Konzert-Tipp: Hodja

We are the here and now

Ein Hodja ist im Arabischen ein Gelehrter, ein Meister der Theologie. Im Rock ist es das Trio aus Gamiel Stone, Matthias Arbo Klein aka Colonel Taz und Boi Holm aka Tenboi Levinson. Sie haben sich einer Mischung aus Blues-Punk-Rock verschrieben. Erst vergangenes Jahr haben sie ihr aktuelles Album, „The Flood“ veröffentlicht, das dritte. Jetzt im Oktober, ein Jahr später, kommt bereits das nächste. „We are the here and now“ wird es heißen und ist ebenso von verzerrten Gitarrenriffs, brodelndem Gesang und mystischen Geschichten geprägt.

Am Donnerstag, 12. September, spielen sie im Ilses Erika. Und da es dort kaum vor 24:00 Uhr losgeht, ist noch Zeit für einen Warm-up Gig ab 19:00 Uhr im Whispers Records (Karl-Liebknecht-Straße 109.

Links:
– Hodja: offizielle Homepage
– Hodja: auf Facebook
– Hodja: bei Noisolution
– Ilses Erika: offizielle Homepage
– Whispers Records: auf Facebook

Kate Tempest illustrated

Die tolle Musik-Poetin Kate Tempest ist ein Phänomen: Ihre Alben sind wie Lesungen, ihre Lesungen Konzerte. Ihre Lieder sind kleine Kurzgeschichten mit Rhythmus. Aber immer enthalten sie kleine Szenen – aus der Straße, aus der (Sozial)Wohnung, aus der Straßenbahn…

„The book of traps and lessons“ heißt das vierte Album, das im Juni erschienen ist. Für den Kreuzer habe ich es vorgestellt.

Rezension zu „Books of traps and lessons“ im Kreuzer Leipzig, August 2019

„Let them eat chaos“ heißt das dritte Album, das 2016 erschienen ist. Für das reine Vergnügen habe ich die Szenen aus der Straße, der (Sozial)Wohnung und der Straßenbahn in Illustrationen festgehalten.

Picture a vacuum
Lionmouth door knocker I
Europe is lost I
Europe is lost II
Ketamine for breakfast
Whoop
We die

Und mein Name ist Mensch

Das LE Freedom Project

„25% für die AfD in Sachsen“, „ChemnitzClausnitzHeidenau“ sind die Schlagzeilen auf der einen Seite.Wir bleiben hier“, „Wir sind mehr“, „Fresse zeigen statt Fresse haltensind die Gegenstimmen auf der anderen Seite. Die mit der positiven Energie. Die, die gerade jetzt vor der Landtagswahl mit Kreativität sagen: „Positionier Dich – ‚die Anderen‘ tun es auch. Geh wählen – ‚die Anderen‘ tun es auch“. In diesen bunten Reigen reihen sich auch die 32 Künstler und Künstlerinnen des LE Freedom Project ein, einer gemeinsamen Produktion und Interpretation des Amnesty-International-Benefiz-Songs „A Toast To Freedom“. Die Beteiligten kommen alle aus Leipzig. Das sind zum Beispiel Florian Becker von „I came from the sun“, Timm Völker, Karoline Kalbitz, Jan Oelmann von „Bube,Dame, König“ oder Alia Thon. Die musikalischen Geburtshelfer des Projektes sind aber Stefan Saffer und Martin Riebel, wie Martin erzählt:

„Das Projekt ist so zustande gekommen, dass ich und Stefan Saffer vor wenigen Wochen bei einer Pizza zusammen saßen, uns über Politik unterhielten und uns gegenseitig von unserer Angst vor den Rechtsradikalen erzählten. Nun sind wir keine politischen Aktivisten, aber ganz gut vernetzte Künstler. So haben wir einen großen Rundruf gemacht und innerhalb kürzester Zeit haben sich 30 Leute gefunden, die sich auch zu dem Thema äußern wollten, die mitwirken wollten an diesem Projekt.“

Herausgekommen ist eine Produktion, wie es sie in ähnlicher Form vielleicht schon öfters gab. Weil die Zusammenarbeit der vielen Beteiligten Synergieeffekte erzeugt, nicht zuletzt Aufmerksamkeit. Und die will auch das LE Freedom Project. Sicher. Aufmerksamkeit FÜR Demokratie. FÜR Freiheit. FÜR Menschlichkeit.
Das positive FÜR setzt aber schon vorher an, beim MITwirken und MITeinander der Beteiligten.

