10 Meter Feldweg bei satt.org

Vor einer Weile hatte ich 10-Meter-Feldweg zum Interview getroffen. Und es war eine Premiere, denn es sind zwei Interviews daraus geworden. Zum ersten Mal habe ich mir zwei Themen gesetzt: Das erste war ein Interview über Interviews für die Serie. Das zweite Thema waren 15 Jahre Bandgeschichte und was sich in der Zeit im Musikgeschäft geändert hat.

Diesen Teil gibt’s jetzt bei satt.org zu lesen. Den ersten Teil wird es Ende des Jahres im zwoten Band zu Interviews über Interviews geben.

Die Rezension, von der Uli und Till im Interview sprechen, ist die Rezension auf Plattentests.de.

 

Moritz von Uslar “99 Fragen an”

Es gibt an dieser Stelle mal wieder eine dicke Buchempfehlung. Moritz von Uslar, bekannt aus der Zeit, der Süddeutschen und Tempo hat mit 99 Fragen an  in einem neuen Buch veröffentlicht – nach 100 Fragen an sein zweiter Interviewband. Ist jetzt auch hier bei den Buchempfehlungen zu finden.

Als wunderbare Einstimmung reich ich das Corso-Gespräch mit Moritz von Uslar auf dradio hinterher: Bitteschön. Ein vergnügliches… Interview, das eigentlich nur aus Zitaten rund um das Thema Interview besteht. Hier ein kleiner Auszug:

  1. Ist Interviewführung eine hohe Kunst oder tatsächlich einfach mal aus dem Ärmel zu geschüttelt?
  2. Wahre Vorbereitungsexzesse, um dann das recherchierte wieder zu vergessen. Denn das ist auch wichtig, um die wirklich frische Frage zu finden.
  3. Ich bin gar nicht so ein Originalitäts-Freund. Ich finde, dass die einfachen, lockeren Fragen die coolen sind.
  4. Es ist unvermeidbar, dass der Interviewte irritiert ist.
  5. Das Interview ist ein komplett künstlicher Moment und ein Interviewpartner ist dann gut, wenn er sich dieser Künstlichkeit bedienen und damit spielen kann.
  6. Die Frage muss so gut sein, dass ein „Ich weiß nicht“ als Antwort sie nicht schmälert. – Die Frage ist der Star, nicht die Antwort.
  7. Der Leser hat das Recht, einen gut gelaunten Interviewer anzutreffen.
  8. Es ist normal, dass man sich als Fragensteller schämt. Wenn man so einfache, oberflächliche Fragen stellt. Das ist unvermeidlich.
  9. Man muss seine Interviewpartner ein bisschen lieben.

 

