Teneriffa in hässlich

Strand, malerische Küsten und Sonnenblumen. So kennt man Teneriffa. Aber die Insel kann auch hässlicher. Und dann heißt sie Las Chafiras und ist ein Gewerbegebiet, in dem es Autowerkstätten gibt. Und Gartencenter. Und Autowerkstätten. Und Lackierereien. Und Autowerkstätten. Aber auch Menschen und ihre Plätze. Ein paar möchte ich hier zeigen. Denn einen Grund muss es ja haben, dass Leute hier bleiben, wenn es nur einen Ort weiter Strand und pittoresque Kirchen gibt.

Aber hier also das ungeschminkte Gesicht Teneriffas, nach durchzechter Nacht. Und sebst dann zieren noch Palmen und sanfte Wölkchen die tiefhängenden Augenringe.

Electric Acid – TrouperspHEARe

Heute möchte ich Euch mal wieder eine Band aus Leipzig vorstellen. Electric Acid haben eben ihr erstes Album „TrouperspHEARe“ veröffentlich – ein zusätzlicher Anlass. Dabei kam Richard als Gitarrist schon vor fünf Jahren in die Musikerrunde von Steffen am Schlagzeug, Thomas am Bass und Marc an der Orgel. Erst nach einem Auslandsaufenthalt gingen sie das Bandprojekt vor einer Weile erneut an. Zu viert suchten sie nach einer Sängerin. Es sollten keine so „hochsingende Rockröhre“ sein, wie man sie im Bluesrock oder Metal öfters hört, erzählt Richard:

„Wir lieben es als Band musikalisch ausladend zu sein, zu improvisieren, geheimnisvoll zu sein, mehrere Genre zu bedienen und um die Ecke zu denken. Genauso eine Sängerin suchten wir und fanden sie mit Annetts eher tiefen, mystischen und nicht sofort zugänglichen Gesang.“

Es sind in erster Linie Blues, Rock und Metal, die Electric Acid in ihrer Musik verbinden.  Richard erzählt, dass das nicht von ungefähr kommt:

„Blues Rock, aber eben auch Traditional und Chicago Blues spielen für meine Sozialisierung als Musikkonsument und Gitarrist eine riesen Rolle. Ich habe inspiriert durch den guten Musikgeschmack meiner Eltern bereits sehr früh Zugang zu Blues Musik gefunden. Der Einfluss von Delta-Bluesern wie Robert Johnson, Son House, Sonny Boy Williamson II und Chicago Bluesern wie Muddy Waters, Bo Diddley und Otis Spann auf mich war und ist enorm. 

Wenn man sich mit solchen Künstlern beschäftigt landet man unweigerlich irgendwann auch bei Blues Rockern wie Cream, Fleetwood Mac, Jimi Hendrix oder Canned Head. Hier ist Peter Greens Fleetwood Mac ohne Frage sehr prägend für mich, den ich zusammen mit Stevie Ray Vaughan und Ronnie Wood als die besten weißen Blues-Gitarristen empfinde.“ 

Annett ergänzt, dass sie auch von Ian Gillan von Deep Purple inspiriert wurde, was den Bogen zum Metal und Hardrock schließt. Seine Texte gerade auf den letzten Alben zeigten Spiritualität, meint sie. Genau diese Spiritualität findet sich auch in den Texten von Electric Acid wieder. So sehr sie sich musikalisch an den 1950ern, 1960ern und 1970ern orientieren, die textlichen Vorbilder liegen noch deutlich weiter in der Vergangenheit, beschreibt Annett: 

„Ich bin ein großer Fan von den Texten von Goethe. Er hat mich schon immer fasziniert, weil er ganze Gefühlswelten und Naturphänomene in kurze Passagen packen kann. Einige Texte sind daher tatsächlich an der Romantik orientiert. Ich verarbeite Gedanken und Erlebnisse und versuche sie in einem Text einzuordnen. Manchmal sind es einfach Wörter, die mir gefallen oder Sätze, die ich nicht vergesse und die mir in einer Situation wieder einfallen.“

Auch wenn sich hier in der Vorstellung nun so viele Referenzen finden, beschreiben sie „TrouperspHEARe“ doch sehr gut: In den Texten der acht Lieder finden sich häufig Bilder aus der Natur und aus der inneren Gefühlswelt gesungen mit Annetts dunkler Hardrock-Stimme und untermalt von Blues-Rock und Metal-Riffs. 

