Essen, Trinken, Geile Leute

Sarah Kuttner hat eine neue Show. Mal wieder. Sie trifft Pop-Prominente, um mit ihnen zu sprechen. Mal wieder. Sie ist eine reizende Gesprächspartnerin. Mal wieder.
Das Fazit nach immerhin sieben Folgen ist: Sarah Kuttner bleibt beim selben netten Plauderton, auf den sie seit ihrer Show bei Viva abonniert ist. Sie lädt zwei Gäste in eine als WG-Küche ausstaffierte Studio-Wohnung zum Essen, Trinken und Plaudern ein. Meist kennen sie sich nicht näher (Ausnahme waren Daniel Josefsohn und Lars Eidinger). Ursprünglich sollten die Gäste sich sogar aneinander reiben, aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit für Spannung sorgen. Das funktioniert natürlich nur bedingt. Es setzt voraus, dass die Gäste bekanntermaßen konträre Lebensentwürfe haben oder entgegengesetzte Ansichten zu einem klar abgegrenzten Thema. Und eben daran fehlt es bei Kuttner plus Zwei. Für welche Lebensentwürfe stehen Bosse und Hannelore Elsner? Künstlereltern? Beide geerdet, nur die Erfahrung im Beruf unterscheidet sie. Die hätte man ansprechen können. Wofür stehen Katja Flint und Jennifer Rostock? Beide sind sehr liberal? Beide kennen das Leben als Paradiesvogel. Die eine von früher, die andere von der Gegenwart. Irgendwie scheint es mehr Gemeinsamkeiten zu geben. Vielleicht verstehen sich die Gäste deswegen eher als dass sie sich aneinander reiben. Vielleicht reden sie deshalb mehr miteinander als mit Sarah Kuttner.
Das alles ist noch kein Problem und heißt nicht zwangsläufig, dass die Gespräche nicht gut werden könnten. Das Problem ist, dass in der halben Stunde der Sendung keine Zeit ist für Fragen, für ein Gespräch und für Themen. Ein paar Fragen zu großen, teils privaten Themen wirft Sarah Kuttner in den Raum. Sie klingen wie vorformuliert und sie knüpft an die Reaktionen nicht an. Irgendwie fehlt der Wille zur Diskussion. Sie erstickt immer nach spätestens der zweiten Antwort.
Aber mal ehrlich: Kann man in 30 Minuten Kindererziehung, Liebe, Alter und Selbstbildnis erschöpfen diskutieren? Wohl kaum, aber Sarah Kuttner versucht es immer wieder und das ist zu viel, nicht nur zu viele Themen, um sie zu vertiefen. Da die Gäste vom Esstisch aufstehen und den Platz wechseln, zu viel Aktion für ein ruhiges Gespräch. Da immer zwei Filme zu den Gästen gezeigt werden (über insgesamt durchschnittlich 7 Minuten) zu viel Anderes neben dem Gespräch mit den Gästen. Und da es sich um Sarah Kuttner handelt, zu viel ich. Zu viele Einwürfe, die einen mehr über die Moderatorin erfahren lasen als über die Gäste.
Ist das Konzept der Sendung damit prinzipiell schlecht? Aber gar nicht. Ich bin ja eine große Freundin davon, Interviewgäste in eine komfortable und entspannte Situation zu bringen. Und es gibt genug Formate, die ähnliches machen und dem Recht geben: Zimmer frei, Kochen mit…, Durch die Nacht mit…, Inas Nacht… Bernd im Bademantel… Die Idee funktioniert also prinzipiell sehr gut. Voraussetzung ist aber wieder einmal, dass die Interviewerin sich auf den Gast einlässt. Kuttner plus Zwei ist also noch nicht einmal ein besonders neues Format.
Im Gegenteil, schauen Sie doch mal bei Essen, Trinken, Geile Leute rein. Seit über einem Jahr lädt Nina Lauterbach prominente Gäste (u.a. Ihren Bruder den König Boris, Hugo Egon Balder…) in ihre Küche ein. Sie zeigt, dass das Format doch wunderbar funktioniert. Sympathisch ist nicht nur die tatsächlich natürlich-entspannte Art der Sendung, sondern auch der Humor, mit dem Nina Lauterbach die Abfuhr vom ZDF hinnahm. Sie hatte dem Sender ihr Konzept vorgeschlagen und wurde abgewiesen. Wenig später lief Kuttner plus Zwei, ein Konzept, das das ZDF schon seit Längerem plane.
Auf Facebook läuft noch eine Aktion, auf der Fans von Essen, Trinken, Geile Leute dem ZDF Ratschläge für das Konzept Küchen-Talk geben können.

Hier geht es zu weiterführenden Infos:
Beitrag bei Zapp
Beitrag im Hamburger Abendblatt

Die Show