Interviewvorstellung #17: Sabine Minninger auf kaput-mag.com

Ach, ich wollte hier eigentlich schon länger mal ein Interview aus dem Kaput-Mag vorstellen. Das Magazin wurde vor einigen Monaten von Linus Volkmann und Thomas Venker gegründet, der eine oder die andere kennt die beiden vielleicht noch von der Intro. Das Kaput-Mag trägt zwar den Untertitel Magazin für Insolvenz & Pop, ist aber auch Heimat vieler wirklich guter und engagierter Interviews. Eines ist das mit Sabine Minninger, Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt.

 

Kaput-mag
Engagiertes Interview?
Auf jeden Fall. Das zeigt schon die Länge des Interviews. Während sich die Musikmagazine mit durchschnittlich 16 Fragen begnügt sind es hier 55.
Bemerkenswert ist aber nicht nur der Umfang des Interviews, sondern auch das Thema: Es geht mal nicht um das neue Album oder Projekt einer Band, sondern Mal nicht neues Album sondern um eines, das Popmusik weiter denkt: Klimaschutz und die Ökobilanz von Festivals. Die inhaltliche Struktur ist dabei sehr klar: vom aktuellen Aufhänger – dem G7-Gipfel – zu Festivals und Musiker-Lifestyle und von da zu allgemeiner Klimapolitik.
Wobei, die allgemeinen Fragen kommen immer auch zwischendurch auf. Sie prägen das Interview besonders und zeigen, dass der Umweltschutz im Musikgeschäft ohne das Gesamtbild und große Verständnis der Zusammenhänge nicht diskutierbar ist. Vielleicht wirkt das Interview deshalb auch besonders engagiert: Thomas Venker fragt wie jemand, der interessiert ist und viel Neues und Fakten zu einem Thema zu erfahren will. Er stellt recht naive Fragen. Das sagt er sogar selber:
Ganz naiv gefragt: wie bekommt man diese Scherpas als Lobbyist dazu, einem zuzuhören?
Aber naiv im positiven Sinn. Dazu gehört auch, dass er sich viel erklären und beschreiben lässt. Thomas Venker lässt Sabine Minninger viel reden. In Plattformfragen fasst er vorher Gesagtes zusammen und gibt Infos, schließt dann aber offene, also zum Reden motivierende Fragen an. Ganz häufig sind es Fragen nach dem Wie:
Wie hat man sich die wirkliche Rolle von jemanden wie Pharrell Williams vorzustellen?
Wie unterscheidet der Umgang mit ihnen (Klimaflüchtlingen) sich denn von dem mit politischen Flüchtlingen?
Dadurch erreicht Thomas Venker bildhaft konkrete Beschreibungen und das Interview wird lebendig.
Er begibt sich bewusst in die Rolle eines interessierten Laien bzw. gesteht Sabine Minninger die Rolle der Expertin zu.
Das heißt aber nicht, dass er naiv fragt, weil er sich keine eigenen Gedanken gemacht hätte. Im Gegenteil: Immer wieder eingebrachte Gedanken zeigen, dass er sich sehr wohl mit dem Thema auseinandergesetzt hat:
Wir sprechen jetzt von einem aufgeklärten, reflexiven, aktiven Bürger. Nun gibt es aber auch antriebsschwache und ignorante Leute. Deswegen will ich den Blick dann doch mal gen politischen Betrieb richten. Ich verstehe die Polis klassisch griechisch gesprochen ja auch schon als einen Bereich, in dem die Akteure selbst Themen setzen und verfolgen. Sprich der Politiker könnte sich den Umweltschutz auch ohne Agitation auf die Fahne setzen.
Ein anderes Beispiel ist folgende Frage:
Lass uns mal über Live Earth sprechen, diese Musikevent-Serie, die die Leute für den Gipfel in Paris sensibilisieren soll. (…)
Hier wird nicht nur deutlich, dass sich Thomas Venker mit dem Thema auseinandergesetzt hat, sondern auch, dass er einen Plan hat. Also einen Plan für das Interview. Er hat sich ein Interviewziel und Frageziele vorgegeben. Dass Sabine Minninger viel und ausführlich erzählt, führt dann nicht dazu, dass er vergisst, was er fragen wollte oder er sich vom Thema ablenken lässt.
So ein Interview ist nicht nur unterhaltsam und kurzweilig, es hat auch einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert: anschaulich aufbereitete Informationen. Anschaulich übrigens  ganz wörtlich, denn das Interview ist liebevoll mit Bildern und Videos aufbereitet – ganz wie aus dem Lehrbuch Online-Journalismus Sekundarstufe 1.
Mit Kaput hat er sich ein Medium geschaffen, in dem er ohne Zeitdruck, Platz- oder Formatbeschränkungen solche Interviews machen kann – einfach nur, weil er Lust drauf hat.

Das Magazin: Kaput-mag

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