Electric Acid im Internet:

Interview über Interviews mit: Stereo Total

Die Interviewer kennen uns jetzt besser und stellen nicht mehr Fragen wie „Wieso heißt Ihr so?“ oder „Wie lange gibt es Euch denn schon?“. Aber vielleicht liegt das daran, dass es unsere Band schon so lange gibt. 

Vorm Eingang des UT Connewitz hat sich eine Schlange von Menschen gebildet, die Stereo Total sehen möchten und die sagt: „Stereo Total“ sind eine Institution.Nach 25 Jahren kann man getrost davon ausgehen, dass sich Fragen nach dem Namen und dem Kennenlernen erübrigen. Trotzdem snd sie Teil dieses Gesprächs. Françoise Cactus und Brezel Göring erzählen aus der Zeit, als sie diese Fragen noch beantworten mussten und wie Interviews jetzt ablaufen.

Interview am 14.09.2018, Leipzig UT Connewitz

Warum, glaubst Du, habe ich Euch für ein Interview über Interviews angefragt?

F: Na vielleicht, weil ich selbst eine Interviewsendung habe. Vielleicht kennst Du sie? Auf Radio reboot.fm – Cactus Interviews. Da habe ich immer einen Gast, wir legen nacheinander auf und dazwischen plappern wir. Das heißt, ich stelle viele Fragen. 

Macht das ein Interview für Dich aus? Plappern und Fragen stellen?

F: Ja, und dass man etwas über den Interviewpartner erfahren kann. Was das für eine Person ist zum Beispiel: arrogant, sympathisch, verschlossen…

Wie bereitest Du Dich auf die Interviews vor?

F: Ich habe Fragen, die ich immer stelle: Was ist Dein Lieblingsbuch, Dein Lieblingstier, Dein Lieblingsessen oder Deine Lieblingsbeschäftigung? Dann mache ich am Anfang eine Beschreibung, damit sich die Leute vorstellen können, wie sie aussieht. Danach stelle ich so komische Entweder-Oder-Fragen: „Magst Du lieber die Beatles oder die Rolling Stones?“. Dann stelle ich aber Fragen, die direkt etwas mit der Person zu tun haben. Ich lade allerdings nicht nur Musiker ein, sondern alle möglichen Leute.

Und wie gehst Du in der Recherche vor?

F: Die meisten Leute kenne ich sowieso. Da muss ich gar nicht so viel recherchieren. Wenn ich sie wirklich nicht kenne, frage ich Leute, die sie kennen, und google ein bisschen. 

Wenn Du im Gespräch dann nach den Hobbies und Lieblingsbüchern fragst, willst Du diese Punkte erfragen oder nutzt Du die Antworten lieber, um darüber zu diskutieren?

F: Ach, ich diskutiere schon gerne. Natürlich hängt das auch von den Leuten ab. Manche antworten ja nur mit Ja, Nein oder Vielleicht. Ich will die Leute aber schon zum Reden animieren. Sie sollen sich wohl fühlen und nicht nervös sein. Es muss sich anfühlen, als wären wir in einem Café und würden ein bisschen plaudern. 

Die Interviewsituation

F: Wenn ich mitschreibe, nehme ich gar nicht mehr auf. Und wenn ich denke, dass ich etwas nicht brauche, schreibe ich es gar nicht auf.

Heißt das, Du könntest Dir auch vorstellen, solche Gespräche am Abendbrottisch zu führen oder bei einer Party? 

F: Nein. Das ist ja eine andere Situation. In dem Fall will ich ja über diese Person reden und nicht übers Wetter. Auf einer Party würde ich keine Interviews führen.

Spielt dafür eine Rolle, dass das Mikro an ist?

F: Ich glaube, für die Leute schon. Sie geben sich mehr Mühe bei dem, was sie sagen.

Und für Dich? 

F: Wenn ich interviewt werde, finde ich es gut, wenn etwas dabei herauskommt. Einmal hat mich ein Typ interviewt. Das hat ungefähr zwei Stunden gedauert und dann sagte er, dass er nur fünf Minuten braucht. Das ist crazy. 
Oder ein anderes Mal habe ich mit einem Interviewer gesprochen, auch sehr lange. Und dann hatte seine Maschine nicht funktioniert. Wir mussten dann alles noch einmal machen. Das macht dann keinen Spaß.

Ich habe auch schon immer mal auf das Aufnahmegerät geschaut, ob alles läuft. Das ist ja so die Angst, dass es nicht funktioniert. Viele Interviewer schreiben deswegen auch mit.

