Interviewvorstellung #37: Käptn Peng bei Deutschlandradio Corso

Hat sie das noch nie jemand gefragt?

Na das fängt ja gut an. Anja Buchmann wandelt auf recht dünnem Eis, aber das sehr souverän und gekonnt. Dünn ist das Eis deshalb, weil sie Robert Gwisdek aka Käptn Peng im Interview bei Corso nach der Bedeutung seiner Texte fragt. Und es gehört schon ein wenig Mut oder guter Glauben dazu, danach zu fragen, wer oder was das Peng ist.

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Sandra Hüller: Kiez-Interview

Kiez-Interview

Ich habe angefangen, dieses Interview zu lesen, wegen des Leipzig-Bezugs. Und ich bin dabei geblieben wegen des …. Leipzig-Bezugs. In dem Interview wird ein eigentlich simples Thema möglichst anschaulich für Nicht-Betroffene erklärt: in diesem Fall Leipzig und die Wendezeit. Die Schauspielerin Sandra Hüller erzählt, warum sie wieder in Leipzig lebt und wie sie die Stadt erlebt.
Und so habe ich einmal die Gelegenheit zu erfahren, wie es wirkt, wenn man auf der Seite der Betroffenen des Interviewthemas steht: Es ist erst einmal merkwürdig. Sandra Hüller scheint es ähnlich zu gehen, sie geht nämlich auf Distanz und sagt:

Ich habe Angst, dass wir uns in das Thema verbeißen

oder

Ich finde es ja interessant, dass wir immer noch über die DDR reden müssen.

Aber man beginnt auch zu verstehen, dass es Leute gibt, denen man die Sicht der Betroffenen so direkt vermitteln muss. als eine Art vVerständigung zwischen A und B.
Und spätestens ab da macht das Interview so wunderbar Sinn. Am Anfang erschließt sich das Ziel des Interviews nicht so wirklich. Oder warum muss ich mit einer Schauspielerin über 25 Jahre nach dem Mauerfall noch über die Wende reden? Am Ende ist es aber ein sehr schönes Interview über Leipzig und die Vergangenheit, das ich mit meinen eigenen Erfahrungen und Eindrücken abgleichen kann. Ich fühle mich bei meiner eigenen Rückschau ertappt.


Interviewempfehlungen

Spreeblick auf die Gesellschaft

Ein ganz wunderbarer Zufall: Die letzten beiden Interviewvorstellungen waren zu Interviews mit Antilopen Gang und Sookee. Und als ich vergangene Woche bei Fluxfm/Spreeblick die letzten Sendungen durchhöre, hatte Johnny Haeussler genau diese beiden zu Gast.
Ich will Euch deshalb diese Gespräche ans Herz legen.

Interview mit Antilopen Gang auf Fluxfm/Spreeblick
Interview mit Sookee auf Fluxfm/Spreeblick

Und es gibt noch mehr Sookee: Auf rap.de gibt es ein Interview, das ganz hervorragend zeigt, wie konzeptionell und bewusst der künstlerische Blick von Sookee ist. Es geht in 99% des Gesprächs um gesellschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen. Es ist toll, wenn in einem Interview die Kunst des Gastes so zum gesellschaftlichen Thema wird. Einige RezensentInnen mögen das als zu verkopft kritisiert haben, aber bei Sookee wird das Label Soziologievorlesung wieder positiv besetzt. Ich freue mich darauf, für die neue Ausgabe des Kreuzer Leipzig mit ihr zu sprechen und diese Themen weiterführen zu können.

Interviewvorstellung #36: Sookee bei Freitag.de

Bitte erklären Sie.

freitag logo

Aus gegebenem Anlass will ich heute ein Interview mit Sookee vorstellen. Die Berliner Rapperin hat gerade ein neues Album veröffentlicht und die Gelegenheit habe ich genutzt, um mich einmal durch die verfügbaren Artikel und Interviews zu wühlen. Eines davon hat Jan Rebuschat vor einigen Jahren für den Freitag geführt. Seine Ansprechhaltung steht exemplarisch für viele Interviews und lässt sich überschreiben mit: „Lieber Gast, erkläre mir bitte einmal…“.
Was bedeutet das? Der Interviewer formuliert tatsächlich fast ausschließlich Fragen (anstelle von Aussagesätzen oder Kommentaren), gerne auch W-Fragen. Zum Beispiel:

