Interviewvorstellung #12: Farin Urlaub in Galore und bei Flux.fm Spreeblick

Johnny vs. Sascha vs. Farin

Vor einer Weile habe ich hier die Wiedergeburt der Galore gefeiert. Da liegt es doch nahe, jetzt eines der Interviews vorzustellen. Eines, das ich aus mehreren Gründen spannend finde: Das mit Farin Urlaub.

Und die Gründe?

  • Farin Urlaub, dieser Gute-Laune-Kobold, der ein Gespräch besser dirigiert als Sir Simon ein ganzes Orchester
  • Farin ist im Interview kaum der Ärzte-Gitarrist, bzw. weniger Musiker als Fotograf
  • Es geht ums Reisen und das Leben abseits der Musik

Ganz besonders finde ich das Interview aber, weil es einen Vergleichstext gibt, an dem es sich messen lassen muss oder kann: Das Gespräch von Johnny Haeusler auf Flux.fm Spreeblick. Es ist fast schon lächerlich, wie bestimmte Themen und Punkte in beiden Interviews auftauchen. Und vor allem, wie ähnlich die Antworten ausfallen. Ja, ich weiß, eigentlich sollte das nicht überraschen. Immerhin taucht dieser Punkt immer wieder bei den Interviews über Interviews auf.

Hier ist es aber ein wenig anders. Es sind nicht die selben Fragen, die dieselbe Antwort provozieren. Es ist nur das selbe Thema.

Sascha Krüger fragt tatsächlich sehr direkt:

“Wieso fließen all diese Eindrücke, die Sie (beim Reisen) aufsaugen, nicht stärker in Ihre eigene Musik ein?”

Johnny Haeusler sagt dagegen einfach nur:

“(Beim Reisen) da sieht man ja nicht nur andere Kulturen, andere Länder, andere….”

Und schon sprudelt es aus Farin Urlaub heraus. Die Antworten sind in beiden Interviews inhaltlich trotz der unterschiedlichen Fragen sehr ähnlich.

Das Beispiel zeigt auch sehr schön die ganz unterschiedlichen Herangehensweisen der Interviewer: Sascha Krüger stellt überwiegend geschlossene oder halbgeschlossene Fragen. Er vermeidet es auch, sich selbst thematisch einzubringen. Fragen wie die Folgenden sind Fragen, die ausschließlich an Farin Urlaub gestellt sind:

“Was genau fasziniert Sie so sehr an Japan?”

“Ist es nicht abstoßend, so ausgegrenzt zu werden?”

“Gibt es denn ein Land mit der besten Musik?”

Es geht nicht darum, was Sascha Krüger dazu denkt. Man erfährt noch nicht einmal, ob er schon einmal in Japan war oder ob er sich für die tribale Musik Afrikas interessieren könnte.

Bei Johnny Haeusler klänge das anders. Vermutlich würde er Beispiele von Musik anbringen, die er selbst auf Reisen gehört hat. So wie er auch immer wieder begeistert ist von der Musik, die seine Gäste mitbringen. Vielleicht ist es Johnny Haeusler als Blogger gewohnt, bestimmte Aspekte seiner Person in seine Texte, in seinen Journalismus einzubringen. Heraus kommt dann ein sehr nahbarer Gesprächsstil, der sehr viel Begeisterung vermittelt. Er führt zu einer Diskussion, weil beide Gesprächsteilnehmer sich aufeinander beziehen und beide das Gespräch weiterführen.

Sascha Krüger hat dagegen eine distanziertere Art der Interviewführung. Er geht mit seinen Fragen weniger darauf ein, was Farin Urlaub vorher gesagt hat. Er provoziert weniger eine Diskussion oder einen Gedankenaustausch zwischen zwei an Kultur interessierten Menschen. Sascha Krüger scheint sich vielmehr Fragen überlegt zu haben, díe Farin Urlaub portraitieren. Es sind Fragen, die wir ihm vielleicht auch schon stellen wollten (auch wenn wir das noch nicht immer wussten). Fragen wie:

“Lassen Sie die Menschen denn wissen, wer Sie daheim sind und was Sie machen?”

Oder

“Sind Sie – ob mit Die Ärzte oder Solo – zu einem Konsenskünstler wider Willen geworden?”

Das sind gute Fragen, auch wenn sie leider nicht zu dem Gespräch weitergesponnen werden, das sie hätten anstoßen können.

So haben wir zwei Interviews, die auf ganz unterschiedliche Weise zu einem ähnlichen Ergebnis kommen: sie zeigen einen reflektierten Künstler, der offen und kritisch durch die Welt reist und dabei mit sich im Einklang ist. Sascha Krüger schafft das mit interessanten Fragen, die er sich während der Vorbereitung auf das Interview und bei der Recherche zu Farin Urlaub zurecht gelegt hat.

Johnny Haeusler dagegen scheint aus seinen Erfahrungen beim Bloggen zu schöpfen. Sein Beruf ist es, ebenso mit offenen Augen, kritischem Blick und Neugierde durch die Welt zu gehen wie Farin Urlaub. Es bleibt das Gefühl, dass sich hier zwei Leute treffen, die ähnliche Gedanken antreiben und die einen ähnlichen kulturellen Hintergrund haben. Und das ist ein Knistern, das sich schwer durch reine Recherche und Vorbereitung reproduzieren lässt.

Spannend und interessant sind beide Interviews. Unterhaltsam sowieso – bei einem Gesprächspartner wie Farin Urlaub nicht verwunderlich.

Update:

Spannend und interessant sind beide Interviews. Unterhaltsam sowieso – bei einem Gesprächspartner wie Farin Urlaub nicht verwunderlich.

Das hat mir auch Johnny Haeusler sehr nett bestätigt. Er hat mir geantwortet und ergänzt, dass diese entspannte Atmosphäre natürlich nicht bei jeden Gast so sein könne. Farin Urlaub müsse man nicht zum Reden motivieren und es helfe, dass sich beide schon das ein oder andere Mal getroffen hätten.


 

Das Interview auf Flux.fm Spreeblick
Das Interview in der Galore

 

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