„Wir wollten Leute zusammenbringen. Viele der beteiligten Musiker:innen kannten sich vorher auch nicht. Im Video siehst du Leute zusammen spielen und singen, die sich 15 Minuten vorher noch gar nicht kannten! Ist das nicht cool?
Das ist das Schöne daran: Die Leute blieben nach ihren Sessions in der Regel noch. Da wurde viel gequatscht – über Politik, über Musik, über alles möglich – und die Leute haben sich vernetzt. Ganz nebenbei sind so Künstler:innen zusammen gekommen, die sich sonst vielleicht nicht begegnet wären.
Das ist ja auch der Punkt bei der Demokratie: Man kann sich einfach zusammentun und gemeinsam etwas miteinander gestalten – das geht eben wegen der Kunstfreiheit.“

Genau so zusammenführend sollte der Song auch wirken, als er 2012 zum 50. Geburtstag von Amnesty International veröffentlicht wurde. Es ging dem LE Freedom Projekt nicht darum, eigens einen Wahlsong zu schreiben. Entscheidend war es, die Frage nach dem Wie-wir-leben-wollen zu stellen und das Unbehagen zu artikulieren, das die Beteiligten bei manchen gesellschaftlichen Entwicklungen haben.
Martin Riebel erklärt:

„Ich finde den Anknüpfungspunkt an so ein internationales Projekt ganz naheliegend. Den Song hat Carl Carlton ja geschrieben, damit er weltweit als kleine Leuchtfeuer der Freiheit aufgenommen und veröffentlicht werden soll. Sachsen fühlt sich für mich im Moment wie ein Spiegel weltweiter Entwicklungen an: Sachen verändern sich in der Welt – im Moment scheinen Problemlagen zu überwiegen. Wir als Deutsche und Europäer haben dazu auch ordentlich beigetragen. Wir haben Parteien gewählt, die Waffenexporte in Krisengebiete machen, machen Kurzstreckenflüge von Berlin nach München, kaufen Billigfleisch von Firmen, die die Abfälle als Lebensmittel in afrikanische Länder weiterverkaufen und so die dortige Landwirtschaft kaputt machen, …
Politisch gibt es weltweit in rechtsradikalen Lagern eine große Tendenz dazu, vor diesen Zusammenhängen die Augen zu verschließen, die Schuld den Fremden, den Ausländern, der jüdischen Weltverschwörung oder dem Islam zu geben. Die Leute werden so immer mehr aufgestachelt und fangen an, ohne eigentlichen Grund total scheiße zu anderen zu sein.
Uns war es wichtig, mit dem Song auf die einende Kraft von Freiheit hinzuweisen. Und da ist es Wurst, ob du in Paris, Daressalam, Aleppo oder Droyßig lebst.
Wir alle leben nur gerade in Sachsen und äußern uns deshalb aus Sachsen heraus.“

Und ja, man könnte zusammen mit Kai Niemann diesen Tendenzen den kleinen Finger entgegen strecken.
Man kann aber eben auch einen Toast auf die Freiheit und Demokratie aussprechen. Oder mit Sebastian Krumbiegel die weibliche Demokratie feiern oder die eigene Fresse in Antje Krögers Kamera halten. Selten hat eine Landtagswahl so viele kreative Projekte hervorgebracht. Dabei darf man die Songs auch cheesy finden oder catchy, panne oder fett. Immer sagen sie: Toleranz, Gleichheit und Freiheit sind sexy. Und wer dagegen etwas sagt, sieht selten gut aus. Die Beteiligten des LE Freedom Projects wollten, statt nur über ihre Angst vor immer mehr Rassissmus zu sprechen, etwas dagegen tun. Wenn sie mit „Toast To Freedom“ erreichen, dass nicht nur ‚die Anderen‘ wählen gehen, sind sie schon einen Schritt weiter gekommen.
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Die Beteiligten

Andere Projekt


Delicias – Das Wohnzimmer

Ach ja, ich wollte Euch ja noch mal einladen. Am besten in das schönste Wohnzimmer der Insel – Delicias del Teide. Ja, ich hatte es bereits erwähnt. Aber damit Ihr wisst, wovon ich spreche: Hier ein paar Bilder von der Bar, die in jedem Licht strahlt – Neonlicht und Sonnenlicht. Und zu jeder Uhrzeit.

Should I stay…

or should I go. Beides ist möglich und so wichtig für einen Ort, der der Schönheit der Insel eigentlich nicht gerecht wird, aber trotzdem so wunderbar liebenswert ist. Es gibt die Momente, da muss man mal raus. Das sind die am Wochenende oder die im Sommer, wenn man bei fast 40 Grad nur ins Wasser will. Das sind die im Urlaub, wenn man dem Besuch die Schönheit der Küste und des Anaga-Gebirges zeigen möchte.

Und es gibt die Momente, an denen man zurückkommen möchte. Das sind die am Wochenende in den frühen Morgenstunden. Oder nach Feierabend, wenn man die Füße im Pool baumeln lassen will oder die Seele im Delicias del Teide.

Für beides – das Wegfahren und Wiederkommen – gibt es die Haltestellen der TITSA-Busse. Direkt an der Autobahn gelegen, sind sie die Haustür für alle, die kein Auto haben, nicht (mehr) fahren können, dürfen oder wollen. Und damit ist auch ein Industriegebiet wie Las Chafiras ein place to stay. Ach, und die Halte-Knöpfe sind keine Atrappe. Wenn man die nicht drückt, kann es durchaus sein, dass der Bus an einem vorbeifährt und man länger bleibt als man vorhatte.