Sofia Härdig

Sofia Härdig  – Changing the order

PrintHeute erscheint “Changing the order”, das dritte Album der schwedischen Sängerin Sofia Härdig. ‘Willkommen in der Referenz-Hölle’ mag man (wieder) sagen. Es drängen sich aber auch Vergleiche mit Siouxsie and the Banshees, Depeche Mode und vielleicht sogar mit Pattie Smith auf, oder einfach das Label Dark Wave. Sofia Härdig verschreibt sich ohne Frage wieder einem Synthie- und Basslastigen Sound mit kühlem, distanzierten Gesang. So wird der Fluch der Referenzhölle unter Umständen sogar zum Segen: Er ermöglicht eine erste, einfache Beschreibung der Musik, die sonst in ein, zwei Sätzen kaum möglich wäre. Zudem sind Referenzen wie die genannten ja nicht die schlechtesten und sicher keine Beleidigung. Vor allem aber können sie als Ausgangspunkt dienen für einen Vergleich zu Sofia Härdigs Musik und wie sie den Dark Wave aus den 1970ern und1980ern weiter entwickelt hat.
So sehr in “Waiting” oder im Titeltrack “Changing the order” die Synthie-Sounds durchbrechen, so sehr dominieren auch die Beats die Tracks, eine Hommage an den House der 1990er. In dieser Mischung wirkt “Changing the order” nostalgisch-modern, zwischen technischer Errungenschaft und schon Vergangenheit, ähnlich wie das Telespiel aus den 1990ern.
Zeilen wie “Your lonliness is a god” bohren sich durch die Beats, geradlinig wie ein scharfes Messer. Der Gesang ist schärfer durch Effekte und Hall geschliffen als noch auf den ersten beiden Alben.
Und eine weitere Entwicklung fällt auf: Noch mehr gehen Gesang und Beats eine Symbiose ein, drehen sich um einander und verstärken sich. Bei “Let me fall” zum Beispiel entwickelt sich dadurch eine Energie, die in der eindringlichen Wiederholung der Titelzeile gipfelt: “Let me fall”, “Let me fall” immer wieder “Let me fall”.
Sofia Härdig weiß um die Eindringlichkeit der mantrigen Wiederholungen und ihrer Wirkung. Sie setzt sie beim Titeltrack “Changing the order” ein: Er braucht nicht viel mehr als diese Zeile und dazwischen übernehmen Drums und Bass den Song.
Die Energie des Dark Wave mag Sofia Härdig vielleicht Ausgangspunkt und Inspiration für das Album gewesen sein. Aus jedem der 12 Lieder spricht aber in erster Linie die experimentelle Freude daran, sich mit dem Gesang im Sound und Rhythmus zu verlieren, mit ihnen zu spielen und sich von ihnen treiben zu lassen.

VÖ: 20.4.2018 Solaris Empire/ Broken Silence


 

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