“Wir sind keine Praktikanten-Band.”

1000 Robota auf der Bühne1000Robota über Interviews

1000Robota sind noch gar nicht soo lange unterwegs, die zwei Jahre Bandgeschichte und zwei Alben reichen aber für genug Interviewerfahrung, um die 45 Minuten Redezeit auszureizen, die uns bleibt. Dann muss die Band auf die Bühne, denn das Interview findet vor dem Konzert statt, wie das eben häufiger der Fall ist. Anton Spielmann und Jonas Hinnerkort sind aber nicht wirklich gestresst. Entspannt sitzen sie im Café und erzählen von ihren Erfahrungen in Interviews. Teil 2 der Reihe: Interviews über Interviews.

Wie viele Interviews habt Ihr denn in den zwei Jahren, die Ihr jetzt unterwegs seid, schon gegeben? Wisst Ihr das noch?

Anton: Boah. Ich glaube, ich habe schon viele Interviews gegeben. Zusammen waren es schon ein paar. Keine Ahnung wie viele.

Ungefähr. 50, 100, 200?

Anton: Naja, 50 vielleicht, so ungefähr.

Und das erste Interview, das Ihr gegeben habt? Mit wem war das? Wie habt Ihr das wahrgenommen?

Anton: Ich weiß nicht mehr, mit wem das war, wie die Frau hieß. Aber es war im Office von Tapete. Ich bin zu spät gekommen, das weiß ich noch. Ich musste vom Bahnhof mit dem Bus fahren und es war recht spät abends. Es war auch ziemlich unkoordiniert und nicht so, wie das jetzt ist.
Man hatte das Gefühl, das Gespräch läuft super und es gibt da so einen Austausch. Die Dame versteht, was man da sagt. In folge dessen hat man dann natürlich Interviews total euphorisch gelesen, um zu bewundern, was denn die Leute so schreiben. Man dachte ja auch, die Motivation für so ein Treffen ist halt, dass die Leute eben mögen, was man macht.
Dann war das aber so ein Artikel, der wendete und drehte alles und was ich so gar nicht erwartet hatte. Erst nach und nach habe ich dann das Konzept von Interviews ein wenig durchschaut. Aber wie Du ja auch schon so gut sagst, sind wir noch nicht an dem Punkt, wo man sagt, man weiß jetzt genau, wie das läuft. Diese Professionalität und Strategie haben wir nicht.

Wie sieht denn das Konzept aus, das Ihr da durchschaut habt?

Anton: Naja, es ist halt eine Form der Berichterstattung, die mittlerweile geprägt ist von einem Reporterkult. Die ist halt sehr auf die eigene Meinung fixiert, von der ich erst mal nicht ausgehen kann.

Seid Ihr da denn überhaupt noch aufgeregt vor einem Interview? Oder wart Ihr das überhaupt?

Anton: Aufregung ist da, glaube ich, das falsche Wort. Eher so euphorisch. Wie wir anfangs beschrieben haben: Dass man sich etwas Anderes versprochen hat.
Mittlerweile ist diese Euphorie schon gleich Null. Weil ich erzähle ich Dir jetzt etwas, aber ich habe keine Ahnung, ob Du mir überhaupt zuhörst.

Tue ich.

Anton: Ja, aber es gibt doch auch solche Interviews, wo Du auf Leute triffst, die schon ganz genau ihre Geschichte im Kopf haben.
Jonas: … die dann ihre Frage beenden mit „…ist doch so?“.
Anton: … Genau. Die haben ihren Artikel quasi schon einmal vorgeschrieben und suchen sich dann nur noch O-Töne. Die lassen das unter dem Motto laufen: Das ist nur meine Inspiration für das Interview. Aber eigentlich hat das dann nichts mehr mit dem zu tun, was wir mitteilen möchten. Und das ist dann natürlich unangenehm.

Da spielt für die Euphorie sicher auch keine Rolle mehr, für welches Medium das Interview ist?

Anton: Das ist uns scheißegal.
Jonas: Das spielt keine Rolle, weil die Situation ist immer dieselbe. Es ist eigentlich egal, wer Dir gegenüber sitzt, weil es darum geht, was Du dem erzählst. Und letztendlich solltest Du ja jedem dasselbe erzählen. Du kannst ja nicht sagen: Ok, das ist jetzt Die Welt und da dreh ich jetzt meine Botschaft mal ein bisschen zurecht für die.

Die Fragen wiederholen sich ja sicher auch?

Anton: Ja, manchmal. Aber das ist gar nicht das Hauptproblem. Klar, wiederholen sich Fragen, aber Songs wiederholen sich auch. Die Routine, mit der man damit umgeht, das ist eine Form der Gelassenheit.

Genießt Ihr es, nach dem ganzen Rummel die Gelegenheit zu haben, in Interviews über Euch sprechen zu können?

Jonas: Was heißt denn „über uns“?
Anton: Wie definierst Du das denn? Über unsere Privatsphäre?

Nein. Das meine ich gar nicht. Eher so: In den vergangenen zwei Jahren ist eine Menge auf Euch eingestürmt durch den Erfolg. Geben Euch Interviews die Gelegenheit, das ein wenig zu verarbeiten, indem Ihr darüber sprecht?

Anton: Also erstens sehen wir Interviews nicht als Unterhaltungsfaktor. Und zweitens sehe ich Interviews eher so als Wörterbuch, aus dem der Zuhörer vielleicht Erkenntnisse gewinnen kann über unsere Musik, wenn er es liest. Aber erst mal muss es so betrachtet werden, dass diese Erkenntnis in erster Linie nur über die Musik erreicht werden kann.
Jonas: …Beziehungsweise sind Interviews oft so etwas Beiwerkliches, mit dem ganz viel kaputt gemacht werden kann.
Anton: …wenn etwas falsch verstanden wird zum Beispiel. Oder wenn man etwas falsch ausdrückt. Das ist etwas Grundsätzliches, was ein Interview dann nicht mehr zu dem macht, was es für uns eigentlich ist. Denn tatsächlich ist ein Interview so eine Art …erm… (Anton zögert und antwortet dann lang gezogen) Ideenprägung…
Jonas: …na so eine Erläuterung. Eine Erläuterung zum Werk.

Ist in dem Kontext auch die Äußerung zu verstehen, mit der Ihr in Berlin mal das Publikum begrüßt habt: Ihr möchtet Euch nach dem Rummel erst mal auf das konzentrieren, für das Ihr eigentlich geliebt werden solltet, nämlich Musik und eine neue Platte machen?

[…]

Das Interview kann bis auf Weiteres nur als Auszug zur Verfügung gestellt werden.

Das Interview wurde zuerst bei Justmag.net veröffentlicht.

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