The Turnaround

The Turnaround with Jesse Thorn

Jesse Thorn ist Radiomoderator und hat die Podcastproduktionsfirma Maximum Fun gegründet. Sie ist bekannt für Diskussionsrunden wie Dave Hill’s Podcast Incident oder Baby Geniuses. Am anderen Ende des Programmes stehen Jackass-Formate und Blödel-Sendungen wie Can I Pet Your Dog oder The Imposters – ein wenig wie Circus Halligalli zum Hören. Jesse Thorn ist aber ein durchaus seriöser Medienjournalist und seine erste Sendung auf Maximum Fun, The Sound Of Young America, lag irgendwo zwischen diesen Programm-Extremen: ein Talkformat mit Sketch- und Comedyeinlagen. Mittlerweile heißt die Sendung The Bull’s Eye und konzentriert sich auf den Talk-Teil, also Interviews. Allein die Gäste sind und bleiben komisch und kommen aus dem Comedy-Bereich.

Logo The Turnaround roter PfeilEine etwas anderes Konzept hat Jesse Thorn mit seiner neuesten Podcast-Sendung entwickelt. Sie heißt zwar The Turnaround, könnte aber auch überschrieben werden mit Interviews über Interviews. Jesse Thorn lädt sich Interviewerinnen zum Gespräch ein und spricht mit ihnen über ihre Arbeit. Im Gegensatz zu den Interviews, die ich über Interviews führe, steht bei The Turnaround das Erzählen im Vordergrund. Es geht weniger um technische, manchmal auch trockene Details wie Fragetechniken oder Analyse des Interviews. Stattdessen erzählt er und lässt erzählen. Die Interviews sind eher offene Gespräche. Vorgegeben sind sie thematisch vor allem durch den Gast. Er ist eingeladen, weil er beruflich mit Talk, Gesprächen oder Interviews zu tun hat. In diese Rolle begibt sich der Gast in das Gespräch mit Jesse Thorn und  erzählt. Es gibt kein Interviewziel, das zum Beispiel vorgibt: Am Ende sollen wir erfahren, wie wir den Gast zum Reden bringen oder wie wir uns auf ein Gespräch vorbereiten. Es geht nicht darum, vom Gast zum Beispiel zu erfragen, wie wir mit extremen Interviewsituationen umgehen sollten. Es geht eher darum zu erfahren, wie der Gast damit umgegangen ist. Wertungsfrei, vielleicht nicht immer einwandfrei aber auf jeden Fall erhellend und nie belehrend.
Zweimal pro Woche gibt es eine neue Folge, jede eine Stunde oder länger. Die Show gibt es seit Juni 2017.


Interviewvorstellung #25: Jochen Distelmeyer auf laut.de

Einfach mal Fan sein.

In der vorletzten Interviewvorstellung hatte ich das Thema gestreift, dass Interviewerinnen auch Fans des Gastes sein können. Es ging um die Youtuberin Bibi, die genau in die Zielgruppe der interviewten schnukeligen Preset-Hitmaschine One Direction passt. Dabei ist die Frage sogar eine ganz essentielle: Wie viel Fan darf in der Interviewerin stecken?

Continue reading “Interviewvorstellung #25: Jochen Distelmeyer auf laut.de”

Naive Fragen – eine Frage der Naivität

Naive Fragen – eine Frage der Naivität

Eine Frage lief mir in den vergangenen Wochen und Monaten immer mal wieder über den Weg: Die Frage der naiven Frage. Also das Fragen basierend auf möglichst wenig Vorkenntnissen der Interviewten.

Erst am Wochenende sprach ich mit einem Bekannten abends bei Bier und Brause darüber, wie tiefgehend oder oberflächlich Fragen sein müssen oder dürfen. Er ist Kameramann und erzählt von einigen Doku-Formaten, bei denen das naive Fragen Konzept zu sein schien. Im (Schank)Raum standen mehrere Fragen: Continue reading “Naive Fragen – eine Frage der Naivität”

Interviewvorstellung #13: Silvana Imam auf noisey.com

Dürfen wir vorstellen: Die Interviewvorstellung.

Logo Noisey
Noisey vice

Das Interview in der Noisey ist passenderweise mit “Dürfen wir vorstellen” überschrieben. Denn die Vorstellung einer eher unbekannten Künstlerin ist das Ziel dieses Frage-Antwort-Formats. Die Interviewerin Karen Gardiner macht auch gleich klar, warum es sich lohnt Silvana Imam vorzustellen: Sie ist lesbisch, Antirassistin, Feministin und Rapperin. Diese vier Eigenschaften machen Sie zu einer Ausnahme

Continue reading “Interviewvorstellung #13: Silvana Imam auf noisey.com”

Interview mit Elton John

Im (noch) aktuellen Zeit-Magazin vom 12.04. ist ein mehrseitiges Interview mit Elton John abgedruckt.
Nun kann man mit Elton John auch durchaus über Vieles reden und mehrere Seiten füllen. Und so ist das Interview angelegt: Eine Retrospektive – ein Rückblick auf fast ein halbes Jahrhundert Musikkarriere in ca. einstündigen Interview. Es liest sich sehr gut und ist unterhaltsam. Es zeigt Elton John beim Versuch, ein normaler Vater zu sein und sich auf das Normalitätslevel seiner Fans zu stellen. Das ist das Beste an dem Interview, das Thema eher zweitrangig. Dieses Übermaß an Inhalt, das es eröffnet, kann nur ein Aufhänger für ein Gespräch sein, aber kaum ein Leitfaden für das Interview. Es müsste viel enger gefasst sein, um ein Interview zum Thema daraus zu machen. So ist es ein Interview zur Person – ein sehr schönes. Fast schon portraitierend zeigt es Elton John nämlich auch noch als sehr routinierten und gelassenen Antworter. Nicht umsonst lässt er seinen Sohn nicht ganz aussperren. Nicht umsonst lässt er sich zu Fragen zu seiner Partnerschaft nicht aus dem Konzept bringen, sondern antwortet genau an der Grenze, die Einblick in sein Privatleben gewährt aber nicht unbedacht ausplaudert.

Für den Künstler ist diese Interview-Routine vielleicht unerlässlich, auf jeden Fall sehr komfortabel. Um sie zu bekommen, ist auch keine jahrelange Medienerfahrung notwendig. Manchmal reicht schon eine Strecke von Interviews zum aktuellen Album, um auf wiederkehrende Fragen klar antworten zu können. Das hatten mir Locas in Love übrigens im Interview erklärt. Mit Tim Neuhaus und seinem Support ByeBye habe ich vergangenen Montag in einem weiteren Interview über Interviews über diese Routine gesprochen.

Ich hatte diese Woche noch einmal Gelegenheit, die Routine im Interview als Thema aufzugreifen: Mit Die Heiterkeit, die ich am Mittwoch getroffen habe.

Gerne habe ich mit ihnen diskutiert, ob die Routine nur für die Bands von Vorteil ist oder auch für die Journalistin und wo die Grenze zur bloßen Wiederholung von Antworten ist.