Interviewvorstellung #13: Silvana Imam auf noisey.com

Dürfen wir vorstellen: Die Interviewvorstellung.

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Das Interview in der Noisey ist passenderweise mit “Dürfen wir vorstellen” überschrieben. Denn die Vorstellung einer eher unbekannten Künstlerin ist das Ziel dieses Frage-Antwort-Formats. Die Interviewerin Karen Gardiner macht auch gleich klar, warum es sich lohnt Silvana Imam vorzustellen: Sie ist lesbisch, Antirassistin, Feministin und Rapperin. Diese vier Eigenschaften machen Sie zu einer Ausnahme

Die Antwort auf die wichtigste Frage, die allerdings nicht explizit gestellt wird, gibt sie schon in der Einleitung:

„Ich mache Conscious Rap“, sagt sie. „Ich schreibe Songs über mein Leben und da ich nun mal aus einer lesbischen, migrantischen und weiblichen Perspektive schreibe, bekomme ich den Stempel „politisch“ aufgedrückt. Ich kläre die Menschen durch meine Kunst darüber auf, wie kaputt die Welt eigentlich ist. Es geht um mein Leben und mein Überleben in dieser patriarchalen und antidemokratischen Gesellschaft. Eine Frau, die Liebeslieder an andere Frauen schreibt, sorgt in den Köpfen der meisten Menschen sofort für Chaos? Das sollte hinterfragt werden und nicht, ob ich jetzt politisch bin oder nicht.“

Trotzdem geht es in dem Interview natürlich auch um Politik in der Kunst. Die folgenden Fragen zeigen, wie sehr Silvana Imams Lieder noch als mutige Ausnahme zu werten sind.

In „Svär på min mamma“ sagst du auch „meine Girls sind fucking Revolutionäre“. Wie sind deine Fans denn? Glaubst du, dass du junge Mädchen inspirierst?

 

Was hat es mit der „Geh und küss dein beschissenes Hakenkreuz“-Line auf sich?

Da Karen Gardiner aber auf weiterführende Anschlussfragen verzichtet, bleibt es leider bei diesem Eindruck. Die erste, grundlegende Frage wird also eher bruchstückhaft beantwortet.

Was meinst du, über wie viel Macht HipHop verfügt, um sich für Unterdrückte und Randgruppen in Schweden einzusetzen?

Für eine Vorstellung der Künstlerin wiederum ist die Fragestrategie durchaus passend: das Beharren auf Abfragen rund um das Werk. Karen Gardiner fragt direkt die Meinung und Haltung von Silvana Imam ab und nimmt sich selbst und ihre Interpretationen oder Erfahrungen zum Thema komplett zurück. Das führt natürlich dazu, dass keine wirkliche Diskussion zustande kommt, sondern eher eine Art Fragebogen. Da die Fragen aber nicht willkürlich gewählt und auswechselbar sind, sondern einen klaren Bezug zum Werk haben, entsteht eine interessante Vorstellung von Silvana Imam, die Lust darauf macht, mehr über die Künstlerin zu erfahren.

Es wäre also mal wieder viel zu übereilt, eine bestimmte Frageart zu verurteilen. Mit Jens Friebe habe ich mich für Interview über Interviews übrigens unter anderen genau darüber unterhalten: Was kann ein Interview leisten und muss man für eine Vorstellung unbedingt ein Interview führen. Man muss nicht, kann es aber durchaus machen. Und man muss dann noch nicht einmal unbedingt Fragen zu Albumtitel oder Herkunft stellen.

In ähnlicher, aber einfacherer Form macht die Intro das mit dem Format: Wer wir sind. Als reiner Fragebogen werden hier in loser Folge Bands vorgestellt. In etwas anderer Form finden sich immer wieder andere Vorstellungen von KünstlerInnen: Wer zum Teufel ist eigentlich… oder Checkt das – Neue Bands.

Kann man also machen. Und so haben wir in dieser Folge der Rubrik Interviewvorstellung eine Interviewvorstellung im doppelten Sinne.


 

 

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