Interviewvorstellung #8: Joan Armatrading in der taz.

Bei den ersten Fragen zum Thema sind die Antworten noch etwas kürzer:

Der Song „Oya“ von Ihrem Album „This charming Life“ behandelt die Göttin der Veränderung. In der Religion der Yoruba ist „Oya“ der Name der Göttin der Transformation. Haben Sie daran gedacht, als Sie das Lied geschrieben haben?

Nein. Das habe ich nachgeschlagen. Es musste ja eine Göttin der Veränderung geben. Auf der Welt gibt’s für alles eine Göttin …

Sind Sie ein spiritueller Mensch, sind Sie religiös?

Ja. In meinem Song „Mama and Papa“ singe ich von meinen Eltern, und meine Mutter war unglaublich religiös. Das hat sich auf mich übertragen.

Warum? Nicht nur, weil sie geschlossen sind. Sondern, weil die erste Frage eben nach der Interpretation des Liedes fragt. Erst mit der übernächsten Frage, die Thema Religiosität im weiteren Sinne anspricht, ist die Tür offen für Religion als zentrales Thema, das über die Musik hinaus weiter gedacht wird:

Wenn man sich die Welt so ansieht, könnte man denken, die Götter müssen verrückt sein. Die Grundfrage ist, ob es etwas gibt, das größer ist als wir Menschen, egal, wie wir das nun nennen.

Jeder Mensch hat eine andere Haltung zur Religion. Wir haben aber auch alle ein Bedürfnis nach etwas, das uns aufrechterhält. Auch Atheisten haben etwas, auf das sie sich stützen – und wenn’s die Menschen sind … Oder irgendwas anderes an das sie glauben.

In dieser zweiten Hälfte des Interviews ist Platz für Fragen nach der Bedeutung von Friedenskonzerten und Auftritten in Israel – Themen, die über das Werk von Joan Armatrading und die Interpretation hinausgeht. Und entwickeln sich häufig die lebendigsten Gespräche.

Das höre ich auch in den Interviews über Interviews immer wieder raus:

Klee kommentieren das mit:

Ich finde auch grundsätzlich, dass es zu wenige Interviews gibt, in denen man eben nicht nur sein neuestes Album promoted. Sicher, das muss auch sein. Das sehe ich auch, aber es ist immer sehr ähnlich und wiederholt sich. Man würde wahrscheinlich lieber über andere Dinge reden, die die Welt gerade bewegen – Politik oder ähnliches.

Oder Herrenmagazin fassen das so zusammen:

Wichtig ist, dass der Interviewpartner über die Musik hinaus denkt. Sich nicht so an das Thema Musik klammert und auch mal über die Menschen nachdenkt.

Dabei lernen die LeserInnen am Ende des Interviews auch einiges über die persönlichen Einstellungen und Ansichten von Joan Armatrading – Mehr als das möglich gewesen wäre, wenn Gaby Sohl direktere Fragen gestellt hätte wie „Was denken Sie über…?“. Es sind auch diese Stellen im Interview, die deutlich machen, welche Themen die Sängerin bewegen und worüber sie sich Gedanken macht. Es ist toll, wenn InterviewerInnen so einen Gesprächsansatz finden und noch toller, wenn das auch in fremdsprachlich geführten Interviews funktioniert. Gaby Sohl hat das Interview ja auf Englisch geführt und es übrigens Joan Armatrading auch in einer englischsprachigen Transkription zur Autorisierung vorgelegt.

 

 


[1] Das bestätigen auch alle Bands in den Interviews über Interviews – auch wenn Björn Sonnenberg von Locas in Love es schöner ausdrückt:

“Es ist ja auch so langweilig, wenn man seine eigene Exegese betreiben soll”.

 

[2] Locas in Love drücken das in Interview über Interviews auch wieder etwas schöner aus:

“Für Brian May zum Beispiel ist es bestimmt interessanter, über Tiere zu sprechen, die er gerade retten will, als über Queen und wie es damals war, Bohemian Rhapsody zu schreiben. Und wenn der Journalist erkennt, worüber jemand reden will, wird das ja auch automatisch das leidenschaftlichere Gespräch”.

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