Interview über Interviews mit: Mrs. Pepstein

>>Mrs. Pepstein<<

„Interviews, die Ihr nur macht, um ein Interview zu machen, könnt Ihr Euch sparen.“

 

Mrs Pepstein

Mrs. Pepstein ist eine Macht an den Reglern und am Mikro. Sie ist Radiomoderatorin, DJane, Interviewerin oder auch einfach: Gastgeberin für Künstlerinnen und Bands. Ihr zweiter Name ist nicht etwa Katja Röckel – den hat sie sich nur für den Personalausweis zugelegt – sondern Netzwerk. Durch ihre journalistische Arbeit hat sie Kontakte zu Bands und Künstlerinnen geknüpft. Neben der Tatsache, dass sie diese Künstlerinnen schätzt, ist eine gemeisname Liebe zum Feminismus dafür eine gute Basis. In Leipzig lädt sie regelmäßig zur Interviewsendung Mrs. Pepsteins Welt auf Radio Blau ein. Lesetipp dazu: Hot Topic, ein Band über neue Ansätze des Feminismus im Pop.

Wir treffen uns im November 2015 bei Mrs. Pepstein in der Küche. Der Geburtstag ist so kurz her, dass wir noch mit Sekt anstoßen können.
Wie sieht denn das Feedback auf Deine Sendung aus?

Oh. Das ist sehr davon abhängig, welche Künstlerin ich interviewt habe und wie die wahrgenommen werden. Ich finde es aber auch wichtig, die Sendung auch auf mixcloud.com und freie-radios.net zu stellen. Da siehst Du, wenn andere die Sendung nachhören, empfehlen oder teilen. Das beeinflusst natürlich auch, wieviel Feedback Du bekommst. Ich bin aber noch nicht dahinter gekommen, warum manche Sendungen besonders viel gehört werden und andere nicht, obwohl ich denke, dass das auch coole Sendungen waren.

Es war aber immer klar, dass Du Dich in der Sendung auf Interviews konzentrieren willst? Warum gerade Interviews?

Es war klar, dass ich Radio machen will. Das fand ich immer toll und das ist eben ein Gesprächsmedium. Mich hat es fasziniert, den Leuten zuzuhören. Ein zündender Auslöser war dann aber auch Charlotte Roche. Ihre Art, Interviews zu führen, fand ich einfach grandios. Ich würde nicht sagen, dass ich mir das abgeschaut habe, aber es war auch meine Idee davon, wie eine Sendung sein soll. (Katja überlegt)
Ich glaube, wir haben sogar ungefähr zeitgleich angefangen mit moderieren.
Außerdem fand ich es spannend, die Bands kennen zu lernen und fragen zu können, was man wirklich wissen will.

“I” wie Interesse am Interviewgast

Kennenlernen ist natürlich immer so ein hehres Ziel. Wie sehr kann man denn Bands in so einer Interviewsituation wirklich kennen lernen?

Es gibt schon einige Bands, die man immer wieder trifft und da haben sich mittlerweile  schon Freundschaften und Bekanntschaften entwickelt, mit denen man mal einen Kaffee trinken geht.
In jeden Fall bekommst Du im direkten Gespräch einen anderen Eindruck von der Person. Sie ist anders als sie vielleicht von außen verkauft wird. Deswegen möchte ich auch nicht diese Null-Acht-Fünfzehn Fragen stellen. Nur dann bekommst Du nämlich ein anderes Bild von den Bands.

Da gab es ja gerade erst einen Shitstorm gegen Bibi, diese Youtuberin. Sie hat genau solche Null-Acht-Fünfzehn Fragen gestellt. Es war als Interview beschrieben. Aber würdest Du es noch als Interview bezeichnen?

Naja, es wird als solches verkauft und landläufig als Interview bezeichnet, weil eine Person Fragen stellt und die andere antwortet. Tatsächlich ist es aber natürlich nicht mehr als ein Abfragen.
Wahrscheinlich muss man noch unterscheiden zu Interviews, die für kommerzielle Sender gemacht werden und bei denen nur einige O-Töne gesendet werden. Ich kürze zwar auch ein wenig, aber bei mir soll der Gesprächscharakter erhalten bleiben. Ich sende nicht nur einzelne Sätze.