F: Wenn ich mitschreibe, nehme ich gar nicht mehr auf. Ich mache ganz schnell Notizen, dann muss ich hinterher nichts abhören und abschreiben. Ich sortiere gleich. Das geht schneller. Ich kann super schnell schreiben, in einer Art Kurzschrift. Und wenn ich denke, dass ich etwas nicht brauche, schreibe ich es gar nicht auf. 

Gibst Du die Interviews dann noch einmal zur Autorisierung raus?

F: Na, ich schreibe kaum noch Interviews. Früher ja. Jetzt sind sie eher im Radio und autorisiert, weil sie ja gleich gesendet werden. 

Legst Du denn selbst wert darauf, Deine Interviews zu autorisieren? 

F: Das hängt davon ab…. Puuuh (überlegt) 
Nein, das würde mich verärgern, wenn sie irgendwelchen Scheiß schreiben, den ich nie erzählt habe.

Ich vertraue darauf, dass die Leute so viel Ehrgefühl haben, dass sie nicht irgendwelchen Mist erfinden. 

Das ist ja nicht unbedingt Boshaftigkeit. Aber Interviews müssen lesbar geschrieben werden. Es muss gekürzt werden. Da kann fast zwangsweise etwas Anderes herauskommen. Hast Du Dich schon einmal über etwas besonders geärgert? 

F: Das ist eher beim Stil. Zum Beispiel ärgert es mich total, wenn da steht: „Ische findeee…“…als Verspottung meines Akzents. Das finde ich total blöd. Das kann ich nicht leiden. 

Die Rolle der Interviewwerin

Oha, das kann ich gut verstehen. Auch wenn das eher beim Transkribieren passiert und vielleicht eine formelle Frage ist. Inhaltlich ist ja zum Beispiel interessant, ob Du als Interviewerin auf gleicher Augenhöhe mit dem Gast sprichst. Wenn Du das möchtest, heißt das, dass Du Dich selbst etwas zurücknimmst? 

F: Es stimmt schon, das Thema bin nicht ich, sondern die andere Person. Aber eigentlich sind das zwei Personen, die sich treffen und reden.

Vielleicht hängst es ja von den Magazinen oder den Journalisten ab. Da gibt es sicher welche, die ihre ganze Auffassung ausbreiten, obwohl man lieber etwas über die Band erfahren würde. Ich denke aber, heutzutage ist es vielleicht eher so, dass sie sich sehr zurücknehmen. 

Helfen vielleicht gerade Interviews, bei denen es um unabhängigere Themen geht und nicht unbedingt um das neue Album, dass man sich beim Interview austauscht und ins Diskutieren kommt?

F: Also für mich sind die Interviews die besten, bei denen die Journalisten ihr Thema kennen. Menschen, die unsere Band kennen, können super Interviews machen. Und Menschen, die gar nichts vorbereitet haben, machen einfach Scheiß-Interviews.

Mann kann keine Interviews machen, ohne etwas vorzubereiten und nur fragen: „Hallo, wer seid Ihr denn? Seid wann gibt es Euch schon? Und warum heißt Ihr überhaupt so? Wie heißt denn die Platte?“ Das sind die schrecklichsten Interviews. Da denkt man sich: Warum wollen die überhaupt ein Interview mit uns machen? Die kennen uns überhaupt nicht. 

Die Rolle des Interviews

Schickt Ihr die dann zu Wikipedia?

B: Na durch das Internet hat sich schon einiges geändert. Früher kam es tatsächlich vor, das Interviewer die neue Platte noch nicht gehört haben und auch keine Zeit hatten, den Pressetext zu lesen. Die haben dann gesagt: „Erzählt doch mal was zum Album“.

Das heißt, das geht schon zurück in die Zeit, als es Discogs und Wikipedia noch nicht gab und Interviews tatsächlich dazu gedient haben, Bands kennen zu lernen oder Informationen zur Szene und Herkunft zu bekommen?

B: Ja sicher. Das war natürlich zu Zeiten als noch viele Platten verkauft wurden und Plattenfirmen Journalisten als verlängerten Arm der Promoabteilung gesehen haben. Da wurden die von Zeitungen, die es da ja noch gab, hingeschickt mit der Aufgabe: Mach das mal. Viele Musikjournalisten mussten damals wirklich aufpassen, dass sie nicht total desillusioniert und sarkastisch gegenüber Musik wurden. 

Vielleicht geht das ja jetzt wieder in so eine Richtung. Die großen Musikmagazine gibt es kaum noch. Dafür gibt es immer mehr kleinere Medien wie Blogs und da wird der Journalismus wohl eher deprofessionalisiert. Habt Ihr selbst da eine Veränderung festgestellt? 

