Galore im neuen Format

Das gute Gespräch kommt zurück.

Was für ein schöner Claim für die neue Print-Version der Galore. So richtig weg war es ja nie, das Gespräch, es hat nur nach seinem Platz gesucht. Als A4 Print-Magazin mit mehrseitigem Lifestyle-Teil als werbende Ergänzung zu den Interviews hat es (wirtschaftlich) nur mäßig funktioniert. Deswegen wurde das Heft 2009 eingestellt und die Interviews online veröffentlicht. Auch diese Online-Version wurde einige Monate später eingestellt. Als Archiv ging der Inhalt wieder online. Im Abonnement hatte man darauf Zugriff bzw. konnte als Pay-Per-Download einzelne Interviews herunterladen.

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Nun gibt es das Interview-Magazin wieder im Print. Im handlichen 23x17cm-Format sind auf 92 Seiten 9 Interviews.
Die Lifestyle-Gadget-Tips sind geblieben.
Aber insgesamt wirkt das neue Galore reduzierter: reduzierter in der Größe, reduzierter in der Anzahl der Interviews und reduzierter im Design. Die Interviews sind immer noch mit hochwertigen Fotos bebildert. Die sind aber nicht schrill bunt und unruhig wie im alten Heft, sondern klarer und zurückgenommen ins Heftformat eingepasst.
Warum ich das so hervorhebe? Weil ich das neue Design ganz hervorragend finde und hoffe, dass es der Galore hilft, diese wunderbare Idee eines Interviewmagazins tragfähig an den Kiosken zu halten. Die Idee war schon 2003 gut und die Interviews auch. Beides wurde ins neue Heft gerettet. Außer dem Design hat sich nicht so viel geändert, selbst der Preis ist derselbe geblieben.

Zum Einstieg zur ersten neuen Ausgabe empfehle ich hier noch das Gespräch mit dem Chefredakteur Sascha Krüger auf Deutschlandradio:
Hier

Und unbedingt empfehlenswert ist auch das Interview von meiner lieben Kollegin Petrina Engelke mit der Überlebenden von Theresienstadt Margot Friedländer.


Update:

Michael Lohmann war so nett und hat mir ein paar Fragen zur neuen Galore beantwortet. Er ist der Herausgeber der Galore.

Welche Erwägungen stecken hinter dem neuen Design der Galore, das zurückgenommener, nicht so bunt und auch durch das kleinere Format reduzierter daher kommt?
Im Grunde machen wir da weiter, wo wir 2004 begonnen haben. Die ersten Galore-Ausgaben waren optisch nämlich sehr zurückgenommen, es war aber so, dass wir das Magazin im Laufe der Jahre angepasst haben, gemeinhin „lifestyliger“ geworden sind. In der Rückschau betrachtet haben wir aber zur Kenntnis genommen, dass der erste reduzierte Entwurf der war, der am besten zu Galore passt. Das Format ist in der Tat neu, und für uns war das durchaus eine Art optischer Blindflug, weil wir vorher noch nie in so einem Format gearbeitet haben und der Eindruck am Rechner und über Proofs nicht verbindlich sein kann. Wir sind mit dem Ergebnis der ersten Ausgabe zufrieden, wissen aber auch, dass wir noch ein paar Stellschrauben anziehen müssen. Das werden wir direkt mit der nächsten Ausgabe machen. Grundsätzlich glauben wir aber, dass das neue Format extrem gut zu einem Titel wie Galore passt, zumal wir dem Leser ganz bewusst nicht mehr als zehn Interviews im Monat präsentieren wollen. Galore soll „konsumierbar“ sein und seine Leser nicht mit Inhalt erschlagen, so wie es früher häufiger der Fall war.

2009 wurde Galore als Printversion eingestellt. Warum sollte die Printversion jetzt funktionieren?
Dafür sprechen viele Faktoren, u.a. die bereits genannten. Als Galore 2009 Schiffbruch erlitt, war das ja weniger einem schwindenden Interesse der Leser geschuldet, sondern der damaligen Weltwirtschaftskrise, die sich im Anzeigenverkauf deutlich bemerkbar gemacht hat. Zudem war ein recht großes Team für die Produktion von Galore verantwortlich, der Kostenapparat immens. Galore wird jetzt in deutlich schlankeren Strukturen produziert, und wir haben nicht das Gefühl, dass das auf Kosten der Qualität geht. Zudem führt das kleinere Format zu einer signifikanten Einsparung hinsichtlich Material. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Galore grundlegend geändert haben und wir heute auf Erfahrungswerte zurückgreifen können, die wir damals nicht haben konnten. Überdies stützt der Umsatz mit digitalen Inhalten das Gesamtgefüge, was ja seinerzeit auch nicht der Fall war.

Welche Erfahrungen haben Sie seit 2009 mit dem Webarchiv gemacht? War es eine gute Alternative zum Printmagazin? Wie wurde es von den Leserinnen angenommen?
Das Web-Archiv wurde 2009 sehr gut angenommen. Nur: was nützen hohe Zugriffszahlen, wenn es nicht möglich ist, das generierte Inventar auf einem Niveau zu monetarisieren, das die Refinanzierung des Angebots gestattet? Ungeachtet dessen halten wir die Inhalte von Galore für zu wertig, als dass man sie über die Resterampe Internet verschenken sollte. Ich erachte den damaligen Entschluss aus heutiger Sicht für falsch, zumal ich damals schon kein Freund von verschenkten Inhalten war. Der Gedanke, die Marke im Netz am Leben zu erhalten, war damals aber stärker als die Überzeugung, dass man wertvolle Inhalte nicht verschenken sollte.

