self-titled – Interview mit ¡son turistas! über ihr Album

 ¡Son Turistas! sind ein Hamburger Quartett. Uli Himstedt, Henrik Demcker Ankerstjerne Schimkus texten, singen und spielen Gitarre, Carl-John Hoffmann und Thomas von Volt sind am Bass bzw. Schlagzeug für den Rhythmus verantwortlich. Am 24. Juli ist ihr Debütalbum erschienen.

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Nach Urlaub und sonnigem Surfpop klingt es zwar nicht, sondern nach Singer/ Songwriter-Rock. Trotzdem drängt sich mir als übergeordnetes Thema, das die elf Lieder verbindet, das Reisen auf.

Warum das so ist, kann ich Henrik, Uli und Thomas im Interview erklären. Und sie erklären mir dafür, was dahinter steckt.

Ihr heißt ¡Son Turistas!, da steckt der Tourist im Namen. Auf dem Cover ist ein Handtuch, wie man es auf den Strand legt. Da liegt das Reisen al
s übergeordnetes Thema für das Album nahe…

Henrik und Uli: Erm ja…Haha…

Nicht? Ihr schluckt so. Habe ich das falsch interpretiert.

Henrik: Nein. Nein. Jetzt wo Du es sagst, passt das tatsächlich. Aber das mit dem Handtuch war gar nicht so geplant. Wir haben eher spontan nach einem Cover gesucht und konnten uns nicht einigen. Da hat Carl dann einfach das Handtuch genommen, eingescannt und seine Freundin hat den Namen drauf gesetzt. Sie ist eine Künstlerin.

Passt aber gut und schien mir ziemlich schlüssig. Ich finde es auch deshalb als Bild passend, weil das Album thematisch sehr vielfältig ist, wie unterschiedliche Orte und Städte. Es tauchen in den Texten aber immer wieder sehr konkrete Szenen auf, die Orientierung geben und vertraut wirken. Bei A Closet That’s Empty zum Beispiel die Familie, die da am Tisch sitzt oder bei Backs wie derRücken eingecremt wird…

Henrik: …genau. Das hat Uli geschrieben und er hat so einen konkreten Schreibstil. Das mag ich auch an seinen Texten. Da tauchen solche Bilder wie Blitzlichter auf und wirken vertraut.

Uli: Die Texte, die Du genannt hast, sind ja beide von mir. Da war es so, dass ich mich genau deshalb intensiver mit dem Schreiben beschäftigt habe, weil ich so konkret schreiben wollte. Ich wollte die Situationen genau so bildhaft beschreiben. Sicher könnte man vom Allgemeinen ausgehen, um Situationen zu beschreiben. Aber bei dem Album sind die Szenen tatsächlich mit Situationen verbunden, die ich selbst erlebt habe oder die ich aus Erzählungen Anderer kenne.

Natürlich ist das zum Teil noch etwas verfremdet und Fiktion, aber die Grundlage sind schon die Plätze, an die ich mich auch stark erinnern kann.

Muss man solche Szenen auch ein wenig verfremden und so anpassen, dass sie als Orientierungspunkte für möglichst viele Hörer oder Hörerinnen dienen?

Uli: Also daran habe ich gar nicht gedacht. Ich habe die Bilder eher danach ausgewählt, ob sie auf mich stark gewirkt haben. Es sollte um Dinge gehen, zu denen ich tatsächlich etwas zu erzählen habe.

Du hast schon angedeutet, dass die konkreteren Texte von Dir sind, Uli. Es gibt aber auch abstraktere Texte, die sich dann auch deutlich abheben und von Henrik sind. Habt Ihr die Lieder tatsächlich so getrennt voneinander geschrieben?

Henrik: Tatsächlich. Es gab einen Song, den ich geschrieben habe – Okay 2.0. Den hat Uli gecovert und dann haben wir ihn in seiner Version auf das Album genommen. Ansonsten haben wir das getrennt geschrieben. Die Lieder sind ja auch recht lange vor der Aufnahme zum Album entstanden.

Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass das Themenspektrum auf dem Album sehr groß ist. Es ist kein Album zu nur einem Thema wie Erwachsen-Werden, Angst oder Hoffnung. 