„Welche aktuellen Rapper finden Sie diesbezüglich besonders problematisch?“
„Weshalb haben kontroverse Rapper (wie z. B. Bushido und Haftbefehl) solchen Mainstream-Erfolg?“

An diesen Beispielen wird deutlich, welche Wirkung die Fragen haben. Sie fragen gezielt nach der Meinung und den Ansichten des Gastes. Sie lassen den Gast erklären und blenden dabei die Ansichten des Interviewers aus. Selbst in den Fällen, in denen Jan Rebuschat seine recherchierten Informationen oder weiterführende Gedanken in die Frage einbaut, steht am Ende eine Frage an die Rapperin, d. h. sie kommen vor allem in Form von Plattformfragen (M. Haller) vor und werden der Frage vorangestellt. Zum Beispiel:

„Zwar hat Rap schon seit Jahren den Mainstream erobert, doch in den Medien wird meist über die negativen Aspekte berichtet. Stichworte: Gewalt, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus. Welche sind Ihrer Meinung nach die größten Probleme des aktuellen deutschen Rap?“

“Marcus Staiger kritisierte kürzlich, dass er auf einer Zeckenrapgala war und dort ca. 99 % Deutsche und nur ca. 1 % Menschen mit Migrationshintergrund gewesen seien. Er führte dies auf einen gewissen Snobismus der deutschen Linken gegenüber der Arbeiterklasse zurück. Was sagen Sie dazu?”

Damit bleibt der Austausch recht einseitig. Das Interview ist dann keine Diskussion auf gleicher Augenhöhe, sondern eher eine Art Expertinnengespräch, bei dem die Rollen ungleich verteilt sind. Es zwingt den Gast dazu, sich auf Meinungen und Einschätzungen festzulegen, an denen er sich eventuell messen lassen muss. Unter Umständen kann das Druck aufbauen, wenn der Eindruck entsteht, der Gast würde „ausgequetscht“.
Das passiert hier bei Sookee allerdings nicht. Im Gegenteil, die Rapperin ist ja sehr meinungsstark und freut sich über die Gelegenheit, sich äußern zu dürfen. Dabei spricht Jan Rebuschat durchaus interessante Argumente und Aspekte an, z. B. die Kritik von Marcus Steiger an der Kultur der Rap-Szene. Wenn der Interviewer diese Bemerkungen in eigene Erfahrungen und Interpretation eingebaut hätte, hätte sich sicher eine sehr interessante Diskussion von zwei KennerInnen der Szene ergeben. So aber gibt er die Zitate mit der Bitte um einen Kommentar an Sookee zurück und vergibt sich die Chance für die Diskussion ein wenig.
Bei einem so wortstarken Gast wie Sookee entsteht aber auch so ein sehr interessantes und informatives Gespräch.


Interviewtipp: Sookee bei Corso im Deutschlandfunk

Vor einigen Tagen, am 17.3., ist das aktuelle Album von Sookee erschienen: „Mortem & Makeup“. Sookee gibt in den Liedern Begriffen wie „Schrank“ und „Hüpfburg“ eine politische Bedeutung. Ich finde hervorragend, mit welcher geradlinigen Haltung und Selbstverständlichkeit sie so politische Musik macht.
Es scheint fast ein Frevel, mit ihr nicht über die Texte und ihre Aussagen zu sprechen. Ein sehr gutes Gespräch ist das Interview bei Corso im Deutschlandfunk. Christoph Reimann fragt und sagt nicht einfach nur: „Was bedeutet das…“ und „Wollen Sie damit sagen, dass….“. Er findet weitergehende Fragen zur Position der Rapperin, wie zum Beispiel, dass sie eventuell bei ausgesprochen links-queeren Veranstaltungen eher „preaching to the converted“ betreiben könnte, als wirklich diskutieren. Das gibt Sookee die Gelegenheit, sehr elegant den Deutschlandfunk, bei dem sie eben spricht, als bestes Gegenbeispiel zu nennen.
Spannend ist das Gespräch über die Texte aber auch, weil hinter ihnen Theorien und Konzepte stehen, die Sookee inspiriert haben, und so macht das Interview auch deutlich, wie bewusst sie als Künstlerin ist.