Interviewvorstellung #21: Bernadette LaHengst bei Mrs. Pepstein

Musik ist nicht die Frage

Wie toll ist das denn, wenn mir jemand das Gegenteil beweist. Mrs. Pepstein macht das in diesem Interview mit Bernadette La Hengst. Ich dachte immer, es wäre eher schwierig, Künstlerinnen zu fragen, was sie denn mit diesem oder jenem Liede sagen wollen.

Mrs Pepstein

 

Aber Mrs. Pepstein bestreitet fast das gesamte Gespräch mit Bernadette La Hengst auf diese Art und spricht Lied für Lied über ihr neues Album Save the World with this Melody. Und es funktioniert. Ganz hervorragend sogar. Denn Bernadette La Hengst ist eine Künstlerin, die man erzählen lassen muss, weil sie was zu erzählen hat. Sie ist das Gegenteil von l’Art pour l’Art. Hinter ihren Liedern stecken Geschichten. Bernadette La Hengst mag das Wort “Projekt” nicht so gerne, deswegen sagen wir mal: Sie ist vielseitig und in unterschiedlichen Gruppen engagiert, woraus dann eben Lieder entstehen. Ganz folgerichtig steht das Thema Weltrettung – natürlich auch inspiriert vom Albumtitel, ganz am Anfang des Interviews.

Schon in der nächsten Frage sind sie aber beim ersten Lied “This is no project”. Mrs. Pepstein gibt hier die Fragestrategie vor: Offen. Mal ein, zwei eigene Gedanken in den Raum werfen und schauen, wie Bernadette La Hengst reagiert. Sie reagiert, indem sie von der Crowdfunding-Aktion erzählt, die die Inspiration zum Lied und ein ganz wesentlicher Aspekt des Albums war.
Jetzt ist die sehr offene Fragehaltung von Mrs. Pepstein keine kühl kalkulierte Strategie oder gar Faulheit á la “Mach Du mal die Arbeit und erzähle”. Mrs. Pepstein weiß um die Geschichten, die hinter den Liedern stecken… bzw. sie weiß es eben nicht, will sie aber kennen lernen. Deswegen fragt sie nach, wo es interessant wird. Oder hättet Ihr gedacht, dass das Engagement der Crowd beim Funding auch zwiespältige Gefühle auslösen kann. Bernadette spricht sehr ehrlich darüber. Sicher trägt auch die entspannte Küchenatmosphäre, in der das Gespräch stattfindet, dazu bei. Das Privileg, Bernadette La Hengst bei sich zuhause treffen zu dürfen, hat sich Mrs. Pepstein allerdings auch hart verdient. Die beiden haben sich vorher schon getroffen und Frauen in der Popkultur sind für beide ein ganz großes Thema, mal subversiver, mal offensiver.
Die Schnittmenge ist Finna: Ganz selbstverständlich sind beide unabhängig voneinander auf die Sängerin respektive Rapperin gestoßen und können sich in ihrer Begeisterung bestärken.
Diese Sicherheit, wo die jeweils Andere steht, und der gegenseitige Respekt führt zu einem sehr offenen, vertrauten Gespräch.
Das Konzept der Linernotes funktioniert aber vor allem deshalb so gut, weil Mrs Pepstein sich mit dem Album und Bernadette La Hengst auseinandergesetzt hat und weil die eine Künstlerin ist, deren Werk mehr als die Musik ist. Einen wichtigen Hinweis für diese Interviewstrategie gibt Bernadette La Hengst selbst mit der Klage, dass sie nie nach ihrer Musik gefragt wird.

 


Das Interview:

Mrs. Pepstein

Bernadette LaHengst

Finna