Interviewvorstellung 5: Ted Gaier vs John Lydon

Auch hier braucht Ted Gaier ein paar Fragen, um mit dem Thema warm zu werden und in ein dann aber sehr fundiertes Gespräch zu führen.

Eine kritische Auseinandersetzung Ted Gaiers ist schon am Anfang bei den folgenden Bemerkungen zu merken:

TG: Ich bin da etwas misstrauisch, weil gerade in den USA so viele Leute mit dem Begriff des Guten hantieren und das ein total ideologisierter Begriff geworden ist.

JL:
(…) Das ist die Schlacht, die in Amerika gerade geschlagen wird. Die radikale religiöse Rechte gegen die aufgeschlossene Linke.

TG: Mehr oder weniger aufgeschlossen.

Und doch schafft es Ted Gaier nicht sofort, diese Skepsis für fundierte Fragen zu nutzen, sondern blockt die inhaltliche Diskussion ab, indem er auf die Beziehungsebene des Gesprächs wechselt, indem er John Lydon schmeichelt:
TG: Mir scheint, ich spreche zu einem weisen Mann.

Danach ist diese zweite Hälfte des Interviews geprägt von spannenden Aspekten und Ansatzpunkten zu Kommerz im Musikgeschäft und Punk oder zu Hippies, zur Geschichte von PiL und zum Altern als Musiker und … eine ganze Menge also und hier verliert das Interview auch seine Interviewstruktur mit klar abgegrenzten Themen und Fragezielen. Es wird zum Gespräch zwischen zwei Leuten mit ähnlichem Hintergrund. Das geht auch ok bei der Konstellation der Interviewpartner und war auch sicher so geplant.

Vermutlich wäre aber aus der prickelnden Konstellation noch mehr herauszuholen gewesen, wenn nur ein Thema im Zentrum des Gesprächs gestanden wäre.

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