Jessica Einaudi – “Black and Gold”

Jessica Einaudi – “Black and Gold”

21.09.2018, K7/ Indigo / Solaris Empire

Album Cover Portrait con Jessica Einaudi

 

 

 

“Nothing else matters… I just wanna see the sunlight”.

Die Schönheit des Momentes ist ihre Stärke, wenn Jessica Einaudi diese Zeile mit sanfter Sehnsucht singt.
Wie Skizzen mit dem Versprechen, dass da noch mehr kommen kann, oder dass man sie beim Hören doch bitte mit den eigenen Gedanken vervollständigen möge, kommen die zehn Lieder auf “Gold and Black” daher. Nicht, weil sie unfertig wären, sondern intim und auf das Wesentliche reduziert. Zu einsamer Klavierbegleitung und einfachen Casio-Beats sing Jessica Einaudi mit dunkler Stimme und manchmal extra langgezogen. Und was sie singt, sind keine Geschichten, sondern Szenen:

“I do remember fading into your darkness”

Stellen Sie sich bitte vor, Sie würden alleine im Abend-dunklen Zimmer mit ein paar Klavierakkorden sitzen und gedankenverloren vor sich hin summen, was vom Tage übrig blieb. Viele Zeilen würden so oder so ähnlich beginnen: “I feel like I could…”, “I remember when you…”, “I just wanna…”, ruhig und ohne künstliches Drama gesungen.

„Black and gold“ ist Jessica Einaudis zweites Album, nach ihrem Debüt “Melt” aus dem Jahr 2014.


Sofia Härdig

Sofia Härdig  – Changing the order

PrintHeute erscheint “Changing the order”, das dritte Album der schwedischen Sängerin Sofia Härdig. ‘Willkommen in der Referenz-Hölle’ mag man (wieder) sagen. Es drängen sich aber auch Vergleiche mit Siouxsie and the Banshees, Depeche Mode und vielleicht sogar mit Pattie Smith auf, oder einfach das Label Dark Wave. Sofia Härdig verschreibt sich ohne Frage wieder einem Synthie- und Basslastigen Sound mit kühlem, distanzierten Gesang. So wird der Fluch der Referenzhölle unter Umständen sogar zum Segen: Er ermöglicht eine erste, einfache Beschreibung der Musik, die sonst in ein, zwei Sätzen kaum möglich wäre. Zudem sind Referenzen wie die genannten ja nicht die schlechtesten und sicher keine Beleidigung. Vor allem aber können sie als Ausgangspunkt dienen für einen Vergleich zu Sofia Härdigs Musik und wie sie den Dark Wave aus den 1970ern und1980ern weiter entwickelt hat.
So sehr in “Waiting” oder im Titeltrack “Changing the order” die Synthie-Sounds durchbrechen, so sehr dominieren auch die Beats die Tracks, eine Hommage an den House der 1990er. In dieser Mischung wirkt “Changing the order” nostalgisch-modern, zwischen technischer Errungenschaft und schon Vergangenheit, ähnlich wie das Telespiel aus den 1990ern.
Zeilen wie “Your lonliness is a god” bohren sich durch die Beats, geradlinig wie ein scharfes Messer. Der Gesang ist schärfer durch Effekte und Hall geschliffen als noch auf den ersten beiden Alben.
Und eine weitere Entwicklung fällt auf: Noch mehr gehen Gesang und Beats eine Symbiose ein, drehen sich um einander und verstärken sich. Bei “Let me fall” zum Beispiel entwickelt sich dadurch eine Energie, die in der eindringlichen Wiederholung der Titelzeile gipfelt: “Let me fall”, “Let me fall” immer wieder “Let me fall”.
Sofia Härdig weiß um die Eindringlichkeit der mantrigen Wiederholungen und ihrer Wirkung. Sie setzt sie beim Titeltrack “Changing the order” ein: Er braucht nicht viel mehr als diese Zeile und dazwischen übernehmen Drums und Bass den Song.
Die Energie des Dark Wave mag Sofia Härdig vielleicht Ausgangspunkt und Inspiration für das Album gewesen sein. Aus jedem der 12 Lieder spricht aber in erster Linie die experimentelle Freude daran, sich mit dem Gesang im Sound und Rhythmus zu verlieren, mit ihnen zu spielen und sich von ihnen treiben zu lassen.

