Interviewvorstellung: Thees Uhlmann bei er BamS

Der Alltag im Thema – Thees Uhlmann bei der BamS

Das muss wohl der Preis des Ruhms sein: Die BamS fragt für ein Interview an. Gerne auch bei Thees Uhlmann. Ich sage gerne: Es ist sehr amüsant zu lesen.

Scrabble mit den Worten Thema und Alltag

So bastelt man sich ein Interviewthema zusammen

Es ist so einfach. Ein Thema wie “Rockstars als Väter” kann sich eigentlich jede ausdenken. Und die möglichen Interviewpartner sind damit auch bestimmt. Rockende Väter halt. Ausgerechnet die BILD (genauer: die Bild am Sonntag) hat nun nach diesem Rezept ein sehr sympathisches Interview gebacken. Naja, eigentlich gar nicht “ausgerechnet”. Wenn nicht die BILD, wer sonst. Denn immerhin ist die Basis des Interviewrezepts die Schlichtheit.

Die Alltäglichkeit macht das Thema zugänglich, der Alltag den Interviewpartner zum Experten und die Bekanntheit des Interviewpartners das Interview glamourös. Dieses einfache Rezept verleitet natürlich dazu, relativ intuitiv und entsprechend zusammenhanglos Fragen vorzubereiten. Wenn sie einfach abgespult werden, wird sich natürlich nicht wirklich ein Gespräch entwickeln. Um das zu vermeiden, ist aber auch ein wenig Recherche nötig, denn bei Themen wie Vater-Sein wird es naturgemäß etwas privater. Das bedeutet natürlich immer eine Gratwanderung zwischen Oberflächlichkeit und Voyeurismus.

Und so sehr Thees Uhlmann Buddy ist, so sehr versucht er auch, seine Tochter aus dem Musiker-Dasein raus zu halten. Das fordert von Dorothee Apel und Christoph Hülskötter ein wenig mehr Recherche, um die Frage nach der Trennung zu stellen. Umso schöner, dass man dann erfährt, wie Thees Uhlmann mit seiner Tochter darüber spricht.

Weit weniger – beziehungsweise gar keine – Recherche braucht es für die Frage “tragen Sie beim Fahrradfahren jetzt einen Helm, wenn Ihre Tochter dabei ist?” Gut ist sie trotzdem, weil direkt aus dem Alltag und konkret, also mit hohem Identifikationspotential. In dieser Zwickmühle haben wir doch alle schon einmal gesteckt. An den Antworten auf diese einfachen Entscheidungsträgern zeigt sich die Einstellung zur Erziehung viel besser, als in der ausuferndsten Diskussion über repressive oder antiautoritäre Erziehung.

Die Frage ist deshalb besser als die anderen, wie:

“Was ist die gravierendste Veränderung als Vater?”

Oder

“Fühlt sich das Vater-Sein so an wie Sie es sich vorgestellt haben?”.

Dass auch hier die Antworten eine andere Seite eines hinlänglich bekannten Interviewpartners offenbaren, liegt zuerst einmal am Thema. Aber das ist ja legitim und will auch erst einmal gefunden sein.

 

Galore im neuen Format

Das gute Gespräch kommt zurück.

Was für ein schöner Claim für die neue Print-Version der Galore. So richtig weg war es ja nie, das Gespräch, es hat nur nach seinem Platz gesucht. Als A4 Print-Magazin mit mehrseitigem Lifestyle-Teil als werbende Ergänzung zu den Interviews hat es (wirtschaftlich) nur mäßig funktioniert. Deswegen wurde das Heft 2009 eingestellt und die Interviews online veröffentlicht. Auch diese Online-Version wurde einige Monate später eingestellt. Als Archiv ging der Inhalt wieder online. Im Abonnement hatte man darauf Zugriff bzw. konnte als Pay-Per-Download einzelne Interviews herunterladen.

Galore Logo

Galore.de

Nun gibt es das Interview-Magazin wieder im Print. Im handlichen 23x17cm-Format sind auf 92 Seiten 9 Interviews.
Die Lifestyle-Gadget-Tips sind geblieben.
Aber insgesamt wirkt das neue Galore reduzierter: reduzierter in der Größe, reduzierter in der Anzahl der Interviews und reduzierter im Design. Die Interviews sind immer noch mit hochwertigen Fotos bebildert. Die sind aber nicht schrill bunt und unruhig wie im alten Heft, sondern klarer und zurückgenommen ins Heftformat eingepasst.
Warum ich das so hervorhebe? Weil ich das neue Design ganz hervorragend finde und hoffe, dass es der Galore hilft, diese wunderbare Idee eines Interviewmagazins tragfähig an den Kiosken zu halten. Die Idee war schon 2003 gut und die Interviews auch. Beides wurde ins neue Heft gerettet. Außer dem Design hat sich nicht so viel geändert, selbst der Preis ist derselbe geblieben.

Zum Einstieg zur ersten neuen Ausgabe empfehle ich hier noch das Gespräch mit dem Chefredakteur Sascha Krüger auf Deutschlandradio:
Hier

Und unbedingt empfehlenswert ist auch das Interview von meiner lieben Kollegin Petrina Engelke mit der Überlebenden von Theresienstadt Margot Friedländer.


Update:

Michael Lohmann war so nett und hat mir ein paar Fragen zur neuen Galore beantwortet. Er ist der Herausgeber der Galore.

