Kessler ist.. und alternative Interviewformate

kessler ist
Kessler ist…

Das ist ein Interview und man merkt es gar nicht. Mittlerweile gibt es fast mehr Promi-Doku-Shows als Promis. Das inzwischen wieder eingestampfte Kuttner plus Zwei, Bauerfeind assistiert, Anke hat Zeit… Und jetzt Kessler ist…, ein neues Format auf ZDF Neo. Das heißt, so neu eben nicht, denn wie bei den anderen drei geht es darum, die wahre Persönlichkeit des Promi-Gastes freizulegen, den Promi als Person greifbar zu machen. Als Mittel dient das einfühlsame oder originelle oder auch herausfordernde Gespräch. Immer angereichert mit fernsehtauglichen Elementen wie kochen, Show-Acts oder Kostümierung (wie jetzt bei Kessler ist…).
Ich finde das super. Ich habe nichts dagegen, nach verborgenen Facetten von Menschen zu graben. Ich habe auch nichts dagegen, mich auf Menschen im Gespräch einzulassen.
Solche Formate – auch mit Show, Spiel und Spaß – gibt es schon lange und sehr lange mit: Zimmer frei, Inas Nacht, TV Noir.
Sie sind erstens eine Gratwanderung (wer Eierlaufen macht, kann sich nicht gleichzeitig substanziell unterhalten). Und zweitens zwingen sie uns, den Begriff des Interviews zu hinterfragen. Ist das noch Interview oder Kindergeburtstag oder Therapeutengespräch?

Das Interview ist meiner Meinung nach nur das reine Gespräch. Alle Show drumherum bildet nur die mehr oder weniger guten Voraussetzungen.
Deswegen wird auch nach wie vor das beste Sendungskonzept und die beste Promi-Eisbrecher-Strategie nichts nutzen, wenn die Interviewerin nicht funktioniert.

Kessler ist… läuft heute Abend in der ersten Sendung auf ZDF Neo. Auf dradio Corso hat er ein wenig über das Fragenstellen sinniert:

Hier der Link


 

Michael Kesslers offizielle Homepage

TV Noir offizielle Homepage
Bauerfeind assistiert bei 3Sat
Kuttner plus Zwei beim  ZDF
Anke hat Zeit bei 3Sat
Zimmer frei beim WDR
Inas Nacht beim NDR

Interviews im Pop #1: TV Noir

TV  Noir

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Moderator: Tex – ist selbst Musiker und vor allem Fan. Als solcher outet er sich gerne, was ihm auch gut steht, da es weniger Anbiederung ist als Wallraff-sches Teil-der Szene. Zum Beispiel, als er in der Sendung mit Moses Pelham erzählt, dass er bei dessen Album den Background mitgestaltet hat.

Konzept/ Kulisse: liebevoll selbst gestaltete Spiele und Einlagen geben der 90-minütigen Sendung das Gefühl von Wohnzimmer aka Low Budget aka ‘ich mag die Bands, deswegen habe ich die eingeladen und mache mir die Mühe’.

Unbedingt hörens- und sehenswert sind die Auftritte der Gäste, die das Gespräch immer wieder auflockern. Sehenswert auch deshalb, weil sie in 1a-schwarz-weiß-Ästhetik gefilmt sind.

Die Gäste: eingeladen werden tatsächlich handverlesene KünstlerInnen, zum Teil aus dem selben Kontext, aber dann auch aus gutem Grund: weil sie sich selbst empfehlen. Es ist toll, Tim Neuhaus nicht nur aus dem Grand Hotel Newsletter zu kennen, sondern auch von anderer Stelle empfohlen zu bekommen.

Sonst so: “Die Leute im Fernsehen würden es gern sehen, wenn wir zu den Sternen gehen” – das ist Stil schon im Titellied. Und die letzten Zeilen von Tex’ Eigenkomposition gehen so: “die Leute im Fernsehen wollen, dass Dein Leben nicht mehr lausig ist”.

Kurz + Knapp: 90 Minuten, jeden Sonntag auf ZDF.kultur
tvnoir.de