Wir wollten einfach reisen.

Interview mit CSS

css

Die 5 BrasilianerInnen über Mut, Risiko und die Anfänge der Band.

Die fünf Wörter, die alle guten FreundInnen mal sagen: Wir sollten ‘ne Band gründen.
Und dann? Dann werden Legenden geboren von Proben, bei denen niemand so wirklich ein Instrument spielen konnte und von unerwartet hoher Resonanz auf MySpace. Im Falle von CSS (Cansei de Ser Sexy) kommt der Einsatz ihres Liedes „Music is my hot hot sex“ als Werbejingle für den iPod dazu.
Nur nachvollziehbar, dass die 4 Frauen und 1 Mann bei dem Erfolg auf Tour gehen und dafür Job und Studium auf Eis legen. So weit, so romantisch. Mindestens ebenso nachvollziehbar ist aber auch, dass es ganz so einfach nicht ist und doch ein wenig mehr dazu gehört: Harte Arbeit zum Beispiel und Lust zum Reisen.
Ein Gespräch mit Caroline und Anna von CSS.

Die fünf Wörter, die alle guten FreundInnen mal sagen: Wir sollten ‘ne Band gründen.
Und dann? Dann werden Legenden geboren von Proben, bei denen niemand so wirklich ein Instrument spielen konnte und von unerwartet hoher Resonanz auf MySpace. Im Falle von CSS (Cansei de Ser Sexy) kommt der Einsatz ihres Liedes „Music is my hot hot sex“ als Werbejingle für den iPod dazu.
Nur nachvollziehbar, dass die 4 Frauen und 1 Mann bei dem Erfolg auf Tour gehen und dafür Job und Studium auf Eis legen. So weit, so romantisch. Mindestens ebenso nachvollziehbar ist aber auch, dass es ganz so einfach nicht ist und doch ein wenig mehr dazu gehört: Harte Arbeit zum Beispiel und Lust zum Reisen.
Ein Gespräch mit Caroline und Anna von CSS.

Glückwunsch zum neuen Album. Habt Ihr Euch vorstellen können, dass Ihr es bis zum dritten Album schafft, damals, als Ihr angefangen habt? Ihr seid ja ziemlich in das Band-Ding hineingestolpert.

Anna: Ach nein, eigentlich nicht. Aber beim ersten Album haben wir uns nicht vorstellen können, dass wir es veröffentlichen. Vor allem nicht, es außerhalb Brasiliens herauszubringen. Oder dass wir mal auf SubPop oder jetzt auf Coop veröffentlichen. Und das Touren. Das alles haben wir tatsächlich nicht erwartet.

Ihr habt also nie so weit in die Zukunft gedacht?

Caroline: Nein, absolut nicht. Wir haben nie gedacht, dass könnten wir machen und das könnte unser Beruf sein. Ist es ja aber jetzt.

Ihr habt Design und Film studiert, oder?

Anna: Ja. Ich habe Kunst studiert. Ich war aber auch schon fertig und habe für ein Magazin gearbeitet, als wir mit der Band angefangen haben.
Caroline: Ich war an der Filmhochschule. Wie schon gesagt: Musik war nie etwas, von dem wir gedacht haben, dass wir es als Beruf machen könnten. Wir haben es nicht studiert…
Anna: …Und Lovefoxxx war… was hat Lovefoxxx gemacht?
Caroline: Lovefoxxx hat auch etwas mit Kunst gemacht. Sie ist eine wirklich tolle Illustratorin und hat für Modedesigner gearbeitet. Drucke gemacht und so etwas.
Adriano ist der einzige von uns, der tatsächlich etwas mit Musik gemacht hat. Er hat die Musik für Werbespots gemacht. Das macht er übrigens heute auch noch.

Und Ihr wolltet nicht als Designerin arbeiten oder beim Film?

Caroline: Ich wusste es nicht so genau, wollte aber schon etwas mit Film machen. Und dann kam aber die Band, gerade, als ich mit der Filmhochschule fertig war.
Anna: Es ist wirklich schwer, in Brasilien etwas mit Kunst oder so zu machen…
Caroline: (mit gerümpfter Nase)…Ja, absolut. In Brasilien wird alles, was mit Kunst zu tun hat, von Unternehmen gesponsert, die das absetzen können. Es ist ein einziges Suchen nach Geldgebern, die Dir Dein Projekt finanzieren.

[b]Ach, und habt Ihr auch nach Sponsoren gesucht?[b]

Caroline: Nein. Als wir anfingen zu touren, haben wir von der Band gelebt. Und am Anfang in Brasilien, haben wir am Wochenende gespielt und unter der Woche hatten wir unsere Festanstellung.
Anna: Das war wirklich hart.
Caroline: …Oh, ja. Echt anstrengend…
Anna: Eine doppelte Belastung quasi. Aber wir mussten noch nebenbei arbeiten. Nur von der Band hätten wir nicht leben können.

Was habt Ihr denn gemacht?

Anna: Ich habe in der Videothek gearbeitet.
Caroline: Ich habe nicht gearbeitet, weil ich noch an der Uni war. Und nach der Uni ist die Band dann mein Beruf geworden. Als wir CSS veröffentlicht haben, mussten wir auf Tour gehen in Amerika und Europa. Die anderen haben dann gekündigt…
Anna: …Luiza hat die Uni abgebrochen…
Caroline: …stimmt. Und jetzt aber noch beendet.

Hattet Ihr in Brasilien während des Studiums so etwas wie Bafög?

Caroline: Nein. Private Unis sind sogar sehr teuer. Aber die öffentlichen sind kostenlos. Man bekommt aber kein Geld zusätzlich, zum Leben.

[b]Ihr habt also Eure Jobs gekündigt. War das für Euch ein Punkt, an dem Ihr Euch für oder gegen CSS entscheiden musstest?

Caroline: Wir hatten ja nicht die Wahsinns-Jobs, die wir aufgegeben haben. Es war eher ein Abenteuer…
Anna: …Wir haben da nicht so in die Zukunft gedacht…
Caroline: ( wird euphorisch) …und wir wollten einfach reisen, raus nach Amerika, Europa, Japan. Das wollten wir einfach machen. Der Vertrag mit SubPop war da natürlich eine große Sache, aber wir wussten nicht, wie lange wir das machen können.
Anna: Die einzige, die sich da mehr Gedanken gemacht hat, war Ira. Sie hat die Band verlassen und ist in ihren Beruf zurückgegangen.
Caroline Ja. Aber Ira hatte auch einen tollen Job. Jetzt arbeitet sie wohl als Designerin in Paris. Ja, sie war die einzige, die wirklich Karrierepläne hatte. Wir anderen hingen rum und wollten eher etwas tun, das mehr Spaß macht. Da war die Band für uns natürlich gut.

Für Ira war das also eine finanzielle Entscheidung?

Caroline: Nein. Sie hat sich einfach immer für Design interessiert. Und sie hat für einen der bekanntesten Designer Brasiliens gearbeitet. Das war eine wirklich große Sache für sie und nachdem wir eine Weile auf Tour waren, wollte sie wieder zurück.

Ihr aber nicht, oder?

beide: (gleichzeitig und ohne nachzudenken) Nein. Wir sind froh, wie es ist.

Was hättet Ihr denn gemacht, wenn das mit CSS nicht so geklappt hätte?

Anna: (lacht) Nach Brasilien gehen und einen Job suchen.
Caroline: Es ist ja nicht so, dass wir da überhaupt nicht drüber nachdenken. Und eine Band ist ja nichts für die Ewigkeit. Momentan läuft es gut und darüber sind wir glücklich.
Wir hatten Pläne. Aber es war nicht so, dass wir gesagt hätten, wir wollen jetzt das oder jenes werden. Wir haben einfach unser Ding gemacht, dann kam die Band und hat alles verändert.
Am Anfang ging ja alles sehr schnell und wurde groß. Da ging es mehr drum, dran zu bleiben .
Anna: Da haben wir aber auch sehr hart gearbeitet. Und es gab auch Zeiten, wo wir gedacht haben: Boah, wir können nicht mehr. Wir haben ja auch 4 Jahre hintereinander getourt.
Caroline: Das war aber nicht geplant. Wir haben nie gesagt: Wir müssen da und dort touren oder das und das machen. Wenn etwas getan werden musste, dann haben wir das eben einfach gemacht.
Anna: Jetzt versuchen wir, das stärker zu machen und mehr zu planen. Es war am Anfang auch ziemlich chaotisch. Wir hatten nicht die richtigen Leute um uns. Da sind auch ein paar dumme Dinge passiert…

Was denn?

Caroline: Wir hatten einen Manager, der mit unserem Geld abgehauen ist. Das passiert übrigens 95% aller Bands. Uns hat es aber auch zusammen geschweißt.

Meine Güte, wie fühlt man sich denn da, wenn der Manager mit dem Geld abhaut?

Anna: Tja. Das ist schlimm. (beide lachen)
Caroline: Natürlich war das richtig schlimm. Und ich wünschte, wir könnten die Zeit zurückdrehen und einige Dinge rückgängig machen. Aber die Geschichte hat uns definitiv stärker gemacht und näher zusammengebracht. Vielleicht wären wir auch gar nicht so weit gekommen, wenn wir das nicht hätten durchstehen müssen. Aber ich wollte natürlich auch mein Geld wieder.

Abgesehen davon, würdet Ihr irgend etwas anders machen?

Caroline: (antwortet ohne nachzudenken) Nein, nur die Sache mit dem Manager. Eben vorsichtiger sein, mit den Geldangelegenheiten.
Anna: Mann, ich würde dem gerne in den … Hintern treten.

Wie lang habt Ihr gebraucht, um das zu verdauen?

Anna: Ein Jahr etwa. Aber ich bin auch stolz auf uns. Nicht jede Band hätte das überstanden, glaube ich.

Kann man das denn vermeiden?

Caroline: (antwortet nach ein paar Sekunden Nachdenken etwas zögerlich) Hmmm… Man muss sich immer bewusst sein, dass eine Band auch ein Geschäft ist. Es wird wird zum Job. Da steckt viel Geschäft dahinter. Und damit wollten wir am Anfang nichts zu tun haben. Wir haben ja auch so viel getourt. Nach dieser Sache haben wir das total geändert. Jetzt kümmern wir uns auch um das Geschäftliche. Auch wenn das unromantisch klingt: Eine Band ist ein Geschäft und Job. Das zu begreifen, ist der beste Weg, so eine Enttäuschung zu vermeiden.

Das also als Tip an Bands, die erst anfangen?

Anna: Ja. Das ist wohl das Wichtigste, was wir in den vergangenen Jahren gelernt haben.

Umso schöner, dass es sich für Euch gelohnt hat. Danke für das Gespräch.

Das Interview wurde zuerst bei Justmag.net veröffentlicht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>