Interviewvorstellung #12: Farin Urlaub in Galore und bei Flux.fm Spreeblick

Johnny vs. Sascha vs. Farin

Vor einer Weile habe ich hier die Wiedergeburt der Galore gefeiert. Da liegt es doch nahe, jetzt eines der Interviews vorzustellen. Eines, das ich aus mehreren Gründen spannend finde: Das mit Farin Urlaub.

Und die Gründe?

  • Farin Urlaub, dieser Gute-Laune-Kobold, der ein Gespräch besser dirigiert als Sir Simon ein ganzes Orchester
  • Farin ist im Interview kaum der Ärzte-Gitarrist, bzw. weniger Musiker als Fotograf
  • Es geht ums Reisen und das Leben abseits der Musik

Ganz besonders finde ich das Interview aber, weil es einen Vergleichstext gibt, an dem es sich messen lassen muss oder kann: Das Gespräch von Johnny Haeusler auf Flux.fm Spreeblick. Es ist fast schon lächerlich, wie bestimmte Themen und Punkte in beiden Interviews auftauchen. Und vor allem, wie ähnlich die Antworten ausfallen. Ja, ich weiß, eigentlich sollte das nicht überraschen. Immerhin taucht dieser Punkt immer wieder bei den Interviews über Interviews auf. Continue reading „Interviewvorstellung #12: Farin Urlaub in Galore und bei Flux.fm Spreeblick“

Galore im neuen Format

Das gute Gespräch kommt zurück.

Was für ein schöner Claim für die neue Print-Version der Galore. So richtig weg war es ja nie, das Gespräch, es hat nur nach seinem Platz gesucht. Als A4 Print-Magazin mit mehrseitigem Lifestyle-Teil als werbende Ergänzung zu den Interviews hat es (wirtschaftlich) nur mäßig funktioniert. Deswegen wurde das Heft 2009 eingestellt und die Interviews online veröffentlicht. Auch diese Online-Version wurde einige Monate später eingestellt. Als Archiv ging der Inhalt wieder online. Im Abonnement hatte man darauf Zugriff bzw. konnte als Pay-Per-Download einzelne Interviews herunterladen.

Galore Logo
Galore.de

Nun gibt es das Interview-Magazin wieder im Print. Im handlichen 23x17cm-Format sind auf 92 Seiten 9 Interviews.
Die Lifestyle-Gadget-Tips sind geblieben.
Aber insgesamt wirkt das neue Galore reduzierter: reduzierter in der Größe, reduzierter in der Anzahl der Interviews und reduzierter im Design. Die Interviews sind immer noch mit hochwertigen Fotos bebildert. Die sind aber nicht schrill bunt und unruhig wie im alten Heft, sondern klarer und zurückgenommen ins Heftformat eingepasst.
Warum ich das so hervorhebe? Weil ich das neue Design ganz hervorragend finde und hoffe, dass es der Galore hilft, diese wunderbare Idee eines Interviewmagazins tragfähig an den Kiosken zu halten. Die Idee war schon 2003 gut und die Interviews auch. Beides wurde ins neue Heft gerettet. Außer dem Design hat sich nicht so viel geändert, selbst der Preis ist derselbe geblieben.

Zum Einstieg zur ersten neuen Ausgabe empfehle ich hier noch das Gespräch mit dem Chefredakteur Sascha Krüger auf Deutschlandradio:
Hier

Und unbedingt empfehlenswert ist auch das Interview von meiner lieben Kollegin Petrina Engelke mit der Überlebenden von Theresienstadt Margot Friedländer.


Update:

Michael Lohmann war so nett und hat mir ein paar Fragen zur neuen Galore beantwortet. Er ist der Herausgeber der Galore.

Welche Erwägungen stecken hinter dem neuen Design der Galore, das zurückgenommener, nicht so bunt und auch durch das kleinere Format reduzierter daher kommt?
Im Grunde machen wir da weiter, wo wir 2004 begonnen haben. Die ersten Galore-Ausgaben waren optisch nämlich sehr zurückgenommen, es war aber so, dass wir das Magazin im Laufe der Jahre angepasst haben, gemeinhin „lifestyliger“ geworden sind. In der Rückschau betrachtet haben wir aber zur Kenntnis genommen, dass der erste reduzierte Entwurf der war, der am besten zu Galore passt. Das Format ist in der Tat neu, und für uns war das durchaus eine Art optischer Blindflug, weil wir vorher noch nie in so einem Format gearbeitet haben und der Eindruck am Rechner und über Proofs nicht verbindlich sein kann. Wir sind mit dem Ergebnis der ersten Ausgabe zufrieden, wissen aber auch, dass wir noch ein paar Stellschrauben anziehen müssen. Das werden wir direkt mit der nächsten Ausgabe machen. Grundsätzlich glauben wir aber, dass das neue Format extrem gut zu einem Titel wie Galore passt, zumal wir dem Leser ganz bewusst nicht mehr als zehn Interviews im Monat präsentieren wollen. Galore soll „konsumierbar“ sein und seine Leser nicht mit Inhalt erschlagen, so wie es früher häufiger der Fall war.

