The Beauty of Gemina

The Beauty of Gemina – Flying with the owl

3.10.2018 – Peterskirche Leipzig

Albumcover handschriftlich geschrieberr Text

 

 

 

„I see the shades of summer and the colours are all bright. Lightning thunder, natural wonder“

Die Zeile soll gleich zu Beginn stehen, damit gleich klar ist: „Flying with the owl“ ist ein Herbst-Album. Auf seinem achten Studioalbum setzt Michael Sele aka. The Beauty of Gemina wieder die eher bedrückenderen Themen musikalisch um: Memento Mori, Zweifel und Blues… Letzteres nur sehr sporadisch mit Anleihen am entsprechenden Musikgenre. Da ist es eher Songwriter-Pop, angereichert mit Streicher-Arrangements und Blue-Notes. Dafür hat er sich mit drei Musikern an Cello (Raphael Zweifel), Bass (Philipp Küng) und Schlagzeug (Mac Vinzens) und einer Musikerin an der Violine (Eva Wey) zusammengefunden. Sie begleiten Textzeilen wie

„It’s getting cold behind the sun. The dark comes in. It’s a suicide day and the sun is shining.“
„The world is burning in my dream. The exploding fire is here again.“

Solche Texte muten natürlich sehr lyrisch-mystisch an, erinnern ein wenig an romantische Gedichte. Sowohl wegen der Wortwahl, die sich auf Natur und Vergänglichkeit fokussiert (auch Wörter wie „Firewood“ sind zu hören) aber auch, weil sie sehr reim- und rhythmusorientiert arrangiert ist.
Eine Live-Präsentation des Albums in einer Kirche ist da durchaus passend. Und die gibt es am 3.10. in der Peterskirche.


Tempi Passati – Der teuflische Plan

Tempi Passati – Der teuflische Plan

Tempi Passati sitzen im Cafe
Tempi Passati (TP)

Tempi Passati haben am 31.8. ihr viertes Album veröffentlicht. “Der teuflische Plan” heißt es und dass es schon das vierte Album der Band ist, zeigt, dass die vier Musiker keine Newcomer mehr sind.
Der Sänger und Texter der Band ist Raik Hessel, in der Leipziger Musikszene schon seit den 1990ern aktiv. Er ist auch die treibende Kraft der Band.

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Interview über Interviews mit: Mrs. Pepstein

>>Mrs. Pepstein<<

„Interviews, die Ihr nur macht, um ein Interview zu machen, könnt Ihr Euch sparen.“

 

Mrs Pepstein

Mrs. Pepstein ist eine Macht an den Reglern und am Mikro. Sie ist Radiomoderatorin, DJane, Interviewerin oder auch einfach: Gastgeberin für Künstlerinnen und Bands. Ihr zweiter Name ist nicht etwa Katja Röckel – den hat sie sich nur für den Personalausweis zugelegt – sondern Netzwerk. Durch ihre journalistische Arbeit hat sie Kontakte zu Bands und Künstlerinnen geknüpft. Neben der Tatsache, dass sie diese Künstlerinnen schätzt, ist eine gemeisname Liebe zum Feminismus dafür eine gute Basis. In Leipzig lädt sie regelmäßig zur Interviewsendung Mrs. Pepsteins Welt auf Radio Blau ein. Lesetipp dazu: Hot Topic, ein Band über neue Ansätze des Feminismus im Pop.

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Zeitzeugen-Gespräche

4 Schwestern

Es sind die einzelnen, akzentfreien deutschen Wörter, die Ruth Elias zwischen ihr akzentgefärbtes Englisch schiebt: Selbsterhaltung, Leichenhalle, fröhlich…

Sie lassen einen beim Zuhören zusammenzucken. Denn sie offenbaren mindestens genauso viel wie die Erzählung selbst.

Die Erzählung von nackten Füßen bei Minusgraden. Vom heißen Wasser, das mit dem Euphenismus Suppe bedacht wurde. Das Baby, die Spritze… Ruth Elias ist eine der vier Holocaust-Überlebenden, die Claude Lanzmann zusammen mit Emil Weiss für seine Dokumentationen interviewt hat. Interviewt? Naja, denen er zugehört hat. Denn das trifft es eher. Er fragt kaum. Spricht kaum. Lässt sprechen. Und das ist das einzig Richtige. 

Natürlich ist es leicht, bei einem Thema wie dem Holocaust zu berühren, aber so unangreiflich wie in der Gesprächsreihe “4 Schwestern” lässt sich darüber nicht in der dritten Person berichten, nur in der ersten. Bei Claude Lanzmann sind die Tränen, die in den Augen blitzen und das Zittern der Lippen indirekt, bei Ruth Elias ist es unmittelbar. 

So ist hier nicht die Frage, ob das ein Interview ist oder nicht. “4 Schwestern” zeigt die größte Stärke des Interviews: die Kraft des direkten Gesprächs. Und in diesem Fall ist es das wohl stärkste Argument gegen Unwörter wie Schuld-Kult.

Die Gespräche wurden im Rahmen des Drehs für Claude Lanzmanns Dokumentation “Shoah” geführt und sind jetzt, anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocausts auf Arte.tv zu sehen.