Pop 2014 – Vergessene Perlen

Pop 2014 - Vergessene Perlen

Oh Mann, gestern erst war doch der 1. Januar 2014. 365 Tage später spule ich zurück und stelle fest, welche tollen musikalischen Perlen an mir vorbei gerauscht sind.

Ja, ich versöhne mich jedes Jahr ein bisschen mehr mit den End-Jahreslisten. Wenn mich heute jemand nach den zehn Alben des Jahres fragt, kriegt der zwar immer noch erst einmal meine verächtliche Augenbraue hochgezogen, denn es ist schon klar: Die Liste ist eine Bestandsaufnahme und allenfalls auf die ersten drei Nominierungen würde ich etwas geben. Und selbst da bin ich mir nicht immer sicher. Diese Listen, dieses Auswählen und das Festlegen setzen mich unter Druck. Nur eines kann ich ganz sicher sagen: Ja, diese Alben haben mich in diesem Jahr berührt, begleitet, mir gute Laune gemacht und in den Hintern getreten. Ich weiß auch, sie werden in den nächsten Jahren bleiben.

I Heart Sharks haben mir gezeigt, dass sie den Elektro-Clash-Pop noch weiter nach vorne treiben können als auf dem ersten Album. Und es macht mich glücklich, wenn eine Band so nachlegt, nachdem ich schon das erste Album toll fand.

Entsprechend zwiespältig lassen mich Alt-J zurück. Deren erstes Album habe ich mir eingerahmt und über den Plattenschrank gehängt. Es war Platz 12 meiner Jahrescharts 2012. Und jetzt liefern sie ein Album, das besser ist als viele anderen, aber mich bei weitem nicht so umhaut wie das erste. Brauchte es den Sturm um This is all Yours, damit auch das Debüt wieder herausgekramt wird? Vielleicht.

Umgehauen hat mich aber Marcus Wiebusch. Ich möchte keine dummen Kommentare über ach so straighte und einfache Aussagen im Pop hören und keine Diskussionen über Massenkompatibilität mehr führen. Ich möchte Marcus Wiebusch einfach auf die Schulter klopfen und mich freuen, dass Kunst so klar Haltung beziehen kann, so viele Leute mobilisieren kann und mit einem Lied, das 5 Minuten geht, mehr Leute erreicht und mehr Meinung provoziert als 90 Minuten Günther Jauch, als 7 Seiten Titelthema im Spiegel.
Das sind die ersten Eindrücke von 2014, wenn mich jemand nach der Top Ten fragt. Aber dann spule ich zurück, weil es die Frage so verlangt. Und hier versöhne ich mich mit der Frage. Denn sie gibt mir die Gelegenheit, noch einmal in die Vergangenheit der letzten 12 Monate zu skippen. Ich grabe dann diese kleinen, strahlenden Perlen aus, die irgendwo zwischen Rezension, Konzerten, Arbeiten und Alltag verschütt gegangen sind.
Und 2014 hatte etliche dieser Perlen:
Schnipo Schranke, die mit dem bis ins letzte konsequentem Video, bei dem nicht nur angedeutet sondern draufgehalten wird.
Niels Frevert, dieser große und viel zu selbstverständlich hingenommene Sänger.
Planningtorock, diese Künstlerin, die leider immer zu sehr auf ihren Feminismus reduziert wird, aber das Beste draus macht.
Desiree Klaeukens, diese Künstlerin, die wesentlich mehr ist als die Vorband von Die Höchste Eisenbahn.
Alte Sau, Jens Rachut ist das und er macht, was er am besten kann: Punk.
Mutter, Max Müller ist das Paradebeispiel für “Ich mach einfach. Is mir doch egal, was Ihr denkt”.
A Forest, bringen eine sehr persönliche Note in den Konsum: wenn Ihr ein Poster kauft, die Musik erwerbt oder auch verbreitet, seid Ihr schon Teil eines kleinen Ökosystems namens A Forest. Auf der Homepage seht Ihr dann, welchen Einfluss Euer Konsum auf die Band hat.
All diese Bands lasse ich noch mal an mir vorbei ziehen. Vielleicht hätte ich das ohne die Frage nach den Top Ten nicht gemacht, oder einmal weniger gemacht. So tue ich es aber und freue mich, dass sie vielleicht die entscheidenden zwei oder drei Plätze gutmachen, wenn mich das nächste Mal jemand fragt.

Planningtorock

Planningtorock
25.02.2014, UT Connewitz Leipzig

 

Planningtorock im UTC Leipzig
Was aussieht wie ein Bewerbungsfoto ist Gender.

Planningtorock im UTC Leipzig Planningtorock_20140225_Leipzig UTC-2 Planningtorock_20140225_Leipzig UTC-3jpg Planningtorock im UTC Leipzig

Planningtorock im UTC Leipzig

Die Füße haben gegen die Augen gekämpft – Erstere wollten tanzen, letztere mussten gebannt starren und zwar auf die Bühne.

Fast genau vor einem Jahr war Planningtorock bereits mit “W” im UT Connewitz. Beide Berichte zum Vergleich bitte hier entlang:
Intro 2014
Intro 2013

Kleiner Spoiler: Eine ganz große Gemeinsamkeit gab es – Wer glaubte, man müsse wissen, was einen erwartet, nur weil man Planningtorock schon vor einem Jahr gesehen hat, hat falsch geglaubt.