Annuluk – Leipziger Allerlei mit Percussion und Pop

Made in Leipzig – trotzdem.

Annuluk Covder BAMAnnuluk ist ein Trio (Sängerin Michaela Holubova, Roberto Fratta und Alessandro Cerbucci) mit Wurzeln und Wohnungen in Leipzig… aber auch in Jena, Berlin, Prag und Italien. Pretty international. So klingt auch die Musik: eine Mischung aus Percussion, mantra-artigem Gesang und Pop. Am 24.6. ist das dritte Album B*A*M Beautiful And Massive erschienen. Ich habe den Dreien ein paar Fragen gestellt.

 

Trotz Berlin, Prag und Italien bezeichnen sich Annuluk als “made in Leipzig”. Denn hier proben sie und nehmen auf:

Schon seit 2013 arbeiten wir hier in Leipzig mit Charles Mathieu von Roy de Rats. Nur gemastert wurde in Stuttgart vom Jürgen Schröder. Hier ist auch der Weg zu unseren Partnern nicht so weit. Beispielsweise sitzt unser Verlag und Label „Kick The Flame“, mit denen wir auch schon seit 2013 zusammenarbeiten, ebenfalls in Leipzig.

Als weiterer örtlicher Fixpunkt kommt noch Afrika hinzu – mit verschiedenen Percussion-Instrumenten:

Roberto spielt itarr

Roberto spielt die Kamale Ngoni, die er aus Bobo Diulasso in Burkinafaso 2007 nach Deutschland mitgebrachte.

Außerdem spielt er noch verschiedene Percussion-Instrumente wie die Djembe, eine Darbuka und verschiedene sogenannte „small Percussion“.

michaela singt

Eine weitere Basstrommel aus Guinea, Sangbar genannt, wird von Michaela gespielt.

 

 

 

Die Spontanität und Körperlichkeit der Musik ins Studio mitzunehmen, ist sicher nicht ganz einfach, vor allem, weil die Text nicht vorgegeben sind, sondern Michaela sich einer Fantasiesprache bedient, ganz im Dienste des Rhythmus…

Vielleicht bedient sich die Fantasiesprache auch meiner!??
Ich hatte aber auf jeden Fall die nötige Freiheit, auch intuitiv zu arbeiten. Ich habe mir mit Absicht bis zu den Aufnahmen einige Flächen völlig freigehalten.

Live gibt es die Mischung aus Rhythmus und kraftvollem Gesang am 20. August in der Philippus-Kirche zu sehen und zu hören, nachdem sie im Juni bereits in der NaTo gespielt haben und die Tour sie in andere (mittel)sächsische Städte geführt hat (Dresden, Chemnitz, Fraureuther Mohair). Es bleibt also beim “made in Leipzig”.


 

Kavka und Haeussler bei Flux.fm/Spreeblick

Wenn Interviewer übers Interviewen reden…

Dann kann es auch mal gefühlig werden. Im Gespräch mit Johnny Haeussler auf Flux.fm/Spreeblick erzählt Markus Kavka von der Angst… nein… von dem Respekt, den er vor seinem Interview mit Depeche Mode hatte.

Ab Minute 28:00 geht es los. Ich bin diese Woche mal wieder über die Sendung gestolpert und wollte Euch diesen wunderbaren Einblick ins Innere eines Interviewers nicht vorenthalten.

Interviewvorstellung #30: About my shelf

About my shelf

Coverbild Buch

Dieses Mal gibt es die Vorstellung eines Nicht-Interviews. Denn ehrlich: ein Gespräch oder Interview ist keiner der Texte, die in About my shelf die Bücher- und Plattentregale verschiedener Künstlerinnen vorstellen. Auch wenn sie im Titel als Interviews abgekündigt werden. Dafür fehlt aber jeglicher Bezug auf vorangegangene Fragen.

90% der Fragen sind nicht speziell auf den Gast gerichtet und könnten so auch fast jedem anderen Künstler im Buch gestellt werden.
Ein nachgerade plattes Beispiel ist eine Frage aus dem Text zu Frank Spilker von den Sternen:

Drei Bücher für die einsame Insel

Andere Beispiele sind die Fragen nach dem ersten selbstgekauften Album oder mit wem man mal gerne einen trinken gehen würde.
Es fehlt jegliche weiterführende eigene Interpretation der Antworten durch die Interviewerin.