Du bringst Dich in Deinen Interviews stark selbst mit ein, mit Deinen Erfahrungen, Interpretationen.

Ja… (überlegt) Ja, das ist mir auch wichtig, meine Sicht auf die Musik mit einzubringen. Ich würde auch sagen, dass ich vor einem Interview wenig um den Künstler drum herum lese, sondern eher das Album höre. Vielleicht sagen dann die Künstler, dass es so gar nicht gemeint war, aber das ist dann auch ok.
Umgekehrt kann es ihnen vielleicht aber auch den Eindruck vermitteln, dass sie verstanden werden. In jedem Fall gibt es ihnen aber ein Feedback

Das wollen die Bands aber auch. Die wollen Dir nicht ihr Werk erklären, sondern hören, was Du denkst. Und mit dem Ansatz hat Charlotte Roche sich eine Menge bei Dir abgeschaut.

(lacht) Ja, genau. Ich habe sie ja auch getroffen und das war tatsächlich sehr cool. Ich finde sie immer noch großartig, auch wenn sie oft genug Kritik bekommen hat. Aber bei Interviews hat sie immer eine Art gehabt, wie die beste Freundin. Die Gäste haben ihr alles erzählt. Mit Robbie Williams hat sie ja richtig geflirtet. Das musst Du im Interview erst einmal bringen. Bei Roche und Böhmermann ist ihr diese natürliche Art wahrscheinlich etwas auf die Füße gefallen.

mrs pepsteins welt

 

Die Art kam aber auch daher, dass sie sich intensiv mit den Bands auseinandergesetzt hat und dann ihre Gedanken zu der Platte in das Interview einbringen konnte.

Auf jeden Fall. Wahrscheinlich hätte sie auch keine Band interviewt, mit der sie gar nichts anfangen kann. Und das ist bei mir genauso. Ich suche mir die Bands, die ich interviewe, selbst aus. Dafür komme ich vielleicht nicht an die ganz großen Megastars heran und diese Mechanismen von kommerziellen Medien funktionieren in meiner Sendung auch nicht: Du interviewst die Band, die genug Anzeigen bei uns schaltet und deswegen auch auf dem Cover gefeaturet wird.

Und was interessiert Dich im Gegensatz dazu an einer Band?

Ich lege ja generell den Fokus auf Female Artists. Aber auch da muss mir die Musik gefallen. Ich würde Bands nicht unbedingt interviewen, wenn ich mit der Musik nichts anfangen kann.  Einmal habe ich eine Band interviewt, weil sie überall Gesprächsthema waren. Für mich war aber die Musik nichts und das Interview ist entsprechend komplett nach hinten losgegangen. Die Band war gelangweilt und ich war frustriert.

Vielleicht wäre es Dir in dem Fall leichter gefallen, eine kritische Rezension zu schreiben und Dich da mit der Band auseinanderzusetzen als das direkt mit denen zu diskutieren.

Vielleicht. Auf jeden Fall habe ich dazu auch zu viel Respekt. Ich respektiere ja die Arbeit, die sie in das Album gesteckt haben. Gerade bei neueren Bands. Wenn mich da die Musik nicht erreicht, dann lasse ich es lieber.
Bei Bands, die mich schon sehr lange begleiten, bin ich mitunter kritischer, wenn ich das neue Album nicht so gut finde. Das liegt dann aber auch daran, dass ich enttäuscht bin.

Man muss sich überlegen, wen man in welchem Kontext verreißt, oder?

Absolut. Das überlege ich mir auf jeden Fall und grundsätzlich habe ich im Interview mehr Lust mit Bands zu reden, von denen ich wirklich etwas erfahren will. Das ist natürlich auch sehr subjektiv und geschmäcklerisch.

