La Tourette – The Great Mickey Mouse Swindle

La Tourette – The Great Mickey Mouse Swindle

Bandfoto LaTouretteMickey Mouse ist eine Lüge. Sie verkörpert Moral, das Gute und Anständige. Alles, was verdorben und niederträchtig ist, ist nicht in ihr. Das ist in den Panzerknackern. Diese Polarität ist fern jeder Realität. Die Realität hat verschwommene Grenzen. Die Realität hat La Tourette. Hier treffen HipHop-Beats auf düster-kräftigen Gesang. Rumba-Rhythmen auf menschliche Abgründe.
Diese Vielfalt und auch Widersprüche sind die Stärke von La Tourette, sowohl textlich als auch im Klavierspiel von Tonia Reeh. Zusammen mit Rudi Fischerlehner am Schlagzeug lassen sie sich von afrikanisch-tribaler Musik, von Jazz und HipHop inspirieren, überführen die Einflüsse in Rock und heraus kommt das sehr gute Album The Great Mickey Mouse Swindle. Es ist diese Woche auf Solaris Empire erschienen.


Sunshine Reverberation

Sunshine Reverberation / s/t

Forside Sunshine LP GUL

Sunshine Reverberation sind ein Quartett aus Tromso, im nördlichsten Norden Norwegens. Mit kühler, distanzierter Musik a la Legends, Radio Dep hat das aktuelle, selbstbetitelte Album aber gar nichts zu tun. Im Gegenteil, die Blues infizierten Riffs erinnern eher an heiße Nächte in Bluesrock-Bars in den 1960ern. Der Sound ist ebenso dicht und klingt nach Schweiß, der von der Decke tropft. Lediglich der Gesang ist lässig und zurückgelehnt. Diese Mischung macht das Album zu einem sehr spannenden Debütalbum. Diese Woche, am 21.4.2017 ist es erschienen.


Interviewempfehlungen

Spreeblick auf die Gesellschaft

Ein ganz wunderbarer Zufall: Die letzten beiden Interviewvorstellungen waren zu Interviews mit Antilopen Gang und Sookee. Und als ich vergangene Woche bei Fluxfm/Spreeblick die letzten Sendungen durchhöre, hatte Johnny Haeussler genau diese beiden zu Gast.
Ich will Euch deshalb diese Gespräche ans Herz legen.

Interview mit Antilopen Gang auf Fluxfm/Spreeblick
Interview mit Sookee auf Fluxfm/Spreeblick

Und es gibt noch mehr Sookee: Auf rap.de gibt es ein Interview, das ganz hervorragend zeigt, wie konzeptionell und bewusst der künstlerische Blick von Sookee ist. Es geht in 99% des Gesprächs um gesellschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen. Es ist toll, wenn in einem Interview die Kunst des Gastes so zum gesellschaftlichen Thema wird. Einige RezensentInnen mögen das als zu verkopft kritisiert haben, aber bei Sookee wird das Label Soziologievorlesung wieder positiv besetzt. Ich freue mich darauf, für die neue Ausgabe des Kreuzer Leipzig mit ihr zu sprechen und diese Themen weiterführen zu können.

Interviewtipp: Sookee bei Corso im Deutschlandfunk

Vor einigen Tagen, am 17.3., ist das aktuelle Album von Sookee erschienen: „Mortem & Makeup“. Sookee gibt in den Liedern Begriffen wie „Schrank“ und „Hüpfburg“ eine politische Bedeutung. Ich finde hervorragend, mit welcher geradlinigen Haltung und Selbstverständlichkeit sie so politische Musik macht.
Es scheint fast ein Frevel, mit ihr nicht über die Texte und ihre Aussagen zu sprechen. Ein sehr gutes Gespräch ist das Interview bei Corso im Deutschlandfunk. Christoph Reimann fragt und sagt nicht einfach nur: „Was bedeutet das…“ und „Wollen Sie damit sagen, dass….“. Er findet weitergehende Fragen zur Position der Rapperin, wie zum Beispiel, dass sie eventuell bei ausgesprochen links-queeren Veranstaltungen eher „preaching to the converted“ betreiben könnte, als wirklich diskutieren. Das gibt Sookee die Gelegenheit, sehr elegant den Deutschlandfunk, bei dem sie eben spricht, als bestes Gegenbeispiel zu nennen.
Spannend ist das Gespräch über die Texte aber auch, weil hinter ihnen Theorien und Konzepte stehen, die Sookee inspiriert haben, und so macht das Interview auch deutlich, wie bewusst sie als Künstlerin ist.


Neue Alben

3 Albenempfehlungen

Ein Frühjahrshoch liegt über dem örtlichen Plattenladen und beschert eine sonnige Woche. Naja… ein wenig schwermütiger Winternebel hängt den Platten dann doch noch an, die heute am 24. Februar erscheinen.

Weder Dear Reader, noch Clap Your Hands Say Yeah! oder Christiane Rösinger sind nur eitel Sonnenschein, dafür aber unbedingt zu empfehlen:

Dear Reader – Day Fever

Cherilyn MacNeil ist ja ohnehin für die leiseren, poppigeren Töne bekannt und das bleibt auch bei dem aktuellen Album der (Ex?)Afrikanerin so.

Hier gibt es die Single “Then not now”

 

Clap Your Hands Say Yeah! – The Tourist

Das sechste Album der New Yorker Ex-Indie-Überstarter. Geht wie gewohnt in die Fuß- und Nackenmuskeln.

Hier gibt’s die Single zum Album “Fireproof”

 

Christiane Rösinger – Lieder ohne Leiden

Die Grande Dame des deutschsprachigen Pop. Mit traumwandlerischer Sicherheit …naja… wandelt sie wieder zwischen Alltag, Emotion, Melancholie, Ironie und Euphorie. Neun Lieder, die Dir mit freundlich-spöttischen Lächeln wieder aufhelfen, wenn Du eventuell mal wieder gegen eine Glastür gerannt bist.

Hier gibt es die Snigle “Eigentumswohnung”

Hörenswert dazu ist auch das Interview bei dradio Corso


Dear Reader:

Clap Your Hands Say Yeah!

Christiane Rösinger