Interviewvorstellung #32: Strand Child in der Solaris Empire Lounge

Guten Tag, wer sind Sie denn?

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Wann ist die Interviewerin eine Interviewerin? die Jobbeschreibung sieht vor, dass eine Interviewerin das Gespräch zu leiten hat, es in eine Richtung lenken soll und entsprechend wissen muss, was sie erfahren will. Was aber passiert, wenn sie diesen Plan nicht hat und ziemlich frei in das Gespräch geht? Das zeigt Kitty Solaris auf Kirkuss Radio.

Sie trifft dort zusammen mit Susann Kirkuss regelmäßig Gäste zum Gespräch für die Sendung Solaris Empire Lounge. Ob sie sie die Gäste aber auch interviewt, möchte ich am Beispiel der Sendung mit Strand Child überlegen.

Das Gespräch startet mit Smalltalk:

Wo kommt Ihr her. Wann seid Ihr aus Schweden nach Deutschland gekommen und habt was Ihr bisher in Berlin gemacht.

Kitty Solaris und Susann Kirkuss fragen also zunächst die biografischen Fakten ab, mit denen man sich normalerweise erst einmal vorstellt – sich selbst untereinander oder dem Publikum. Damit erinnern die beiden Moderatorinnen an Hallo Ü-Wagen, eine Sendung aus den 1970-ern, die Spontanität zum Konzept erhoben hat. Herausgekommen sind recht freie Diskussionen zu einem aktuellen Thema. Für das Publikum hatte die Spontanität den Charme, dass es den Diskussionen recht leicht folgen konnte. Das erforderliche Vorwissen war überschaubar.

Bei der Solaris Empire Lounge mit Strand Child ist es ähnlich. Das 30 minütige Gespräch dient der Vorstellung der Band. Und das ist sehr dankbar, da wir als Zuhörerinnen die Gelegenheit bekommen, einen kleinen Geheimtipp kennenzulernen.

Es geht entsprechend im Gespräch um das Album, um das Video zur Single. Strand Child bekommen die Möglichkeit, ihr Projekt zu präsentieren. Und wir dürfen gewissermaßen in das Plattenregal von Kitty Solaris schauen, denn die Gäste sind streng nach ihrem Geschmack ausgewählt.

Es ist also eher Empfehlungs-Radio denn ein Interview. Und die Moderatorinnen sind ähnlich gespannt, was für Menschen hinter der Musik stecken, die sie selbst erst entdeckt haben. Fragen dazu, wie zugezogene Berliner Deutsch lernen (oder eben nicht), sind vermutlich in keinem Interviewkonzept vorgesehen. Und die Überraschung, dass Hilding sehr wohl Deutsch spricht, könnte aus jeder Kneipen-Vorstellungsrunde stammen.

Eine Interviewerin wäre vermutlich darauf vorbereitet gewesen. Eine Interviewerin hätte auch nicht die Band ihr Album vorstellen lassen, sondern dies selbst getan und Fragen zu Sound und Texten gestellt. Kitty Solaris und Susann Kirkuss wollen das aber gar nicht. Das würde bedeuten, dass sie eine besondere Rolle einnehmen, in der sie vorgeben, was das Publikum erfährt. Sie bleiben stattdessen bewusst auf gleicher Augenhöhe mit der Band und Publikum. Zusammen mit ihm entdecken sie diese neue Band. Dass dies in Form eines Gesprächs mit Fragen und Antworten geschieht, macht es nicht unbedingt zum Interview, deshalb aber nicht weniger reizvoll.


 

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