eine erste, einfache Beschreibung der Musik, die sonst in ein, zwei Sätzen kaum möglich wäre. Zudem sind Referenzen wie die genannten ja nicht die schlechtesten und sicher keine Beleidigung. Vor allem aber können sie als Ausgangspunkt dienen für einen Vergleich zu Sofia Härdigs Musik und wie sie den Dark Wave aus den 1970ern und1980ern weiter entwickelt hat.
So sehr in “Waiting” oder im Titeltrack “Changing the order” die Synthie-Sounds durchbrechen, so sehr dominieren auch die Beats die Tracks, eine Hommage an den House der 1990er. In dieser Mischung wirkt “Changing the order” nostalgisch-modern, zwischen technischer Errungenschaft und schon Vergangenheit, ähnlich wie das Telespiel aus den 1990ern.
Zeilen wie “Your lonliness is a god” bohren sich durch die Beats, geradlinig wie ein scharfes Messer. Der Gesang ist schärfer durch Effekte und Hall geschliffen als noch auf den ersten beiden Alben.
Und eine weitere Entwicklung fällt auf: Noch mehr gehen Gesang und Beats eine Symbiose ein, drehen sich um einander und verstärken sich. Bei “Let me fall” zum Beispiel entwickelt sich dadurch eine Energie, die in der eindringlichen Wiederholung der Titelzeile gipfelt: “Let me fall”, “Let me fall” immer wieder “Let me fall”.
Sofia Härdig weiß um die Eindringlichkeit der mantrigen Wiederholungen und ihrer Wirkung. Sie setzt sie beim Titeltrack “Changing the order” ein: Er braucht nicht viel mehr als diese Zeile und dazwischen übernehmen Drums und Bass den Song.
Die Energie des Dark Wave mag Sofia Härdig vielleicht Ausgangspunkt und Inspiration für das Album gewesen sein. Aus jedem der 12 Lieder spricht aber in erster Linie die experimentelle Freude daran, sich mit dem Gesang im Sound und Rhythmus zu verlieren, mit ihnen zu spielen und sich von ihnen treiben zu lassen.

VÖ: 20.4.2018 Solaris Empire/ Broken Silence