Interviewvorstellung #2: Spiegel-Gespräch über Raabs Plauderkampf

Eine solche Frage zeigt die Motive und Gedanken Raabs, die hinter dem Talkshow-Konzept stecken. Interessant ist in dieser Hinsicht auch folgender Einwand Tumas:

„Das Problem ist doch ein anderes: Sie könnten etwa nach dem nächsten spektakulären Kindermord über das Pro und Contra der Todesstrafe debattieren lassen. Und es wäre gar nicht so unwahrscheinlich, dass ein Hardliner mit allerlei ‚Kopf ab‘-Gerede Ihre 100.000 Euro abräumt“.

Als Reaktion auf diesen Einwand wird Stefan Raab, der vorher seine Leistung im deutschen Fernsehen und das Konzept seiner Talkshow so gar nicht schüchtern gepriesen hat, plötzlich recht bescheiden und entgegnet, Tuma würde Raabs kleine Talkshow in ihrer Wirkung überschätzen.

Das sind Fragen bzw. Antworten, die einmal hinter Stefan Raabs routinierte Medienfassade blicken lassen.

Über etliche Fragen hinweg ist das Interview aber ein souveränes Kontern provokativer Kommentare, deren kritische Anti-Haltung natürlich dem Verständnis des Spiegel-Gesprächs entspricht.

Allerdings behindert das Abfeuern provokativer Bemerkungen mitunter die ernsthafte Diskussion über zentrale Themen, zu denen der ja sehr meinungsstarke Stefan Raab bestimmt noch Substantielles zu sagen hätte. Letztendlich zeigt sich das Spiegel-Gespräch selbst als „Plauderkampf“ (wie Thomas Tuma Raabs Talkshow so schön treffend bezeichnet), bei dem sich zwei Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe begegnen und bei dem Interviewerinnen aufpassen müssen, dass sie weder selbst den Kürzeren gegen eine eloquentere Interviewpartnerin ziehen, noch dass sie eine medienunerfahrene Interviewpartnerin in die Pfanne hauen.

Beim Lesen des Interviews ist aber natürlich zu berücksichtigen, dass ein wesentlicher Teil der Spannung bei der Transkription entsteht, bei der Thomas Tuma zwar der Ton oder die Reihenfolge der Fragen nicht unbedingt verändert, aber Absätze und Themen rausgekürzt hat, die nicht so zum Schlagabtausch taugten.

1. Haller, Michael (2001³): Das Interview – Ein Handbuch für Journalisten. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft

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