Lanz vs Gottschalk: Dauerwerbesendung

  • – Er fragt stellenweise nicht EINMAL nach, sondern nutzt ausschließlich Bestätigungsfragen. Das heißt, er greift auf zustimmende Art einen der (sehr vielen) Aspekte aus den Passagen von Thomas Gottschalk auf, den der dann dankbar wieder aufnimmt, um gleich weiter zu machen wie bisher, da Markus Lanz ohnehin kein anderes Thema anbietet (mal davon abgesehen, dass Markus Lanz vor Lachen immer wieder fast vom Stuhl fällt).
Vielredner wie Thomas Gottschalk muss man aber nicht zum Reden animieren – sollte man vielleicht auch gar nicht. Jedenfalls tut Markus Lanz weder sich noch Thomas Gottschalk einen Gefallen, wenn er ihn stattdessen so dazu zwingt, den alleinunterhaltenden Hampelmann zu geben und ihm somit die Chance verbaut, ein ernsthaftes Interview zu führen. – Ich meine, der Mann wird doch zu irgendetwas auch eine ernste Meinung haben.

Besser wäre also: Fragen stellen, die einschränkend formuliert sind und/oder über die er vielleicht auch mal 1 oder 2 Sekunden nachdenken muss1.

„Du wurdest fälschlicherweise als Scientology-Mitglied dargestellt? – Wo hört für Dich die Pressefreiheit auf?“

Und dann über die Medien in den USA reden.

  • – Stattdessen konfrontiert Markus Lanz Thomas Gottschalk pausenlos mit Zitaten, die er kommentarlos in den Raum wirft. Nichts gegen „Recherche“, aber zu einer Interviewvorbereitung gehört auch, die Ergebnisse, die die Suchmaschine ausspuckt, weiterzudenken. Ein Medienprofi wie Thomas Gottschalk frisst diese Stichwörter doch zum Frühstück und erzählt dann doch, was er will – nämlich die Kleine-Mann-vom-Volk-Geschichten, die er sich im Jet von Malibu nach Deutschland noch eben zurecht gelegt hat.
Da Thomas Gottschalk auch 95% der Redezeit füllt, ist selbstverständlich nicht viel von Interviewstruktur und aufeinander aufbauenden Fragen zu merken. Markus Lanz ist vor allem das „hmmm“ und „ja ja“, das signalisiert „Rede weiter“

so dass Thomas Gottschalk die 75 Minuten im Alleingang bestreitet und nach der Show noch überrascht fragt:

„Ach, das war’s schon?“

Eine Show, die er übrigens völlig unabhängig abgezogen hat und so vermutlich auch bei den Großeltern im Wohnzimmer geliefert hätte. Bühne bleibt Bühne, egal wie klein sie ist.

Dem „Interview“partner diese Bühne so sehr zu überlassen, ist aber eben keine Talkshow und auch kein Interview zur Person.

Warum?

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