Henrik: Ja, das kann gut sein. Auf jeden Fall kann man schon sagen, dass es eine buntgemischte Aneinandereihung von Liedern ist und entsprechend auch ein Potpourri an Themen. Bei einigen Stücken geht es dann eben auch um Beziehung und Älter-Werden.

Uli: Die bunte Themenmischung liegt aber auch daran, dass die Lieder recht kurzfristig ausgewählt und aufgenommen wurden. Und das passt dann wieder gut dazu, wie die Band entstanden ist.

Henrik und ich haben 2012 noch ein Konzert zusammen gespielt, jeder einzeln als Singer/ Songwriter. Ich hatte aber keine Lust mehr, allein zu spielen, habe Henrik das an dem Abend gesagt und zwei Monate später standen wir zu viert auf der Bühne. In diesem kurzen Zeitraum ist dann das gesamte Konzept entstanden.

Henrik: Das hat auch unheimlich gut funktioniert. Ich habe das in so einer Form noch nicht erlebt. Wir haben uns zuerst zu zweit hingesetzt und die Lieder ausgesucht, die wir spielen wollten. Dann haben wir die Demo-mäßig aufgenommen und an die anderen beiden geschickt, die ihren Teil eingespielt haben. So sind die Lieder ganz schnell entstanden.

Ohne dass Ihr Euch erst musikalisch zusammenfinden und aufeinander einstellen musstet? Mit Singer/ Songwriter-Pop und Postrock treffen ja schon recht unterschiedliche Stile aufeinander. 

Henrik: Da kannst Du, Thomas, als Vertreter der Rhythmusgruppe mal etwas dazu sagen.

Thomas: Letztendlich war das wirklich sehr organisch. Ich habe versucht, meine Art Schlagzeug zu spielen auf die Lieder zu übertragen. Und mit Postrock habe ich gar nicht mehr viel am Hut. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so eine Platte mache, war dann aber sehr positiv überrascht.

Die Wirkung ist sehr kraftvoll. Als hättet ihr die Lieder zusammen live eingespielt. War das so?

Henrik: Genau. Wir haben alle Lieder live eingespielt. Bei Dry Run z. B wird das sehr deutlich.

Uli: Carl und Thomas haben ja schon länger in anderen Formationen zusammen gespielt. Ich weiß nicht, wie sehr sie sich vorher abgesprochen hatten, aber die Aufnahmen für das Album waren sehr schnell. Wir sind eigentlich direkt ins Studio gegangen und konnten auf den Proberaum verzichten. Das ist übrigens auch ein Grund, warum das Album entstehen konnte.

Und Dry Run war noch gar nicht komplett fertig, als wir damit ins Studio gegangen sind. Das haben wir da beim Spielen und Aufnehmen entwickelt.

Das ist ja mutig – Studiozeit ist teuer. 

Henrik: (lacht) Ja, aber wir haben das Glück, dass Carl ein eigenes Studio hat.

Aha, das entspannt natürlich. Ein Traum.
Nachdem Ihr von der Aufnahme des Albums erzählt habt, bleibt von der Reise als Konzept gar nicht mehr so viel übrig. Höchstens im übertragenen Sinne, dass Ihr Euch zusammengefunden habt und dabei auch habt treiben und überraschen lassen.
Ach ja und der spanische Bandname natürlich…

Henrik: …der tatsächlich von einer Reise herrührt. Ich war damals allein in Granada und habe die Studenten ein bisschen beneidet, die da zusammen in Bars und auf Plätzen saßen. Und da ist mir der Name eingefallen.

Mittlerweile sind die Botellónes ja verboten. Die Touristen deswegen aber natürlich nicht.
Ich danke Euch, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt.

Henrik: Aber gerne.

Und vom Bandnamen rührt auch der Albumtitel ¡s/t! her. Oder heißt es doch self-titled? Möglich wäre beides und das soll auch so sein.


Über ¡son turistas!

s/t

 

 

Andere Projekte:

Martina Lenzin ist die genannte Künstlerin. Sie ist Malerin,  Comic-Zeichnerin und Musikerin. Ein Teil Ihres Werks gibt es hier: counterproduct.wordpress.com

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