Interview über Interviews mit: Christopher Lesko

>CHRISTOPHER LESKO<

‘Innere Bereitschaft zur Begegnung’

Der Journalist ist eigentlich keiner, denn obwohl er regelmäßig in Medien veröffentlicht, sieht er sich lieber als Kommunikationsexperte. Er führt selbst regelmäßig Interviews, gerne mit Leuten, die man aus dem Fernsehen kennt.
Er ist aber auch Teil der Leadership Academy, die Kommunikationstrainings für Unternehmen anbietet.
Einem breiteren Publikum ist er 2015 durch die ZDF-Reality-Dokuserie “Plötzlich Krieg” bekannt geworden.

Links:

  • Profil von Christopher Lesko: www.lesko.ch
  • Meedia.de: das Medienmagazin kommentiert aktuelle Beiträge in Zeitungen und  Fernsehen
  • Leadership Academy Berlin: die Beraterfirma bietet “Executive Leadership Trainings an und begleitet Change-Prozesse”.
  • Plötzlich Krieg: Im Interview mit meedia.de erklärt Christopher Lesko das TV-Experiment, bei dem die TeilnehmerInnen in zwei Gruppen aufgeteilt und in eine handfeste Auseinandersetzung gesteuert werden.

 

Christopher Lesko

 

 

 

 

 

 

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The Turnaround

The Turnaround with Jesse Thorn

Jesse Thorn ist Radiomoderator und hat die Podcastproduktionsfirma Maximum Fun gegründet. Sie ist bekannt für Diskussionsrunden wie Dave Hill’s Podcast Incident oder Baby Geniuses. Am anderen Ende des Programmes stehen Jackass-Formate und Blödel-Sendungen wie Can I Pet Your Dog oder The Imposters – ein wenig wie Circus Halligalli zum Hören. Jesse Thorn ist aber ein durchaus seriöser Medienjournalist und seine erste Sendung auf Maximum Fun, The Sound Of Young America, lag irgendwo zwischen diesen Programm-Extremen: ein Talkformat mit Sketch- und Comedyeinlagen. Mittlerweile heißt die Sendung The Bull’s Eye und konzentriert sich auf den Talk-Teil, also Interviews. Allein die Gäste sind und bleiben komisch und kommen aus dem Comedy-Bereich.

Logo The Turnaround roter PfeilEine etwas anderes Konzept hat Jesse Thorn mit seiner neuesten Podcast-Sendung entwickelt. Sie heißt zwar The Turnaround, könnte aber auch überschrieben werden mit Interviews über Interviews. Jesse Thorn lädt sich Interviewerinnen zum Gespräch ein und spricht mit ihnen über ihre Arbeit. Im Gegensatz zu den Interviews, die ich über Interviews führe, steht bei The Turnaround das Erzählen im Vordergrund. Es geht weniger um technische, manchmal auch trockene Details wie Fragetechniken oder Analyse des Interviews. Stattdessen erzählt er und lässt erzählen. Die Interviews sind eher offene Gespräche. Vorgegeben sind sie thematisch vor allem durch den Gast. Er ist eingeladen, weil er beruflich mit Talk, Gesprächen oder Interviews zu tun hat. In diese Rolle begibt sich der Gast in das Gespräch mit Jesse Thorn und  erzählt. Es gibt kein Interviewziel, das zum Beispiel vorgibt: Am Ende sollen wir erfahren, wie wir den Gast zum Reden bringen oder wie wir uns auf ein Gespräch vorbereiten. Es geht nicht darum, vom Gast zum Beispiel zu erfragen, wie wir mit extremen Interviewsituationen umgehen sollten. Es geht eher darum zu erfahren, wie der Gast damit umgegangen ist. Wertungsfrei, vielleicht nicht immer einwandfrei aber auf jeden Fall erhellend und nie belehrend.
Zweimal pro Woche gibt es eine neue Folge, jede eine Stunde oder länger. Die Show gibt es seit Juni 2017.


Interviewvorstellung #37: Käptn Peng bei Deutschlandradio Corso

Hat sie das noch nie jemand gefragt?

Na das fängt ja gut an. Anja Buchmann wandelt auf recht dünnem Eis, aber das sehr souverän und gekonnt. Dünn ist das Eis deshalb, weil sie Robert Gwisdek aka Käptn Peng im Interview bei Corso nach der Bedeutung seiner Texte fragt. Und es gehört schon ein wenig Mut oder guter Glauben dazu, danach zu fragen, wer oder was das Peng ist.

