Die Interviewvorbereitung

Die Interviewvorbereitung

Ok, wir haben dank der überzeugenden Anfrage die Zusage der Band. Das heißt, dass wir jetzt aber auch das Interview vorbereiten müssen.

Heißt das jetzt, ich muss mir einfach ein paar Fragen ausdenken?

Fragen “ausdenken” ist schon einmal nicht so toll. Fragen denkt man sich nicht aus, die hat man.

Was wir die Band fragen, sollte uns also wirklich interessieren. Also gerne auch mal sich selber fragen: Warum will ich das von der Band wissen?

Das setzt natürlich voraus, dass wir uns mit der Band beschäftigt haben. Dazu gibt es auf den bekannten Portalen zunächst einmal Biografien und Diskografien:

  • allmusic.com
  • Indiepedia.de
  • laut.de
  • wikipedia (fremdsprachig und/oder deutsch)

Interessant sind hier auch die weiterführenden Links zu Fanpages, Label-Homepage u.a. Band-relevanten Seiten. Unter anderem findet sich dort mitunter der Pressetext zum neuen Album. Das kann interessant sein, allerdings werdet Ihr sehr schnell merken, wie oft in Rezensionen und Artikeln daraus zitiert – um nicht zu sagen: kopiert – wird. Ein Grund mehr, auch in Magazinen und Zeitungen nach der Band zu recherchieren, um nicht die Fragen zu stellen, die schon zehn Journalistinnen vor Euch gestellt haben, sondern es im besten Fall besser zu machen. Ein erster guter Schritt dahin ist – wie gesagt: Was wir die Band fragen, sollte uns also wirklich interessieren.

Deswegen wäre die Recherche bei Wikipedia und Co idealerweise überflüssig. Denn ihr kennt die harten Fakten als alter Fan ohnehin schon.

Und Ihr habt auch den Newsletter abonniert und verfolgt die Neuigkeiten auf

  • Last.fm
  • bandcamp
  • Facebook.

Diese sozialen Netzwerke sind sowieso die beste Adresse, um sich ein gutes Bild der Band zu machen. Da sind nicht nur mehr und aktuelle Informationen als auf den Homepages zu finden, die Posts dienen ja zumindest dazu, die Band als Personen zu zeigen.

Deswegen lassen sich mit ein wenig Einsatz aus den Profilen eine ganze Menge Details und Zusatzinformationen herauslesen.

Und was mache ich mit den Informationen?

Keinen Fragenkatalog sondern ein Fragengerüst entwerfen. Es soll also nicht eine Liste von Fragen werden, die dann sklavisch abgearbeitet werden muss. Es gibt sicher unterschiedliche Möglichkeiten, die Fragen so aufzuschreiben, dass das Interview dann immer noch flexibel geführt werden kann:

  • stichpunktartig formuliert
  • nur die groben Themen des Interviews werden notiert, um dem Interview eine inhaltliche Struktur zu geben
  • Frageziele werden notiert als Hinweis, worauf wir eine Antwort möchten, ohne dass wir die konkrete Formulierung der Frage notieren

Es gibt sicher Punkte, die schon auffallen oder als Hintergrundfakten interessant sind, wenn wir uns mit der Band beschäftigen. Die können gerne als Merkhilfe notiert werden.

Wieviele solche Merkhilfen brauche ich denn?

Für die, die Fragen ausformuliert notieren wollen, wird immer gerne eine Richtwert von 10 Fragen pro 30 Minuten angegeben.

Denkbar und dankbar sind aber auch Stichpunkte zu:

  • wichtigen oder ausgefallenen Stationen in der Bandgeschichte
  • Discographie und Nebenprojekten
  • unseren eigenen Gedanken und Überlegungen zur Band, zu ihrer Musik und zum speziellen Thema des Interviews

Gerade der letzte Punkt ist für eine spannende Diskussion das beste Fundament.

Das heißt natürlich, dass der Richtwert von 10 Fragen pro 30 Minuten eher ein Hinweis ist. Nämlich darauf, dass wir uns überlegen, wieviel Interview wir in die verfügbare Zeit packen. Sowohl zu viel als auch zuwenig Diskussionsstoff ist unangenehm:

  • zu viele Fragen führen dazu, dass die Hälfte (vielleicht die wichtigere) nicht gestellt werden kann und wir tatsächlich nicht alles erfahren, was wir wollten
  • zu wenige Fragen führen leicht zu peinlicher Stille auf beiden Seiten des Mikros oder zu peinlichen bzw. uninteressanten Gesprächen übers Wetter

Literatur:
Britten, Uwe (2002): Interviews planen, durchführen, verschriftlichen. Bamberg: Palette Verlag, Seite 15
Ecker, Hans-Peter et al. (1977): Textform Interview. Düsseldorf: Pädagogischer Verlag Schwann, Seite 44
Haller, Michael (2001³): Das Interview – Ein Handbuch für Journalisten. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, Seite 224ff
Friedrichs, Jürgen / Schwinges, Ulrich (2005²): Das journalistische Interview.Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften, Seite 53
Müller-Dofel, Mario (2009): Interviews führen – Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. Berlin: Econ, Seite 88ff
Petermann, Kerstin (2014): “Go exclusive – Interviews über Interviews”, in: Interviews über Interviews

 

 

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