F: Nein. Also ich nicht. Es gibt viele Leute, die Blogs haben. Die kennen uns jetzt besser und stellen nicht mehr Fragen wie „Wieso heißt Ihr so?“ oder „Wie lange gibt es Euch denn schon?“. Aber vielleicht liegt das daran, dass es unsere Band schon so lange gibt. 

B: Ja. Wahrscheinlich ist es schon so, dass es jetzt eher Leute sind, die sich das ausgesucht haben, dieses Interview zu führen. Das ist nicht einfach deren Job, zu dem sie hingeschickt wurden…

F: …ach so, vom Chef der Redaktion. Da merkt man dann manchmal: Den Typen interessiert das Null.

B: Im Radio gibt es ja manchmal ja noch die Teilung zwischen Redakteur und Sprecher. Da reicht der Moderator die Fragen rein. 

Die Rolle der Fragen

F: Boah… Aber am Schlimmsten sind TV-Interviews. Ein absolutes Affentheater ist das. Die Sprecher da wollen nur originell und witzig sein. Die interessieren sich eigentlich nur für sich.

B: Ich kann mich aber an ein Mal erinnern, da war es ganz schön. Der Moderator hat die Kuverts mit den Fragen vertauscht und wir haben dann Fragen bekommen, die gar nichts mit uns zu tun hatten. Die haben wir dann aber auch beantwortet. 
Oder einmal haben Kumpels in Finnland eine Radioshow gemacht und gesagt: Pass auf, ich stell Euch die Fragen auf Finnisch und Ihr antwortet dann auf englisch. Dann verstehen die Zuschauer wenigsten die Fragen. Das waren dann auch so Fragen, die gar nichts mit der Band zu tun hatten, z. B. „Was hältst Du vom Ski-Urlaub in Finnland?“.

Großartig. Aber ist das dann noch ein Interview?

F: Also ich finde das eigentlich ganz lustig. In Belgien haben sie auch so eine komische Art, Interviews zu führen. Einmal hat mich eine Moderatorin gefragt, ob ich nackt oder im Pyjama schlafe. Oder was ich gerne esse und welche Musik ich beim Sex höre. Lauter solche Dinge. Ich habe mir gedacht, was hat das noch mit der Musik zu tun. 

Würdet Ihr denn lieber über die Musik reden?

F: Ach weißt Du, wir machen die Musik, aber denken uns nicht so viel dabei und nachträglich erfinden wir alles. Wenn die Platte fertig ist.

B: Ich habe mal in einem Buch die Geschichte gefunden, dass Andy Warhol an zwei Orten gleichzeitig sein sollte: bei irgendeiner Museumseröffnung und bei einer Veranstaltung, wo er sich den Zuschauerfragen stellen sollte. Der hatte da dann wohl jemand anderen hingeschickt, der einfach nur sagen sollte: „Ah interesting. Really?“ Und das ist auch niemanden wirklich aufgefallen. 

Quasi wie bei Euch in Italien? Aber warum tut Ihr Euch das Affentheater an?

F: Ich frage mich sowieso manchmal, warum es Musiker-Interviews sein müssen. Warum nicht mal Interviews mit Bäckern? 

Habt Ihr da für Euch eine Antwort drauf gefunden?

F: Na ja, wenn ich schon bei einem Interview zusage, möchte ich wenigstens etwas Ordentliches drauf antworten und nicht nur „Yeah, interesting“ wie Andy Warhol. Aber boah… Gut… Es gibt ja auch Bands, die nie ein Interview gegeben haben. Das geht auch. Ja klar, wir können auch mit Leuten reden Warum nicht. 

Dann geht Ihr auch sehr unvoreingenommen in die Interviews und überlegt nicht vorher, was Ihr zu bestimmten Themen sagen wollt, oder?

F: Nein, das überlege ich nie. 

Jetzt kommt die Vorband rein. Es geht gleich und auch Brezel verabschiedet sich schon mal. 

F: Ihr könnt ruhig Krach machen. Das hier wird nicht im Radio gesendet. So, Du hattest gefragt… Ach so. Nein, ich überlege mir vorher nie, was ich sagen könnte.

Genau, das Gefühl hatte ich auch… Also, dass es keine Rolle spielt, ob das dann veröffentlicht wird. 

