Interviewvorstellung 7: Micky Beisenherz bei meedia.de.

Der Unterschied zwischen Gespräch, Geplänkel und Interview(fragen).

Tischtennisschläger mit bemaltem Ball
Fröhliches PingPong-Spiel der Schlagfertigkeiten ©Domenico Mascagna

Die heutige Interviewanalyse ist eine GESPRÄCHSanalyse. Das heißt, ich möchte zu Demonstrationszwecken einmal das Interview als gescriptetes oder desinteressiertes Fragestellen herabwürdigen und dem lebendigen, weil vorurteilsfreiem und offenem Gespräch gegenüberstellen.

Wie anvisiert, das hier bereits empfohlene Interview zwischen Christopher Lesko und Micky Beisenherz in der Weihnachtsausgabe der Interviewanalyse.

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Interviewvorstellung #2: Spiegel-Gespräch über Raabs Plauderkampf

Das Spiegel-Gespräch steht für Qualität, spannende Diskussion und kritisches, zum Teil unbarmherziges Nachfragen. Michael Haller1 beschreibt es als Mutter aller Interviewformate im deutschen Printjournalismus. Grund genug, sich einmal ein aktuelles genauer anzuschauen.

Passend nicht nur zum BuViSoCo, sondern auch zum zentralen Thema der Homepage und zu meinem Schwerpunktthema suche ich mir für die Analyse kein Politikerinnen-Gespräch aus, sondern eines aus den Medien. Es ist ein Spiegel-Gespräch geführt von Thomas Tuma mit Stefan Raab zu dessen geplanter Politik-Talk-Entertainment-Show. Nachzulesen ist das Interview im Spiegel 37 vom 10.09.2012.

kämpfende Impalas
Raab und Thomas Tuma beim Plauderkampf. ©Olivier Delaere

 Formale Spitze

Am Anfang zeigt sich auch gleich die große Stärke des Interviews: Bei der Aufbereitung und Transkription sind alle formalen Tricks und Kniffe beherzigt worden, die ein Interview interessant und unterhaltsam machen.

Die Fragen sind kurz und prägnant und treiben das Gespräch dabei voran. Es sind vor allem offene oder halb-offene Fragen. Zwei der ersten Fragen sind zudem keine Fragen mit Frageform und Fragezeichen, sondern Feststellungen.

Dieses Aufbrechen des strengen Frage-Antwort-Schemas macht ein Interview immer lebendig und natürlich. Zu der Lebendigkeit tragen auch Unterbrechungen bei, die immer mal wieder ins Interview eingefügt sind. Da fällt mal Stefan Raab dem Interviewer Tuma ins Wort und umgekehrt.

Zudem sind die Einwürfe von Thomas Tuma häufig geprägt von einer lockeren Provokation im Stile eines Advocatus Diaboli (z.B. „Da muss doch nicht immer jemand siegen“ oder „Sie sind jetzt 45. Verstehen Sie Ihre junge Zielgruppe noch?“). Dadurch wird natürlich Spannung im Gespräch erzeugt, die den Unterhaltungswert steigert, die aber auch ein wenig wie ein Schaukampf anmutet. Das heißt: der lockere bis ironische Ton nimmt der Frage die Ernsthaftigkeit und ermöglicht es Stefan Raab, locker über Themen wie eine eventuelle Anbiederung an ein junges Publikum oder ein ständiges Sich-Beweisen-Müssen in der Gesellschaft hinwegzugehen.