Welche Erwägungen stecken hinter dem neuen Design der Galore, das zurückgenommener, nicht so bunt und auch durch das kleinere Format reduzierter daher kommt?
Im Grunde machen wir da weiter, wo wir 2004 begonnen haben. Die ersten Galore-Ausgaben waren optisch nämlich sehr zurückgenommen, es war aber so, dass wir das Magazin im Laufe der Jahre angepasst haben, gemeinhin „lifestyliger“ geworden sind. In der Rückschau betrachtet haben wir aber zur Kenntnis genommen, dass der erste reduzierte Entwurf der war, der am besten zu Galore passt. Das Format ist in der Tat neu, und für uns war das durchaus eine Art optischer Blindflug, weil wir vorher noch nie in so einem Format gearbeitet haben und der Eindruck am Rechner und über Proofs nicht verbindlich sein kann. Wir sind mit dem Ergebnis der ersten Ausgabe zufrieden, wissen aber auch, dass wir noch ein paar Stellschrauben anziehen müssen. Das werden wir direkt mit der nächsten Ausgabe machen. Grundsätzlich glauben wir aber, dass das neue Format extrem gut zu einem Titel wie Galore passt, zumal wir dem Leser ganz bewusst nicht mehr als zehn Interviews im Monat präsentieren wollen. Galore soll „konsumierbar“ sein und seine Leser nicht mit Inhalt erschlagen, so wie es früher häufiger der Fall war.

2009 wurde Galore als Printversion eingestellt. Warum sollte die Printversion jetzt funktionieren?
Dafür sprechen viele Faktoren, u.a. die bereits genannten. Als Galore 2009 Schiffbruch erlitt, war das ja weniger einem schwindenden Interesse der Leser geschuldet, sondern der damaligen Weltwirtschaftskrise, die sich im Anzeigenverkauf deutlich bemerkbar gemacht hat. Zudem war ein recht großes Team für die Produktion von Galore verantwortlich, der Kostenapparat immens. Galore wird jetzt in deutlich schlankeren Strukturen produziert, und wir haben nicht das Gefühl, dass das auf Kosten der Qualität geht. Zudem führt das kleinere Format zu einer signifikanten Einsparung hinsichtlich Material. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Galore grundlegend geändert haben und wir heute auf Erfahrungswerte zurückgreifen können, die wir damals nicht haben konnten. Überdies stützt der Umsatz mit digitalen Inhalten das Gesamtgefüge, was ja seinerzeit auch nicht der Fall war.

Welche Erfahrungen haben Sie seit 2009 mit dem Webarchiv gemacht? War es eine gute Alternative zum Printmagazin? Wie wurde es von den Leserinnen angenommen?
Das Web-Archiv wurde 2009 sehr gut angenommen. Nur: was nützen hohe Zugriffszahlen, wenn es nicht möglich ist, das generierte Inventar auf einem Niveau zu monetarisieren, das die Refinanzierung des Angebots gestattet? Ungeachtet dessen halten wir die Inhalte von Galore für zu wertig, als dass man sie über die Resterampe Internet verschenken sollte. Ich erachte den damaligen Entschluss aus heutiger Sicht für falsch, zumal ich damals schon kein Freund von verschenkten Inhalten war. Der Gedanke, die Marke im Netz am Leben zu erhalten, war damals aber stärker als die Überzeugung, dass man wertvolle Inhalte nicht verschenken sollte.

Es ist auf jeden Fall eine sehr komfortable und elegante Bezahlversion: Die Leserinnen müssen kein zeitlich festgelegtes Abo abschließen, bei dem sie auch für Sachen zahlen, die sie nicht nutzen. Sie zahlen nur für die Inhalte, die sie lesen, müssen aber nicht jedes Mal – umständlich – Geld überweisen. Das Prinzip funktioniert bei Flattr ja auch ganz gut. 
Wer qualifiziert sich als Interviewerin, wer als Interviewter?
Wir wollen mit Menschen aus Kultur, Gesellschaft und Lebensart reden, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Menschen, die inspirierende Gedanken äußern, die zum Nachdenken anregen, die neue Erkenntnisse liefern oder Meinungen, die überraschen. Wir wollen einen Menschen und sein Denken portraitieren. Dafür hören wir gut zu, lassen den Gesprächspartner in Ruhe ausreden, ohne dabei vermissen zu lassen, das Gespräch zu lenken. Und wir legen großen Wert darauf, uns gewissenhaft vorzubereiten, um im richtigen Moment die richtigen Fragen stellen zu können – demnach arbeiten wir mit Journalisten, die diese Herangehensweise verinnerlicht haben. Autoren, die dem Gesprächspartner mit einer höflichen Distanz und einem gewissen Grad an Empathie begegnen. Unser Credo lautet, dass nichts spannender ist als der Mensch. Auch das sollte ein Galore-Autor teilen.

Und an wem liegt es nun, wenn ein gutes Interview herauskommt? Nun, es ist zumindest die Verantwortung und Pflicht der Interviewerin, die inspirierenden Gedanken aus der Gesprächspartnerin herauszulocken – indem sie recherchiert, welches Thema die Interviewte anstachelt und indem sie sich auf das Thema entsprechend gut vorbereitet.

Tied to the Nineties – Interview im SZ-Magazin

Tied to the Nineties
oder so ähnlich sangen Travis mal. Unter diesem Motto gibt es ein sehr schönes Interview im SZ-Magazin. Stefan Niggemeier und Patrick Bauer haben es geführt. Die Gesprächspartner sind Jörg Grabosch und Marcus Wolter von Endemol bzw. Brainpool und eine große Portion Wortgefecht.

Hier geht’s zum Interview.

Präsentation auf scribd.com

Im Oktober ist der Reader zu der Vorlesungsreihe “Einführung in die Fachtextlinguistik” im Verlag Frank und Timme erschienen. Das ist die Präsentation zu meinem Vortrag zu Interviews als eine der wesentlichen Fachtextsorten.

Auf scribd.com ist jetzt die Präsentation zu dem Vortrag und dem Artikel zu finden.