Vampire Weekend

Eat Ghosts und TransCentury Festival – Vampire Weekend in Leipzig

Zwei Konzerte gibt es dieses Wochenende, auf die ich an dieser Stelle hinweisen will und ans Herz legen möchte. Entscheidet selbst, bei welchem Ihr Euer Wochenende verbringen wollt.
Foto mit der BandIn der Moritzbastei spielen Eat Ghosts mit Wucan. Eat Ghosts ist ein Quartett aus Potsdam. Die Band schafft es, schon im ersten Satz ihrer Homepage Dream Theater zu erwähnen und mich trotzdem nicht zu verlieren. Die erste Single ihres Debütalbums An Tie Go heißt „Fancy free“ und ist mitreissender, druckvoller Indie-Pop. Schade, dass sie zu spät erschienen ist, um ein Sommerhit zu werden. Catchy genug ist das Lied allemal, vor allem mit dem viertstimmigen acapella Gesang zu Beginn.

TranscenturyDie Konkurrenzveranstaltung läuft im UT Connewitz: Das unbedingt empfehlenswerte TransCentury Festival. Drei Abende, an denen gemischt wird, was schon längst mal hätte zusammengeführt werden sollen:
 Die vereinbaren Punkansätze von Thurston Moore und Olimpia Splendid. Die unwiderstehlichen Stimmen von Jane Weaver und Fun Fare. Und darüber schweben John Maus Kompositionen. Das Festival findet das zweite Mal statt und ähnlich wie beim Klanggut Festival gibt es auch beim Trans Century Videoinstallationen und Visual Arts mit dem Leipziger Kollektiv Wisp.

 


Konzert-Tipp Motorpsycho

Motorpsycho ©DaveRaphael
Motorpsycho ©DaveRaphae

Motorpsycho sind so eine Band, deren Alben und die dazugehörigen Touren mit den eigenen Lebensphasen verknüpft sind: ein fröhlicher Ausflug nach Berlin zur Präsentation von Phanerothyme. Ein weiterer zu It’s A Love Cult; Death Defying Unicorn in Köln. Die Abende bleiben in Erinnerung und die Band wird zur konstanten Begleitung. Seit über 25 Jahren führt sie ihr Publikum (gewollt oder ungewollt) an neue Genres und musikalische Einflüsse heran: Folk, Ambient, Rock, Hardrock…

 

Jedes der Konzerte, jedes der Alben war auch eine neue Phase für die Band: Experimente mit neuen Stilrichtungen und neuer Bandbesetzung.
Und nun dieses Mal Leipzig, mit The Tower im Conne Island. Das Album ist wieder rockiger, dynamischer als die Ausflüge in den Psychodelic Rock auf Here Be Monsters. Mag es am neuen Schlagzeuger Thomas Järmyr liegen oder nicht, das Konzert wird sicher von seinem erhöhten Tempo bestimmt sein. Er wird Bent Sæther und Hans Magnus Ryan antreiben.
Motorpsycho spielen am 9.11. im Conne Island.

Phanerothyme

 

 

 

 

 


Laurie Penny in Leipzig

Bühne mit Sessel und TischAm Montag hat Laurie Penny im UT Connewitz aus ihrem aktuellen Buch „The Bitch Doctrine“ gelesen. Neue Erkenntnisse hat die anschließende Diskussion nicht gebracht. Und nein – das ist gar nicht negativ gemeint. Es ist eigentlich sogar gut.
So bestätigt sie die gar nicht so radikale und absolute Ansicht, mit der ich mich selbst auch ganz wohl fühle. Die Position von Laurie Penny, die in der Diskussion deutlich wird, lässt sich auf zwei Punkte herunterbrechen:

  1. Es ist besser, ein T-Shirt mit Feminist-Aufdruck zu tragen, als den Begriff gar nicht in die Gesellschaft zu tragen. Das verträgt sich auch damit, dass Laurie Penny gleich im Anschluss – deutlich theoretischer – die antifeministischen Strukturen im Kapitalismus erörtert und darlegt.
  2. Normativität mit attitude. Eine Zuschauerin erzählt von ihrer Schwester, deren Kindern und dem Ehemann und stellt die Frage, wie es denn Laurie Penny mit dem normativen Lebensmodell hält. Da sieht die sich einen Lebensentwurf verteidigen, der eigentlich nicht der ihre ist und außerdem wohl am allerwenigsten eine Verteidigerin braucht. Weil er die Norm ist und deshalb akkzeptiert ist wie nur was. Oder vielleicht gerade deshalb nicht? In einem Umfeld, das sich für die Sichtbarkeit und Akkzeptanz von Minderheiten einsetzt, ist ja die Norm die gefühlte Minderheit (aka. Mainstream der Minderheit).

