Zur Autorisierung eines Interviews mit Martin Walser

Im Zweifel für den Interviewgast

Zur Autorisierung des Walser-Interviews in der Basler Zeitung.

Ein Freund schickte mir diese Woche diesen Link zu einem Text über ein Interview mit Martin Walser. Nicht zum Interview selbst. Denn das ist nicht erschienen. Durfte nicht erscheinen, weil der Schriftsteller zu Auschwitz gefragt wurde, weil er sich zu Haider geäußert hatte oder weil seine Brauen zu buschig sind. Vielleicht war der Grund auch ein ganz anderer. Ich weiß es nicht und dem Text nach zu schließen, die beiden Interviewer ebenso wenig. Wenn man ihnen aber glauben darf, haben sie sich bemüht, die Veröffentlichung nicht scheitern zu lassen. Eine Autorisierung des Interviews haben sie nicht erreicht.

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Die Autorisierung: Vertrauensbildende Maßnahme oder Zensur

 Die Autorisierung: Vertrauensbildende Maßnahme oder Zensur

Drei Beiträge füllte ein nur halb erschienenes Interview auf Planetinterview.de. Halb erschienen deshalb, weil etliche Teile der Autorisierung zum Opfer fielen. Darauf veröffentlichte die Redaktion zusätzlich zum autorisierten Teil des Interviews einen Hinweis auf die umfangreichen Eingriffe, einen offen Brief an den Gesprächspartner und ein Kurzinterview mit Michael Haller zum Thema der Autorisierung.

Dieser Fall hat mich mal wieder über die Autorisierungspraxis im Allgemeinen und meine im Speziellen nachdenken lassen. Zwangsläufig läuft das irgendwie immer aktuelle Thema auf die Frage hinaus: Ab wann verkaufe ich meine journalistische Integrität? Die Interviewpartnerin stellt die Frage natürlich anders: Ab wann drehst Du mir nur das Wort im Munde rum?

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Die Autorisierung

Das Drama mit dem Rotstift

Es gibt in Deutschland kein Recht auf Autorisierung für die Interviewten. Die Interviewerin hat also freie Hand und offenes Mikro – eigentlich. In der Praxis ist das natürlich anders und führt immer wieder zu Diskussionen zwischen beiden Parteien, geschwärzten Passagen und gänzlich weißen Seiten, wo eigentlich ein Interview stehen sollte.

Planetinterview.de hat einen solchen Fall zum Anlass genommen, um Michael Haller, Autor von Das Interview, einige Fragen zur Autorisierung zu stellen. Das Interview ist eine sehr empfehlenswerte Zusammenfassung der wichtigsten (rechtlichen) Aspekte der Autorisierung.
Das Interview auf Planetinterview.de

Ich werde das zum Anlass nehmen und mich demnächst in einem Beitrag ausführlicher mit den Erfahrungen von Interviewerinnen mit der Autorisierung beschäftigen.

Ich freue mich natürlich, wenn Ihr Eure eigenen Erfahrungen an dieser Stelle beitragen wollt und schreibt, wie sehr Eure Interviewpartnerinnen bei der Autorisierung den Roststift ansetzen oder eben nicht.

 

Reportage statt Interview

Das Interview, das eine Reportage werden wollte

Das Interview gilt ja als authentischste Darstellungsform im Journalismus. am authentischsten ist es aber immer noch, wenn es schiefgeht. Richtig schiefgegangen ist es zwar nicht – das Interview mit zwei JournalistInnen der Zeit und zwei Mitgliedern der Pressegruppe der Roten Flora in Hamburg. Als Teil der linken Bewegung sollten sie Einblick gewähren in die Szene, die vielen LeserInnen der Zeit ferner ist, ist als sie sich fühlen wollen. Das Treffen findet statt. Es muss wohl auch ganz gut gewesen sein. Aber ein Interview gibt es nicht – dafür viele, viele gestrichene und redigierte Antworten, die die Redaktion nicht mehr alle drucken mag.

Zeitungsausschnitt
Was vom Interview noch übrig blieb.

Einer der wunderbaren, zentralen Sätze ist:

„Vermutlich erzählt die Geschichte eines zurückgezogenen Gesprächs mehr. Zum Beispiel, wie unmündig man in jener Szene werden kann, die Bevormundung so verachtet“.

Großartig ist der Satz, weil er zeigt, wie die beiden Links-Autonomen um verbindliche Aussagen ringen. Das möchte die letztendlich veröffentlichte  Reportage. Darüber hinaus zeigt er aber auch das Ringen der JournalistInnen darum, die Kluft zwischen sich und dem „Berichtsgegenstand“ zu überbrücken. Er zeigt (neben anderen Sätzen), das Ringen darum, etwas zu verstehen, um es anderen verständlich zu machen. Und so können sich die JournalistInnen sich nicht hinter einem Text, einem Bericht verstecken, sondern beweisen: Das Interview zeigt nicht nur immer die Interviewten, sondern immer auch die Interviewenden. Im Fall der Zeit-RedakteurInnen heißt das: maximale Distanz zu den Interviewten.

Der Freitag über das Interview mit der Tatort-Redakteurin

MDR autorisiert Interview mit Der Freitag nicht.

Nachdem der MDR das Interview mit der Tatort-Redakteurin Meike Götz im Freitag nicht freigegeben hat, erscheint anstelle des Interviews ein Kommentar zur Autorisierungspraxis beim MDR.

zu lesen ist der Kommentar hier

Ganz spannend ist der Kommentar unter dem Artikel “It’s just a Tatort, nothing but a Tatort”. Die Freigabe von auch kritischen Interviews ist sicher ein Zeichen von Souveränität. Und wer meint, dass eine sonntägliche Krimiserie kein Politikum wäre, sei herzlich eingeladen, den Kommentar zu lesen. Er macht deutlich, welches Politikum die Spielstätte des Tatorts sehr wohl ist. Dafür hat sich die nicht-Freigabe des MDR gelohnt.