F: Nun ja. Manchmal darf man sich ja entscheiden, ob man das Interview per Telefon oder Email machen möchte. Dann sage ich immer Telefon. Das geht viel schneller und ich sage, was mir gerade durch den Kopf geht. Da muss ich nicht erst dreißig Stunden überlegen, ob ich lieber das oder jenes schreibe. Ich würde das nie machen wie manche Leute, die sich tagelang überlegen, was sie Kluges antworten.

E-Mail-Interviews sind überhaupt nicht spontan. Das ist nicht gut.

Das ist ein großartiges Schlusswort.

F: Ja. Es ist ja auch schon kurz vor 9:00. Ich muss mich auch noch umziehen.

Stereo Total im Intnet

Homepage von Stereo Total

Stereo Total in der Indiepedia

Stereo Total auf facebook

Interviews mit/ von Stereo Total

Interview auf Curt.de

Cactus Interviews auf reboot.fm

Neujahrskonzert im Horns Erben

Dingoes ate my Baby und Ali Thon

Vor fast genau einem Jahr haben wir das neue Jahr mit dem Leipziger Quartett (wenn man den Kassettenspieler nicht mitzählt) Dingoes ate my Baby begrüßt – Im Horns Erben. Am 5.1. wars. 2019 wird der Neujahrsempfang am 4.1. stattfinden. 2018, 2019… und dreimal ist eine Tradition, d. h. da kündigt sich etwas an.
Zu erwarten ist wieder ein Konzert zwischen abgefahrener Lichtshow und intimen Akustik-Gig. Bekannt sind Dingoes ate my Baby ja für ihr audio-visuelles Gesamtkonzept. Eventuell werden die Vier aber auch zeigen, was sie musikalisch fürs neue Jahr geplant haben.
Auf jeden Fall akustisch wird es bei Alia Thon, die als Folk-Singer-Songwriterin das Jahr zusammen mit den Dingoes begrüßt. Die Leipzigerin hat 2017 ihr Debüt veröffentlich. Reduziert auf die Energie von Gitarre und Gesang erzählt sie introvertierte Geschichten von Gefühlen und Beziehungen.

Interview über Interviews mit: Honig

Interviews müssen nicht übel sein, sie können auch Spaß machen. Es ist aber definitiv kein Hobby von mir.

Wer sich gleich in die Nesseln setzen will, kann beim Interview mit Stefan Honig ja mal nach Biene Maja fragen. Unlustig. Spannender ist da, dass sich der Düsseldorfer in den vergangenen acht Jahren sehr kontinuierlich einen Platz im Indie-Pop erarbeitet hat. Vier Alben hat der Liedermacher zunächst solo und mittlerweile als Band veröffentlicht. Am Namen Honig hat sich dabei nichts geändert. Den Erfolg angestoßen hat sicher der Auftritt beim Haldern Openair 2012 zum zweiten Album „Empty Orchestra“. Damit hat er den einen Teil des Indie-Publikums in der Tasche. Den anderen Teil kriegt er mit dem dritten Album „It’s not a humming bird, it’s your father’s ghost“ und durch die Touren mit anderen Singer-Songwritern aka Tour of Tours.

2018 nun spielen Honig an einem wunderschönen September-Abend in Leipzig anlässlich der Veröffentlichung des vierten Albums „The last thing the world needs“. Zum Glück gibt es im Venue, dem Werk 2, einen Biergarten. Wir setzen uns also für das Interview raus. Stephan Honig hat mit seinem entzündeten Hals zu kämpfen, was für ein Gespräch nicht förderlich ist, aber er hält durch und spricht sogar ausführlich.

Interview am 18.09.2018, Leipzig Werk Zwei

Das Interview habe ich über Deine Promo-Agentur ausgemacht. Hast Du jetzt gewusst, was Dich erwartet?

Nicht speziell. Es wurde an mich rangetragen. Wenn wir auf Tour sind, gibt es immer einen Plan, wann Interviews sind und dann mache ich die.

Hinterfragst Du das auch manchmal? Möchtest Du vorher wissen, was oder wer da kommt?

Nee. Meistens sind die Interviews ja gleich. Es ist selten, dass das aus der Rolle fällt mit einem ganz anderen Konzept wie bei Dir jetzt. Ich weiß schon meistens, was da passiert und welche Fragen da kommen. 


Oha, Enthusiasmus klingt anders…

Ach, das hat damit nichts zu tun. Aber ich muss mich nicht auf die Interviews vorbereiten oder einstellen. Es kann durchaus mal enthusiastisch sein, wenn die Leute nett sind und sich ein gutes Gespräch entwickelt. Es kann aber auch ermüdend sein. Dann nämlich, wenn nichts passiert und nur Ja-Nein-Fragen abgearbeitet werden. 