So hat das ABER in den Argumentationen Recht. Natürlich reicht es nicht, nur T-Shirts mit Feminist-Aufdruck zu tragen, schon gar nicht, wenn sie in Sweatshops in Bangladesh hergestellt wurden. ABER manche Leute treffen bei H&M oder Zarah eben das erste Mal überhaupt auf den Begriff. Wichtig ist dann, dass es eben nicht nur bei dem Aufdruck bleibt, sondern, dass es Angebote gibt, ihn zu diskutieren und zu leben.
Natürlich sind Frauen nicht alleine für die Versorgung der Kinder und den Haushalt zuständig. ABER wer diese Rolle gerne übernimmt und ausfüllt, gehört dafür nicht verhöhnt, sondern genauso respektiert wie jemand, der anderswo Verantwortung übernimmt. Das tut mitunter weh. Es bedeutet, Kompromisse einzugehen und die bittere Erkenntniss, dass so viele Menschen nicht die gleiche Vorstellung von Gleichberechtigung und Nicht-Diskrimminierung haben. Sie wird man nicht mit der vollen Dröhnung feministischer Theorien überzeugen, sondern einschüchtern oder gar abstoßen. Das ist der seit einigen Jahren schon zu beklagende Backlash.
So direkt sie auch im Buch und ihren Artikeln argumentiert und eine Meinung vertritt, so sehr setzt Laurie Penny in der Diskussion ihre Meinung und die links-feministischen Ansichten in einen entsprechenden, relativierenden Kontext. Das ist eine gute Basis, um möglichst viele Leute ins Boot zu holen.


Tipp zum Sonntag

Brother Grimm im Black Label Pub

Keine Angst vor Nachnamen

Brother Grimm

Wenn einer Grimm heißt, ist der gedankliche Weg zum Bösen Wolf nicht allzu weit. Dennis Grimm ist aber weder böse, noch ein Wolf, sondern vielmehr ein Bluemusiker. Schweren, langsamen Blues macht er als Brother Grimm. Und ja, die Texte erzählen auch nicht unbedingt vom Happily Ever After und der großen Liebe, sondern eher von unruhigen, sorgengeplagten Nächten. Wie es sich für Blues eben gehört.

Es ist der erste Solo-Album des Berliner Sängers. Am Dienstag, 17.1., ist er mit seinen schweren, erdigen Riffs im Black Label Pub, in der Wolfgang-Heinze-Strasse 38.


 

 

Konzertankündigung Laura

Aura auf dem Sofa und der Bühne

Hier und heute kommt einmal ein Konzerttipp aus und für Leipzig.
Laura Hempel trägt die Aura nicht nur schon im Namen, sondern bringt sie auch auf die Bühne. Irgendwo zwischen Artistik, Musical, Performance und Konzert wird sie sich bewegen, wenn sie heute auf der Bühne im Theater der Jungen Welt steht.

Eine gute Gelegenheit, Euch Laura vorzustellen.

Portrait Laura

 

 

 

 

 

Du spielst viele Instrumente. Du bist Performance-Künstlerin und singst. Gibt Dir das die Möglichkeit, selbst über die Stücke zu bestimmen, unabhängig von Anderen zu sein, und wie wichtig ist Dir diese Kontrolle?

Akrobatik Seil

“Bei allem, was ich mache, geht es mir eigentlich nicht so sehr um Kontrolle, sondern um Qualität, Kreativität, Originalität und darum, dass ich selbst, aber auch das Publikum maximal Spaß haben. Natürlich muss man das, was man auf der Bühne tut, in irgendeiner Form ‘beherrschen’, aber ehrlich gesagt fühle ich mich bei allem, was ich tue, immer wieder am Anfang. Jeder Auftritt ist wieder neu. Immer suche ich mir wieder eine Aufgabe, an der ich feilen will.

Viel wichtiger als Kontrolle ist am Anfang auch das ‘Fließenlassen’ und herauszufinden, was einem liegt und wirklich steht, worin man gut ist, wo man als Projektionsfläche dient und wo nicht so.”

Diese Vielseitigkeit ist Lauras Markenzeichen. Es würde ihr wohl nicht gerecht werden, sie “nur” als Singer/Songwriterin zu bezeichnen.

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“Grundsätzlich war ich schon immer wissensdurstig in alle Richtungen. Ich wäre gern eine Vampirin, denn dann hätte ich Zeit für alle Musikintrumente, Sprachen, Theaterstücke, Enzyklopädien, Museen, Filme, Bücher, Youtubevideos dieser Welt. Am Ende muss ich mich für das wichtigste entscheiden, ausprobieren, aussortieren und reflektieren, wofür es auf der Bühne reicht und wofür nicht. So habe ich in verschiedenen Projekten ganz bestimmte Funktionen. Mal autarke Sängerin am Klavier, mal Moderatorin für Porsche und dann wieder für die eigene Veranstaltung ‘Bei Hempels aufm Sofa’, mal Comédienne für den WDR, die Helene Fischer, Adele und Lana del Rey verarscht, mal Tänzerin im Video einer befreundeten Songwriterin und dann wieder selbst als Songwriterin und Frontfrau meiner eigenen Musik.”

Auf der Bühne steht sie heute mit ihrem Soloprojekt Laura. Das Album, das sie unter diesem Namen veröffentlich hat, heißt “Weiter”.

Weiter albumcover

 

 

 

 

 

 

 

Die Musik selbst ist elektronisch und Beat getragen, der Gesang aber sanft und poppig und bildet so einen Gegensatz zum Rest.

Live ist Laura musikalisch heute im Theater der jungen Welt zu sehen.

Und am 7.12. noch einmal im Horns Erben mit einem ganz anderen Programm: Es heißt Bei Hempels aufm Sofa. Da ist sie Sängerin und Moderatorin. Sie lädt andere KünstlerInnen auf das rote Sofa des Horns zum Gespräch ein und das Mikro ist offen für Auftritte mit eigenen und Coversongs.

Termine:

  • 6.11.2016 70 jähriges Jubiläum im Theater der Jungen Welt mit Musik von LAURA
  • 7.12.2016 20 Uhr, Bei Hempels aufm Sofa