Interviewvorstellung 7: Micky Beisenherz bei meedia.de.

Der Unterschied zwischen Gespräch, Geplänkel und Interview(fragen).

Tischtennisschläger mit bemaltem Ball
Fröhliches PingPong-Spiel der Schlagfertigkeiten ©Domenico Mascagna

Die heutige Interviewanalyse ist eine GESPRÄCHSanalyse. Das heißt, ich möchte zu Demonstrationszwecken einmal das Interview als gescriptetes oder desinteressiertes Fragestellen herabwürdigen und dem lebendigen, weil vorurteilsfreiem und offenem Gespräch gegenüberstellen.

Wie anvisiert, das hier bereits empfohlene Interview zwischen Christopher Lesko und Micky Beisenherz in der Weihnachtsausgabe der Interviewanalyse.

Ich muss lachen und versuche herauszufinden, warum. Denn normalerweise vergeht mir das Lachen, wenn Claudia Effenberg, Ross Antony oder Markus Lanz erwähnt werden. Und in dem Interview von Christopher Lesko und Micky Beisenherz werden gleich alle drei in den ersten drei Fragen bzw. Antworten erwähnt.

Und trotzdem. Es kommt eben auf das Wie an. Und deshalb setzt gleich die erste Frage auf Beziehungsebene und Kumpelhaftigkeit.

Gleichzeitig zeigen die Antwort und nächste Frage, dass beide sich und ihren Humor verstehen. Das schafft die Grundlage für den Ton im Rest des Gesprächs. Wenn Micky Beisenherz auf die Bemerkung Christopher Leskos

Ach, wahre Kälte kommt doch stets von innen.


antwortet:

Wenn Du dann doch irgendwann mit Markus Lanz zusammen sitzt und der gerade wieder aus Grönland zurückkommt, kannst Du ja mit ihm darüber sprechen.

Dann ist das wie ein Aufschlag in einem Pingpong-Spiel der Schlagfertigkeit. Ein Spiel, das sicher eine ganze Weile so gehen könnte, bis es sich in Geplänkel verlöre.

Das heißt, für ein spannendes Gespräch reicht es nicht, sich Stichworte für Pointen zuzuwerfen. Da bleiben irgendwann die Hintergrundinformationen über die GesprächspartnerInnen auf der Strecke.

Christopher Lesko schafft es aber, nach drei, vier Fragen konkreter auf die Person und den Charakter von Micky Beisenherz zu sprechen zu kommen und damit dem Geplänkel einen informativen Gehalt zu verpassen. Er kann es sich dabei erlauben, sehr direkt zu fragen:

Micky, beschreibe mir doch in einigen Sätzen, wer genau hier vor mir sitzt.

Oder

Du bist im Pott auf die Welt gekommen. Erzähle mir von Deinem Start ins Leben und Deinem Weg.

Dass Micky Beisenherz bei diesen Fragen nicht mit einem „Puhhh, was soll ich da sagen…“ die Backen aufbläst, liegt genau an den ersten Fragen, die im Journalisten-Lexikon wohl unter dem Stichwort „Eisbrecher“ zu finden sind.

Erstaunlich lange hält Christopher Lesko die Strategie durch, direkte und knappe Fragen nach Micky Beisenherz’ Leben zu stellen. Hier zeigt sich eine Besonderheit von Christopher Leskos Interviewserie: Sie braucht keinen Anlass, aus dem einE GesprächspartnerIn eingeladen wird. Es geht „einzig“ darum, sie vorzustellen. Dabei nimmt sich Christopher Lesko die Freiheit heraus, die Interviewten nach seinen Interessen auszuwählen. Daraus resultiert dann wie selbstverständlich eine Neugierde auf die Person. Klingt simpel? Ist aber nicht selbstverständlich.

Häufig haben Interviewende ja den Artikel mit Überschrift im Kopf und vor Augen, wenn sie das Interview vorbereiten und führen. Dabei spielen dann das Thema und eventuelle Schlagzeilen eher eine Rolle als die tatsächliche Person. Für eine entspannte Atmosphäre und ein spannendes Interview lohnt es sich aber schon einmal, wirklich Lust auf die Interviewten zu haben.

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