Ist Musik und Musikjournalismus zum Glück ja immer…

Natürlich. Ich kann mir ja aber zum Glück Zeit lassen zum Entdecken und Gut-Finden von Alben. Für Lana Del Rey habe ich die auch gebraucht zum Beispiel. Mittlerweile finde ich die großartig.

Du findest also erst die Band gut und gehst dann ins Interview? Oder geht das auch andersrum?

Naja, zuerst macht meistens die Musik etwas mit mir. Jenny Wilson ist so ein Beispiel. Zweimal habe ich sie ja schon getroffen und das waren ganz tolle Begegnungen. Sie hatte so sehr schwer Krebs und Du hörst der Musik an, was sie durchgemacht hat. Aber im Interview beschreibt sie dann noch, wie sie von der Chemo direkt ins Studio gegangen ist, obwohl es ihr total schlecht ging. Das fand ich wahnsinnig beeindruckend. Da geht man aus dem Interview raus und denkt: Das hat jetzt Dein Leben verändert. Obwohl das natürlich Quatsch ist. Wirklich verändern tut es nichts, aber es ist bewegend.
Christiane Rösinger ist auch jemand, die so viel in Interviews gesagt hat. Wir haben zu Britta-Zeiten ein Interview gemacht, da hat Britta Neander noch gelebt und danach meinte Christiane, sie würde nie wieder ein Interview mit mir vor einem Konzert machen, weil sie so aufgewühlt war. So etwas ist wirklich bewegend. Natürlich passiert auch ganz viel, wenn das Mikro nicht an ist und das erzählt man dann auch nicht, aber das ist ganz wichtig.

Interviewthemen – je nach Gast

Das setzt aber auch voraus, dass Du Zeit hast. Zeit, um vor und nach dem Interview noch zu reden und eine Beziehung aufzubauen und Zeit, um während des Interviews ein Gespräch zu entwickeln.

Ja, unbedingt. Aber leider hat man die Zeit viel zu selten. Gerade das Zusammensitzen vor und nach dem Interview passiert viel zu wenig. Meistens sind die Interviews eben doch im Zusammenhang mit Konzerten, wenn die Künstlerinnen in der Stadt sind. Wenn es zeitlich passt, fahre ich natürlich gerne irgendwo hin, aber das geht nicht immer.

Ich habe das Gefühl, es gibt genau zwei Arten von Künstlerinnen: die einen, mit denen man über die Musik, das neue Album etc. spricht und dann die anderen, die über die Musik hinaus so engagiert sind, dass man mit ihnen nicht über die Musik, sondern eben diese anderen Projekte spricht.

Ja. Bernadette Hengst ist natürlich so eine. Sie hat sich beim letzten Treffen auch wieder beschwert, dass wir wieder nicht über die Geigen gesprochen haben. Aber sie macht auch einfach so viel und die Alben passen immer gerade so zu meinem eigenen Leben, dass ich mit ihr immer eher über den Inhalt rede. Diese Zweiteilung in Inhalt und Musik gibt es also tatsächlich.

Und was ist wichtiger: die Musik oder das Drumherum?

Hmm. Die Person würde ich sagen. Sicher ist der Aufhänger oft das neue Album, darüber wollen die ja auch reden. Aber es ist eben nicht unbedingt erforderlich. Das zeigst Du ja gerade mit Deiner Interviewserie. Tocotronic würde ich zum Beispiel auch gerne interviewen, aber auch nicht zu einem aktuellen Album.

Zu was denn dann?

Zu etwas, das unabhängig vom Album ist auf jeden Fall. Vielleicht darüber, wie die Leute mit der Band umgehen. Die Band ist ja so ein Phänomen, so eine besondere Band, zu der es ganz viele Geschichten gibt. Ich habe zum Beispiel mal ein Konzert von Britta mitorganisiert und da war dann plötzlich Dirk Roadie. Sicher auch, weil Babsie Wagner Tourmanagerin von Tocotronic ist. Das zeigt ja auch, welche Verbindungen es zwischen den Bands gibt. Solche Geschichten sind für ein Interview natürlich spannend.

Es gibt tatsächlich Bands, mit denen kann man über alles reden. Das sind aber auch die schwierigsten Interviews, oder?

Da musst Du Dich fokussieren. Vor allem, weil oft die Zeit vorgegeben ist. Ich schaue dann, was ist schon gefragt und besonders breitgetreten worden, um diese Fragen dann zu vermeiden. Ich hinterfrage das höchstens und spreche darüber, wie die Band zum Beispiel mit einem bestimmten Image oder Hype umgeht. Dann muss man auf jeden Fall nicht die Frage stellen, die schon tausend Mal gestellt wurde.

Und dann sieht man sich dem Vorwurf gegenüber, dass man es nicht gewusst hätte.

Das ist natürlich übel. Aber da habe ich das Glück, dass ich mit einer Interviewsendung im Radio einen Sonderstatus genieße. Erstens gibt es da nicht so viele und zweitens macht sich für eine Radiosendung wahrscheinlich nicht jeder immer die Mühe, Feedback zu geben.
Es stimmt aber, Du musst entscheiden und abwägen, ob Du etwas zum x-ten Mal thematisieren willst. Ein Beispiel ist das Thema Feminismus im Pop. Da gibt es Künstlerinnen wie Peaches oder Planningtorock, die das explizit thematisieren mit denen Du darüber sprechen kannst. Dann gibt es aber auch Bands, für die das keine Rolle spielt und die einfach zufällig Frauen sind. Die willst Du nicht fragen, wie es für sie ist, als Frau auf der Bühne zu stehen.

Manchmal muss es eben Feminismus sein

Nein, so natürlich nicht. Wobei ich es schon manchmal interessant finde, genau solche Künstlerinnen zu fragen und herauszufinden, warum der Feminismus für sie keine Rolle spielt.

Ja. Vielleicht kommen sie erst später dazu. Oder sie wollen eben zuerst über die Musik sprechen. Ich hatte aber auch schon Interviews, nach denen ich dann gehört habe: Ja Du hast ja eigentlich recht.
Prinzipiell frage ich aber auch gerne Männer nach solchen feministischen Aspekten. Hans Nieswandt habe ich zum Beispiel gefragt, wo seine Kinder sind, wenn er abends im Club ist.

Und?

Er hat ganz cool reagiert und gesagt, dass er eine Frau hat, die das managt und dass er da sehr dankbar dafür ist.

Du kannst aber auch nur so fragen, weil Du gewissermaßen Expertin für Feminismus bist, also Dich intensiv damit auseinandergesetzt hast.

Du kannst vor allem weitergehende Fragen stellen. Beim Thema Feminismus ist es dann eben eher die Frage, was macht es mit den Kindern, wenn ich sie in das Musikerinnenleben integriere. Wenn man sich mit einem Thema so intensiv beschäftigt, bekommt man dann natürlich auch mehr Einblick. Bei Bernadette La Hengst weiß ich eben, dass ihre Tochter mit dem Job ganz selbstverständlich umgeht.

Du hast Dir ja nicht umsonst Feminismus als Dein übergeordnetes Thema gewählt, gewissermaßen als Aushängeschild. Ist da das Interview eine besondere Form für Dich? Mit der Du auch besonders etwas bewegen kannst?

Eigentlich sehe ich das Thema Feminismus gar nicht so als Aushängeschild, obwohl ich natürlich klar eine Feministin bin. In meiner Sendung geht es eher um die Person und um die Gespräche. Mir geht es eher darum, Künstlerinnen eine Plattform zu geben und sie auch Sachen zu fragen, die sonst niemand in der Form fragt. Ich finde es wichtig, Frauen unabhängig von den Gender-Themen zu zeigen. Da muss Feminismus eben nicht immer im Mittelpunkt stehen, aber er schwingt immer mit. Damit kann man auch schwer aufhören, wenn man sich einmal damit beschäftigt hat. Auf jeden Fall würde ich mit Männern eher direkt über Feminismus sprechen während ich mit Frauen auch über andere Dinge spreche und es trotzdem feministisch ist.

Das Besondere am Interview – das besondere Interview

Dieses „Zeigen“ der Person kannst Du mit dem Interview ja auch besonders gut machen. Sicher, Du kannst in allem, was Du schreibst, den Fokus auf die Person legen…

… aber beim Interview weiß Du nie, was Dich erwartet und das liebe ich am Interview: Es ist eine Wundertüte. Du bist so abhängig von der Laune und Verfassung des Gegenübers und da können so viele kleine Sachen ausschlaggebend sein: Hunger, müde, Pipi…

Aber dann ist es die Aufgabe der Interviewerin, den Gast in eine Situation zu bringen, in der er gerne redet. Deswegen finde ich es schwierig, vor Konzerten Interviews zu machen. Da muss dann genügend Zeit sein.

Es ist eben schade, wenn es dann aufgrund solcher Umstände nicht klappt. Wenn ich zum Beispiel einen Babysitter für die Zeit des Interviews brauche, dann muss ich der Band sagen, dass ich ungefähr wissen muss, wann sie hat Zeit haben. Und trotzdem… wenn die Situation vor Ort an dem Tag doch anders ist, dann scheißt jeder auf Deinen Babysitter. Das ist leider so.
Das Interview mit Austra war da eine tolle Ausnahme: Das ist ja eigentlich auch so eine Band, mit der alle ein Interview machen wollen und entsprechend sitzt und wartest Du da eben erst einmal. Aber dann hat sich vor allem die Drummerin, Maya [Postepski], so gerne und auch lange mit mir unterhalten… Obwohl die vorher schon drei Interviews gegeben haben.

Das liegt aber auch an Deinen Fragen und der Vorbereitung…

Das ist eben eine selbsterfüllende Prophezeiung. Die Bands kommen ins Interview und denken: Ach das sind ohnehin nur wieder dieselben Fragen wie immer…

…und BÄHM – dann kommst Du mit Deinem Interview. Die intensive Vorbereitung und das Nachdenken über die Fragen scheinen sich ja auszuzahlen, wie man bei Austra gesehen hat. Wie bereitest Du denn so ein Interview vor?

(überlegt) Hm, also eigentlich habe immer ausformulierte Fragen – auch bei deutschen Interviews. Und vor allem, wenn ich mit Songzitaten arbeite, schreibe ich die auf. Bei Interviews auf Englisch bereite ich die Sprache noch ein bisschen akribischer vor. Manchmal lasse ich noch jemanden über die Fragen drüber schauen, damit das grammatikalisch gut ist.
In jedem Fall höre ich aber vorher ganz viel die Musik, ich lebe vorher mit der Musik. Oder lese Sachen über die Person. Dabei mache ich mir dann Notizen für die Fragen und bringe das noch in die richtige Reihenfolge.
Die Interviewgäste begleiten mich also eine ganze Weile. Wenn das mal wirklich nicht der Fall ist und ich nur ein Lied vom Album kenne, dann mache ich das in der Sendung transparent.
Es kann ja auch vorkommen, dass ich mich noch einmal mit einem Album befasse, obwohl es schon ein Jahr alt ist. Wenn ich das zu der Zeit so gut und wichtig finde, mache ich dann immer noch ein Interview dazu. Es eben ein Herzensding. Das will ich richtig machen.

Dadurch lernst Du die Bands auch tatsächlich kennen, oder?

Es entwickeln sich schon Bekanntschaften und auch Freundschaften. Das stimmt schon und das ist auch sehr schön. Bei Knarf Rellöm hat das sogar funktioniert, obwohl ich beim Interview eine komische Bemerkung über seine Mütze gemacht habe.

Was denn für eine Bemerkung?

Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Aber er hat es sich gemerkt und das war beim nächsten Treffen lustig. So etwas ist einfach ein schöner Anknüpfungspunkt.

Und er hat sich an das Interview erinnert, was ja ein tolles Kompliment ist. Außerdem baust Du Dir durch die Interviews ein Netzwerk auf. Wie wichtig ist das denn?

Enorm wichtig. Mein zweiter Name ist ja Netzwerk. Ich kenne zwar durch die Interviews viele Bands, das Netzwerk habe ich trotzdem eher im Radiokontext. Und da ist es extrem wichtig, weil es einfach nicht so viele Radiomacherinnen gibt.
Als ich angefangen habe, habe ich über die Arbeit Tine Plesch kennen gelernt und mich sofort mit ihr ausgetauscht. Sie hatte auch einen Brotjob, weil sie im Radio ihre Sachen unabhängig machen wollte. Junge Radiomacherinnen kennen sie ja leider gar nicht mehr. Aber Tine war eine großartige Netzwerkerin.
Heute laufen ja viele Verbindungen über soziale Netzwerke. Letztendlich sind aber auch das Empfehlungen. Ein Vorteil ist allerdings, dass Du ein Feedback bekommst über die Likes und Kommentare…

… was sonst beim Radio eher nicht der Fall ist …

… genau. Da hat Linus Volkmann auch mal gesagt, dass er bewundert, dass ich so viel arbeite und gar nicht weiß, wie viele Leute überhaupt zuhören. Ich könnte die Interviews ja auch abtippen und in einem Magazin veröffentlichen. Da hätte man dann eine Auflage und ein fertiges, gedrucktes Produkt.

Warum machst Du das nicht?

Weil mir die Zeit fehlt. Das Transkribieren dauert so lange. Außerdem interessiert mich das gar nicht so. Ich finde das Reden interessanter.

Das Argument mit der Zeit kann ich auf jeden Fall nachvollziehen. Aber das Aufarbeiten des Interviews während des Transkribierens finde ich auch immer dankbar.

Natürlich. Das Interview ist ja ein Austausch…

… den wir auch haben könnten, wenn wir einfach etwas trinken gehen. Aber dann wäre das Gespräch verloren.

Und beim Interview bist Du konzentrierter. Das schätze ich auch am Interview: Es ist eine Quality-Time, in der sich der Gast mit Deinen Fragen beschäftigt.

Das Interview im Fernsehen – über TV Personalities

… wofür in Fernseh-Talkshows ja fast nie genug Zeit ist.

Das stimmt. Da gibt es kaum wirklich gute Formate. Meistens fehlt auch der Mut, einfach mal nur eine Stunde zu reden. Ich schau mir das ja manchmal aus beruflichem Interesse an. Häufig läuft das so nach einem vorgegeben Plan, dass alle Gäste eine bestimmte Redezeit bekommen müssen. Das ist dann langweilig. Aber Bettina Böttinger mag ich ganz gerne. Die kann auch mal kritisch nachfragen, ohne dass es respektlos wirkt. Vor kurzem habe ich eine Folge von B. trifft gesehen, da waren Marianne und Michael da. Irgendwie bin ich da hängen geblieben. Bettina Böttinger hat dann eine Frage dazu gestellt, warum die als Volksmusik-Promipaar nun nach Jahren kirchlich heiraten und was sie von der katholischen Kirche halten. Da ist vor allem er so ins Schwimmen geraten und hat Chauvi-Sätze gesagt… das hat so tief blicken lassen. Und Bettina Böttinger hat das mit einer Frage geschafft.
Anke Engelke ist auch gut…

Bei Anke hat Zeit war mal Cosima von Bonin. Das war toll, denn obwohl sie in den Ausstellungen mit ihren Werken so als Überkünstlerin und extrovertiert rüberkommt, wirkte sie bei Anke Engelke eher zurückhaltend und …naja… menschlich. Dass Anke Engelke in der Stunde doch einiges aus den Gästen herausbekommt, liegt aber auch daran, dass sie Interesse an ihnen hat. Das bestätigt auch Deinen Grundsatz, Gäste zu interviewen, mit denen Du ach etwas anfangen kannst. Ich hoffe, es hat Dir Spaß gemacht, mal auf der anderen Seite des Mikros zu sitzen. Ich danke Dir, dass  Du Dir die Zeit genommen hast. Und der Sekt ist immerhin fast alle.


Mrs. Pepstein online:

Die Bands und Künstlerinnen im Interview

 

 

 

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