Love A über Promotion

 

Portraitzeichnung Jörkk
Jörkk Mechenbier, Love A

Gerade ist Jagd und Hund mit Single, Video und Tour erschienen. Es ist das dritte Album von Love A. Eben waren sie noch Vorband von Turbostaat, jetzt spielen sie als Hauptact in 600-er Clubs. Grund genug, um mal mit Love A über Promotion und Marketing zu klönen.

 

 

Das letzte Mal habe ich Euch im AJZ Conne Island gesehen. In Berlin habt Ihr im SO36 gespielt. Jetzt sind wir hier in der Moritzbastei, dem bekanntesten Studentenclub Leipzigs. Ganz schönes Kontrastprogramm.

 

Jörkk: Das ist ganz schnell erklärt: Eigentlich arbeitet unsere Bookingfirma von Audiolith tatsächlich häufig mit dem Täubchenthal zusammen. Aber wir kennen eben auch diesen wunderbaren Mann. (zeigt auf Moritz, der gerade rein kommt)

 

Der ist aber Booker in der Moritzbastei. Und heißt auch noch Moritz… Naja und von der Kapazität hat das hier jetzt gut gepasst. Die ersten Konzerte in Leipzig haben wir noch im Atari gespielt, aber da wäre es jetzt etwas eng. Ohne da unbescheiden sein zu wollen…

 

Es hat also nichts mit dem Publikum zu tun, sondern wieder mal mit Vitamin B…

 

Jörkk: Naja, das spielt vielleicht eine Rolle, aber es ist eigentlich eher dieser viel beschworene Klassenfahrt-Gedanke. Es muss Spaß machen. Und so bringen einen alte Seilschaften in diese Läden. Das sind Leute, mit denen man vor Jahren ein Praktikum bei einer Musikzeitschrift gemacht hat… die sind da jetzt Booker. So kommt das. Du baust Dir über Jahre ein Netzwerk auf und die Ernte für das Netzwerken und Freundlich-Sein ist, dass wir jetzt hier spielen und es einfach ein bisschen läuft.

 

Bei Rookie Records hat es ähnlich funktioniert, Jürgen Schattner kennt Ihr ja auch schon lange…

 

Jörkk: Ja absolut. Er war so wahnsinnig, uns für das erste Album blind zuzusagen. Mittlerweile bereut er das auch nicht.

 

Er macht das auch mit dem Engagement eines Freundes, oder? Es wäre schwer, das an eine Agentur abzugeben.

 

Das ist eben das Familien-Ding. Walther Elf und die Spermbirds sind genau so auf Kumpel-Basis entstanden. Deswegen ist Jürgen auch immer mit dabei, wenn es irgendwie geht.

 

Was ist denn einfacher? Sich selbst oder andere zu promoten? Stefan hat ja noch die Promotion-Firma….

 

Jörkk: …er ist Designer. Seine Firma macht nur die Umsetzung. Ich glaub, er würde sich wehren, wenn man sagt, dass er Werbung macht.

Grundsätzlich ist es aber leichter, andere zu promoten. Und bei befreundeten Bands mache ich das auch. Ich mag, es rumzulaufen und zu erzählen wie toll die sind.

 

Hattet Ihr deshalb für das Video zu „Windmühlen“ auch noch eine andere Firma?

 

Hier hakt Karl ein:

Karl: Das waren auch Arbeitskollegen von mir. Stefan hatte da keine Zeit und die hatten aber Lust, ein Video zu machen. Die haben auch kein Geld dafür bekommen.

 

Aber Axel Kraus für das Video jetzt zur aktuellen Single „100.000 Stühle leer“ ist ja richtig gebucht?

 

Jörkk: Ja. Aber ich glaube, ein Kumpel, der Stefan bei der Umsetzung des Drehs geholfen hat, kannte den auch. Und so kam das. Es war für uns auch ein Versuch, das aus der Hand zu geben.

 

Meine Assoziation war erst: Der sieht ja aus wie William Shatner. Und dann: Wie habt Ihr den so jung gekriegt.

 

Jörkk: Echt? Wir haben auch an Enterprise gedacht, aber an Commander T. Riker.

 

Ist aber sicher nur Zufall, oder? Was steckt denn aber generell hinter dem Gedanken, ein Video zu drehen? Und dann noch so professionell?

 

Jörkk: Tja, warum dreht man ein Video… Erst mal aus Spaß an der Umsetzung. Und dann gehört es aber auch zum Schema F einer Plattenveröffentlichung, dass man vier Wochen vor der Albumveröffentlichung noch eine Single raushaut. Und da gibt es eben ein Video dazu, damit man in der heutigen WWW-Welt etwas zum Präsentieren hat. Und Jürgen muss ja tatsächlich davon leben.

Wir sind ja auch ziemlich aktiv mit Facebook und dem ganzen Kram. Mit der Musik kannst Du ja niemanden hinter dem Ofen hervorlocken, aber dann postest Du eben lustige Bilder oder ein paar Kommentare…

 

In den Kommentaren zeigen sich ja auch Reaktionen auf Eure Veröffentlichungen. Und die haben sich in den vergangenen Jahren geändert…

 

Jörkk: …ab 300 Klicks kommen die Arschlöcher.

 

Guter Satz. Oder anders ausgedrückt: Euch droht die Jupiter-Jones-ianisierung. Um mal eine Kritik zu zitieren.

 

Jörkk: Ja, das war Linus Volkmann von der intro. Das war auch ein bisschen Absicht. Man kennt das Business so von allen Seiten. Der hat selbst Platten rausgebracht. Ich habe auch mal beim Vertrieb gearbeitet. Also man weiß da auch wie das läuft. Und deshalb auch der Satz vom schwierigen dritten Album im Presseinfo. Du bringst das poppigste Stück raus, schiebst absichtlich mit „Trümmer“ ein krachiges Lied hinterher und weißt ganz genau, was für Reaktionen dann kommen. Du weißt es ganz genau…

 

So einen Still-Moment findet Ihr also gar nicht so schlecht?

 

Karl: „100.000 Stühle leer“ ist vom Titel ja tatsächlich auch an „100.000 Typen wach“ von Nicki solo angelehnt, weil wir selbst gedacht haben, dass das ein bisschen wie Jupiter Jones klingt.

 

Haben die was falsch gemacht?

 

Jörkk: Nee, aber die haben halt nicht den Background. Die haben nie das Punkrock-Ding vor sich her getragen und jetzt sind bei den Konzerten eben die Hallen voller Hausfrauen mittleren Alters, die auf „Still“ warten und schockiert sind, wenn da eine Rockband kommt.

Jupiter Jones haben ja den Punk nicht verraten. Ich habe die nie als politische oder Punkrockband wahrgenommen. Deswegen fand ich die Entwicklung bei denen nicht schlimm. Für eine Band wie Turbostaat oder wie uns wäre das ein Genickbruch.

 

Wann hörts denn auf, Punk zu sein?

 

Naja, wenn man einerseits sagt, was man alles nicht und auf gar keinen Fall machen darf und es am nächsten Tag selber macht…

 

 

Ein paar Beispiele aus der Kategorie gäbe es bestimmt, aber die gehören hier nicht mehr hin.

Vielen Dank für das Gespräch an Love A.


Homepage von Love A

Homepage von Rookie Records

Homepage von So36

Homepage Conne Island

Homepage Täubchenthal

Homepage Moritzbastei

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