Interviewvorstellung 7: Micky Beisenherz bei meedia.de.

Das macht nicht nur eine bessere Beziehungsebene aus, sondern auch ein Interview zu einem Gespräch, in dem wir während und aus dem Verlauf heraus Gedanken und Bemerkungen entwickeln.

Im Gegensatz zum (Alltags)Gespräch steht im Interview-Gespräch aber immer noch nur die Person des oder der Interviewten im Vordergrund.

Es geht also nicht darum, dass BEIDE GesprächspartnerInnen kleine Geschichten über sich austauschen, sondern dass die InterviewerInnen weiterfragen: „Ah… und dann?“ Dabei scheinen die Fragen fast zwangsweise einfach.

Es werden eben die naheliegenden Aspekte thematisiert, die ja auch interessieren, wenn wir im Alltag jemanden kennenlernen wollen: „Was machst Du?“, „Oh, das ist ja interessant. Wie genau funktioniert denn das?“ und „Wo kommst Du her?“.

Das Wesentliche ist, das Christopher Lesko keine Vorstellung (netter für: Voreingenommenheit) davon hat, was er hören will. Dass er ein (Interview)Ziel hat zeigt sich lediglich dann, wenn er eine Frage noch einmal aufgreift oder zu einem anderem Thema überleitet, wie hier:

Da kommt uns ein wenig zugute, dass ich mich noch an meine Frage erinnere. Der eine Pol des Spektrums verbände Deine Fähigkeiten mit Deiner Beziehung zum Künstler. Der gegenüberliegende Pol sähe Dich zu Themen schreiben – annähernd unabhängig von der Frage, für wen Du schriebest: Content-Haus Beisenherz quasi.

 

Theoretisch könnte ich auch jemanden für einen Idioten halten und könnte trotzdem ein Stand Up für eine Sendung schreiben. (…) Dass jemand Hof hält, und Du darfst ihm ein paar Pointen anreichen, die er Dir im Zweifel in bester Kinski-Manier um die Ohren haut, das macht man wahrscheinlich eher am Anfang einer Karriere als in der Mitte.  Das hat viel mit Selbstachtung zu tun, und die andere Variante macht auch einfach mehr Spaß.

 

Du bist in der Mitte jetzt? In Deiner und in der Deiner Karriere?

 

(Lachend) Ja, ich bin in der Mitte.

 

Wenn wir schnell mal über ein paar Medienfiguren lästern wollten, was wir ja keinesfalls wollen: Welche Figuren wären das, über die wir keinesfalls lästern wollen?
Ich werde bestimmt keine Namen nennen.

Auffallend ist hier auch, dass Christopher Lesko – wie öfters – auf die Metaebene des Gesprächs wechselt und seine „Fragestrategie“ thematisiert. Warum die Gänsefüßchen? Nun, da die Fragen sich weitgehend aus dem Gespräch entwickeln und nur als Themengebiete, die besprochen werden sollen, vorbereitet sind, gibt es bei Christopher Lesko auch keine vorgefertigte Fragestrategie.

Und daraus ergibt sich am Ende ein unterhaltsames UND informatives GESPRÄCH. Unterhaltsam, weil durch den Humor beider Gesprächspartner, eine lockere Atmosphäre hergestellt wird. Dafür wird Fragen Raum gegeben, die das Thema nicht unbedingt vorantreiben, aber die Schlagfertigkeit der beiden Gesprächspartner zeigt. Informativ ist es deshalb, weil diese Fragen nicht überhand nehmen und thematisch ins Leere laufen. Über dem Ganzen steht doch immer ein Gesprächsziel, auf das Christopher Lesko immer wieder hinlenkt, dh. so unvoreingenommen er auch an das Gespräch herangeht, er überlässt den Verlauf nicht dem Zufall. Und das unterscheidet das (Interview)Gespräch vom Geplänkel, das eben kein übergeordnetes Thema und Ziel hat. Und das unterscheidet es auch vom Interview(abfragen), das sich die Flexibilität (und das Vergnügen) verwehrt, auf den Gesprächsverlauf und die Interviewten zu reagieren.

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