Jessica Hopper mal anders

Jessica Hopper

Jessica Hopper Where the girls aren't

Jessica Hopper habe ich hier ja schon wegen ihrer pointiert geschriebenen Rezensionen und Essays empfohlen. Umso schöner, dass ich jetzt die Gelegenheit hatte, einen ihrer Texte aus einem ganz anderen Blickwinkel noch einmal zu betrachten. In einem Seminar zu interkulturellen Aspekten des Übersetzens habe ich die Studierenden den Artikel „Emo – where the girls aren’t” aus The first collection of criticism mit der Übersetzung in Emo (Ventil Verlag) vergleichen lassen.

Schwierig sind hier aber weniger Begriffe wie  „trickle-down economy” oder „cum rag” – die erklären Jonas Engelmann und Michael Smosarski elegant in Fußnoten. Spannender sind eher die vielen Metaphern im Originaltext, die mit passenden deutschsprachigen Äquivalenten übersetzt werden müssen: „Punk stopped looking outward and began stripping off its tough skin only and examine its squishy heart instead“ zum Beispiel mit „… begann Punk, seine zähe Haut abzustreifen und sein schwammig-schmalziges Herz freizulegen“ oder „pillows soaked in tears“ mit „tränenfeuchter Kissen“. Der Text ist voller Adjektive, bildhafter Substantive und Verben wie “Mixtapes across America became laden with relational eulogies – hopefull boys with their hearts masted to sleeves. their pillows soaked in tears”. Jonas Engelmann und Michael Smosarski als Übersetzer treffen den sehr emotionalen und persönlichen Ton von Jessica Hopper sehr gut: „In ganz Amerika wurden Mixtapes sintflutartig mit Hymnen hoffnungsvoller, stolz nach außen getragener Jungenherzen, tränenfeuchter Kissen und Beziehungslobreden verschmutzt“.

Sie weichen aber, wenn nötig, vom Original ein wenig ab, um eigene Metaphern und Ausschmückungen einzubauen, die den Ton des Originaltextes fortschreiben: „Der Song spielt sich nicht als Beschützer auf“ zum Beispiel für „not a song of protection“ oder „Rebellentraumata“ für „broken hearts“.
Oder sie weichen, wenn nötig, ein wenig vom Original ab, um eine Erklärung einzufügen. So erklären sie etwas umfangreicher, als im Original und u. a. mit einer Fußnote die Stellung der Band MOP und des Songs „Ante up“.

Bisher haben wie in der Seminargruppe sehr nüchterne, sachliche Texte besprochen. Bei diesem aber waren die Studierenden tatsächlich bei der Sache. Die umfangreichen, erklärenden Fußnoten haben ihnen gesagt: da weiß jemand, wovon er schreibt und was er übersetzt. Die bildhafte Sprache hat ihnen versichert: da liegt jemanden wirklich etwas an dem Text und Thema. Und bei einer Studentin hat sicher auch geholfen, dass sie Funeral for a friend mag.


 

 

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