VÖ: 20.4.2018 Solaris Empire/ Broken Silence


 

Thom And The Wolves

Thom And The Wolves  – The gold in everything

Cover Straßenansicht BerlinThomas Bewernick verkörpert die geballte Musiker-Romantik: Er bringt sich selbst das Gitarrespielen bei. Später folgt er den Befehlen seines Herzens und reist als Straßenmusiker durch die Welt. Sein Debütalbum atmet die Ein-Mann-und-seine-Gitarre-Romantik in jeder Note und jedem Akkord. Die Texte erzählen vom Du versus Ich, von Beziehungen, Freundschaft und anderen Zwischenmenschlichkeiten. Die Folk-Akkorde der Gitarre ordnen sich dem erzählenden Gesang von Thomas Bewernick unter. Die Lieder kommen daher wie gesungene Tagebucheinträge, die in einer flüchtigen und unbeständigen Zeit dafür sorgen sollen, dass wenigsten die eigenen Gedanken und Erinnerungen bleiben.
Als Musiker nennt er sich Thom And The Wolves. Mag sein, dass er, als sich allein durchschlagender Musiker, gegen solche Wölfe kämpfen musste. Kann aber auch sein, dass er, als lonesome Straßenmusikant, sich mit den einzigen Geschöpfen, die ihn zuverlässig begleiteten, angefreundet hat. In jedem Fall schwingt im Wolf das Symbol des Kampfes mit, ob nun gegen die Feinde oder die Einsamkeit.

Thom rennt durch die StraßeDer Kampf ist ein leiser, innerer Kampf, der sich auf „The Gold in everything“ in ruhigen Liedern Bahn bricht. Es ist das Debüt des Berliner Thomas Bewernick. Es ist ein introvertiertes Folkalbum mit persönlichen Geschichten aber ohne Ironie, Bruch oder Überraschung.
Es wird heute, am 9. Februar, bei Solaris Empire veröffentlicht.


 

Marta Collica – Inverno

Marta Collica – Inverno


Cover Inverno Portrait Marta Collica
Es gehört immer ein wenig Mut dazu, allzu offensiv vom Wetter und der Witterung zu sprechen oder singen. Es könnte belanglos werden. Die italienische Sängerin Marta Collica hat nun ein neues Solo-Album veröffentlicht. Es heißt ‘Inverno’, Winter.
Mit belanglos hat das aber nichts zu tun, sondern eher mit dem Alltäglichen, dem, was unausweichlich und immer zum Leben gehört. Denn die Sängerin erzählt in wunderbar, warmen Popsongs auf Englisch und Italienisch von den Erlebnissen und Erfahrungen, die sie in den vergangenen Jahren gemacht hat. Aber auch von Sorgen und Unsicherheit, die sie umtreibt. Sie persönlich. Und damit tritt sie einen Schritt zurück näher an sich heran. Zurück von der John Parish Band und den gemeinsamen Projekten, die sie mit dem australischen Musiker Hugo Race bestritten hat: Sepiatone und True Spirit. In denen ist Marta Collica als Mitglied natürlich ein Teil des Ganzen. In ‘Inverno’ steht sie nun wieder selbst im Mittelpunkt. Zum dritten Mal nach der Veröffentlichungen ‘Pretty and unsafe’ ‘und ‘About anything’.
Wenn der Winter so schön wird, wie das Album, dann blicke ich optimistisch auf das Ende des Sommers.

Das Album wird am 1. September 2017 veröffentlicht.


Robots do cry

Almost Charlie – A different kind of here

„Robot“ funktioniert auf viele Weisen. Es ist die erste Videoveröffentlichung zum aktuellen Album von Almost Charlie „A different kind of here“. „Robot“ funktioniert, weil Almost Charlie ein ungewöhnliches Gespann sind. Der Berliner Singer/Songwriter Dirk Homuth meldet sich 2003 auf eine Anzeige des US-amerikanischen Lyriker Charlie Mason. Seitdem arbeiten sie als Almost Charlie zusammen, ohne sich je getroffen zu haben, und „A different kind of here” ist ihr viertes Album.

(c) Markus Altmann
(C) Markus Altmann
(C) Jasmin Baumann
(C) Jasmin Baumann

 

 

 

 

 

 

 

„Robot“ funktioniert, weil es die Lyrik, das Erzählen von Geschichten und den zurückgenommenen Folkpop der Bandmitglieder verbindet. Der gleichbleibend melancholische Gesang erzählt vom mechanischen Herzschlag unserer technischen Helfer. Durch deren Kreisläufe fließt Strom wie bei uns das Blut. In ihrer Kunststoffhülle lässt sich ein Gesicht erkennen. Und „and robot’s all we are“… ist dann als Technik-kritisch oder-verliebt zu lesen?
Weder noch. Denn hier kommt eine weitere Weise dazu, auf die „Robot“ funktioniert: das Video. Es macht das Lied zu einer Geschichte, die jeden ans menschliche oder mechanische Herz zu legen ist.

Video gezeichnetes HochzeitspaarIn hinreißenden Zeichnungen blättert das Video durch das Fotoalbum eines gemischten Paares: Humanoid und Roboter. Hochzeit, Urlaube, Strand, Liebe. Und immer wieder die resignierte Feststellung „and robot’s all you are“ und doch geht es mit der Liebe. Erst einmal. Für eine Weile…
Dieses bezaubernde filmisch-musikalische Stück ist das Herzstück von „A different kind of here“ und ein Wegweiser zu den restlichen 11 Liedern, die ebenso liebevoll erzählte Fragmente des Lebens enthalten. Das Album ist am 17.6.2017 via Words on music erschienen.