2009 wurde Galore als Printversion eingestellt. Warum sollte die Printversion jetzt funktionieren?
Dafür sprechen viele Faktoren, u.a. die bereits genannten. Als Galore 2009 Schiffbruch erlitt, war das ja weniger einem schwindenden Interesse der Leser geschuldet, sondern der damaligen Weltwirtschaftskrise, die sich im Anzeigenverkauf deutlich bemerkbar gemacht hat. Zudem war ein recht großes Team für die Produktion von Galore verantwortlich, der Kostenapparat immens. Galore wird jetzt in deutlich schlankeren Strukturen produziert, und wir haben nicht das Gefühl, dass das auf Kosten der Qualität geht. Zudem führt das kleinere Format zu einer signifikanten Einsparung hinsichtlich Material. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Galore grundlegend geändert haben und wir heute auf Erfahrungswerte zurückgreifen können, die wir damals nicht haben konnten. Überdies stützt der Umsatz mit digitalen Inhalten das Gesamtgefüge, was ja seinerzeit auch nicht der Fall war.

Welche Erfahrungen haben Sie seit 2009 mit dem Webarchiv gemacht? War es eine gute Alternative zum Printmagazin? Wie wurde es von den Leserinnen angenommen?
Das Web-Archiv wurde 2009 sehr gut angenommen. Nur: was nützen hohe Zugriffszahlen, wenn es nicht möglich ist, das generierte Inventar auf einem Niveau zu monetarisieren, das die Refinanzierung des Angebots gestattet? Ungeachtet dessen halten wir die Inhalte von Galore für zu wertig, als dass man sie über die Resterampe Internet verschenken sollte. Ich erachte den damaligen Entschluss aus heutiger Sicht für falsch, zumal ich damals schon kein Freund von verschenkten Inhalten war. Der Gedanke, die Marke im Netz am Leben zu erhalten, war damals aber stärker als die Überzeugung, dass man wertvolle Inhalte nicht verschenken sollte.

Es ist auf jeden Fall eine sehr komfortable und elegante Bezahlversion: Die Leserinnen müssen kein zeitlich festgelegtes Abo abschließen, bei dem sie auch für Sachen zahlen, die sie nicht nutzen. Sie zahlen nur für die Inhalte, die sie lesen, müssen aber nicht jedes Mal – umständlich – Geld überweisen. Das Prinzip funktioniert bei Flattr ja auch ganz gut. 
Wer qualifiziert sich als Interviewerin, wer als Interviewter?
Wir wollen mit Menschen aus Kultur, Gesellschaft und Lebensart reden, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Menschen, die inspirierende Gedanken äußern, die zum Nachdenken anregen, die neue Erkenntnisse liefern oder Meinungen, die überraschen. Wir wollen einen Menschen und sein Denken portraitieren. Dafür hören wir gut zu, lassen den Gesprächspartner in Ruhe ausreden, ohne dabei vermissen zu lassen, das Gespräch zu lenken. Und wir legen großen Wert darauf, uns gewissenhaft vorzubereiten, um im richtigen Moment die richtigen Fragen stellen zu können – demnach arbeiten wir mit Journalisten, die diese Herangehensweise verinnerlicht haben. Autoren, die dem Gesprächspartner mit einer höflichen Distanz und einem gewissen Grad an Empathie begegnen. Unser Credo lautet, dass nichts spannender ist als der Mensch. Auch das sollte ein Galore-Autor teilen.

Und an wem liegt es nun, wenn ein gutes Interview herauskommt? Nun, es ist zumindest die Verantwortung und Pflicht der Interviewerin, die inspirierenden Gedanken aus der Gesprächspartnerin herauszulocken – indem sie recherchiert, welches Thema die Interviewte anstachelt und indem sie sich auf das Thema entsprechend gut vorbereitet.