Interviewvorstellung #32: Strand Child in der Solaris Empire Lounge

Guten Tag, wer sind Sie denn?

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Wann ist die Interviewerin eine Interviewerin? die Jobbeschreibung sieht vor, dass eine Interviewerin das Gespräch zu leiten hat, es in eine Richtung lenken soll und entsprechend wissen muss, was sie erfahren will. Was aber passiert, wenn sie diesen Plan nicht hat und ziemlich frei in das Gespräch geht? Das zeigt Kitty Solaris auf Kirkuss Radio.

Sie trifft dort zusammen mit Susann Kirkuss regelmäßig Gäste zum Gespräch für die Sendung Solaris Empire Lounge. Ob sie sie die Gäste aber auch interviewt, möchte ich am Beispiel der Sendung mit Strand Child überlegen.

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Interviewvorstellung #31: Dustin Hoffman in Galore

Interviews mit Stars

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Galore.de

Stars sind mitunter herausfordernde Gäste für Interviewerinnen. Und zwar nicht nur, wenn sie wissen, dass sie Stars sind und einen das spüren lassen. Sondern auch, wenn das Werk so groß ist, dass es eine intensive Rückschau rechtfertigt und man meint, dies in einem einzigen Interview tun zu können.

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Interviewvorstellung #30: About my shelf

About my shelf

Coverbild Buch

Dieses Mal gibt es die Vorstellung eines Nicht-Interviews. Denn ehrlich: ein Gespräch oder Interview ist keiner der Texte, die in About my shelf die Bücher- und Plattentregale verschiedener Künstlerinnen vorstellen. Auch wenn sie im Titel als Interviews abgekündigt werden. Dafür fehlt aber jeglicher Bezug auf vorangegangene Fragen.

90% der Fragen sind nicht speziell auf den Gast gerichtet und könnten so auch fast jedem anderen Künstler im Buch gestellt werden.
Ein nachgerade plattes Beispiel ist eine Frage aus dem Text zu Frank Spilker von den Sternen:

Drei Bücher für die einsame Insel

Andere Beispiele sind die Fragen nach dem ersten selbstgekauften Album oder mit wem man mal gerne einen trinken gehen würde.
Es fehlt jegliche weiterführende eigene Interpretation der Antworten durch die Interviewerin.

Bevor jetzt aber jemand denkt, das wäre schlecht und der Text ein Verriss: nein und nein, ist er nicht.
Es ist ein Vergnügen, auf den Fotos die Buch- und Plattencover zu lesen bzw. zu versuchen, sie zu erkennen. Ein Hoch auf den Voyeurismus. Oder hättet Ihr gedacht, dass Cheryl Macneil von Dear Reader “Hoffnung wagen” von Barack Obama im Regal stehen hat. Und Linus Volkmann eine Platte von den Boxhamsters? Na gut, da sind die Duden auf seinem Ikea-Regal überraschender. Und Benedict Wells ist mir noch sympathischer, nachdem ich die kompletten Seinfeld-Staffeln in seinem Regal gesehen habe.
Die Texte selbst sind als Fragebogen konzipiert und bieten also einen nicht nur unterhaltsamen, sondern auch neuen Blick auf die Gäste. Das liegt sicher auch daran, dass sich die Fragen eng gesteckt um das Thema Bücher bzw. Platten(regal) drehen und damit eben diesen Lebensbereich des Gastes beleuchten.
About my shelf bestätigt mich also mal wieder in meiner Begeisterung für Interviews, die ein klar abgestecktes und etwas außergewöhnliches Thema haben.
Da das Buch ja eine Sammlung von Fragebögen ist, die verschiedene Künstlerinnen und Künstler gegenüberstellt, kommt es mitunter zu ganz wunderbaren Momenten. Frank Spilker auf die Frage, welche Romanfigur er gerne mal wäre:

Wer will denn schon der Protagonist aus dem neuen Houellebeqc sein?

Hendrik Otremba von der Band Messer auf die gleiche Frage, zwei Texte weiter:

Am liebsten Jed aus Karte und Gebiet von Houellebeqc

Tja, dabei sind doch beide von Musik und Einstellung eigentlich gar nicht soooo weit voneinander entfernt.
Dafür haben Frank Spilker und Valeska Steiner von der Band Boy beide Learning to love you more von Harrell Fletcher und Miranda July im Regal. Bei Valeska Steiner steht es neben Benedict Wells’ “Becks letzter Sommer”. Es werden nicht die einzigen Kreise sein, die sich da schließen.
Falls Ihr wissen wollt, welches Frank Spilkers Bücher für die einsame Insel sind? Hier die Antwort:

Die längsten und schwierigsten natürlich, in denen sich die Sprache am meisten verdichtet. Dantes Inferno wäre ein Kandidat. Das Kapital von Marx und Nietzsche vielleicht. Für Erbauungsliteratur wäre dann kein Platz mehr.

Und an dieser Stelle ist die Frage gar nicht mehr so trivial. Ich hätte so eine Lust, nachzufragen und mich mit Frank Spilker über die Bücher, Einsamkeit und das eigene Nachdenken zu unterhalten.
Das leistet About my shelf nicht. Aber es öffnet ein wenig die Tür zum Inneren der Künstler und Künstlerinnen. Und darüber hinaus bricht es eine Lanze für Fragebogenfragen. Wenn die Interviewerin offen für ein spontanes Thema ist, kann sie die Antwort für Nachfragen und ein philosophisches Gespräch nutzen, das die Tür in die Gedankenwelt des Gastes erstaunlich weit öffnet. Wenn sie das ganze Interview so offen und spontan gestaltet, ist das aber nicht nur sehr mutig, sondern auch wieder kein Interview. Denn dazu gehört ein Konzept, ein Thema, ein Plan, an dem sich die Interviewerin orientiert. Wenn sie aber ein Teil des Interviews auf einer so weitergeführten Fragebogenfrage aufbaut, ist das sehr reizvoll.


