Interviewvorstellung #22: Tom Hodgkinson in der Galore #2

Eine Frage der Einstellung

Ich muss heute noch einmal auf das Interview vom vorvergangenem Mal zurückkommen. Es ging um Tom Hodgkinson und wie er zum Experten für Müßiggang avanciert ist. Es ging um Expertenfragen.

Sie erweckten gerade bei dem Thema den Eindruck, dass man offenbar mit allem irgendwie zum Experten werden kann.

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Müßiggang – um Himmels Willen, da wird ein liebgewonnenes Hobby zur Wissenschaft hochgejazzt. Da könnte ich auch eine Zitrone als Gute-Laune-Elexir verkaufen, weil sauer ja so lustig macht. Das stieß mir ehrlich gesagt zunächst ein wenig unangenehm auf.

 

Zumal die Antworten sehr nach Allgemeinplatz rochen:

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Interviewvorstellung #20: Tom Hodgkinson in der Galore

Experten Fragen

Manchmal würde ich mir wünschen, Interviewgäste würden deswegen eingeladen, weil sie vom Thema keine Ahnung haben. Aber das geht natürlich nicht. Für irgend etwas sind die Gäste bekannt und darin sind sie dann auch groß. Dieses Expertentum führt dazu, dass InterviewerInnen Fragen stellen wie ein wissbegieriger Laie dem Fachmensch, sie stellen Expertenfragen.

Elizabeth Lee und Brown, Rachel
Waren Expertinnen: Hazen, Elizabeth Lee und Brown, Rachel, Smithsonian Institute

Wie das aussieht, möchte ich an einem Interview aus der Galore zeigen. Johannes Niederhausen interviewt Tom Hodgkinson, der Experte im Müßiggang ist. Ich bin das unbedingt auch, aber Tom Hodgkinson scheint die Lehre vom gepflegten Zurücklehnen auf ein neues akademisches Level gehoben zu haben – ganz entspannt natürlich.

Fragen wie die folgenden suggerieren, dass Hodgkinson die Lösungen für essentielle Probleme unserer Gesellschaft hat:

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Interviewvorstellung #18: Miss Platnum auf Wetteristimmer.de

Frisch (Aus)Gepresst – Der Interviewgast

Der Interviewgast ist eine Zitrone… denn er will ausgequetscht werden. Zumindest kann man bei manchen Interviews den Eindruck bekommen, dass der Interviewer das denkt. Wie das aussieht und ob das gutgeht, möchte ich mal an einem Interview aus dem Wetter – Magazin für Musik und Text – zeigen. Es ist ein Interview mit Miss Platnum.
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Zunächst geht es um die musikalische Arbeit von Miss Platnum und das aktuelle Album Glück und Benzin. Entsprechend ist die Gesprächshaltung des Interviewers Sascha Ehlert auf das Du, auf die Gesprächspartnerin ausgerichtet. Das zeigt sich in erster Linie daran, dass seine Fragen genau das sind, nämlich Fragen. In der ersten Hälfte des Interviews taucht nicht eine weiterführende, ergänzende Bemerkung auf. Stattdessen sind es solche oder ähnliche Fragen:

“Gibt es denn irgendwelche Songwriter-Regeln, die du tatsächlich verfolgst?”

 

“Hattest du damals schon das Ziel, Popmusik zu machen?”

“Dein Studienplatz für Romanistik, der war auch in Berlin, oder?

 

Bist du eigentlich mal irgendwann für länger aus der Stadt herausgekommen?”

 