Die Sinnfrage im Interview 1

Natürlich habe ich Interesse, aber die Fragen gehen ja über mich… Ich kenne die Antworten und wüsste nicht, wo da mein Interesse noch sein sollte.


Was ist dann ein Grund für Dich, Interviews zu geben?

Naja, wir sind ja auf Tour und wollen ein Album promoten. Das ist der Sinn.

Also tatsächlich erst einmal Werbung

Fällt Dir etwas ein, was noch ein Grund sein könnte?

Hmm… Interesse?

Also, natürlich habe ich Interesse, aber die Fragen gehen ja über mich… Ich kenne die Antworten und wüsste nicht, wo da mein Interesse noch sein sollte.

Manchmal sind die Reaktionen aber auch, dass Bands sich freuen und feststellen, dass sie sich erst während des Interviews über etwas Bestimmtes Gedanken gemacht haben und entsprechend etwas mitnehmen.

Ja na klar. Das meinte ich auch mit „dass sich ein Gespräch gut entwickelt“. Das passiert aber viel zu selten und ist eher eine positive Überraschung. Ich habe auch kein großes Bedürfnis zur Selbstdarstellung oder rede besonders gerne über uns. Wenn natürlich jemand nett über uns berichten möchte, habe ich selbstverständlich ein Interesse daran, dass das an die Öffentlichkeit oder das Publikum oder die Kundschaft kommt. Es ist aber zu oft dasselbe, als dass ich mit allzu großen Erwartungen an ein Interview herangehe. Und dann kommt dazu, dass man häufig hinterher das Interview liest und nicht das Gefühl hat, richtig verstanden worden zu sein. Da werden Sätze nur halb zitiert und man denkt sich: „Na, so war das jetzt aber nicht gemeint“.

Zitate in Interviews

Live-Interviews mag ich gerne. Gerade heraus quatschen. Da fühle ich mich am wohlsten.

Merkst Du das schon während des Interviews, dass es sich nicht gut anfühlt, oder erst bei der Veröffentlichung? 

Nee, bei der Veröffentlichung. Meistens sind das Interviews, bei denen nicht aufgenommen wird, sondern sich die Leute Notizen machen. Dann werden Sachen vielleicht nicht komplett inhaltlich verfälscht, aber mir als wörtliche Rede in den Mund gelegt, wie ich sie nie sagen würde. 

Wie stehst Du dann zur Autorisierung? 

Ob ich das dann freigebe? Naja, wenn es nicht so wild ist, mache ich da keinen Aufstand. Aber wenn ich mich total misrepräsentiert fühle, sage ich schon etwas. Wenn ich denn die Gelegenheit habe. 

Und die hast Du nicht immer?

Hin und wieder schon, aber es ist nicht die Regel, dass ich die Interviews noch einmal vorher lese.

Würdest Du Dir das wünschen? 

Also… (Überlegt) Wenn jemand beim Gespräch nur Notizen macht und daraus das Interview schreibt, würde ich das schon gerne vorher noch einmal lesen. 
Meistens ist dafür aber auch gar nicht die Zeit. Gerade auf Touren passiert das zwischen Tür und Angel und dann ist man schon wieder in der nächsten Stadt. Da vergisst man das.  

Das klingt, als wären Interviews eher so ein notwendiges Übel, das man halt nebenbei mit macht. 

Es muss nicht übel sein, es kann auch Spaß machen. Es ist aber definitiv kein Hobby von mir.

Wenn es um das falsch zitieren geht, betrifft das ja in erster Linie verschriftlichte Interviews. Wie empfindest Du denn live gesendete Interviews?

Oh, die mag ich gerne. Gerade heraus quatschen. Da fühle ich mich am wohlsten. Da kann ich mich so präsentieren, wie ich präsentiert werden möchte. 

Hast Du da schon mal bereut, etwas gesagt zu haben?

Nö. Und wenn ich wirklich mal irgendwelchen Quatsch erzähle, kann ich das ja direkt wieder korrigieren.

Merkst Du das denn direkt in der Situation oder erst, wenn es zu spät ist, und das Mikro aus?

Also, das kommt ja generell gar nicht so oft vor und wenn, dann sag ich das direkt in der Situation. Ich schaue oder höre mir die Interviews ja hinterher auch gar nicht an. Da würde es mir also sowieso nicht auffallen. 