Es ist auf jeden Fall eine sehr komfortable und elegante Bezahlversion: Die Leserinnen müssen kein zeitlich festgelegtes Abo abschließen, bei dem sie auch für Sachen zahlen, die sie nicht nutzen. Sie zahlen nur für die Inhalte, die sie lesen, müssen aber nicht jedes Mal – umständlich – Geld überweisen. Das Prinzip funktioniert bei Flattr ja auch ganz gut. 
Wer qualifiziert sich als Interviewerin, wer als Interviewter?
Wir wollen mit Menschen aus Kultur, Gesellschaft und Lebensart reden, die tatsächlich etwas zu sagen haben. Menschen, die inspirierende Gedanken äußern, die zum Nachdenken anregen, die neue Erkenntnisse liefern oder Meinungen, die überraschen. Wir wollen einen Menschen und sein Denken portraitieren. Dafür hören wir gut zu, lassen den Gesprächspartner in Ruhe ausreden, ohne dabei vermissen zu lassen, das Gespräch zu lenken. Und wir legen großen Wert darauf, uns gewissenhaft vorzubereiten, um im richtigen Moment die richtigen Fragen stellen zu können – demnach arbeiten wir mit Journalisten, die diese Herangehensweise verinnerlicht haben. Autoren, die dem Gesprächspartner mit einer höflichen Distanz und einem gewissen Grad an Empathie begegnen. Unser Credo lautet, dass nichts spannender ist als der Mensch. Auch das sollte ein Galore-Autor teilen.

Und an wem liegt es nun, wenn ein gutes Interview herauskommt? Nun, es ist zumindest die Verantwortung und Pflicht der Interviewerin, die inspirierenden Gedanken aus der Gesprächspartnerin herauszulocken – indem sie recherchiert, welches Thema die Interviewte anstachelt und indem sie sich auf das Thema entsprechend gut vorbereitet.

Das JEIN im Interview

Das JEIN im Interview

Ich habe mich mit dem JEIN von PolitikerInnen und KünstlerInnen in Interviews beschäftigt. Ausweichende Antworten, Plattitüden und Erms habe ich in Fernsehinterviews gefunden und die Mechanismen hinter dieser Vagheit untersucht.
Die Untersuchung ist jetzt als Buch erscheinen. Ich freue mich, das hier und jetzt ankündigen zu können. Noch mehr freue ich mich, die untersuchten Interviews nennen zu können: Es sind Interviews mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Andrea Ypsilanti, Norbert Walther, Uschi Glas, Miroslav Nemec und Oswald Kolle.

 

Vortrag zu Interviews über Interviews

Vortrag auf der 24. Jahrestagung des Arbeitskreises Studium populärer Musik

Vom 22. – 24.11. diskutieren wir in Gießen über das “typisch Deutsche” der Popmusik, ob es das überhaupt gibt und wenn, wie es aussieht.
Ich darf auf der Jahrestagung mein Projekt Interviews über Interviews vorstellen, in denen ich mit Bands über Interviews im Musikjournalismus spreche.

Ich packe schon mal die Interviews mit  Klee, Dirk von Lowtzwow, Frank Spilker, Locas in Love, 1000 Robota, Herrenmagazin ein und schmeiße die interessantesten Ergebnisse in eine Powerpoint.

Das Programm sagt folgendes: aspm.ni.lo-net2.de

Interviews im Pop #1: TV Noir

TV  Noir

tv noir

Moderator: Tex – ist selbst Musiker und vor allem Fan. Als solcher outet er sich gerne, was ihm auch gut steht, da es weniger Anbiederung ist als Wallraff-sches Teil-der Szene. Zum Beispiel, als er in der Sendung mit Moses Pelham erzählt, dass er bei dessen Album den Background mitgestaltet hat.

Konzept/ Kulisse: liebevoll selbst gestaltete Spiele und Einlagen geben der 90-minütigen Sendung das Gefühl von Wohnzimmer aka Low Budget aka ‘ich mag die Bands, deswegen habe ich die eingeladen und mache mir die Mühe’.

Unbedingt hörens- und sehenswert sind die Auftritte der Gäste, die das Gespräch immer wieder auflockern. Sehenswert auch deshalb, weil sie in 1a-schwarz-weiß-Ästhetik gefilmt sind.

Die Gäste: eingeladen werden tatsächlich handverlesene KünstlerInnen, zum Teil aus dem selben Kontext, aber dann auch aus gutem Grund: weil sie sich selbst empfehlen. Es ist toll, Tim Neuhaus nicht nur aus dem Grand Hotel Newsletter zu kennen, sondern auch von anderer Stelle empfohlen zu bekommen.

Sonst so: “Die Leute im Fernsehen würden es gern sehen, wenn wir zu den Sternen gehen” – das ist Stil schon im Titellied. Und die letzten Zeilen von Tex’ Eigenkomposition gehen so: “die Leute im Fernsehen wollen, dass Dein Leben nicht mehr lausig ist”.

Kurz + Knapp: 90 Minuten, jeden Sonntag auf ZDF.kultur
tvnoir.de