Sie haben nicht nur das Du in der Formulierung, sondern fragen auch persönliche Dinge wie Vergangenheit oder Vorlieben ab.
Nun könnte jemand sagen: Naja, aber es ist ja die Aufgabe des Interviewers, Fragen zu stellen. Klar unbedingt. Aber wer solche Fragen stellt, muss sich bewusst sein, dass er dem Interviewgast einiges abverlangt. Informationen nämlich. Wer von seiner Vergangenheit, seinem Privatleben oder seinem Arbeitsprozess erzählt, gibt Einiges von sich preis. Natürlich wissen die Gäste, dass sie dafür beim Interview sind. Und trotzdem ist es eine Art Geschenk, das sie mit den Einblicken machen.
Und der Interviewer, was gibt er? In dem Fall nicht viel mehr als eine Öffentlichkeit. Er selbst bleibt ja im Hintergrund. Er offenbart sich kaum. Über ihn erfährt das Publikum (fast) nichts.
Das steht übrigens im bemerkenswerten Gegensatz zu der Einleitung grade dieses Interviews. Da wird der Interviewer zunächst ziemlich sichtbar – mit Hund und Taxifahrt. Allerdings sind das wiederum Informationen, die für das Interview, naja sagen wir mal zweitrangig sind und vor allem über den Interviewer nicht viel aussagen, außer dass er auch irgendwie m Text vorkommen will, aber nicht mit eigenen Gedanken und inhaltlichen Beiträgen.
Autsch, das klingt ganz schön hart. Darf es auch, denn die zweite Hälfte des Interviews zeigt ja, wie es läuft, wenn der Interviewer sich auch ein wenig einbringt.
Allerdings ist da das Thema auch ein ganz anderes: Über die die Gegensätze in Miss Platnums Liedern sind die beiden inzwischen auf die Gegensätze von Frauen und Männern und von da aufs Flirtverhalten gekommen. Vielleicht fühlt sich Sascha Ehlert in dem Thema heimischer und sicherer, auf jeden Fall wechselt er jetzt häufiger von der Frageform zur Satzform und bringt eigene Gedanken und Beobachtungen an.

“Ich würde mich da ja selbst auch gar nicht raus nehmen, aber wenn ich so überlege, bekommt das mit dem Flirten in meinem Freundeskreis tatsächlich kaum jemand ohne Alkohol auf die Reihe. Glaubst du, deutsche Männer sind irgendwie verklemmt?”

 

“Alice Schwarzer würde nun aufjaulen. Sie würde vielleicht sagen: Das ist sie wieder, die schwache Frau, die unbedingt erobert werden will.”

 

“Zumindest kann auch ich, wenn ich tatsächlich ehrlich zu mir selbst bin, ein Urteil darüber fällen, ob ein Mann irgendwie attraktiv wirkt oder nicht.”

 

“Unsere Branche, die Musik-Industrie, wirkt trotzdem häufig noch ziemlich Ego-getrieben, findest du nicht? Diese Welt ist zwar sehr tolerant, aber viele klassische Alphatiere gibt es in ihr trotzdem noch.”

Daraus entwickelt sich nun viel eher ein Gespräch aus Rede und Gegenrede als das am Anfang des Interviews der Fall war. Es ist aber mit Sicherheit die empfehlenswertere Herangehensweise. Die Dynamik, die sich daraus ergibt, ist weit spannender (auch und vor allem für das Publikum) als ein reines Frage-Antwort-Spiel. Und die Interviewgäste sind auch dankbar, wenn sie nicht als Zitrone herhalten müssen. Sie reden gerne brauchen dafür aber den Input. Bei den Interviews über Interviews habe ich immer wieder gehört, dass die Bands Interviews vor allem dann schätzen, wenn sie sie zum nachdenken bringen. Um dafür die richtigen Fragen zu stellen (oder Bemerkungen zu machen) muss der Interviewer sich aber erst einmal selbst Gedanken gemacht haben. Ansonsten fragt er nur und die (gedankliche) Arbeit machen die Gäste.


 

 

Interviewvorstellung #14: 7 Tage… Roadies

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7 Tage

Das Doku-Format 7 Tage im ndr will Einblick geben, vorstellen, zeigen… und geht dabei mitunter entsprechend unvoreingenommen an das Thema heran, um nicht zu sagen: naiv. Genau das ist der Grund, warum ich heute eine Folge der Reihe vorstelle. Die Folge 7 Tage… Roadies. Die Folge hatte ich ja vor kurzen im Zusammenhang mit naiven Fragen schon einmal erwähnt.

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Naive Fragen – eine Frage der Naivität

Naive Fragen – eine Frage der Naivität

Eine Frage lief mir in den vergangenen Wochen und Monaten immer mal wieder über den Weg: Die Frage der naiven Frage. Also das Fragen basierend auf möglichst wenig Vorkenntnissen der Interviewten.

Erst am Wochenende sprach ich mit einem Bekannten abends bei Bier und Brause darüber, wie tiefgehend oder oberflächlich Fragen sein müssen oder dürfen. Er ist Kameramann und erzählt von einigen Doku-Formaten, bei denen das naive Fragen Konzept zu sein schien. Im (Schank)Raum standen mehrere Fragen: Continue reading “Naive Fragen – eine Frage der Naivität”