Wenn Du schon so schön festgestellt hast, dass die Interviews häufig gleich ablaufen, wie würdest Du denn den Ablauf beschreiben?

Was heißt Ablauf. Es sind eben häufig die gleichen Fragen. Das Thema ist halt nicht so breit. Es geht es um Albumtitel, Cover und dann kommen meist die Punkte, die in den ersten Presseinfos standen: dass ich Kindergärtner war, dass ich für die Musik den Job geschmissen habe und dass ich früher Heavy Metal gemacht habe. 
Das sind eben die langweiligen Interviews, bei denen immer das gleiche kommt. Spannend wird es, wenn jemand nicht dauernd auf den Zettel schaut und man ein bisschen ins Reden kommt.

Wie würdest Du das denn machen, wenn Du selbst ein Interview mit einer Band führen würdest?

Schon genau so: Ich würde keine Fragen stellen, die nur an der Oberfläche kratzen, keine Fragen, die sich einfach mit Ja oder Nein beantworten lassen und dann fertig sein. 
Aber ich habe auch noch nie eine Band interviewt.

Die Sinnfrage im Interview 2

Die Hintergründe machen manchmal auch die Musik kaputt, finde ich. Es ist auf jeden Fall kein Bonus-Wissen. Wenn mich Musik richtig berührt, mag ich es viel mehr , wenn sie einfach für sich steht und nicht mit Gesichtern und Geschichten gefüllt wird.

Würdest Du es gerne machen?

(lacht) Da sehe ich mich nicht. Ich interessiere mich für Musik, aber ich muss nicht unbedingt wissen, was die Bands darüber hinaus denken. Die Musik reicht mir völlig aus. Ich lese auch nie Interviews von Bands, die ich gerne mag. Das hat mich nie so interessiert.

Auch nicht, als es die Informationen zu den Bands noch nicht so verfügbar im Internet gab und man für bestimmte Hintergründe auf die Interviews angewiesen war?

Naja, ich hatte schon Musikzeitschriften abonniert. Da ging es mir aber eben eher um Neuigkeiten: Wer bringt wann ein neues Album raus oder wer geht wann auf Tour. Seit man diese Informationen ganz leicht übers Internet bekommt, kaufe ich mir kaum noch Zeitschriften.
Die Hintergründe machen manchmal auch die Musik kaputt, finde ich. Es ist auf jeden Fall kein Bonus-Wissen. Wenn mich Musik richtig berührt, mag ich es viel mehr , wenn sie einfach für sich steht und nicht mit Gesichtern und Geschichten gefüllt wird. 

Es gibt ja nicht nur Interviews, die sich mit Bandmitgliedern als Personen befassen. Findest Du es legitim oder eine Verantwortung von Kunstschaffenden, sich auch zu anderen Themen als ihrer Kunst zu äußern? 

Ich will ihnen nicht die Legitimität absprechen. Gar nicht. Aber ich denke, dass sie das nicht unbedingt machen müssen, vor allem, wenn sie nicht voll durchinformiert sind. Dann ist es weise, das auf der Bühne eher neutraler zu gestalten als Halbwahrheiten zu verbreiten. 
Das merke ich auch bei mir: Ich fühle mich nicht dazu berufen, von der Bühne aus den politischen Aufklärer zu geben. Es ist sicher auch fraglich, wie sinnvoll das wäre: Man kann ja in der Regel nur Zwei-Satz-Statements abgeben und das wird dem, was man sagen will, nie gerecht. Außerdem kommen die Leute, die uns hören und die das erreicht, doch aus einer ähnlichen Blase wie wir und wissen das ohnehin.

Dann halten wir also fest, dass Dir Interviews inhaltlich in der Regel nicht so viel geben. Oder nur in Ausnahmefällen, was dann aber auch am Interviewer liegt. Da gibt es ja ganz unterschiedliche Typen: einmal so kumpelhafte Typen, dann eher professionell-distanzierte Interviewer aber auch Interviewer, die Freunde der Band sind und für ein Magazin arbeiten, für das sie dann ein Interview machen. 

