Vampire Weekend

Eat Ghosts und TransCentury Festival – Vampire Weekend in Leipzig

Zwei Konzerte gibt es dieses Wochenende, auf die ich an dieser Stelle hinweisen will und ans Herz legen möchte. Entscheidet selbst, bei welchem Ihr Euer Wochenende verbringen wollt.
Foto mit der BandIn der Moritzbastei spielen Eat Ghosts mit Wucan. Eat Ghosts ist ein Quartett aus Potsdam. Die Band schafft es, schon im ersten Satz ihrer Homepage Dream Theater zu erwähnen und mich trotzdem nicht zu verlieren. Die erste Single ihres Debütalbums An Tie Go heißt „Fancy free“ und ist mitreissender, druckvoller Indie-Pop. Schade, dass sie zu spät erschienen ist, um ein Sommerhit zu werden. Catchy genug ist das Lied allemal, vor allem mit dem viertstimmigen acapella Gesang zu Beginn.

TranscenturyDie Konkurrenzveranstaltung läuft im UT Connewitz: Das unbedingt empfehlenswerte TransCentury Festival. Drei Abende, an denen gemischt wird, was schon längst mal hätte zusammengeführt werden sollen:
 Die vereinbaren Punkansätze von Thurston Moore und Olimpia Splendid. Die unwiderstehlichen Stimmen von Jane Weaver und Fun Fare. Und darüber schweben John Maus Kompositionen. Das Festival findet das zweite Mal statt und ähnlich wie beim Klanggut Festival gibt es auch beim Trans Century Videoinstallationen und Visual Arts mit dem Leipziger Kollektiv Wisp.

 


Kopfhörergeschichten

Kopfhörergeschichten

Vor einer Weile habe ich angefangen, Menschen unter die Kopfhörer zu lauschen. Wenn ich sie unter Kopfhörern im Zug, auf der Straße oder auf der Bank gesehen habe, habe ich gefragt, was sie denn da hören.
Moritz erzählte mir, dass bei ihm gerade Korn läuft. Er habe die früher immer gerne gehört.
Laura, die ich in Berlin erwischt habe, hatte zwar Kopfhörer auf, wollte aber nur jemanden anrufen. Nun, das wird wohl öfter vorkommen.
Dafür ist Gisela in Köln vom Soundtrack zum Musical von Die Schöne und das Biest gefangen. Sie hat es vor kurzen im Theater gesehen.
Max habe ich in Leipzig getroffen, er hört Eisbrecher.
Lotte lief mir in Bremen über den Weg. Bei ihr lief “Oma Lise” von Bushido.
Sie war so nett und hat für ein Foto posiert.

001_Bremen_Lotte Bushido

“Zarah – Wilde Jahre” im zdf

Zarah – die Lara Croft des Feminismus

Titel Zarah Sechs Folgen waren jetzt schon zu sehen. Und es wird nicht besser. Im Gegenteil: Das etwas unangenehme Gefühl im Bauch hat sich verfestigt. Das Gefühl, dass ich lieber eine zweite Staffel The Good Girls Revolt gesehen hätte als einen scheinbaren Aufguss davon als zdf-Eigenproduktion. Die Parallelen zwischen dem Amazon-Original The Good Girls’ Revolt und dem ZDF-Klon Zarah – Wilde Jahre sind offensichtlich: Hier die Redaktion einer US-Wochenzeitschrift in den 1960ern, da die Redaktion eines deutschen Lifestyle-Magazins in den 1970ern. Hier ist es Patti Robinson, die sich als eigenständige Journalistin gegen die Männer in der Redaktion durchsetzen will. Da ist es Zarah Wolf, die den Feminismus in die Redaktion bringt. Continue reading ““Zarah – Wilde Jahre” im zdf”

Laurie Penny in Leipzig

Bühne mit Sessel und TischAm Montag hat Laurie Penny im UT Connewitz aus ihrem aktuellen Buch „The Bitch Doctrine“ gelesen. Neue Erkenntnisse hat die anschließende Diskussion nicht gebracht. Und nein – das ist gar nicht negativ gemeint. Es ist eigentlich sogar gut.
So bestätigt sie die gar nicht so radikale und absolute Ansicht, mit der ich mich selbst auch ganz wohl fühle. Die Position von Laurie Penny, die in der Diskussion deutlich wird, lässt sich auf zwei Punkte herunterbrechen:

  1. Es ist besser, ein T-Shirt mit Feminist-Aufdruck zu tragen, als den Begriff gar nicht in die Gesellschaft zu tragen. Das verträgt sich auch damit, dass Laurie Penny gleich im Anschluss – deutlich theoretischer – die antifeministischen Strukturen im Kapitalismus erörtert und darlegt.
  2. Normativität mit attitude. Eine Zuschauerin erzählt von ihrer Schwester, deren Kindern und dem Ehemann und stellt die Frage, wie es denn Laurie Penny mit dem normativen Lebensmodell hält. Da sieht die sich einen Lebensentwurf verteidigen, der eigentlich nicht der ihre ist und außerdem wohl am allerwenigsten eine Verteidigerin braucht. Weil er die Norm ist und deshalb akkzeptiert ist wie nur was. Oder vielleicht gerade deshalb nicht? In einem Umfeld, das sich für die Sichtbarkeit und Akkzeptanz von Minderheiten einsetzt, ist ja die Norm die gefühlte Minderheit (aka. Mainstream der Minderheit).

So hat das ABER in den Argumentationen Recht. Natürlich reicht es nicht, nur T-Shirts mit Feminist-Aufdruck zu tragen, schon gar nicht, wenn sie in Sweatshops in Bangladesh hergestellt wurden. ABER manche Leute treffen bei H&M oder Zarah eben das erste Mal überhaupt auf den Begriff. Wichtig ist dann, dass es eben nicht nur bei dem Aufdruck bleibt, sondern, dass es Angebote gibt, ihn zu diskutieren und zu leben.
Natürlich sind Frauen nicht alleine für die Versorgung der Kinder und den Haushalt zuständig. ABER wer diese Rolle gerne übernimmt und ausfüllt, gehört dafür nicht verhöhnt, sondern genauso respektiert wie jemand, der anderswo Verantwortung übernimmt. Das tut mitunter weh. Es bedeutet, Kompromisse einzugehen und die bittere Erkenntniss, dass so viele Menschen nicht die gleiche Vorstellung von Gleichberechtigung und Nicht-Diskrimminierung haben. Sie wird man nicht mit der vollen Dröhnung feministischer Theorien überzeugen, sondern einschüchtern oder gar abstoßen. Das ist der seit einigen Jahren schon zu beklagende Backlash.
So direkt sie auch im Buch und ihren Artikeln argumentiert und eine Meinung vertritt, so sehr setzt Laurie Penny in der Diskussion ihre Meinung und die links-feministischen Ansichten in einen entsprechenden, relativierenden Kontext. Das ist eine gute Basis, um möglichst viele Leute ins Boot zu holen.