Interviewvorstellung #10: The War On Drugs

Kaffeetisch
Der typische Arbeitsplatz einer planenden Interviewerin. Emiliano, CC by, nc, sa

Das Interview möchte ich hier nicht deshalb vorstellen, weil es besonders gut wäre. Ist es zwar, aber das ist nicht der Grund. Ich möchte es vorstellen, weil es zeigt, was es heißt, eine Idee für ein Interviewkonzept zu haben.
Daniel Waldhuber interviewt Adam Granduciel von The War On Drugs für eclat-mag.de. Der Anfang ist zunächst etwas zäh, Geplänkel über die Tour und wie es Adam in Europa gefällt. Das Geplänkel wir durch bestätigendes Wieder-Aufnehmen von Adam Granduciels Aussagen aufrecht gehalten, z.B. mit

“Oh, das ist interessant. Also ist es schön, wieder auf Tour zu sein – besonders in Europa.”

Interessant wird dann aber der Einstieg in Daniel Waldhubers Konzept. Er möchte den Sänger zur Entstehung eines bestimmten Liedes auf Lost in The Dream befragen.
Er ahnt nämlich, dass er ohne einen bestimmten Aufhänger die selben Fragen zum Album stellen wird wie etliche Interviewerinnen vorher. Also das Lied In Reverse. Zunächst erhält man dadurch minutiöse Einblicke in Adam Granduciels Arbeitsweise, z.B. dass er nur ein grobes Songgerüst hat, wenn er ins Studio geht und sich Feinheiten erst im Aufnahmeprozess entwickeln, manchmal auch zufällig. Man erfährt das, obwohl Daniel Waldhuber auch in dieser Passage bestätigend bereits Gesagtes aufgreift, etwa:

“Stimmt, man kann die Gitarre ganz leise im Hintergrund schon hören”.

Oder einfach

“Interessant”.

Er bewirkt mit dem erfrischend originellen Aufhänger des Interviews – sich einem konkreten Song zu widmen – dass Adam Granduciel engagiert erzählt, gewissermaßen wie von selbst und ohne, dass eine Motivation notwendig wäre. Eine Rolle spielt dabei sicher, dass der Aufhänger sehr eng gesteckt und konkret ist. Dadurch hat er sofort einen Anknüpfungspunkt, zu dem er etwas sagen kann.
Eine nette Idee für den Einstieg macht aber noch kein Interviewkonzept oder gar ein gutes Interview. Damit so ein Interviewkonzept aufgeht, braucht es trotzdem Recherche. Ohne die hätte Daniel Waldhuber wahrscheinlich keine Frage zu Destroyer gestellt, weil er nicht gewusst hätte, dass The War On Drugs mit ihnen getourt und befreundet sind.
Und noch etwas ist wichtig -außer der Recherche bloßer Fakten: die Auseinandersetzung mit den Interviewten und dem Werk. Erst dadurch kommt der eigene Blick auf das Thema in das Interview, was dann ein wirkliches Gespräch ermöglicht. Daniel Waldhuber hätte wahrscheinlich die Formulierung “ein Album, das größer ist als es selbst” einfach abgenickt, ohne darauf näher einzugehen, wenn er sich nicht vorher Gedanken gemacht hätte, was das für ihn bedeutet. So aber wird daraus ein interessantes Gespräch über die Bedeutung von Musik.
Im besten Fall möchten die Interviewten dann auch über die vereinbarte Zeit hinaus sprechen, wie in diesem hier. Und im Idealfall kann der Interviewer dann noch mitreden, auch wenn er keine Fragen mehr notiert hat. Für eine Diskussion im Freundeskreis notiert er sich ja auch keine Fragen vorab. Deswegen ist es schade, dass Daniel Waldhuber am Ende derjenige ist, der das Interview beendet und so der Eindruck entsteht, er hätte weniger zu Musik im allgemeinen zu sagen als Adam Granduciel.

Update:

Aus gegebenem Anlass gibt es jetzt noch eine kleine Ergänzung zur Interviewvorstellung.
Daniel Waldhuber hat mir geschrieben und noch ein paar Hintergrundinformationen zum Interview gegeben, die Euch hier nicht vorenthalten möchte.
Zunächst hat er versichert, mit großer Begeisterung für The War On Drugs und das Album in das Interview gegangen zu sein. Wie schon so oft gesagt: Das ist eben doch eine sehr gute Basis.
Aber deswegen wusste Daniel natürlich schon, dass The War On Drugs mit Destroyer getourt waren. Wie groß der Einfluss von Destroyer auf Adam Granduciel ist, war eine schöne Erkenntnis des Interviews. Das wiederum zeigt, dass in einem guten Interview solche Side-Facts und Einblicke offenbar werden.
Und zum Schluss hat Daniel mir noch ein leider nur allzu alltägliches Interview-Problem bestätigt. Tatsächlich musste das Interview irgendwann abgebrochen werden, weil der Zeitplan es verlange und andere schon warteten. Die zur Verfügung stehende Zeit hat Daniel Waldhuber zu einem sehr schönen Interview genutzt.


Das Interview ist auf eclat-mag.de zu lesen.

The War On Drugs official homepage
The War On Drugs auf Laut.de
The War On Drugs auf allmusic.com

 

 

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