Interviewvorstellung #9: Katrin Bauerfeind bei planetinterview.de

Auf einer ICE-Fahrt habe ich in den Archiven des Internets gestöbert und hatte zum Glück auch die Zeit, mal wieder etwas zu tun, was ich schon viel zu lange nicht mehr getan habe: Eine Interviewanalyse schreiben. Auf Planetinterview.de gab es ein schönes Gespräch mit Katrin Bauerfeind. Da sie diese Woche Geburtstag hatte, ein besonders schöner Anlass für eine Analyse. Bitteschön und herzlichen Glückwunsch.

Planet Interview
Planet Interview

Das Interview, das ich vorstellen möchte, steht leider auf dem falschen Blog. Es ist ein Interview mit Katrin Bauerfeind veröffentlicht auf Planetinterview.de. Zumindest in Teilen könnte und müsste es aber hier bei Interview über Interviews stehen. Schon die dritte Frage geht so:

„Was darf man nicht fragen?”.

Und Marcus Ertle navigiert sehr sympathisch dahin. Er holt sie mit der Mitmach-Frage „Raten Sie mal…” ins Boot. In der dritten Frage reagiert sie mit einer Gegenfrage:

„Warum? Schreiben so was nur Männer?”.

Katrin Bauerfeind zeigt damit, dass sie durchaus bereit für ein Gespräch ist. Sie registriert und nimmt ernst, was der Interviewer fragt, ohne gleich in Standardantworten zu verfallen. Und der Interviewer? Der hat diese Reaktion vermutlich einkalkuliert, sonst hätte er seine nächste Frage nicht so souverän zum Thema „Schmerzgrenze im Interview” umgeleitet. Wenn er von der Reaktion überrascht worden wäre, hätte er vermutlich das Thema Diskriminierung aufgegriffen oder hätte beide Themen nicht so gut verbinden können. So aber ist es ein lebendiger Einstieg in ein interessantes Gespräch. In der nächsten Passage wird deutlich, dass auch Interviewer Marcus Ertle bereit ist, ein Gespräch zu führen und sich auf seine Interviewpartnerin einzulassen. Er spult nicht einfach vorformulierte Fragen ab, zeigt aber, dass er sich Gedanken gemacht hat. Die Passage ist eine schöne Sammlung verschiedener Fragetechniken:

1. Zusammenfassen, um noch mehr rauszuholen.

Mit

„Doof und Bauerfeind, nicht ganz identisch.”

greift Marcus Ertle das von Katrin Bauerfeind Gesagte noch einmal auf, ohne es inhaltlich weiter zu führen und in der Hoffnung, sie möge noch mehr ergänzen. Die Frage funktioniert so als Motivation, mehr aus der Interviewten herauszuholen. Eine Redebremse wäre die Zusammenfassung, wenn der Interviewer noch eine Frage zu einem anderen Thema anschließen würde. Dann wäre das Thema der Namen abgeschlossen.

2. Das in-den-Raum-Stellen

Mit der völlig neutralen Erwähnung der Anekdote aus dem Interview mit Struck will der Interviewer die Interviewpartnerin wieder zu einer Reaktion motivieren. Ähnlich wie bei 1. gibt Marcus Ertle mit der bloßen Erwähnung keine erwartete Richtung des Gesprächs vor. Hätte er das gewollt, hätte er eine konkrete, geschlossene Frage anschließen müssen. So aber ist es Katrin Bauerfeind überlassen zu entscheiden, auf welchen Aspekt der Anekdote sie eingeht.

3. Weiterführende Gegenfrage

Mit der geschlossenen Frage „War die Frage eine Frechheit?” knüpft Marcus Ertle an die Erzählung von Katrin Bauerfeind an, führt also das Gesagte fort, bekommt aber auch eine konkrete Antwort. Eine schöne Abwechslung zur offenen Frage vorher.

4. Das Aber

Mit

„Vielleicht hat er sich danach gesehnt, mal schwach sein zu dürfen.”

lässt Marcus Ertle ein Aber zu Katrin Bauerfeinds Antwort mitschwingen. Er bezieht eine Gegenposition bzw. gibt zu bedenken…. Das bringt Spannung in ein Gespräch. Es „zwing” die Interviewpartnerin zu einer Reaktion und dazu, Position zu beziehen. So ist diese Passage ein sehr schönes Beispiel für ein lebendiges und abwechslungsreiches Interview. Den Wechsel zwischen verschiedenen Fragen hält Marcus Ertle über die Länge des Interviews durch. Was aber auffällt ist Folgendes: Katrin Bauerfeind gibt selten längere Antworten. Das mag darin liegen, dass Marcus Ertle zwischen verschiedenen Themen hin und herspringt -zwischen Interviewführung, Medienberufen, Berühmt-Sein… Es bleibt mitunter nicht die Zeit, ein Thema konsequent zu vertiefen, am Ende aber doch ein sehr unterhaltsames und spannendes Interview.

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