Interviewvorstellung #26: Toni Mahoni und Anne Wizorek bei FluxFM Spreeblick

Fan interviewt Star Teil 2

Fan zu werden ist nicht schwer, Interviewen dafür umso mehr. Oder so ähnlich. Im Interview mit Jochen Distelmeyer, das ich in der vergangenen Folge vorgestellt habe, war es ja eher die Nervosität, die es so kompliziert gemacht hat. Wenn das Fan-Sein aber nicht zu Nervosität führt, bleibt positive Aufregung, Begeisterung, Freude auf das Gespräch.

Im Idealfall entwickelt sich daraus so eine vertraute Gesprächsatmosphäre wie zwischen Johnny Haeusler und Toni Mahoni. Wie bei fast allen Fan-Gesprächen schwingt natürlich auch hier Bewunderung für den Gast mit. Johnny Haeusler erzählt, wie er Toni für sich entdeckt hat:

Ich habe Deinen Clip damals mit Tanja gesehen. Wir haben beide erst die Klappe gehalten und gesagt: Ist ja voll genial.

Natürlich könnte diese bedingungslose Lobhudelei sehr schnell unangenehm aufstoßen, aber im selben Augenblick des Interviews wird deutlich, dass aus dieser Bewunderung heraus eine Zusammenarbeit entstanden ist. Die beiden kennen sich schon länger. Das Entscheidende dabei ist, dass sie also einen ähnlichen Hintergrund haben. Sie teilen Interessen, Ansichten vielleicht sogar Bekanntschaften. Kurz, sie respektieren und mögen sich. Beide. Gegenseitig. Dadurch entsteht ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe. Das bedeutet allerdings in diesem Fall auch, dass die klassische Rollenverteilung im Interview weitgehend aufgehoben ist.

Johnny Haeusler scheint kaum einem Plan zu folgen und knüpft einfach an das an, was Toni Mahoni sagt:

Also dann hältst du dir mit dem Broterwerb den künstlerischen Rücken frei?

 

Was wäre denn, wenn das Buch jetzt abginge, Du würdest zu Lesungen eingeladen und die Leute wollen unbedingt einen Nachfolger lesen?

Fast nur wie nebenbei fällt ihm ein, dass er ja auch noch über das Buch sprechen müsste oder dass ja auch Lieder zum Plan der Sendung gehören.

Das Interview ist also mehr Plauderei als Abfragen, mehr interessierter Austausch als Masterplan. Zwei Dinge sind dabei entscheidend und sorgen dafür, dass das so gut funktioniert:

1. Johnny stellt ganz einfache, interessierte Fragen, fast schon ein wenig naiv:

Was macht Dir denn von Deinen ganzen Tätigkeiten am meisten Spaß – Touren, schreiben…?

 

Wann schreibst Du denn die Songs?

 

Du bist relativ frischer Vater. Gibt es da die Gefahr, dass Du eine Kinderplatte machst?

Und schon sind sie mitten in einem Gespräch über Gerhard Schöne und Heike Makatsch. Toni Mahoni antwortet aufgrund der entspannten Atmosphäre und Bekanntschaft aber ehrlich und konkret. Die Antworten beschreiben konkrete Situationen, die für die Hörerinnen wunderbar unterhaltsam und nachvollziehbar sind.

2. Die Gesprächspartner unterhalten sich über ein Thema, bei dem sich beide gleichermaßen auskennen.

Interessanterweise war das für Johnny Haeusler zuerst ein Hemmnis. In einem anderen Interview – mit Anne Wizorek – erzählt er, dass er sich so lange nicht getraut hat, Leute einzuladen, die er kennt oder mit denen er privat oder beruflich so eng verbunden ist, um dem Vorwurf der Klüngelei vorzubeugen. Ist natürlich Quatsch, wie genau das Interview mit Anne Wizorek zeigt. Gerade weil sie sie eng zusammengearbeitet haben und über re:publica verbunden sind, können sie sich auf einem sehr fundierten Level austauschen. Johnnys Aufgabe ist dabei in erster Linie, das Gespräch fürs Publikum nachvollziehbar zu halten.

Letztendlich bewahrt die (berufliche) Bekanntschaft und Gemeinsamkeit zwischen Gast und Interviewer das Interview in allzu unangenehme Lobhudelei abzudriften. Dadurch unterscheidet sich Flux.fm Spreeblick auch von anderen Fan-Interviewformaten wie z. B. Anke hat Zeit. Ich mochte auch die Talkrunde mit Anke Engelke, weil sie auch mit ehrlichem Interesse fragte. Aber Anke Engelke fragte nicht als gleichberechtigte Kollegin, sondern als staunender Laie.

Beide Formate sind aber natürlich von einer sehr affirmativen Fragehaltung geprägt. Es geht nicht darum, den Gast kritisch zu hinterfragen. Man hat ihn ja eingeladen, weil, weil man ihn schätzt. Das ist auch das einzige, was man ihnen vorwerfen kann. Denn bei den umfangreichen Gesprächen sollte auch Platz sein, nicht nur über das Verbindende und auf der Hand liegende Thema zu sprechen, sondern zu schauen, ob sich der Gast auch hinterfragen lässt.

PS: Die schönste Frage überhaupt, stellt in dem Fall aber der Gast: Toni weiß ja, dass Johnny ihn schätzt und fragt, ob er eifersüchtig ist, wenn Johnnys Frau ihm begeistert aus Tonis Buch vorliest.


 

Die ProtagonistInnen:

Toni Mahoni

Anne Wizorek

Johnny Haeusler

Die Erwähnten:

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