Interviewvorstellung 3: Eine Zeitreise mit Kid Kopphausen.

Das Jetzt grüßt aus der Vergangenheit

Wenn ich das Interview jetzt lese, fällt mir auf, wie sehr es in der Vergangenheit und dem, was es daraus für das Jetzt gewinnt, verankert ist. Das heißt, es ist eine Bestandsaufnahme der aktuellen Plattenveröffentlichung von zwei Künstlern, deren Werk beachtet wird und die deshalb Nachrichtenwert hat: Nils Koppruch seit Jahren bekannt als Sänger der Band Fink und als bildender Künstler SAM; Gisbert zu Knyphausen bekannt als ehemaliger Überraschungshit und mittlerweile etablierter Songschreiber. Daraus ergeben sich wie von selbst Fakten, die erfragt werden wollen: Wie, Wo, Was, Warum…? Wo habt Ihr Euch getroffen? Was ist anders zusammen als solo? Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen? Es ist die Beschreibung einer Vergangenheit, die erst so kurz zurückliegt, dass sie fast noch Gegenwart ist.

Deswegen sind die beiden auch hoch konzentriert. Da sitzen zwei Profis, die nicht das erste Mal in einem Interview sitzen, die aber noch keinen Abstand zu ihrem Werk haben. Deswegen lassen sie sich von der einigermaßen provokanten Einstiegsfrage nicht überrumpeln und wissen auch sofort, wie sie das Album musikalisch einordnen müssen. Sie beantworten diese ersten Fragen allerdings mit dem Ernst von Künstlern, die noch ganz nah am Album dran sind.

Keine Ironie, sondern knappe, konzentrierte Beantwortung der Fragen. Es ist kein Platz zum Erzählen, obwohl die ersten Fragen sicher dazu einladen (sollen).

In dieser konzentrierten Art harmonieren die beiden wunderbar miteinander. Sie ergänzen sich in den Antworten, ohne dass einer von ihnen dominieren würde, und treten somit als Paar auf, das zusammen etwas auf die Beine gestellt hat und damit sehr glücklich ist.

Vielleicht ist deshalb in dem Interview kaum Platz für eine detaillierte Rückschau auf die recht unterschiedlichen Werdegänge der Künstler. Die mögen sie geprägt haben, aber sie waren vor Kid Kopphausen. Und Kid Kopphausen ist jetzt. Deshalb antworten Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen selbst auf die geschlossenen Fragen im Mittelteil des Interviews nicht anders als auf die Erzählfragen am Anfang: Nicht knapper, nicht pointierter, sondern genauso konzentriert und ernst.

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