Gäste und Namedropping

 

Interviewvorstellung #28: Serdar Somuncu bei Katrin Bauerfeind assistiert

Herausgefordert!

Ein klassisches Interviewformat ist Bauerfeind assistiert… mit Sicherheit nicht. Dass Katrin Bauerfeind zwischen Kaffee holen und Besorgungen machen immer noch Zeit für interessante Gespräche findet, reicht als Grund wohl nicht aus, hier eine Folge vorzustellen. In der Folge mit Serdar Somuncu wird das Gespräch aber einem konventionellen Interview gegenüber gestellt. Und das ist dann sehr wohl ein guter Grund für die Vorstellung und die Überlegungen zur Rollenverteilung im Interview.

Die arme Interviewerin in der Folge bekommt den Serdar Somuncu zu spüren, von dem Katrin Bauerfeind sagt, dass sie vor ihm Angst hat. Er lässt die Moderatorin für sich die Antworten geben, was aber auch schon fast nichts mehr macht, weil die Interviewerin über mehr als zwei Fragen ohnehin nicht hinauskommt. Da hat Serdar nämlich schon komplett abgeschaltet und sich mit Katrin Bauerfeind zum tuscheligen Zwiegespräch zurückgezogen.
Die Interviewerin versucht trotzdem weiterhin tapfer, ihren Plan durchzuziehen und ein Interview mit der traditionellen Rollenverteilung zu führen. Im direkten Vergleich mit der deutlich interessanteren Rolle, die Katrin Bauerfeind als Assistentin einnimmt, muss sie damit aber leider scheitern. Die Rollenverteilung zwischen Interviewerin und Gast spielt hier eine so große Rolle, weil sie die Erwartungen bestimmt, mit denen Serdar Somuncu an das Gespräch herangeht. Von der konventionellen Interviewerin hat er nicht viel zu erwarten. Schon tausend Mal hat er seine Kunst erklärt und über seine Programme gesprochen. Auch das Setting verspricht keine Überraschung oder gar Dynamik: das obligatorische Aufnahmegerät liegt auf dem Tisch. Vermutlich war der Zeitrahmen mit ca. 30 Minuten und das Thema mit dem aktuellen Buch festgelegt.
Deutlich mehr Spaß verspricht da das Konzept von Katrin Bauerfeind: nicht nur, dass sie ihn begleitet und deutlich mehr Zeit ihm verbringt. Sie taucht auch nicht explizit als Interviewerin auf, sondern als Assistentin. Natürlich ist klar, dass der Tag dokumentiert und Raum für interviewähnliche Gespräche lassen soll, die Assistentinnenrolle also ein Fake ist. Trotzdem macht so ein Rollenspiel das Gespräch erst einmal interessanter und den Gast offener. Es signalisiert ihm: Wir machen mal etwas Neues und nicht Schema F.

Im Interview ist normalerweise klar, was vom Gast erwartet wird: Er muss Fragen beantworten, sich und evtl. seine Institution repräsentieren. Das bietet Raum für Standardformulierungen und ein vorgefertigtes Image, weil der Gast sich vorher überlegen kann, welche Themen und Äußerungen er unterbringen möchte.
Vor allem ein Gast wie Serdar Somuncu, der gerne den kompromisslosen Provokateur gibt, muss durch Überraschungen herausgefordert werden. Wenn er mit Standardsituationen konfrontiert wird, kann er die Erwartungen, die an ihn gestellt werden natürlich leicht bewusst missachten. Entsprechend ist die wunderbarste Szene der Folge, die, in der Katrin Bauerfeind in Serdar Somuncus Namen an den Gästelisterschnorrer textet: “Ja Du Spacken, natürlich ist die Frage unverschämt”. Da scheint Serdar tatsächlich zu schlucken und Katrin Bauerfeind hat einfach mal zurückgeschossen. Damit ist sie interessanterweise aus ihrer Rolle der Assistentin ausgebrochen. Damit hat sie den Überraschungseffekt, der die Gäste auf positive Weise herausfordert.
Es lohnt sich also, einmal bewusst einen andere Rolle im Interview einzunehmen, als die der konventionellen Interviewerin. Noch mehr lohnt es sich aber, den Rollenerwartungen auch einmal zu widersprechen.


 

  • Die Folge Bauerfeind assistiert… Serda Somuncu auf zdf,de
  • Die Homepage von Katrin Bauerfeind
  • Die Homepage von Serdar Somuncu

Interviewvorstellung #25: Jochen Distelmeyer auf laut.de

Einfach mal Fan sein.

In der vorletzten Interviewvorstellung hatte ich das Thema gestreift, dass Interviewerinnen auch Fans des Gastes sein können. Es ging um die Youtuberin Bibi, die genau in die Zielgruppe der interviewten schnukeligen Preset-Hitmaschine One Direction passt. Dabei ist die Frage sogar eine ganz essentielle: Wie viel Fan darf in der Interviewerin stecken?

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