Interviewvorstellung 5: Ted Gaier vs John Lydon

Das Pro ist allerdings, dass Ted Gaier als Teil der Punkszene gewissermaßen von Fachmann zu Fachmann sprechen kann. Wie sehr er im Werk von John Lydon steckt, ist sehr schön an Themen wie die neue Gefühlslastigkeit oder Ironie und Nihilismus auf den neuen und alten Platten von Public Image Ltd bzw. den Sex Pistols festzustellen.

Ausschnitte wie der folgende lassen erahnen, welches Potential in dem „Expertengespräch“ steckt:

TG: So wie es sich mir darstellt, bist du mittlerweile über den Punkt hinaus, dass du dich in deinen Äußerungen subversiver popkultureller Strategien bedienst, wie zum Beispiel Arroganz.

JL: Arroganz ist ein großartiges Werkzeug.

TG: Finde ich auch.

JL: Allerdings nur ein Werkzeug von vielen …

TG: Nihilismus wäre ein anderes, oder?

Schade, dass gerade da auffällt, wenn Ted Gaier die ein oder andere Nachfrage verpasst. So wäre es sicher spannend gewesen zu diskutieren, wie bewusst John Lydon heute noch Nihilismus einsetzt bzw. wie sehr auch die Sex Pistols ein strategisches Konzept hatten.

Hier wäre auch die Gelegenheit, das Interview auf die berühmte Metaebene zu führen und John Lydon zu fragen, ob er überhaupt noch Lust hat, Interviews zu geben und warum er das macht. Gerade am Anfang ist er nämlich noch ziemlich … naja … reserviert oder einsilbig, wenn die folgende Passage so interpretiert werden darf:

TG: Als ich die neue PiL-Platte bekam, war ich erst mal erstaunt über das Artwork.

JL: Wieso?

TG: Weil es ziemlich anders ist als bei den PiL-Alben zuvor. Es erinnert mich an eine frühere Ära, könnte ein Progressive-Rock- oder Krautrock-Cover sein.

JL: Wie bitte, Kraftwerk?

TG: Nein, Krautrock. Wie Can oder Guru Guru.

JL: Was jetzt, das Cover? Du redest Müll!

TG: Ich meine das Bild, das du für das Cover gemalt hast. Es ist doch von dir, oder?

JL: Natürlich ist es von mir.

TG: Du siehst da also keinen Zusammenhang?

JL: Wenn ich einen Zusammenhang mit irgendetwas nennen sollte, dann mit dem sehr bekannten Maler Kandinsky.

Stattdessen bricht Ted Gaier das Thema hier ab. Wechselt aber dankenswerter Weise zu einem weiteren interessanten Thema: Linke Politik.

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