Las Chafiras Goats

Von Las Chafiras Bears zu den Las Chafiras Goats. Warum das denn? Weil Ziegen den besseren Käse abgeben im Vergleich zu Bären. Und Käse ist ein enorm wichtiges Gut hier. Wenn man nicht die Wurst essen will. Die Theken des Bauernmarktes, des Mercadillo del Agricultor, sind jedenfalls gefüllt damit. In rund, eckig, gelb und weiß. Zweimal in der Woche weht der würzige Duft von Ziege, Schaf unf Kuh durch Las Chafiras.

Wer einmal auf dem Markt war, weiß aber auch: Das, was in Deutschland der Kohl ist, ist in Spanien die Zucchini. Es gibt sie in allen Formen und Farbvarianten zwischen gelb und grün. Ansonsten sind Kürbis, Mangold und natürlich Kartoffeln, klein und runzelig oder groß und kräftig, noch sehr präsent.

Die zentrale Lage des Marktes und die regelmäßigen Termine sorgen dafür, dass man deutlich weniger in den Supermarkt muss als anderswo und deutlich mehr Geld spart als anderswo.

Las Chafiras Bears

Zum nächsten Strand ist es von Las Chafiras aus ja, wie gesagt, immerhin noch ca. 3 Kilometer. Die Natives suchen sich deshalb gerne auch andere Möglichkeiten, um Sport zu machen. Der örtliche Sportplatz wird deshalb nicht nur von der Schule und der Kita nebenan genutzt, sondern nachmittags auch von Jugend-Teams des Ortes. Fast jeden Tag treffen sie sich und spielen Fußball oder Basketball. Tanke und McDonalds bringens als Treffpunkte da nich so, obwohl es die auch gibt. Überhaupt ist Sport ein Thema auf der Insel, vor allem da, wo es Wasser gibt. Wasserski, Tauchen und Surfen kann man hier schon erwarten. Mit Freude stelle ich aber fest, dass selbst für mich etwas dabei ist: Ganz viele Kommunen lassen Outdoor-Fitness-Geräte aufstellen, quasi ein Spielplatz für Erwachsene und eine der besten Steuergeldverwendungen überhaupt.

Las Chafiras überhaupt

Las Chafiras liegt ganz im Süden Teneriffas, eingesäumt von Urlaubsorten. Es ist, wie gesagt, ein Ort, an dem man nicht wohnt. Es ist ein Ort, an dem man arbeitet. Genau genommen ist es kaum ein Ort, sondern eine Ansammlung von Arbeitsplätzen – in Supermärkten, Läden und Werkstätten. Dennoch gibt es eine kleine Siedlung und es gibt ein Bungalow-Dorf. Es wird also doch gewohnt in Las Chafiras. Und gelebt. Das Herzstück ist… nicht die Kirche, sondern die Bar. Delicias heißt sie und ist das verlängerte Wohnzimmer von Las Chafiras. Wenn man nur oft genug hingeht, wird man die selben Leute wieder treffen, die Kellner Will und Angelo sowieso. Sonnabend Abend läuft Fußball. Es ist 20:00 Uhr. Dann merkt, man dass die zuhause Gebliebenen sich hier zusammenfinden. Es wird laut. Und es ist die einzige Zeit, in der der Fernsehsender gewechselt wird. Ansonsten läuft VH-1, We love the 80s und Guess the year. Es laufen Adele, Of Monsters and Men, Rhianna und Lady Gaga. Der Barraquito ist einer der besten auf der Insel und der Orangensaft tatsächlich frisch gepresst. Sonntags früh kann man eine kleine Motorrad-Gang treffen, die sich für den Ausflug stärkt. Es ist 11:00 Uhr. An Wochentagen trinken hier die Leute den ersten Kaffee vor der Schicht. Es ist 7:00 Uhr. Hier ein paar Ansichten, wie die Kirche des Dorfes zwischen 7:00 Uhr und 20:00 Uhr, zwischen Motorrad-Gang und Adele aussieht.

