Über Nabelschau im Freitag

Am Nabel der Subjektivität

Marlen Hobrack kritisiert die Kritik, der Frauen ausgesetzt sind, wenn sie zuviel und zu sehr in der ersten Person Singular schreiben. Ein wunderbarer Text im Freitag.
Es geht hier eigentlich nicht um Nabel. Der steht nur stellvertretend für das Ich im Text.
Es gäbe wohl eine neue Generation von Autorinnen und Journalistinnen, die es zu oft benützten. So ein Vorwurf kann nur von Menschen kommen, die einfach mal pauschal drauf hauen wollen.
Marlen Hobrack schreibt:

“Es ist erst einmal nur eine Beobachtung, aber der Vorwurf des Narzissmus kommt vor allem von Männern, und er geht meistens an Frauen. Männer, auch wenn sie noch so subjektiv und ichbezogen schreiben, trifft dieser Vorwurf eher selten. Es scheint, dass es ihnen leichter fällt, für ihre Texte beim Publikum eine Relevanz zu reklamieren.”

Und ehrlich, es gibt genug Männer, deren Person beim Schreiben ebenso im Vordergrund steht.
Aber kann es sein, dass bei ihnen die Mechanismen andere sind? Ihr Ich, ihre erste Person Singular im Text, ist ihr Name an sich. Im Musikjournalismus fallen mir spontan einige Autoren ein, die mit ihrem Namen und zum großen Teil mit eigenen Serien oder Kolumnen in den Magazinen präsent sind:  Arne Willander, David Fricke, Eric Pfeil allein im Rolling Stone. Andreas Borcholte und Klaus Walther sind weitere. Bei den Autorinnen fallen mir spontan ein: Ada Blitzkrieg und Birgit Fuß.
Das ist bitteschön auch nicht als böser Mittelfinger gegen die Autoren zu verstehen, sondern lediglich als Beobachtung. Ich bin sogar dankbar, wenn ihr mich eines besseren belehren könnt und Gegenbeispiele schickt. Sehr gerne!
Nun macht eine eigene Reihe auch immer klar: Das ist mein Platz, hier schreibe ich. Auch das ist eine Form von Subjektivität und vielleicht sogar Narzissmus. Denn in der Serie oder Kolumne zeigt sich der Autor auch exponiert.
Eine ganz andere Form der Ich-Bezogenheit findet sich im Gespräch, besonders in Talkrunden. Hier geht es häufig um eine Profilierung – als Experte, Persönlichkeit oder Chef. Entsprechend häufig werden dann Formulierungen benutzt wie: “ICH würde davor warnen, dass…”, “ICH plädiere dafür, dass…” oder “ICH möchte doch stark darauf hinweisen, dass…”.
Das ist eine dominante und breitbeinige Sprache, die keinen Widerspruch zulässt und überzeugen soll, die aber auch die sprechende Person deutlich hervorhebt.

Es gibt natürlich verschiedene Arten, als AutorIn im Text zu erscheinen. Genau genommen müsste man schon Ghostwriter sein und für eine andere Person schreiben, um nicht im Text sichtbar zu werden. Jeder Text ist subjektiv. Und das ist gut so. Oder warum schreibt Ihr denn? Doch wohl, um Eure Gedanken und Meinungen unter die Menschen zu bringen.
Der Vorwurf, der den Frauen gemacht wird, ist ja auch nicht unbedingt, zu subjektiv zu sein, sondern in ihrer Subjektivität zu belanglos. Wenn Ihr aber belanglose Texte kritisieren wollt, dann kritisiert bitte die Texte an sich und nicht pauschal eine Gruppe von Autorinnen, vor allem nicht mit dem Argument, dass es am Geschlecht läge. Denn weder Subjektivität noch Belanglosigkeit sind ja wohl exklusiv den Frauen vorbehalten.
Oder wie Marlen Hobrack schreibt:

“Noch einmal: Warum wird so rasch der Vorwurf des Narzissmus gegen diese Autorinnen in Stellung gebracht? Warum lassen wir junge Frauen, die da – meinetwegen auch bauchfrei – ihr Ich produzieren, nicht auch ein „Sittengemälde“ zeichnen?”

Das sind die Gedanken, die mir spontan durch den Kopf schießen, wenn ich diesen wunderbaren Text von Marlen Hobrack lese.


Diebeiden Artikel aus dem Text:

Meine Analyse der Sprache in Fernsehinterviews

 

Tikkle Me

It’s Revolution On The Dancefloor

 

I was not supposed to play – but I did it anyway

Es gibt so viele Situationen, in denen diese Anyway so schön passt. Die fünf Schwedinnen von Tikkle Me zeigen auf ihrem Album What is real zehn solcher Momente.

Absolut zu recht Album der Woche bei Plattentests.de

Facebook und Pinterest – mal was Neues

Interview über Interviews auf Facebook

Facebook Titelbild

Man soll sein Publikum ja dort abholen, wo es gerne ist. Seit Ihr gerne auf Facebook? Dann findet Ihr dort jetzt auch Interviews über Interviews.
Auf Pinterest gibt’s jetzt auch die Portraits der Bands, die im zweiten Band sein werden. Und der kommt noch im April.

 

Interview-Magazine

Heimatorte des Interviews.

Ich weiß, Interviews gibt es in jedem – und ich meine wirklich in jedem – Magazin. Weil es ja so einfach und Platz füllend ist. Und doch gibt es ein paar Institutionen, in denen man das Interview als gewinnbringendes Gespräch noch pflegt. Eine kleine Auswahl der Magazine, Sendungen, Seiten, die mich so oft begleiten… hier bitteschön: – Galore Interviews – Ideal MagazinPlanetinterview.deKaput – Magazin für Insolvenz & PopRegler rauf – Regler runter auf byte.fm – Flux.fm/Spreeblick Zwei Interviewformative stehen auf besondere Weise außen vor. Sie arbeiten spielerisch und künstlerisch mit dem Interview-Konzept: - Performative-interviews.com13-questions.com Das ist eine kleine Auswahl einiger Heimatorte des aparten Gesprächs. Vielleicht fallen Euch ja noch weitere ein? Immer her damit. Ich freue mich auf Anregungen.

Un-common People

A Film About Life, Death & Supermarkets’ – Ein Film über Pulp

Das wirklich Überraschende an dem Film ist erst einmal, dass es solange gedauert hat, bis ihn jemand gedreht hat.
Florian Habicht  hat es nun gemacht und einen Film über Pulp gedreht. Er hat das das filmisch umgesetzt, was Owen Hatherley mit Uncommon als Buch-Doku 2011 vorgelegt hatte: Er zeigt das Umfeld, in dem die Band groß geworden ist. Florian Habicht spricht mit Pulp Fans, die die Band nicht aus dem NME, dem Q-Magazine oder der BBC kennen, sondern von nebenan. Es sind der Zeitungsverkäufer, der ehemaliger Chef im Fischmarkt, in dem Jarvis Cocker gearbeitet hat.

Anfang April kam der Film nun auch in französische und mexikanische Kinos. In UK wurde er auf allen Festivals schon gezeigt.
Hier gibt es für alle anderen wenigstens den Trailer.


 

Presse: