“Es gibt eigentlich keine dummen Fragen.”

Frank Spilkerr sitzt im SesselDie Sterne über Interviews

Nach bald 20 Jahren Bandgeschichte werfen die Die Sterne mit ihrer Musik ganz sicher mehr Fragen auf, als die nach der Bedeutung ihres Namens. Zum Beispiel die Frage nach der Hamburger Schule: Warum sie doch irgendwie dazu gehören und warum das aber eigentlich total langweilig ist.
Lohnt es sich da, für solche Fragen vor dem Konzert das Essen ausfallen zu lassen? Frank Spilker erzählt über seine Interviewerfahrungen im dritten Teil der Interviews über Interviews, das selbstverständlich auch zwischen Soundcheck und Essen stattfindet.

Ihr werdet sicher häufiger mit Interviewsituationen wie dieser konfrontiert: Das Interview findet vor dem Konzert statt und Ihr quetscht es zwischen Soundcheck und Essen. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie eng da der Zeitplan ist, beschreib doch bitte mal, wie so ein Tag aussieht.

Meistens reisen wir zusammen an. Der Stress entsteht dann oft dadurch, dass man große Zeitunterschiede hat zwischen den Konzerten. Das heißt, dass Konzerte oder Soundchecks mal sehr früh sind und andere wieder sehr spät. Wenn dann auf ein spätes Konzert ein sehr frühes folgt, hat man natürlich Probleme.
Und der andere große Faktor ist die Entfernung, die zurückzulegen ist. Wenn man bei 500 oder 600 Kilometern Strecke 7 Stunden auf der Autobahn verbringt, hat man natürlich viel weniger Tag. Das sind so die Faktoren.
Heute war es so, dass wir alle pünktlich da waren; rechtzeitig 16:00, obwohl wir erst 00:30 auf der Bühne stehen. Ich sag mal, da ist so ein Interview zwischendurch kein Problem. Das einzige, was ich immer ein bisschen schwierig finde, ist einen genauen Termin auszumachen. Wir haben zwar in unserem Plan stehen: 17:00-18:00 Uhr Soundcheck. Aber der dauert dann meistens noch eine halbe oder ganze Stunde länger. Und dann ja noch essen gehen…

Also ist es doch recht anstrengend?

Naja, es ist vor allem dann anstrengend, wenn sich alles verschiebt. Bei Festivals ist das gerne so, weil alle Journalisten gehen auf die Festivals. Das ist sehr effizient, weil da sind viele Bands und da muss man nicht jede einzeln aufsuchen. Das heißt, man kann dann 10 Interviews machen statt einem. Dementsprechend geht es den Bands dann auch so, dass man auf Festivals ganz viele Termine hat. Und wenn dann irgendetwas durcheinander kommt, dann gibt es Stress.

Aber zum Essen kommt Ihr schon noch?

(Frank Spilker antwortet mit einem ergebenen Lachen) Manchmal nicht. Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann.

Aber ist das nicht eine Situation, in der Ihr sagen könntet: ‘Auf das Interview verzichten wir jetzt, das wird zu stressig’?

Meistens ist es so, dass man eher sagt: Das Essen macht man nicht. Wir haben dann so das Gefühl, wenn man es vorher ausgemacht hat, ist es nicht fair, das dann abzusagen. Aber was dann gar nicht geht, ist, wenn dann noch jemand ankommt und spontan ein Interview machen möchte. (lachend) Der kriegt das dann ab.

Die Interviewanfragen laufen über Eure Promotionagentur. Ist das so ein Stück Arbeit, das Ihr abgegeben habt?

Man will sich auch nicht selbst promoten. Ich finde, man kann sehr viel in einem Geschäft selber machen, aber man kann sich nicht selber nach außen vertreten. Das ist sehr schwierig. Das widerspricht auch dem, was man als Künstler macht.

Aber Ihr entscheidet selbst, wie viele und welche Interviews Ihr macht?

Entscheiden? Klar. Es kann einen keiner zwingen. Wir haben ja sowieso die volle Kontrolle, weil wir ja auch die Leute bezahlen, die da für uns arbeiten und Interviews akquirieren. Und wenn wir sagen ‘Wir wollen das nicht’ dann gibt es niemanden, der sagt: ‘Ihr müsst’. Aber selbst wenn da eine große Plattenfirma ist und die hat viel Geld ausgegeben, kann sie letztendlich nichts machen, wenn da ein Journalist von der Tagesschau kommt, ein Interview machen möchte und der Künstler sagt nein. Obwohl jedem Künstler einleuchten sollte, dass ein Feature in der Tagesschau ganz gut wäre.

Hat sich Eure Sicht auf Interviews geändert, dadurch dass Ihr Euch selber vertreibt?

Nein. Überhaupt nicht. Unsere Sicht auf Interviews hat sich durch Erfahrung geändert. Letztendlich mit der ernüchternden Erfahrung, man kann nicht von einer Organisation… oder vom Image einer Organisation oder Zeitung ableiten, wie ein Interview wird. Das ist völlig von der Person abhängig, mit der man spricht. Du kriegst vorher keinen Hinweis, wenn Du sie nicht kennst.

Was sind denn dann Gründe für Euch, Interviews zu geben?

[…]

Das Interview kann bis auf Weiteres nur als Auszug zur Verfügung gestellt werden.

Das Interview wurde zuerst auf Justmag.net veröffentlicht.

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