Interviewvorstellung #31: Dustin Hoffman in Galore

Interviews mit Stars

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Stars sind mitunter herausfordernde Gäste für Interviewerinnen. Und zwar nicht nur, wenn sie wissen, dass sie Stars sind und einen das spüren lassen. Sondern auch, wenn das Werk so groß ist, dass es eine intensive Rückschau rechtfertigt und man meint, dies in einem einzigen Interview tun zu können.

Ich lese das Interview mit Dustin Hoffman in der Galore und es beginnt mit der Frage:

Herr Hoffman, sind Sie bereit für ein Interview zu Ihrem Lebenswerk?

Nachdem er etwas erschrocken abwinkt und bittet, die Latte ein wenig tiefer zu hängen, folgen auch erst einmal allgemeinere Fragen. Recht bald holt die Gesprächspartner aber die Vergangenheit ein, mit Fragen wie den folgenden:

Haben Sie sich nicht einmal darüber mokiert, dass er Sie bei jeder Szene wie einen Papierdrachen steigen ließ?

Oder:

“Dass ich Schauspieler wurde, war ein verrückter Zufall” haben Sie mal gesagt…

Ein fast so verrückter Zufall wie Dustin Hoffmans Schauspielkarriere ist auch, dass ich das Interview lese, während ich an einem Artikel über die Interviews im Rolling Stone schreibe. Es gibt da zwei Interviews – mit Madonna und Lemmy Kilmister – bei denen das Gleiche passiert wie bei Dustin Hoffman in der Galore: Die Lebensgeschichte des Gastes, Zitate aus der Vergangenheit und Anekdoten aus alten Artikeln werden noch einmal hervorgekramt.

Der Interviewer in der Galore, Ulrich Lössl, fragt Zitate oder Begebenheiten ab – wie die, dass Dustin Hoffman am Anfang seiner Karriere mit Gene Hackman eine WG hatte – die offensichtlich hinlänglich bekannt sind. Es ist mehr ein Erwähnen als ein Danach-Fragen.

Es versetzt den Gast in einen Automatismus, in dem er auf das Stichwort reagiert und das Zitat, die Begebenheit oder Anekdote noch einmal, etwas ausgeschmückt vielleicht, wiederholt. Sicher, die Antwort klingt eventuell frisch und persönlich, das liegt aber eher an der Medienerfahrung, die solche Stargäste haben. Wenn Dustin Hoffman erzählt, dass er auf dem Klo saß, während Gene Hackman seine Frühstückseier gebraten hat, dann klingt das wie eine höchst intime Geschichte, in die er den Interviewer einweiht. Tatsächlich ist es aber kein Wort mehr, als er preisgeben will. Das darf man nicht vergessen.

Deswegen ist es wesentlich spannender, was der Star auf Fragen antwortet wie:

Kann man gute Schauspielerei demnach mit dem improvisieren beim Jazz vergleichen?

Hier antwortet Dustin Hoffman nämlich, dass er eigentlich gerne Jazzpianist geworden wäre. Hätten Sie’s gewusst? Und für nachkommende Interviewerinnen ist die Antwort Gold wert. Sie wissen nämlich jetzt um Dustin Hoffmans Leidenschaft für die Musik und könnten ein Interview rund um den Jazz mit ihm führen. Oder um Familie und das Großvater-Sein. Ein paar Fragen später zeigt er sich nämlich auch als passionierter Vater und Opa.

Darf man jetzt Stars also nicht mehr zu ihrem Lebenswerk fragen? Doch natürlich. So zum Beispiel:

Sie haben in den letzten 50 Jahren viele unterschiedliche Charaktere dargestellt. Hat Ihnen die Schauspielerei dabei geholfen, Ihr eigenes Leben besser zu verstehen?

Oder:

Liefen Sie Gefahr, als Rain Man, als “Ratso” Rizzo in “Asphalt Cowboys” oder als Tootsie für die Dauer der Rolle Ihre eigene Identität zu verlieren?

Auf die Fragen kann sich Dustin Hoffman nicht vorbereiten. Er muss tatsächlich nachdenken und seine Sicht auf den Beruf offenbaren. Wenn es der Interviewerin gelingt, das Bekannte aus einem neuen Blickwinkel zu (hinter)fragen, taugt die Karriere eines Stars durchaus als interessantes Interviewthema. Nur das Aufwärmen alter, bekannter Geschichten, die meistens ohnehin nur der Legendenbildung des Gastes dienen, hilft nicht dabei, die Person des Gastes tatsächlich zu zeigen.


 

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