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Sandra Hüller: Kiez-Interview

Kiez-Interview

Ich habe angefangen, dieses Interview zu lesen, wegen des Leipzig-Bezugs. Und ich bin dabei geblieben wegen des …. Leipzig-Bezugs. In dem Interview wird ein eigentlich simples Thema möglichst anschaulich für Nicht-Betroffene erklärt: in diesem Fall Leipzig und die Wendezeit. Die Schauspielerin Sandra Hüller erzählt, warum sie wieder in Leipzig lebt und wie sie die Stadt erlebt.
Und so habe ich einmal die Gelegenheit zu erfahren, wie es wirkt, wenn man auf der Seite der Betroffenen des Interviewthemas steht: Es ist erst einmal merkwürdig. Sandra Hüller scheint es ähnlich zu gehen, sie geht nämlich auf Distanz und sagt:

Ich habe Angst, dass wir uns in das Thema verbeißen

oder

Ich finde es ja interessant, dass wir immer noch über die DDR reden müssen.

Aber man beginnt auch zu verstehen, dass es Leute gibt, denen man die Sicht der Betroffenen so direkt vermitteln muss. als eine Art vVerständigung zwischen A und B.
Und spätestens ab da macht das Interview so wunderbar Sinn. Am Anfang erschließt sich das Ziel des Interviews nicht so wirklich. Oder warum muss ich mit einer Schauspielerin über 25 Jahre nach dem Mauerfall noch über die Wende reden? Am Ende ist es aber ein sehr schönes Interview über Leipzig und die Vergangenheit, das ich mit meinen eigenen Erfahrungen und Eindrücken abgleichen kann. Ich fühle mich bei meiner eigenen Rückschau ertappt.


Interviewvorstellung #36: Sookee bei Freitag.de

Bitte erklären Sie.

freitag logo

Aus gegebenem Anlass will ich heute ein Interview mit Sookee vorstellen. Die Berliner Rapperin hat gerade ein neues Album veröffentlicht und die Gelegenheit habe ich genutzt, um mich einmal durch die verfügbaren Artikel und Interviews zu wühlen. Eines davon hat Jan Rebuschat vor einigen Jahren für den Freitag geführt. Seine Ansprechhaltung steht exemplarisch für viele Interviews und lässt sich überschreiben mit: „Lieber Gast, erkläre mir bitte einmal…“.
Was bedeutet das? Der Interviewer formuliert tatsächlich fast ausschließlich Fragen (anstelle von Aussagesätzen oder Kommentaren), gerne auch W-Fragen. Zum Beispiel:

„Welche aktuellen Rapper finden Sie diesbezüglich besonders problematisch?“
„Weshalb haben kontroverse Rapper (wie z. B. Bushido und Haftbefehl) solchen Mainstream-Erfolg?“

An diesen Beispielen wird deutlich, welche Wirkung die Fragen haben. Sie fragen gezielt nach der Meinung und den Ansichten des Gastes. Sie lassen den Gast erklären und blenden dabei die Ansichten des Interviewers aus. Selbst in den Fällen, in denen Jan Rebuschat seine recherchierten Informationen oder weiterführende Gedanken in die Frage einbaut, steht am Ende eine Frage an die Rapperin, d. h. sie kommen vor allem in Form von Plattformfragen (M. Haller) vor und werden der Frage vorangestellt. Zum Beispiel:

„Zwar hat Rap schon seit Jahren den Mainstream erobert, doch in den Medien wird meist über die negativen Aspekte berichtet. Stichworte: Gewalt, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus. Welche sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme des aktuellen deutschen Rap?“

“Marcus Staiger kritisierte kürzlich, dass er auf einer Zeckenrapgala war und dort ca. 99 % Deutsche und nur ca. 1 % Menschen mit Migrationshintergrund gewesen seien. Er führte dies auf einen gewissen Snobismus der deutschen Linken gegenüber der Arbeiterklasse zurück. Was sagen Sie dazu?”

Damit bleibt der Austausch recht einseitig. Das Interview ist dann keine Diskussion auf gleicher Augenhöhe, sondern eher eine Art Expertinnengespräch, bei dem die Rollen ungleich verteilt sind. Es zwingt den Gast dazu, sich auf Meinungen und Einschätzungen festzulegen, an denen er sich eventuell messen lassen muss. Unter Umständen kann das Druck aufbauen, wenn der Eindruck entsteht, der Gast würde „ausgequetscht“.
Das passiert hier bei Sookee allerdings nicht. Im Gegenteil, die Rapperin ist ja sehr meinungsstark und freut sich über die Gelegenheit, sich äußern zu dürfen. Dabei spricht Jan Rebuschat durchaus interessante Argumente und Aspekte an, z. B. die Kritik von Marcus Steiger an der Kultur der Rap-Szene. Wenn der Interviewer diese Bemerkungen in eigene Erfahrungen und Interpretation eingebaut hätte, hätte sich sicher eine sehr interessante Diskussion von zwei KennerInnen der Szene ergeben. So aber gibt er die Zitate mit der Bitte um einen Kommentar an Sookee zurück und vergibt sich die Chance für die Diskussion ein wenig.
Bei einem so wortstarken Gast wie Sookee entsteht aber auch so ein sehr interessantes und informatives Gespräch.