Essen, Trinken, Geile Leute

Sarah Kuttner hat eine neue Show. Mal wieder. Sie trifft Pop-Prominente, um mit ihnen zu sprechen. Mal wieder. Sie ist eine reizende Gesprächspartnerin. Mal wieder.
Das Fazit nach immerhin sieben Folgen ist: Sarah Kuttner bleibt beim selben netten Plauderton, auf den sie seit ihrer Show bei Viva abonniert ist. Sie lädt zwei Gäste in eine als WG-Küche ausstaffierte Studio-Wohnung zum Essen, Trinken und Plaudern ein. Meist kennen sie sich nicht näher (Ausnahme waren Daniel Josefsohn und Lars Eidinger). Ursprünglich sollten die Gäste sich sogar aneinander reiben, aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit für Spannung sorgen. Das funktioniert natürlich nur bedingt. Es setzt voraus, dass die Gäste bekanntermaßen konträre Lebensentwürfe haben oder entgegengesetzte Ansichten zu einem klar abgegrenzten Thema. Und eben daran fehlt es bei Kuttner plus Zwei. Für welche Lebensentwürfe stehen Bosse und Hannelore Elsner? Künstlereltern? Beide geerdet, nur die Erfahrung im Beruf unterscheidet sie. Die hätte man ansprechen können. Wofür stehen Katja Flint und Jennifer Rostock? Beide sind sehr liberal? Beide kennen das Leben als Paradiesvogel. Die eine von früher, die andere von der Gegenwart. Irgendwie scheint es mehr Gemeinsamkeiten zu geben. Vielleicht verstehen sich die Gäste deswegen eher als dass sie sich aneinander reiben. Vielleicht reden sie deshalb mehr miteinander als mit Sarah Kuttner.
Das alles ist noch kein Problem und heißt nicht zwangsläufig, dass die Gespräche nicht gut werden könnten. Das Problem ist, dass in der halben Stunde der Sendung keine Zeit ist für Fragen, für ein Gespräch und für Themen. Ein paar Fragen zu großen, teils privaten Themen wirft Sarah Kuttner in den Raum. Sie klingen wie vorformuliert und sie knüpft an die Reaktionen nicht an. Irgendwie fehlt der Wille zur Diskussion. Sie erstickt immer nach spätestens der zweiten Antwort.
Aber mal ehrlich: Kann man in 30 Minuten Kindererziehung, Liebe, Alter und Selbstbildnis erschöpfen diskutieren? Wohl kaum, aber Sarah Kuttner versucht es immer wieder und das ist zu viel, nicht nur zu viele Themen, um sie zu vertiefen. Da die Gäste vom Esstisch aufstehen und den Platz wechseln, zu viel Aktion für ein ruhiges Gespräch. Da immer zwei Filme zu den Gästen gezeigt werden (über insgesamt durchschnittlich 7 Minuten) zu viel Anderes neben dem Gespräch mit den Gästen. Und da es sich um Sarah Kuttner handelt, zu viel ich. Zu viele Einwürfe, die einen mehr über die Moderatorin erfahren lasen als über die Gäste.
Ist das Konzept der Sendung damit prinzipiell schlecht? Aber gar nicht. Ich bin ja eine große Freundin davon, Interviewgäste in eine komfortable und entspannte Situation zu bringen. Und es gibt genug Formate, die ähnliches machen und dem Recht geben: Zimmer frei, Kochen mit…, Durch die Nacht mit…, Inas Nacht… Bernd im Bademantel… Die Idee funktioniert also prinzipiell sehr gut. Voraussetzung ist aber wieder einmal, dass die Interviewerin sich auf den Gast einlässt. Kuttner plus Zwei ist also noch nicht einmal ein besonders neues Format.
Im Gegenteil, schauen Sie doch mal bei Essen, Trinken, Geile Leute rein. Seit über einem Jahr lädt Nina Lauterbach prominente Gäste (u.a. Ihren Bruder den König Boris, Hugo Egon Balder…) in ihre Küche ein. Sie zeigt, dass das Format doch wunderbar funktioniert. Sympathisch ist nicht nur die tatsächlich natürlich-entspannte Art der Sendung, sondern auch der Humor, mit dem Nina Lauterbach die Abfuhr vom ZDF hinnahm. Sie hatte dem Sender ihr Konzept vorgeschlagen und wurde abgewiesen. Wenig später lief Kuttner plus Zwei, ein Konzept, das das ZDF schon seit Längerem plane.
Auf Facebook läuft noch eine Aktion, auf der Fans von Essen, Trinken, Geile Leute dem ZDF Ratschläge für das Konzept Küchen-Talk geben können.

Hier geht es zu weiterführenden Infos:
Beitrag bei Zapp
Beitrag im Hamburger Abendblatt

Die Show

 

 

Das ‘Jein’ im Interview

Cover_Vagheit in Interviews

Um es  frei nach Fettes Brot zu sagen:

Ja, Nein, Vielleicht, Jein.

Das Lied mag 90er sein, die Rumeierei in Interviews und Talkshows ist aber aktuell. Grund genug für eine Bestandsaufnahme und eine umfangreiche Untersuchung von Ausweichstrategien und Vagheit in Interviews mit Gesprächspartnerinnen aus Kultur und Politik.

Die Studie zwischen Rumdrucksen, Zurückrudern und Erm… ist jetzt im Verlag Frank & Timme erschienen.

Und wer deutschsprachigen HipHop nicht mag, fragt Vicky Pollard: aber ja aber nein aber ja….

Everyday Robots – Damon Albarn in his own words

Spoken Linernotes zu Damon Albarns Everyday Robots

Ich mag es, die Gedanken der Bands zu den eigenen Liedern zu hören. Und ja, ich weiß, es kann viel versauen, aber oft ist es eben doch erhellend, die Geschichten hinter den Liedern zu hören. Ich halte es aber auch gerne mit Pulp (in Anlehnung an ihre Standard-Anmerkung in den Booklets): “Please don’t read the linernotes whilest listening to the recordings”: Deshalb erst Album hören, in die Bandgeschichte einordnen, dann Rezension schreiben und erst dann mal schauen, was die Band vielleicht schon dazu gesagt hat. Eine Ausnahme war “Fellow Travelers” von Shearwater, die ein so liebevoll geschriebenes Tourtagebuch als Linernotes beigelegt haben, dass das gesamte Album in einen Kontext setzt – den der Tour nämlich. Ich konnte nicht widerstehen und es war gut.

Zu Damon Albarn habe ich auch eine Rezension (für den Kreuzer). Allerdings kannte ich die Linernotes nicht, und das war auch gut. Denn ihn von einsamen Tourtagen in Colchester oder Sonnenuntergängen in Devon reden zu hören – hm, das habe ich mit dem Album nicht assoziiert.
Im Guardian gibt es das Video, in den Damon Albarn die  Geschichten hinter jedem Lied erzählt.