Ja, es gibt natürlich schon verschiedene Typen von Interviews: Ganz schlimm finde ich die Interviews, bei denen sich der Interviewer nicht vorbereitet hat und nicht weiß, worüber er sprechen soll. Bei denen entsteht dann kein interessanter Gesprächsfluss, und der Interviewer spult seine Fragen einfach ab, am besten solche wie „Warum singst Du auf Englisch?“. So eine Frage führt ja nie irgendwo hin. Dann gibt es noch die Interviews, die zwar sehr professionell und seriös sind, aber unterkühlt bleiben. Da wird gesiezt, die Fragen sind gut, aber das ist auch nichts, wo ich sage: „Wow, cool. Das war super“.Und dann gibt es die Interviews, bei denen einem jemand entspannt gegenüber sitzt und man auf gleicher Augenhöhe miteinander spricht. Wenn sich da aus einer Frage ein ganzes Gespräch entwickelt, ist das toll. 

Auf das Mediun kommt es an

Wobei ich schon auch die Frage nach dem Albumtitel verstehe. Den stellt man in den Raum und dann ist das eben eine legitime Frage. Wenn es aber viel tiefer geht, ist es vielleicht auch nicht nötig, das zu erklären.

Setzt das voraus, dass die Interviewer Fans sind? 

Gar nicht. Die können sich auch kritisch mit der Musik auseinandersetzen. Wenn das respektvoll passiert, habe ich da gar nichts dagegen. Das sind dann häufig sogar die interessanteren Fragen. 

Sind Dir noch Interviews in Erinnerung, bei denen das so geklappt hat?

Ach klar. Das passiert schon immer wieder. Bei Fritz FM war ich schon ein paar Mal und jetzt für die Tour auch. Das war wieder sehr gut. Auch die Geschichte bei Radio Eins. Oder heute bei Detektor FM. Da merkt man, dass die das mit einer Leidenschaft machen. 

Da kommen dann auch nicht so Fragen danach, warum Du auf Englisch singst. Aber kommt das häufiger vor, dass Du Deine eigene Kunst selbst erklären musst? Ist das ein gängiger Ansatz?

(Lang gedehnt) Jaaa. Das kommt schon vor und das sind auch die Fragen, die ich nicht so gerne mag. Wobei ich schon auch die Frage nach dem Albumtitel verstehe. Den stellt man in den Raum und dann ist das eben eine legitime Frage. Wenn es aber viel tiefer geht, ist es vielleicht auch nicht nötig, das zu erklären. Wir machen eben die Musik, die wir machen.

Hast Du schon mal Interviews abgelehnt oder was müsste passieren, damit Du ablehnst?

(Ohne nachzudenken) Na wenn mich ein Nazi-Magazin interviewen will, würde ich ablehnen. … Oder die Bild-Zeitung. 

Warum die?

Weil das für mich ganz schrecklicher Journalismus ist und ich in dieser Zeitung nicht erwähnt werden möchte. Ich will da einfach nicht stattfinden. In meiner Welt existiert die gar nicht, weil ich diesen ganzen Boulevard und das Dramatisieren überhaupt nicht mag. Ich würde auch nie zu irgendwelchen RTL-Sendungen gehen.
(Lacht) Aber die fragen mich ja auch nicht. Deswegen ist alles gut.

Und für so etwas wie das Deutsche-Bahn-Magazin… könntest Du Dir das vorstellen? 

Naja, das ist schon auch ein schlimmes Blatt. Aber wenn man da zum Beispiel eine Werbegeschichte hat, könnte mich die Promoagentur vielleicht dazu überreden, weil es ja recht harmlos ist. Meine Promoagentur hatte wohl sogar gefragt, ob wir etwas mit dem Kölner Express machen sollen. Das habe ich aber gleich abgelehnt und gesagt, dass sie die gar nicht fragen müssen. 

Den Express kennt man ja noch und kann ihn meiden. Aber bei anderen Anfragen, muss man vielleicht erst einmal schauen, was das für ein Medium ist.

Das ist eigentlich recht überschaubar. Bei so einer Tour steuern wir ja auch Medien an, bei denen wir schon öfters waren. Da gibt es eher weniger Überraschungen. 

Wieviele Interviews gibst Du denn auf so einer Tour?

Naja, wenn die Tour so zwei oder drei Wochen dauert, ist das vielleicht jeden zweiten Tag ein Interview. Mal sind es drei an einem Tag, dann mal wieder keines und so verteilt sich das gut. 

Und nach Detektor FM war das hier heute wohl das zweite. Ich danke Dir, dass Du das trotz Deiner geschundenen Stimme gemacht hast. Ich hoffe, Du kannst sie vor dem Konzert noch ein wenig pflegen. Gute Besserung.

Honig im Netz

Radiosender

Discographie

Treehouse (2007)

Empty Ochestra (2012)

It’s not a hummingbird, it’s your father’s ghost (2014)

The last thing the world needs (2018)