Und mein Name ist Mensch

Das LE Freedom Project

„25% für die AfD in Sachsen“, „ChemnitzClausnitzHeidenau“ sind die Schlagzeilen auf der einen Seite.Wir bleiben hier“, „Wir sind mehr“, „Fresse zeigen statt Fresse haltensind die Gegenstimmen auf der anderen Seite. Die mit der positiven Energie. Die, die gerade jetzt vor der Landtagswahl mit Kreativität sagen: „Positionier Dich – ‚die Anderen‘ tun es auch. Geh wählen – ‚die Anderen‘ tun es auch“. In diesen bunten Reigen reihen sich auch die 32 Künstler und Künstlerinnen des LE Freedom Project ein, einer gemeinsamen Produktion und Interpretation des Amnesty-International-Benefiz-Songs „A Toast To Freedom“. Die Beteiligten kommen alle aus Leipzig. Das sind zum Beispiel Florian Becker von „I came from the sun“, Timm Völker, Karoline Kalbitz, Jan Oelmann von „Bube,Dame, König“ oder Alia Thon. Die musikalischen Geburtshelfer des Projektes sind aber Stefan Saffer und Martin Riebel, wie Martin erzählt:

„Das Projekt ist so zustande gekommen, dass ich und Stefan Saffer vor wenigen Wochen bei einer Pizza zusammen saßen, uns über Politik unterhielten und uns gegenseitig von unserer Angst vor den Rechtsradikalen erzählten. Nun sind wir keine politischen Aktivisten, aber ganz gut vernetzte Künstler. So haben wir einen großen Rundruf gemacht und innerhalb kürzester Zeit haben sich 30 Leute gefunden, die sich auch zu dem Thema äußern wollten, die mitwirken wollten an diesem Projekt.“

Herausgekommen ist eine Produktion, wie es sie in ähnlicher Form vielleicht schon öfters gab. Weil die Zusammenarbeit der vielen Beteiligten Synergieeffekte erzeugt, nicht zuletzt Aufmerksamkeit. Und die will auch das LE Freedom Project. Sicher. Aufmerksamkeit FÜR Demokratie. FÜR Freiheit. FÜR Menschlichkeit.
Das positive FÜR setzt aber schon vorher an, beim MITwirken und MITeinander der Beteiligten.

„Wir wollten Leute zusammenbringen. Viele der beteiligten Musiker:innen kannten sich vorher auch nicht. Im Video siehst du Leute zusammen spielen und singen, die sich 15 Minuten vorher noch gar nicht kannten! Ist das nicht cool?
Das ist das Schöne daran: Die Leute blieben nach ihren Sessions in der Regel noch. Da wurde viel gequatscht – über Politik, über Musik, über alles möglich – und die Leute haben sich vernetzt. Ganz nebenbei sind so Künstler:innen zusammen gekommen, die sich sonst vielleicht nicht begegnet wären.
Das ist ja auch der Punkt bei der Demokratie: Man kann sich einfach zusammentun und gemeinsam etwas miteinander gestalten – das geht eben wegen der Kunstfreiheit.“

Genau so zusammenführend sollte der Song auch wirken, als er 2012 zum 50. Geburtstag von Amnesty International veröffentlicht wurde. Es ging dem LE Freedom Projekt nicht darum, eigens einen Wahlsong zu schreiben. Entscheidend war es, die Frage nach dem Wie-wir-leben-wollen zu stellen und das Unbehagen zu artikulieren, das die Beteiligten bei manchen gesellschaftlichen Entwicklungen haben.
Martin Riebel erklärt:

„Ich finde den Anknüpfungspunkt an so ein internationales Projekt ganz naheliegend. Den Song hat Carl Carlton ja geschrieben, damit er weltweit als kleine Leuchtfeuer der Freiheit aufgenommen und veröffentlicht werden soll. Sachsen fühlt sich für mich im Moment wie ein Spiegel weltweiter Entwicklungen an: Sachen verändern sich in der Welt – im Moment scheinen Problemlagen zu überwiegen. Wir als Deutsche und Europäer haben dazu auch ordentlich beigetragen. Wir haben Parteien gewählt, die Waffenexporte in Krisengebiete machen, machen Kurzstreckenflüge von Berlin nach München, kaufen Billigfleisch von Firmen, die die Abfälle als Lebensmittel in afrikanische Länder weiterverkaufen und so die dortige Landwirtschaft kaputt machen, …
Politisch gibt es weltweit in rechtsradikalen Lagern eine große Tendenz dazu, vor diesen Zusammenhängen die Augen zu verschließen, die Schuld den Fremden, den Ausländern, der jüdischen Weltverschwörung oder dem Islam zu geben. Die Leute werden so immer mehr aufgestachelt und fangen an, ohne eigentlichen Grund total scheiße zu anderen zu sein.
Uns war es wichtig, mit dem Song auf die einende Kraft von Freiheit hinzuweisen. Und da ist es Wurst, ob du in Paris, Daressalam, Aleppo oder Droyßig lebst.
Wir alle leben nur gerade in Sachsen und äußern uns deshalb aus Sachsen heraus.“

Und ja, man könnte zusammen mit Kai Niemann diesen Tendenzen den kleinen Finger entgegen strecken.
Man kann aber eben auch einen Toast auf die Freiheit und Demokratie aussprechen. Oder mit Sebastian Krumbiegel die weibliche Demokratie feiern oder die eigene Fresse in Antje Krögers Kamera halten. Selten hat eine Landtagswahl so viele kreative Projekte hervorgebracht. Dabei darf man die Songs auch cheesy finden oder catchy, panne oder fett. Immer sagen sie: Toleranz, Gleichheit und Freiheit sind sexy. Und wer dagegen etwas sagt, sieht selten gut aus. Die Beteiligten des LE Freedom Projects wollten, statt nur über ihre Angst vor immer mehr Rassissmus zu sprechen, etwas dagegen tun. Wenn sie mit „Toast To Freedom“ erreichen, dass nicht nur ‚die Anderen‘ wählen gehen, sind sie schon einen Schritt weiter gekommen.
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Die Beteiligten

Andere Projekt


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