Teneriffa in hässlich

Strand, malerische Küsten und Sonnenblumen. So kennt man Teneriffa. Aber die Insel kann auch hässlicher. Und dann heißt sie Las Chafiras und ist ein Gewerbegebiet, in dem es Autowerkstätten gibt. Und Gartencenter. Und Autowerkstätten. Und Lackierereien. Und Autowerkstätten. Aber auch Menschen und ihre Plätze. Ein paar möchte ich hier zeigen. Denn einen Grund muss es ja haben, dass Leute hier bleiben, wenn es nur einen Ort weiter Strand und pittoresque Kirchen gibt.

Aber hier also das ungeschminkte Gesicht Teneriffas, nach durchzechter Nacht. Und selbst dann zieren noch Palmen und sanfte Wölkchen die tiefhängenden Augenringe.

Electric Acid – TrouperspHEARe

Heute möchte ich Euch mal wieder eine Band aus Leipzig vorstellen. Electric Acid haben eben ihr erstes Album „TrouperspHEARe“ veröffentlich – ein zusätzlicher Anlass. Dabei kam Richard als Gitarrist schon vor fünf Jahren in die Musikerrunde von Steffen am Schlagzeug, Thomas am Bass und Marc an der Orgel. Erst nach einem Auslandsaufenthalt gingen sie das Bandprojekt vor einer Weile erneut an. Zu viert suchten sie nach einer Sängerin. Es sollten keine so „hochsingende Rockröhre“ sein, wie man sie im Bluesrock oder Metal öfters hört, erzählt Richard:

„Wir lieben es als Band musikalisch ausladend zu sein, zu improvisieren, geheimnisvoll zu sein, mehrere Genre zu bedienen und um die Ecke zu denken. Genauso eine Sängerin suchten wir und fanden sie mit Annetts eher tiefen, mystischen und nicht sofort zugänglichen Gesang.“

Es sind in erster Linie Blues, Rock und Metal, die Electric Acid in ihrer Musik verbinden.  Richard erzählt, dass das nicht von ungefähr kommt:

„Blues Rock, aber eben auch Traditional und Chicago Blues spielen für meine Sozialisierung als Musikkonsument und Gitarrist eine riesen Rolle. Ich habe inspiriert durch den guten Musikgeschmack meiner Eltern bereits sehr früh Zugang zu Blues Musik gefunden. Der Einfluss von Delta-Bluesern wie Robert Johnson, Son House, Sonny Boy Williamson II und Chicago Bluesern wie Muddy Waters, Bo Diddley und Otis Spann auf mich war und ist enorm. 

Wenn man sich mit solchen Künstlern beschäftigt landet man unweigerlich irgendwann auch bei Blues Rockern wie Cream, Fleetwood Mac, Jimi Hendrix oder Canned Head. Hier ist Peter Greens Fleetwood Mac ohne Frage sehr prägend für mich, den ich zusammen mit Stevie Ray Vaughan und Ronnie Wood als die besten weißen Blues-Gitarristen empfinde.“ 

Annett ergänzt, dass sie auch von Ian Gillan von Deep Purple inspiriert wurde, was den Bogen zum Metal und Hardrock schließt. Seine Texte gerade auf den letzten Alben zeigten Spiritualität, meint sie. Genau diese Spiritualität findet sich auch in den Texten von Electric Acid wieder. So sehr sie sich musikalisch an den 1950ern, 1960ern und 1970ern orientieren, die textlichen Vorbilder liegen noch deutlich weiter in der Vergangenheit, beschreibt Annett: 

„Ich bin ein großer Fan von den Texten von Goethe. Er hat mich schon immer fasziniert, weil er ganze Gefühlswelten und Naturphänomene in kurze Passagen packen kann. Einige Texte sind daher tatsächlich an der Romantik orientiert. Ich verarbeite Gedanken und Erlebnisse und versuche sie in einem Text einzuordnen. Manchmal sind es einfach Wörter, die mir gefallen oder Sätze, die ich nicht vergesse und die mir in einer Situation wieder einfallen.“

Auch wenn sich hier in der Vorstellung nun so viele Referenzen finden, beschreiben sie „TrouperspHEARe“ doch sehr gut: In den Texten der acht Lieder finden sich häufig Bilder aus der Natur und aus der inneren Gefühlswelt gesungen mit Annetts dunkler Hardrock-Stimme und untermalt von Blues-Rock und Metal-Riffs. 

Electric Acid im Internet: