Interview über Interviews mit: Tim Neuhaus

>Tim Neuhaus<

„Es ist bestimmt für den Leser schön zu sehen, dass der Fragesteller sich mit der Band beschäftigt hat.“

Tim Neuhaus ist Schlagzeuger. Über manche Projekte – Clueso –  redet er mit Respekt, über andere – die Blue Man Group – gar nicht mehr gerne und über eines – seine Band The Cabinet –besonders leidenschaftlich. Die ersten beiden Projekte musste er aber erst durchziehen, bevor er das dritte als Herzenssache umsetzte. Er hat dafür sogar die Drumsticks an Florian Holoubek abgegeben und spielt bei Tim Neuhaus and the Cabinet Gitarre.
Schlagzeuger bleibt er als Tourmusiker für verschiedene Bands wie eben Clueso, Marcus Wiebusch oder The Hundreds.


 

Interview am 14.04.2014, Leipzig Täubchenthal

Am 14. April 2014 ist Tim Neuhaus mit Florian Holoubek für einen Auftritt in Leipzig. Eine schöne Gelegenheit, um mit ihm über Interviews zu sprechen. Da die Stimmung entspannt ist, kann die Gesprächsrunde bald um die zwei Sänger der Vorband erweitert werden. Bitteschön: Zwei Interviews in einem.

Portrait Tim Neuhaus

Das ist ja ein Interview über Interviews und darüber, wie Du als Künstler Fragen bewertest. Deswegen die wesentliche Frage am Anfang: Gibt es eigentlich dumme Fragen im Interview?

Hmm. Gibt es dumme Fragen…? Man kann ja so viel schon über Künstler lesen. Auf Wikipedia zum Beispiel … oder generell im Internet. Da kann man sich ja mit den ersten Informationen schon mal eindecken. Und da Bands, wenn sie neu anfangen, sich ohnehin viel mit sich beschäftigen, lesen sie das auch selbst häufig. Wenn sie danach dann noch immer gefragt werden, kann das schnell sehr anstrengend werden, zum Beispiel Fragen nach dem Kennenlernen oder wer wer ist. Das kann man übers Internet so schnell beantworten. Deswegen finde ich es schön, wenn jemand das im Vorfeld schon gemacht hat und tiefer in das Interview einsteigt.
Jaaaa… Dumm sind solche Fragen vielleicht trotzdem nicht. Die Leute wollen ja wissen, wo man her kommt und was man für Musik macht…

Wenn die Band ihre Musik erklären soll

„Was für Musik man macht, sollte natürlich der Hörer schon selber beurteilen und beurteilen können. Wenn man aber schon im Interview danach gefragt wird, finde ich es doch schön, das Gefühl zu haben, der Fragensteller hat zumindest schon mal in das Album reingehört.“

…Wie würdet Ihr Eure Musik selbst beschreiben…

Ja. Die Frage ist anstrengend. Da ist es schöner zu fragen: Wie unterscheidet sich die musikalische Vision von vor zwei Jahren zu der, die Ihr auf dem neuen Album verwirklicht habt? Oder: Trefft Ihr mit Eurer neuen Platte das Genre oder den Sound, den Ihr Euch vorgestellt habt?

Ok. Virginia Jetzt! haben von einer schönen Variante der Frage „Wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben?” erzählt: Sie wurden gefragt: „Was soll auf Amazon bei den Kaufempfehlungen stehen, wenn man Virginia Jetzt! eingibt?” Ist es tatsächlich entscheidend, so eine originelle oder interessantere Formulierung für eigentlich die selbe Frage zu finden?

Finde ich schon. Da lassen sich zum Beispiel direkt zwei Fragen auf einmal beantworten: Wie sehe ich mich selbst als Künstler und wo stehe ich gerade. Damit ist man auch inhaltlich eher an das aktuelle Album gebunden.
Was für Musik man macht, sollte natürlich der Hörer schon selber beurteilen und beurteilen können. Wenn man aber schon im Interview danach gefragt wird, finde ich es doch schön, das Gefühl zu haben, der Fragensteller hat zumindest schon mal in das Album reingehört. Natürlich verstehe ich das Problem: Es gibt so ein Überangebot… Vielleicht hat man schon tausend Mal etwas über die Band gelesen, sich aber nie damit beschäftigt, und dann soll man sie plötzlich interviewen. Trotzdem wäre es schön, wenn der Fragensteller wenigstens sagen könnte: „Ich habe kurz rein gehört und sehe dies und jenes in der Platte. Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege”. Das ist besser als einfach zu fragen: „Was macht Ihr für Musik?”. Das wirkt dann immer so, als hätte sich der Interviewer gar nicht damit beschäftigt.

Herrenmagazin haben dazu gesagt: Wenn Du wissen willst, wie die Musik klingt, hör sie und entscheide selbst.
 Du hängst die Messlatte aber nicht sehr hoch, wenn es Dir reicht, dass der Interviewer wenigstens mal in die Platte rein gehört hat…

Passiert oft genug, dass das nicht der Fall ist, glaub mir. Gerade bei Bands, die sich erst im Feld der vielen Indie-Bands etablieren. Da staunst Du, was da auf Festivals für Fragen kommen. Ich rede da ein bisschen als gebranntes Kind.

Das Engagement der Interviewenden

„Es hängt genauso davon ab, ob jemand seinen Job gerne macht. Wenn er das tut, erzählt man auch gerne etwas, egal wie die Frage erst einmal klingt.“

Aber warum macht man ein Interview, wenn man offenbar kein größeres Interesse an dem Künstler hat?

Hmm… Naja, die Frage kannst Du ja den Interviewern stellen.

Na dazu kann ich Dir sagen, dass es mitunter bestimmte Redaktionsvorgaben gibt, z. B. eine bestimmte Band mit in die Ausgabe zu nehmen, weil sie eben gerade Thema ist. Vielleicht gibt es aber noch andere Gründe, warum das so ist?

Warum ist das so? Weiß ich nicht. Vielleicht ist dem Redakteur die unbekannte Band zu unbekannt. Vielleicht will er gar nicht auf dem Konzert sein und wird von der Redaktion hingeschickt, wie Du sagst… Da bin ich jetzt auch ein bisschen böse. Das klingt ja so, als würde ich das bewerten oder verurteilen. Aber tatsächlich habe ich manchmal den Eindruck, dass die Leute da sind, weil sie müssen. Das ist schade, denn als Band freut man sich ja, wenn man ein Interview hat.

Kann man vor dem Interview, also schon bei der Anfrage, feststellen, ob es gut wird?

Nein kann man nicht. Und eine allgemeine Anfrage muss ja auch nicht schlecht sein. Wenn der Interviewer sagt: „Das letzte Album – erzähl mal etwas dazu”, dann erzählt man auch. Es hängt genauso davon ab, ob jemand seinen Job gerne macht. Wenn er das tut, erzählt man auch gerne etwas, egal wie die Frage erst einmal klingt.

Macht es einen Unterschied, für wen das Interview geführt wird?

„Für so eine kleine Ecke mit einem kurzen Steckbrief reicht vielleicht schon das Internet. Für ein Interview ist man aber schon verpflichtet, ein interessanteres Gespräch zu führen, vielleicht auch mal provokante Fragen zu stellen, die vielleicht erst einmal nichts mit der Band zu tun haben.“

Du hast gesagt, dass man sich als Band freut, Interviews zu geben. Kann man dann Rollen für beide Seiten bestimmen und sagen, der Eine möchte etwas vom Anderen und ist ihm deshalb verpflichtet?

Hmm. Interessant. Nein, ich glaube nicht. Im Grunde machen die Interviewer das ja auch nicht für sich, sondern für die Zuschauer oder Leser. Es ist bestimmt für den Leser schön zu sehen, dass der Fragesteller sich mit der Band beschäftigt hat und wird sich umso mehr für die Antwort interessieren. Man ist also dem Leser verpflichtet. Für ein schönes, dynamisches Interview braucht es natürlich feinere Fragen. Es kommt aber auch darauf an, wofür man schreibt: für so eine kleine Ecke mit einem kurzen Steckbrief reicht vielleicht schon das Internet. Für ein Interview ist man aber schon verpflichtet, ein interessanteres Gespräch zu führen, vielleicht auch mal provokante Fragen zu stellen, die vielleicht erst einmal nichts mit der Band zu tun haben.

Macht es einen Unterschied, ob ich von einer kleinen oder größeren Zeitung anfrage und ob ich eine bekanntere oder unbekanntere Band anfrage? Gibt es da unterschiedliche …. Kräfteverhältnisse? 

Nenn mal ein Beispiel.

Naja, wenn ich vom Feuilleton der Zeit eine kleine, lokale Band anfrage, sollte sich die Band freuen. Wenn ich für einen kleinen Blog aber ein Interview mit Jan Delay machen kann, sollte ich mich als Journalistin freuen. 

Ja, solche Kräfteverhältnisse gibt es wahrscheinlich. Man klärt das Interview ja vorher ab und wenn man denkt, dass das stimmt, sagt man entweder ab oder zu. Ich glaube, Clueso macht vielleicht nicht mit jedem ein Interview. Die suchen sich das raus.

Nach welchen Kriterien?

Die großen Bands haben ohnehin einen Promoplan und wissen, wo sie sich während einer Tour aufhalten. Wenn sie dann in einer Stadt sind, ist der Zeitplan so eng, dass sie sich das aussuchen müssen. Dann ist die ARD eben vielleicht wichtiger als die Indiezeitung der Stadt.
Das kostet ja auch Kraft, sich die halbe Stunde Zeit zu nehmen.

Über Erfolg und Medienerfahrung

Auf die Anstrengung kommen wir später noch mal zu sprechen. Ich finde aber interessant, dass Du gleich Clueso ansprichst. Du hattest ja das – nennen wir es mal Glück – dass Du schon Einblick in diese ganze Maschinerie bekommen hast, allerdings mit etwas Distanz. Du hast das schon bei Clueso und sicher auch bei der Blue Man Group mitbekommen, ohne dass Du selbst Interviews geben musstest. Fandest Du das gut? 

Bei Clueso kriege ich das natürlich mit als Schlagzeuger. Und ich liebe das. Ich bin ja schon gerne in einer Band und beobachte das. Das ist mir sogar fast lieber, als Frontmann zu sein. Ich finde es spannend zu sehen, wie sich Dinge verändern, wenn man erfolgreich ist. Wie der Künstler Kunst schafft, wenn er weiß, es hören ihm 10.000 Leute zu.

Was ändert sich denn da?

Da ändert sich wahnsinnig viel. Wo soll ich anfangen? Im öffentlichen Leben ändert sich einiges. Deine Kreativität wird extra gefordert, weil er weiß, dass er für viele Ohren Musik macht. Es gibt ein Business, um das er sich kümmern muss, und die Musik wird mehr und mehr zum Beruf.

Du hast von dem Promoplan gesprochen. Hast Du da für Dich selber, für The Cabinet etwas mitgenommen? Dafür, wie Du mit Medien umgehst?

Ach wir sind so eine kleine Band… Ich genieße es, mit der Musik Leute anzusprechen. Und ich genieße es auch, auf Augenhöhe für ein Interview angesprochen zu werden. Ich habe auch nicht gerne den Stress, mich damit auseinanderzusetzen, ob ich ein Interview für ARD oder Arte mache. Das sind nicht meine Themen und ich genieße das total.

Ist es denn ein Unterschied, ob Du für Arte ein Interview gibst oder eine kleine Indie-Zeitschrift?

Ich war noch nie bei Arte…

…Setzen Sie an dieser Stelle den Namen eines beliebigen auflagenstarken Magazins ein.

Es gab ja einige Interviews fürs Radio, die spontan und über Telefon waren und die durchaus sehr liebevoll ablaufen. Dann gab es eines für die SZ. Das war aber sehr kurz. (Tim überlegt)
Ich denke gerade, meine Interviewkultur ist gar nicht so ausgeprägt… Aber zu den Alben-Releases gab es doch immer einige. Das genieße ich doch. 
Hmm… Ich habe da ehrlich gesagt auch noch nie so darüber nachgedacht, merke ich gerade. Ich überlege, während wir reden….

Das ist der Sinn der Sache.
Oder siehst Du das anders?

Nein. Du stellst halt die Fragen, die noch hinter dem Interview liegen.

Es ist ja quasi ein Meta-Interview. Es ist ja auch spannend zu sehen, wie das funktioniert. Du hast schon die Promo-Interviews zu Alben angesprochen und die Band-Infos, die es im Internet gibt. Es gibt die Presse-Infos. Über diese Sachen kann man gut steuern, was man gefragt wird beziehungsweise wie man dargestellt wird. Hast Du das auch schon festgestellt?

Sicher. Aber bei den mittelgroßen Indie-Bands gibt es so ein großes Angebot, dass sich die Leute nicht so lange damit auseinandersetzen. Es sei denn, sie sind wirklich so unglaublich große Fans, dass sie das einzigartige Interview mit IHREN Helden machen wollen. Ich weiß genau, wenn ich ein Interview mit Käptn Peng und die Tentakel von Delphi machen würde, würde ich mich so dermaßen freuen… Ich glaube, ich würde noch einen Haufen anderer Fragen stellen.

Der Fan als Interviewender

„Mit Käptn Peng würde ich über das Buch reden, ich würde grundsätzliche Fragen stellen. Ich würde meine persönliche Sicht reinbringen und ich würde mir im Vorfeld Fragen überlegen, die inhaltlich ausschlaggebend sind.“

Oha, Käptn Peng… Wie würdest Du Dich denn darauf vorbereiten?

Würde ich mich da vorbereiten? Ich glaube nicht. Ich habe das alles internalisiert. Ich oute mich hier gerade als Fan von Käptn Peng…

Ist ja nicht das Schlechteste und vor allem nicht Guns’n’Roses.

Ja das stimmt. Aber nein, mit Axl Rose möchte ich nicht mehr reden. Mit Käptn Peng würde ich über das Buch reden, ich würde grundsätzliche Fragen stellen. Ich würde meine persönliche Sicht reinbringen und vielleicht in ein Intro schreiben, dass es mich als philosophischen, Krishna-liebenden Menschen interessiert, was ein Käptn Peng zu diesem oder jenen Thema zu sagen hat.
Ich würde mir im Vorfeld Fragen überlegen, die inhaltlich ausschlaggebend sind. Wenn ich die Band interviewe, würde ich natürlich eher Fragen stellen, die die Band betreffen, z.B. ihre Ausstrahlung auf der Bühne. (Stockt und überlegt) Ich würde fragen, wer auf die Idee gekommen ist oder über ihre Zukunftsvision sprechen. Ich würde fragen, ob sie selbst gedacht hätten, dass sie so geschichtsschreibend werden wie sie sind. (Stockt wieder) Ich weiß nicht. Das ist bestimmt kein leichter Job.

Interessanterweise hast Du gleich gesagt, dass Du Dich auf das Interview gar nicht weiter vorbereiten müsstest…

…naja inhaltlich…

….genau. Man sagt ja aber, dass bei Interviews erst einmal die Recherche ganz wichtig ist. Da habe ich aber das Gefühl, dass die mitunter nicht über Laut.de, Wikipedia oder Indiepedia hinausgeht. Das Ergebnis sind dann natürlich so Facts-To-go: Wann wurde die Band gegründet, Wer sind die Mitglieder, Wie viele und welche Alben hat sie herausgebracht…

Genau. Da kannst Du aber auch sehen, wieviel Text auf so einer Seite steht. Vielleicht hat da der Interviewer auch die Verantwortung, die Informationen ein wenig zu sortieren. (Überlegt)

Um einmal bei Käptn Peng zu bleiben: Du hast Dich intensiv mit der Musik auseinander gesetzt und darauf basieren Deine Fragen. Das findest Du in keinem Online-Lexikon. Das heißt ja, dass das Interesse des Interviewers an der Band eine wesentliche Rolle spielt. Siehst Du eine Möglichkeit…

…genau. Die Sache ist ja die: Als Künstler oder als auf der Bühne Stehender hast Du ja ohnehin zu tun mit den Gedanken, die Dich für Dein Ding motivieren und für die Musik ansich. Wenn Du als Interviewer dann auch noch selbst Musiker bist und diese Gedankenwelt dann dadurch teilst, hast Du vielleicht noch mehr Einblick in diese Gedankenwelt. Das kann ich mir zumindest vorstellen. Als Musiker bist Du es gewohnt, Dich auf die Gedankenwelt der anderen Akteure einzustellen. Deswegen wäre sicher interessant, Musiker andere Musiker interviewen zu lassen.

Ah, wie bei Andy Warhol’s Interview? Da interviewen ja Künstler, Promis und eben auch Musiker andere Künstler, Promis und Musiker.

Aja. (Nickt zustimmend)

„Wenn Du als Interviewer dann auch noch selbst Musiker bist und diese Gedankenwelt dann dadurch teilst, hast Du vielleicht noch mehr Einblick in diese Gedankenwelt. Deswegen wäre sicher interessant, Musiker andere Musiker interviewen zu lassen.“

TV Noir und die Comfortzone im Interview

Hast Du das beim Interview mit Tex in TV Noir festgestellt?

Ja, ich glaube, Tex ist jemand, dem es sehr gut gelingt, den Künstler in eine Comfort Zone einzubetten. Er vermittelt das Gefühl zu wissen, womit Künstler es zu tun haben. Er versteht, wie die Platte produziert ist und was sich der Musiker gedacht hat. Er fragt nach dem neuen Album und ob es stimmt, was in dem Presseinfo steht. Damit bezieht er sich auf bestimmte Sachen zum Album. Dann spielt man ja die Lieder und da fragt er dann auch nach Dingen, die anders sind als auf der Platte. Das ist dieses Eingebettet-Sein. Ich glaube, Tex ist auch so natürlich, weil er sich selbst mit so viel Musik umgibt.

Er hat ja auch gesagt, es geht ihm gar nicht um die Interviews sondern genau darum, diese Comfort Zone herzustellen. Dadurch soll der Musiker in die richtige Stimmung kommen und besser spielen. Deswegen auch die Spiele zwischen den Auftritten und Interviews…

….(lacht) Jaja. Da würde ich fast sagen, das schießt manchmal übers Ziel hinaus. Manchmal fühlt sich der Musiker ein bisschen bedroht durch die Spiele. Das hat sich auch schon rumgesprochen, wenn jemand zum Beispiel schon zweimal da war.

Was ja bei Dir gerade war...

….Jaja. Das war auch beschämend. Ich habe da auch immer Angst, die einfachsten Dinge nicht richtig zu verstehen. Eine Frage war ja z.B. nach den letzten Worten in Märchen. Und… Was hab ich denn da gesagt? … Ach ja…. „Die Moral von der Geschichte” und eigentlich heißt es ja „Und wenn sie nicht gestorben sind”. Das sind dann so peinliche Momente, in denen man sich outet.

Vielleicht redet man sich aber auch ein, dass es peinlich ist. Denn eigentlich ist es ja sehr sympathisch. 

Ah. Ok. Aber ich wurde auch schon darauf angesprochen. Zum Beispiel, dass ich den Pumuckl-Song nicht kannte.

Da wurdest Du gedisst? Das tut mir natürlich leid. Vor allem, weil Du Dich mit einer sehr schönen Version rehabilitiert hast.

Danke.

(An dieser Stelle kommt Tim Ludwig – Sänger der Vorband ByeBye – rein und setzt sich für einige wenige Fragen dazu)

Oh, geht es um TV Noir?

Genau. Magst Du Dich zu uns setzen? 

Da höre ich gerne zu.

Also, Tex hat ja den Luxus, sich Bands einzuladen, die er wirklich schätzt. Die Gäste gehen durch seinen Geschmacksfilter. Da hat er natürlich ein ehrliches Interesse an den Gästen. Darf er deswegen auch Fragen zur Hamburger Schule stellen?

Hat er das gemacht?

Ja. Die Frage ging allerdings an Herrenmagazin und er musste sich dann sagen lassen, dass die Frage oft kommt. Er hat sich dann aber sofort darauf eingelassen und den Begriff hinterfragt. 

Ja, ich glaube auch, da hat er sich etwas dabei gedacht. Aber ich erinnere mich, dass sie backstage darüber gesprochen haben. Vielleicht war das auch so eine Aufforderung, darüber zu sprechen. Denn da ist Tex sehr wach und versucht zu unterstützen, wo er kann. Diese differenzierte Sichtweise und Begeisterung merkt man bei ihm auf jeden Fall.

Die Subjektivität in der Frage

„Aus der eigenen Perspektive zu fragen ist nicht unbedingt schlecht. Es kann ja sehr spannend sein, sich mit jemanden zu unterhalten, der schon eine klare Meinung hat.“

Ja, das Gefühl hatte ich auch. Gleichzeitig denke ich dann, es gibt eine Art Interview-Schule, so persönlich an ein Interview heranzugehen. Das erinnert mich an Charlotte Roche zu Fast-Forward-Zeiten. Sie hat immer sehr aus der eigenen Perspektive heraus gefragt.
Aus der eigenen Perspektive zu fragen ist nicht unbedingt schlecht. Es kann ja sehr spannend sein, sich mit jemanden zu unterhalten, der schon eine klare Meinung hat. Ich war jetzt noch nicht bei Charlotte Roche in einer Show und weiß nicht, wie sie da funktioniert. (Überlegt) Da geht es ja auch um etwas Anderes, denke ich. Wenn man z.B. bei Sarah Kuttner in der Show über Musik redet, muss die Energie stimmen. Da wird der Künstler auch noch für etwas Anderes genommen.

Ja. Sarah Kuttner hat mit der Art natürlich immer auch an Charlotte Roche erinnert. Nun gibt es die Shows ja auch schon lange nicht mehr…
Gibt es denn Anfragen, die Du ablehnen würdest? 

Ach sicher, aber da müsste ich erst einmal überlegen… Ein Interview mit der McDonalds-Zeitschrift vielleicht…

Mit Ronald McDonald?  (Ich muss lachen)

Oder mit der Bild…

Über schlechte Interviews und Absagen

Warum?

Ach, da finde ich es gut, abzusagen. Die Geschichte erzähle ich lieber: „Die Bild wollte ein Interview machen und ich hab abgesagt”.

So Judith Holofernes Style….

Genau.

Also eher wegen des Unternehmens oder des Mediums, das da dahinter steht.

Und wegen des Interesses. Warum sollten ausgerechnet die sich dafür interessieren?

Interessanterweise hat Dirk von Lowtzow gesagt, dass das Interview mit dem Deutsche-Bahn-Magazin ganz hervorragend war. Und das ist ja jetzt auch nicht für seriösen Qualitätsjournalismus bekannt. Es scheint also nicht immer so eine große Rolle zu spielen, welches Medium anfragt sondern dass es am Interviewer liegt…

Ja klar, am Ende gibt es ja nur Menschen. Es gibt ja nicht DEN Russen oder DEN Italiener.

Bist Du schon einmal so richtig reingefallen? Dass ein Interview so richtig schlecht war?

Hmm… In Dachau. Das hat sich wirklich schlecht angefühlt. Das war so ungefähr zehn Minuten und der Interviewer wollte unbedingt in der Konzertpause fragen. Und da kamen dann Fragen wie „Wie würdest Du das Konzert beschreiben?”. Es war doch die erste Hälfte und er hat sie gehört… Das war also sehr unpersönlich.
 Man hat ja auch nicht immer tolle Gespräche mit seinen Freunden. Ist also vielleicht auch normal, Pech zu haben. Das nimmt man auch nicht so ernst.

Das Interview ist ein Dialog

„Am Anfang war ich bei Interviews durchaus nervös und habe überlegt, was ich da jetzt antworte. Ich hatte ja zehn Ideen. Es ist nicht ganz einfach, gezielt Inhalte zu bieten und über etwas zu sprechen, an dem man zuvor ein halbes Jahr lang im Studio gearbeitet hat. Da werde ich auch sicherer, wenn ich die Situation ein bisschen kennen gelernt habe.“

Funktioniert die Analogie tatsächlich, zwischen Alltagsgespräch und Interview? 

Naja, ich wusste, dass wir reden würden, aber ich rede jetzt nicht so, weil ich weiß, dass das irgendwo gelesen wird. Das ist für mich ein Gespräch wie jedes andere auch. Wir nehmen uns die Zeit und die halbe Stunde ist kostbar…

…aber es würde nicht anders verlaufen, wenn Du mit Freunden beim Abendessen zusammen sitzen würdest und jemand würde das Thema Interview in den Raum schmeißen…

Vielleicht würden wir mehr Witze machen…

…ach wenn Du einen hast, gerne…

…(lacht) Nein, aber so ein Meta-Interview finde ich ja spannend. Ich habe mir da noch gar keine Gedanken gemacht. Ich habe mir immer viel eher überlegt, wie ich mein Ermm.. und das lange Überlegen wegbekomme. Am Anfang war ich bei Interviews durchaus nervös und habe überlegt, was ich da jetzt antworte. Ich hatte ja zehn Ideen. Es ist nicht ganz einfach, gezielt Inhalte zu bieten und über etwas zu sprechen, an dem man zuvor ein halbes Jahr lang im Studio gearbeitet hat. Da werde ich auch sicherer, wenn ich die Situation ein bisschen kennen gelernt habe. Aber man lernt als Musikschaffender einzuschätzen, worum geht es im Interview und worauf will der Interviewer mit der Frage hinaus.

Interviews mit etablierten und mit neuen Bands

„Je größer die Band, desto aufmerksamer die Interviews. Je etablierter ein Künstler ist, desto weniger kann man es sich ja erlauben, Fragen zu stellen, die unreflektiert sind.“

Das spricht aber dafür, dass sich die Interviews sehr stark wiederholen. Ich könnte es nachvollziehen, dass Du im Interviewprozess für ein Album so eine Routine entwickelst. Wenn Du das aber über mehrere Alben hinweg feststellst, spricht das nicht unbedingt für die Interviews…

Hmm. Ich finde es ja auch spannend zu unterscheiden, ob jemand schon ein alter Hase und lange dabei ist oder ob man als Musiker ganz neu im Geschäft ist. Ich zähle mich zum Beispiel zu denen, die schon recht viel gemacht haben durch das Schlagzeugspielen, auch mit größeren Bands. Da ergeben sich dann natürlich ganz andere Fragen und darauf sollte sich ein Interviewer schon vorbereiten… Wo bewegt sich der Musiker sonst so. Oder wenn ich zum Beispiel den Sänger von The National befrage, dann muss ich mich auch nicht nur auf das aktuelle Album beziehen, sondern kann auch die Entwicklung und die Vision dahinter beleuchten.
Noch eine andere Sache ist es ja, wenn ein Künstler, der eigentlich mit einem Projekt schon recht erfolgreich ist, ein zweites oder sogar ein drittes Projekt startet und das am Anfang noch eher klein ist und erst durchstartet. Darauf sollte sich der Interviewer auch vorbereiten und da wäre es schön, wenn man gefragt würde, wie das ist, mehrere solche Projekte gleichzeitig zu haben.

Aber das ist ja eigentlich ein Mindeststandard, den man erwarten darf – dass sich der Interviewer damit beschäftigt.

Ja eigentlich schon.

Deswegen hatte ich eigentlich gehofft, dass Du aus Deinen Erfahrungen mit Clueso, Konstantin Wecker oder der Blue Man Group etwas für Dich mitgenommen hast. 

Hab ich ja auch. Also bei Konstantin Wecker oder Clueso sind die Interviews natürlich sehr an die Person gebunden. Da geben sich die Interviewer auch Mühe, nicht mit dummen Fragen dazustehen. Ich würde behaupten: je größer die Band, desto aufmerksamer die Interviews. Je etablierter ein Künstler ist, desto weniger kann man es sich ja erlauben, Fragen zu stellen, die unreflektiert sind.
Und Konstantin Wecker bietet ja auch die Möglichkeit, andere Themen abseits der Musik aufzugreifen. Er ist ja ein sehr politischer Mensch, wodurch sich Anknüpfungspunkte ergeben.

Kannst Du Unterschiede feststellen, wo und in welcher Form Interviews geführt werden?

Naja, manchmal ist es neben der Bühne auf Festivals oder mal eben noch 10 Minuten spazieren gegangen und etwas erzählt. Manchmal setzt man sich aber nach dem Konzert noch eine dreiviertel Stunde zusammen und redet. (überlegt) In meiner Größenordnung gibt es aber auch manchmal Situationen, in denen man gar nicht weiß, ob es jetzt tatsächlich um ein Interview geht. Ich habe in einem kleinen Club auch schon ein Interview gegeben, da glaube ich, die Interviewerin wollte das gar nicht und war eigentlich eher daran interessiert, so eine Nähe herzustellen.

Also von Fans interviewt werden. Ist das schlimm?

Nein. Überhaupt nicht. Also die Anfrage sollte natürlich normalerweise über das Label gehen. Aber natürlich kommt es eben vor, dass man im Club direkt angesprochen wird.

„Interviews sind ja auch eine Art der Promotion. Aber wenn Du liebst, was Du tust, dann redest Du ja auch gerne darüber, auch mit Menschen außerhalb der Band. Du machst das als Künstler für Menschen da draußen und dann kommt eine Person und die hat das Privileg, für eine andere Plattform Fragen zu stellen. Damit teilst Du das ja auch. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.“

Dabei können Interviews mit Fans ja durchaus auch gut sein – siehe das Beispiel mit Käptn Peng… 
Warum gibst Du denn überhaupt Interviews?

Warum? Hmmm… Ich denke, da kommt Person A und Person B weiß, die stellt Fragen, die hoffentlich von Interesse sind. Und Person B sagt dann Ja oder Nein. Es gibt ja auch Leute, die gar keine Interviews geben, weil sie es grundsätzlich nicht gut finden. Das ist ja eine Haltung.

Aber nicht viele…

…nicht viele, ja. Einige haben es ja nötig. Interviews sind ja auch eine Art der Promotion. Aber wenn Du liebst, was Du tust, dann redest Du ja auch gerne darüber, auch mit Menschen außerhalb der Band. Es ist ja vielleicht auch ein sehr archaisches Gefühl: Du machst das als Künstler für Menschen da draußen und dann kommt eine Person und die hat das Privileg, für eine andere Plattform Fragen zu stellen. Damit teilst Du das ja auch. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Ist das schmeichelhaft?

Hmm. Mittlerweile ist es eher Routine, aber es kann sich zu etwas sehr Schmeichelhaftem entwickeln – zu einem sehr schönen Gespräch nämlich. Es gehört natürlich ein bisschen zu dem ganzen Bandgeschäft dazu. Man geht auf Tour und da hat man so viele andere Sachen vorzubereiten, die eben nicht schmeichelhaft sind und auf die man nicht immer Lust hat. Über die Band zu reden gehört einfach irgendwie zu der ganzen Sache dazu…

Oliver Haas von der Vorband Bye Bye kommt in den Raum, um sich eine Cola zu holen.

Oliver: Wie geht’s?

Tim N.: Besetzen wir eigentlich den Raum?

Oliver: Kein Problem, das Büffet ist ja draußen.

Tim N.: Ha, stimmt.

Er entschuldigt sich kurz, wird aber sofort durch Tim Ludwig, dem zweiten Mann von Bye Bye ersetzt, der gerade wieder hereinkommt. Sie wollen wissen, für wen das Interview ist, was ich natürlich gerne erkläre und über die Serie Interviews über Interviews spreche.
Die Leipziger haben vergangenes Jahr Ihr Debütalbum „Du weiß wieso“ veröffentlicht und können von ersten Interviewerfahrungen erzählen.

Oliver: Ich kann zum Beispiel gar nicht damit umgehen, wenn der Interviewer irgendwie so affektiert ist. Das haben wir schon bei Radiointerviews erlebt.

Tim L.: …deswegen habe ich jetzt gerade so auf das Mikrofon geschaut, ob das mitläuft. Weil ich die Situation kenne, wenn der Ton wichtig ist… Aber der scheint bei Dir ja nicht wichtig zu sein.

Radiointerviews

Nein, ich transkribiere das und es erscheint als e-Book.

Tim L.: Ah. Ok. Wir waren aber auch schon live bei Fritz, oder wenn das Interview vorproduziert ist, das ist immer eine besondere Situation.

Ist das dann überhaupt noch ein Interview? Wenn Du zwischen 2 Liedern mal eine Frage beantworten kannst und Dir der Moderator noch nicht einmal in die Augen schaut, weil er das rote Licht im Blick hat?

Tim L.: Ja, das geht ja nicht um eine Essenz. Das ist eigentlich ganz oberflächlich.

Oliver: Genau, da geht es dann eher darum, welche oberflächliche Smalltalk-Frage man mal noch stellen kann. Wir haben jetzt noch 25 Sekunden…

Tim L.: …für uns geht es darum, noch eine Information unterzubringen, in kürzester Zeit.

Sinn und Zweck von Interviews

Seht Ihr Interviews für Euch als Werbeplattform?

Oliver: Naja, momentan freuen wir uns schon über Interviewanfragen mit dem Hintergedanken, dass sie für uns Öffentlichkeit bedeuten. Aber Werbeplattform? … Nein, ich freue mich über die Situation, weil ich da selber noch einmal reflektieren kann. Auch Dinge, die ich mich selbst noch gar nicht so gefragt habe.

Da sind Interviews dann doch auch ein Gewinn?

Oliver: Wenn sie die nötige Tiefe erreichen und über Fragen hinausgehen wie: „Warum heißt Ihr wie ihr heißt?”…

Tim L.: Wobei es auch manchmal gut war, dass die Frage gestellt wurde, weil wir erschlagen waren von der Antwortfülle, die man hätte geben können. Oder wenn jemand fragt: „Warum machst Du Musik?”, dann weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll.

Oliver: Das ist mir für ein Interview aber auch zu unspezifisch.

Tim L.: Ja, es ist auch unspezifisch. Aber es hat vielleicht dazu angeregt, sich ein paar Antworten zurecht zu legen oder das zu strukturieren.

Oliver: Also ich finde, als wir Interviews gegeben haben… Naja so oft hatten wir noch nicht die Gelegenheit….

Aber Sputnik, Fritz… Das sind größere Sender…

Oliver: Für uns war das auch immer aufregend und wir haben es als Möglichkeit gesehen, Interviews zu üben.

Das klingt so, als würde man da schon eine Routine entwickeln….

Tim L.: Ich glaube, die braucht man auch, um in so einer Stresssituation… Das ist ja erst einmal eine Stresssituation. Wenn ich mir vorstelle, dass mich als Normalbürger einer von RTL auf der Straße anspricht, dann ist das erst einmal Stress. Also in mir löst es Stress aus, wenn mir jemand eine Frage stellt und ich soll ad hoc darauf antworten.

Was ist ein Interview eigentlich?

„Also für mich sind Interviews eben auch stressfrei. Wir setzen uns mit einem Kaffee hin und kratzen auch nicht nur an der Oberfläche. In der Umgangssprache ist Interview natürlich alles andere auch.“

Also so Umfragen… Sind das noch Interviews?

Oliver: Nein. Also für mich sind Interviews eben auch stressfrei. Wir setzen uns mit einem Kaffee hin und kratzen auch nicht nur an der Oberfläche. In der Umgangssprache ist Interview natürlich alles andere auch.

Tim L.: Ich verbinde Interview immer mit Mikrofon. Ich werde etwas gefragt, antworte und es wird auf viele unbekannte Menschen übertragen. Natürlich möchte man dann auch eine gute Figur abgeben. Mit der Routine macht man sich dann aber auch davon frei.

Dann seid Ihr ja vielleicht sogar dankbar, wenn sich Fragen wiederholen?

Oliver: Hm. Naja. Vielleicht am Anfang für einen Moment, um reinzukommen. Aber die Frage ist ja, wen erreicht das Interview und wer ist der Adressat. Wenn man da ein sehr großes Publikum erreicht, dann überlegt man sich schon, welche Claims man rausschickt und wie man sich als Produkt präsentiert. Aber das ist sicher nicht die Art von Interview, die Du schätzt.

Es gibt beides: die sehr routinierten Interviewpartner, die genau wissen, was sie sagen wollen und wie sie es unterbringen und die sehr sympathischen Interviewpartner, die authentisch antworten und die Fragen ernst nehmen.

Oliver: Man lernt leider aber oft, noch das unterzubringen, was man selber noch sagen will, auch bei einer Frage, die in eine ganz andere Richtung geht. Man sieht das in der Interviewkultur, in Talkshows.

Da sind wohl auch die Definitionen von Interview fließend. Wir hatten vorhin ja schon die Straßenumfragen. Ein anderes Beispiel sind Rubriken wie „5 Fragen an…”. Ist das noch ein Interview.

(An der Stelle kommt Tim wieder rein)

Tim N.: Na, da kann man ja auch per Email antworten. Das ist auch sehr edel, das zu unterscheiden: Spreche ich den direkt an oder schicke ich es per Email. Dann kann der Künstler selbst entscheiden. Oder ob sich das Management verpflichtet fühlt, zu antworten. Ist schwierig. Und würde man wahrscheinlich auch kein Interview nennen.

Es kann sich eben bei 5 Fragen schwer ein Dialog entwickeln.

Tim N.: Ist ja auch nicht gewünscht.

Oliver: Nein, da soll es schnell und knapp sein… Komm, ein Wort. Wir brauchen nur ein Wort. Bitte nicht so viel reden.

Über die Interviewsituation

Was sind denn dann die angenehmsten Interviewsituationen? Live beim Radio offenbar nicht….

Oliver: Hm, hatten wir schon mal angenehme Interviewsituationen? Ach, beim Kreuzer. Da haben wir uns anderthalb Stunde unterhalten und ich habe nach 10 Minuten gemerkt, dass ich richtig gelöst bin. Das war schön.

Tim N.: Nach dem Konzert. Das ist auf jeden Fall schöner als vor dem Konzert.
 Weil man da auch noch einmal gelöster ist. Das ist wie ein Bier trinken. Man ist näher an dem Kunstgeschehen. Die Fragen gehen dann mehr ins Herz.

Die Chance hätten wir gehabt…

Tim N.: Ja, aber ich habe auch gewusst, dass ich da verplant bin. Da habe ich einfach zu viele Freunde in Leipzig. Und hast ja gesagt, dass es eine Stunde dauert…

Oliver: Ach Mist Freunde… Ich dachte, Du schläfst bei uns….

Na gut. Wir machen es nun vor dem Konzert. Ist das anstrengend?

Tim N.: Nein. Eigentlich nicht. Mir geht nur gerade die Zeit ein wenig weg. Es ist das erste Konzert der Tour, da sind noch einige Sachen zu organisieren und wir haben uns beim Soundcheck nicht so wohl gefühlt. Ich gehe die Setlist noch einmal durch…. Deswegen bin ich tatsächlich nicht mehr 100-prozentig da.

Das ist auch kein Problem. Ich habe nur noch ein paar Fragen, die ich gerne zum Vergleich auch bei den anderen Interviews stelle. Die können wir als Abschluss nehmen. In welcher Situation gibst Du denn gerne Interviews?

Tim N.: Also eine Stunde ist zu lang.

Auch wenn sich ein interessantes Gespräch entwickelt?

Tim N.: Nein, dann natürlich nicht. Dann ist es ein schönes Gespräch. Aber im Vorfeld ist eine Stunde eine lange Zeit. Am Tag eines Konzertes nimmt das dann viel Raum ein. Es kann ja auch sein, dass man in der Stadt einen Freund oder eine gute Freundin hat…

Tim L.: Ja, es kann ja sein, dass man in jeder Stadt eine Freundin hat…

Über verschiedene Interviewarten

Ohja. Dann also eher eine halbe Stunde, da aber das Risiko einkalkulieren, dass man das Interview abbrechen muss?

Tim N.: Haha. Naja, das sind auch nicht zu verallgemeinernde Thesen. Es kann durchaus sein, dass wir jetzt noch eine halbe Stunde gut reden können. Ich sage das auch nicht als Wink mit dem Zaunpfahl.

Ist recht. Auf jeden Fall ist das persönliche Gespräch aber angenehmer?

Tim N.: Jaaaa. Ich finde Email auch ganz schön. Da kann man dann darüber nachdenken. Ich wusste da aber auch, wo es hingeht und das ist ein großer Unterschied.

Aber dann gehen die Fragen hin und her?

Tim N.: Nein, auf keinen Fall schriftlich hin und her.

Aber dann hast Du auch wieder keinen Dialog.

Tim N.: Aber da musst Du mal sagen: Wo kommt das Interview her?

Fragen und Antworten spielt in der Definition natürlich eine wesentliche Rolle. Aber vom Wort her kommt es aus dem Französischen: entrevue. Man trifft sich. Wie auch bei Rendezvous.

Oliver: Und Entrecote. Ach ne, das ist das Fleisch.

Und damit muss die Definition des Interviews neu geschrieben werden. 
Habt vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt.


Links:

Discographie:

2011 The Cabinet
the cabinet

 

 

 

2013 Yindi 2.0 (Re-Release)
yindi

 

 

 

2013 Now
now

 

 

 

2013 One Of A Thousand Ways
one of thousand ways

 

 

 

Dazu kommen Kollaborationen mit:

Kat Frankie: Video zu „As Life Found You“
Video zu „Easy Or Not“, dafür waren beide für den Video-Award nominiert
Sansa: Lump Sump (Bon Iver Cover) auf der Single: Easy Or Not
An Horse: Split EP

Empfehlungen:

Balcony TV: Tm Neuhaus spielt über den Dächern von Hamburg. Große Bühnen werden überschätzt. Akustikkonzerte auf kleinen Balkonen hoffentlich geschätzt.
Tour of Tours: Kleine Bühnen werden überschätz – Große Bühnen können auch sehr intim sein, wenn man sie mit Freunden teilt. Mit den Freunden Ian Fisher, Stephan Honig, Town of Saints und Jonas David macht Tim Neuhaus deshalb ganz offiziell das, was er ohnehin mit ihnen machen würde, weils so schön ist: Musik. Zu zehn spielten sie Anfang 2015 einige Konzerte und nannten das ganze nicht zu Unrecht Tour of Tours. Für die, die nicht da waren, gibt es einen Mitschnitt.
Inas Nacht + TV Noir: Mit Ina Müller trinkt und singt er in der Studio-Bar, mit Tex Drieschner trinkt und singt er im Heimathafen.

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