Bevor jetzt aber jemand denkt, das wäre schlecht und der Text ein Verriss: nein und nein, ist er nicht.
Es ist ein Vergnügen, auf den Fotos die Buch- und Plattencover zu lesen bzw. zu versuchen, sie zu erkennen. Ein Hoch auf den Voyeurismus. Oder hättet Ihr gedacht, dass Cheryl Macneil von Dear Reader “Hoffnung wagen” von Barack Obama im Regal stehen hat. Und Linus Volkmann eine Platte von den Boxhamsters? Na gut, da sind die Duden auf seinem Ikea-Regal überraschender. Und Benedict Wells ist mir noch sympathischer, nachdem ich die kompletten Seinfeld-Staffeln in seinem Regal gesehen habe.
Die Texte selbst sind als Fragebogen konzipiert und bieten also einen nicht nur unterhaltsamen, sondern auch neuen Blick auf die Gäste. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Fragen eng gesteckt um das Thema Bücher bzw. Platten(regal) drehen und damit eben diesen Lebensbereich des Gastes beleuchten.
About my shelf bestätigt mich also mal wieder in meiner Begeisterung für Interviews, die ein klar abgestecktes und etwas außergewöhnliches Thema haben.
Da das Buch ja eine Sammlung von Fragebögen ist, die verschiedene Künstlerinnen und Künstler gegenüberstellt, kommt es mitunter zu ganz wunderbaren Momenten. Frank Spilker auf die Frage, welche Romanfigur er gerne mal wäre:

Wer will denn schon der Protagonist aus dem neuen Houellebeqc sein?

Hendrik Otremba von der Band Messer auf die gleiche Frage, zwei Texte weiter:

Am liebsten Jed aus Karte und Gebiet von Houellebeqc

Tja, dabei sind doch beide von Musik und Einstellung eigentlich gar nicht soooo weit voneinander entfernt.
Dafür haben Frank Spilker und Valeska Steiner von der Band Boy beide Learning to love you more von Harrell Fletcher und Miranda July im Regal. Bei Valeska Steiner steht es neben Benedict Wells’ “Becks letzter Sommer”. Es werden nicht die einzigen Kreise sein, die sich da schließen.
Falls Ihr wissen wollt, welches Frank Spilkers Bücher für die einsame Insel sind? Hier die Antwort:

Die längsten und schwierigsten natürlich, in denen sich die Sprache am meisten verdichtet. Dantes Inferno wäre ein Kandidat. Das Kapital von Marx und Nietzsche vielleicht. Für Erbauungsliteratur wäre dann kein Platz mehr.

Und an dieser Stelle ist die Frage gar nicht mehr so trivial. Ich hätte so eine Lust, nachzufragen und mich mit Frank Spilker über die Bücher, Einsamkeit und das eigene Nachdenken zu unterhalten.
Das leistet About my shelf nicht. Aber es öffnet ein wenig die Tür zum Inneren der Künstler und Künstlerinnen. Und darüber hinaus bricht es eine Lanze für Fragebogenfragen. Wenn die Interviewerin offen für ein spontanes Thema ist, kann sie die Antwort für Nachfragen und ein philosophisches Gespräch nutzen, das die Tür in die Gedankenwelt des Gastes erstaunlich weit öffnet. Wenn sie das ganze Interview so offen und spontan gestaltet, ist das aber nicht nur sehr mutig, sondern auch wieder kein Interview. Denn dazu gehört ein Konzept, ein Thema, ein Plan, an dem sich die Interviewerin orientiert. Wenn sie aber ein Teil des Interviews auf einer so weitergeführten Fragebogenfrage aufbaut, ist das sehr reizvoll.


Gäste und Namedropping

 

Summer of… read

Sommer, Sonne, Seitendreher

Buchcover

Und was macht Ihr im Sommer so?
Ich habe mir erst einmal vier Wochen am Stück freigenommen, um mich meinen liebsten Neuzugängen im Bücherregal zu widmen:

 

 

 

1) Patti Smith “M Train
das habe ich auf Empfehlung einer Freundin geschenkt bekommen. Jetzt weiß ich wieder, warum ich seit Wochen um das Buch herumschleiche und es doch noch nicht gekauft habe.

2)  About my shelf - 20 Interviews über Platten- und Bücherregale
dieses wunderbare Werk wurde mir mit den Worten überreicht: “Das habe ich der Special-Interest-Ecke des Buchladens gefunden. Interviews und Pop, das ist ganz sicher was”. “Ja”, habe ich gesagt. Und “Danke”.

3) Graeme Simsion – The Rosie Project
Lektüre of Love. Tinder zum Lesen.


 

 

Jessica Hopper mal anders

Jessica Hopper

Jessica Hopper Where the girls aren't

Jessica Hopper habe ich hier ja schon wegen ihrer pointiert geschriebenen Rezensionen und Essays empfohlen. Umso schöner, dass ich jetzt die Gelegenheit hatte, einen ihrer Texte aus einem ganz anderen Blickwinkel noch einmal zu betrachten. In einem Seminar zu interkulturellen Aspekten des Übersetzens habe ich die Studierenden den Artikel „Emo – where the girls aren’t” aus The first collection of criticism mit der Übersetzung in Emo (Ventil Verlag) vergleichen lassen.

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